Full text: Lebenserinnerungen von Christoph Heinrich Pfaff, Doctor der Philosophie und Medicin ...

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dem dortigen Publicum . Diesesmal benutzten wir von Hamburg aus , statt eines Dampfschiffes nach Magdeburg , ein eisernes Dampfboot , das aus der Elbe in die Havel seinen Cours nach Potsdam nahm , uns sehr gerühmt war , und unserer Erwartung auch entsprach . Von Potsdam brachte uns die Eisenbahn schnell nach Berlin . Während meine Frau einen Ausflug nach Potsdam und Sanssouci , sowie nach dem reizenden Charlottenburg u . s . w . machte , benutzte ich die Gelegenheit , geleitet durch einen Neffen , bei einigen der ausgezeichneteren Professoren zu hospitiren . 
Bon des berühmten Schelling's Vorlesung ist schon früher die Rede gewesen , Steffens zeichnete sich durch die außerordent - liche Lebendigkeit seines ganz freien Vortrages aus , an welchem jedoch der scandinavische Dialect nicht zu verkennen war , und aus welchem ich kein eigentliches Resultat gewann . Vatke , mir als von den Studierenden besonders geschätzt em - pfohlen , war in seinem ruhigen Vortrage der Religionsgeschichte , in welcher von China und Japan grade die Rede war , sehr unterhaltend . Des berühmten Geographen Ritter's Vor - lesung erschien mir in ihrem ruhigen Strome , und in ihrer plastischen Objectivitat als ein hohes Muster ; dagegen contrastirte damit auf eine höchst wunderbare Weife die Art des Vortrages des berühmten Historikers Ranke , auf den ich besonders gespannt war , da ich seine Geschichte der Reformation mit so hohem In - tereffe gelesen hatte , durch die höchst geschraubte Declamation , bei welcher die Perioden in der Mitte coupirt wurden , und die Betonung oft etwas sehr Auffallendes hatte , so daß mir der größere Theil unverständlich blieb ; doch versicherte mir mein Neffe , daß man sich bald daran gewöhne und dann durch den reichen Inhalt entschädigt werde . In Leipzig hatte ich die Freude , meine liebe Tochter Ottilie in ihrem häuslichen Kreise zu umarmen ; wiederholte Spaziergänge mit ihr und ihrem Manne , vorzüglich in das sogenannte Rosenthal , gewährten uns eine angenehme Zerstreuung . Freudig wurde ich auch überrascht , den trefflichen Fechner , den ich früher in seinem so verzweifelten Zustand mit seinen Augen angetroffen hatte , nun fast gänzlich mit wieder hergestelltem Sehvermögen zu finden . Unser fernerer Weg führte uns über Altenburg , Zwickau , durch einen höchst
	        

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