311
2 .
C %x . Kielmeyer an Chr . Pfaff .
Stuttgart , den 27 . März 1794 .
Hätte ich das Schneiderhandwerk erlernt , und damit zu - gleich die gewiß hohe Kunst , einfältig fromm zu bleiben und die Religionsgefühle und Überzeugungen der Kinderjahre nie gegen die Waare eines helleren , aber auch kälteren Verstandes zu ver - tauschen — gewiß , ich kehrte noch heute , ohngeachtet es schon auf 11 Uhr ( Nachts ) geht , im Anblick des gestirnten Himmels , wie einst der gute Stilling , zu Meister Jsak zurück , ich würde mich von den Büchern an den Handwerkstisch machen , und mit wahrerer und innigerer Einpsindung als sonst ausrufen : tarnen illic vivere vellem , oblituaque meorum oblivisceridus et illis , Neptunum procul e terra speetare furentem . Dieses treten in ein solches menschenleeres Asyl ist mir aber , so kommen es mir in meiner gegenwärtigen Lage wäre , versagt , und versagt , weil ich nicht dahin zurücktreten kann , wo ich nie war . Ich muß also den einmal im Lauf der Dinge angetretenen Gang fortsetzen , zum Theil mit Widerwillen , zum Theil mit Willen . Ich komme daher , bleibe ich bis dahin gesund , im May nach Göttingen , setze vielleicht in wenigen Tagen meinen Stab weiter von da , wohin * ) weiß Gott vielleicht allein be - stimmt , auf jeden Fall an einen Ort , wo ich meine Waare feil bieten oder wenigstens die zum Absatz nöthige Corre - spondenz besorgen kann und Zeit habe , den Kummer , der im Gedränge der Menschen auch mir wie Anderen zu Theil wurde , der Luft zu übergeben oder an den Meistbietenden zu veräußern . Dieß ist im Allgemeinen mein Borsatz , ich setze ihn wiederholt hier her , nicht daß Du ihn anderen Leuten sagst , denn damit , so wenig Geheimnißvolles darin ist , geschähe mir kein großer Dienst , sondern nur Dir einigermaßen einen Grund anzugeben , warum ich so wenigen Correspondenz - Eifer zeige . Komme ich
" ) Ick ) bitte , mir dieserwczen ja keinen warnenden oder furchtsamen Rath zu geben : ich bedarf solchen nicht .

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.