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licher Mann , mit etwas heiserer Stimme mehrere Couplets zur Feier des Tages vorsang . Nach beendigter Tafel wurde eine Fahrt auf dem schonen Genfersee vorgenommen . Die am fol - genden Tage stattfindende Musterung des ganzen Bürgermilitairs war sehr imposant , da neue Fahnen ausgetheilt wurden , wo - bei die überraschende Scene vorkam , daß einer der Bürgerfol - baten plötzlich aus den Reihen hervortrat und vive la liberte ! ausrief , welches die Herren Chefs einigermaßen in Verlegenheit fetzte , die ihn schnell zur Ordnung zurückführten .
Eine der interessanten anwesenden Personen , die meine Auf - merkfamkeit besonders auf sich zog , war der spätere Präsident der griechischen Republik Capo d'Jstria , der unter dem Mord - stahl seiner eifersüchtigen Landsleute fiel . Von Genf nahmen wir unfern Weg über Vverdun , wo ich den ehrwürdigen Pesta - lozzi einsam nun in seinem sonst als Erziehungsanstalt so be - lebten Schlosse vorfand . Er war eine gebrochene Größe , die nur tiefes Mitleiden einflößen konnte . Er beklagte sich bitter über den Undank seiner früheren Mitlehrer , die zum Theil seine Schüler gewesen waren , und begleitete mich , ganz weichmüthig geworden , die Treppe hinab . Damals stand einer dieser Mit - lehrer , Niederer , einem großen weiblichen Erziehungsinstitute vor , der mir freilich ein ganz anderes Bilv von der grenzenlosen Leidenschaftlichkeit und Parteilichkeit Pestalozzis für einzelne Individuen , namentlich einen gewissen Schmidt und feine Schwester entwarf , welche die Trennung von dem Meister unvermeidlich gemacht hätten . In Bern machte ich die mir sehr werthe Be - kanntschast des damals noch sehr jungen Professors der Chemie Brunner , der sich durch seine Arbeiten einen wohlverdienten Ruf in seinem Fach erworben hat .
Von Bern machte ich einen Ausflug nach dem bekannten landwirthfchaftlichen Institute zu Hofwyl , wo ich von dem Stifter und Eigenthümer desselben , Fellenberg , sehr freundlich aufgenommen wurde . Dieser , durch seine Würde und Ruhe mit dem so aufgeregten Pestalozzi merkwürdig contrastirende Mann theilte jedoch mit ihm den schönen Eifer , durch eine zweckmäßigere Erziehung das Volk zu heben , und hatte mit

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