Full text: Lebenserinnerungen von Christoph Heinrich Pfaff, Doctor der Philosophie und Medicin ...

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bedeutendsten Männern seiner Zeit , Lessing , Goethe , Mendelssohn , mj 
Hamann und Anderen im genauesten Verkehr gestanden hatte . ^ 
Nicht unerwähnt kann ich es hier lassen , daß ich zuerst durch ess 
Jacobi auf die Lectüre der Schriften Jean Paul's hingewiesen un 
wurde . wi 
In den drei Jahren meines Aufenthaltes in Italien und 3U 
in meiner ländlichen Zurückgezogenheit in Heidenheim war mir yg dieser geniale Mann ganz unbekannt geblieben . In Leipzig zog 
er zuerst meine Aufmerksamkeit auf sich , als ein Freund mich auf „ u 
ihn hinwies , und seine großen ausdrucksvollen Augen mich i „ 
wunderbar anstarrten . Jacobi eröffnete mir nun erst diesen gg 
Schatz und die Lectüre des Kampaner Thales , des Titans , der hg Hundsposttage , des Siebenkäs , des Quintus Fixlein u . s . w . begeisterte mich in dieser Zeit . In späteren Jahren mußte ich 
die Erfahrung machen , welche sich so oft wiederholt , daß sich der ^ei 
Sinn für so Manches verliert , was früher so mächtig anzog , ^ und die nicht zu läugnende Unclassicität seiner Romane , in denen 
dem Geschmack so oft Gewalt angethan wird , und die gesuchte j , a 
Ueberladung mit ( Straten aus allen Fächern des Wissens ver - ^ 
kümmerte nur zu sehr die Wirkung seiner meisterhaften Natur - ^ 
schilderungcn , und der Entfaltung der zartesten Saiten des ^ 
Herzens . Jacobi's unzertrennliche Gefährtinnen waren seine ^ 
beiden Schwestern . Die ältere Helene , mit einem höchst klugen , Pj 
aber fast stechenden Blicke , männlichen Geiste , entschieden , aber sjjj 
auch nicht selten schroff in allen ihren Urtheilen , die oft verdam - die mend aussielen ; die jüngere Charlotte , die mehr weiche , und fast sentimentale Seite ihres Bruders darstellend . Sehr schätzbar 
war mir auch die Bekanntschaft des trefflichen Reimarus , des er Musterbildes , eines biederen , verständigen , patriotischen Bürgers 
einer freien Stadt , der , bei seinen Verdiensten um die Wissen - ein 
schaft , sür welche namentlich seine zwei Schriften über den Blitz un 
und seine sichere Ableitung ein unvergängliches Denkmal liefern , bje die größte Bescheidenheit zeigte , und der mich in mancher Hin - ficht an Benjamin Franklin erinnerte . Er war ein in hohem Grade geachteter Arzt , ohngeachtet er von aller Charlatanerie ganz frei war , und selbst durch eine gewisse Zerstreutheit und 
Vergeßlichkeit fast scherzhafte Blößen gab . So erzählte man de - 
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