Full text: Lebenserinnerungen von Christoph Heinrich Pfaff, Doctor der Philosophie und Medicin ...

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2 . 
C %x . Kielmeyer an Chr . Pfaff . 
Stuttgart , den 27 . März 1794 . 
Hätte ich das Schneiderhandwerk erlernt , und damit zu - gleich die gewiß hohe Kunst , einfältig fromm zu bleiben und die Religionsgefühle und Überzeugungen der Kinderjahre nie gegen die Waare eines helleren , aber auch kälteren Verstandes zu ver - tauschen — gewiß , ich kehrte noch heute , ohngeachtet es schon auf 11 Uhr ( Nachts ) geht , im Anblick des gestirnten Himmels , wie einst der gute Stilling , zu Meister Jsak zurück , ich würde mich von den Büchern an den Handwerkstisch machen , und mit wahrerer und innigerer Einpsindung als sonst ausrufen : tarnen illic vivere vellem , oblituaque meorum oblivisceridus et illis , Neptunum procul e terra speetare furentem . Dieses treten in ein solches menschenleeres Asyl ist mir aber , so kommen es mir in meiner gegenwärtigen Lage wäre , versagt , und versagt , weil ich nicht dahin zurücktreten kann , wo ich nie war . Ich muß also den einmal im Lauf der Dinge angetretenen Gang fortsetzen , zum Theil mit Widerwillen , zum Theil mit Willen . Ich komme daher , bleibe ich bis dahin gesund , im May nach Göttingen , setze vielleicht in wenigen Tagen meinen Stab weiter von da , wohin * ) weiß Gott vielleicht allein be - stimmt , auf jeden Fall an einen Ort , wo ich meine Waare feil bieten oder wenigstens die zum Absatz nöthige Corre - spondenz besorgen kann und Zeit habe , den Kummer , der im Gedränge der Menschen auch mir wie Anderen zu Theil wurde , der Luft zu übergeben oder an den Meistbietenden zu veräußern . Dieß ist im Allgemeinen mein Borsatz , ich setze ihn wiederholt hier her , nicht daß Du ihn anderen Leuten sagst , denn damit , so wenig Geheimnißvolles darin ist , geschähe mir kein großer Dienst , sondern nur Dir einigermaßen einen Grund anzugeben , warum ich so wenigen Correspondenz - Eifer zeige . Komme ich 
" ) Ick ) bitte , mir dieserwczen ja keinen warnenden oder furchtsamen Rath zu geben : ich bedarf solchen nicht .
	        

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