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so sprechendes beseeltes Auge gesehen . Bei einem Mittagsmahle , an welchem auch Schleiermacher Theil nahm , hatte ich Vielsache Gelegenheit , das attische Salz , und die geistreiche Heiterkeit der Unterhaltung , die von diesen beiden Koryphäen unserer Literatur vorzüglich geführt wurde , zu bewundern . Doch kann ich nicht läugnen , daß für einen eigentlichen Staatsmann Niebuhr mir zu beweglich und zu offen schien , es war ein großes Glück für die Wissenschaft , daß er den Staatsgeschäften den schönen Beruf eines academischen Lehrers in Bonn vorzog , wo er den reichlichsten Beifall erndtete . Ich erlebte damals in Berlin die ersten Schläge der Reaction , welche von der Aristokratie ausgingen , und dann bekanntlich unaufhaltsam fort - schritten . Es wurden nämlich der enthusiastische Turnmeister Jahn und von Massenbach eingezogen . Bei meiner damaligen politischen Exaltation , und Angesichts der eben erwähnten Ein - griffe in die persönliche Freiheit , die ich der höheren Aristokratie und Diplomatie zuschrieb , glaubte ich meiner Gesinnung das Opfer bringen zu müssen , zweien hochgestellten Männern , näm - lich dem preußischen Staatsminister Grafen von Bernstorf , der mir schon früher in Copenhagen , so wie später in Kiel viel Freundlichkeit erwiesen , und dem damaligen dänischen Gesandten , Grafen v . Reventlow dem so bewährten , dem Leser aus den früheren Mittheilungen hinlänglich bekannten hohen und edlen Gönner , während nieines Aufenthaltes in Berlin nicht die schul - dige Aufwartung zu machen . Welche Bersäumniß Letzterer , wie ich später erfuhr , tief empfand , wodurch eine Kluft zwischen uns entstand , die auch durch eine spätere Annäherung nie wieder ganz gut gemacht werden konnte , welches mir bei meiner Aerehrung für den Grafen sehr schmerzlich war .
Auf meiner ferneren Reise war Freiberg im Erzgebirge für mich ein interessanter Punct , und wurde es noch besonders da - durch , daß ich daselbst unerwartet mit dem berühmten Berzelius zusammen traf . Seine ganz skandinavische , offene , freundliche , kluge Physiognomie mußte unwiderstehlich für ihn einnehmen . Durch seine lehrreichen Bemerkungen wurde mir die Durch - Musterung der dortigen reichen Sammlungen , besonders des Nachlasses des unsterblichen Werner , doppelt interessant . Wir

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