Full text: Lebenserinnerungen von Christoph Heinrich Pfaff, Doctor der Philosophie und Medicin ...

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frug . Ich ward aus meiner Ueberraschung sehr bald gerissen durch die Erklärung , daß er selbst Graf Reventlow sei . So ward ich von ihm in sein eigenes Wirthshaus begleitet , wo ich von seiner Gemahlin , der meiner Sorge übergebenen Kranken , auf das freundlichste empfangen wurde . Von unserer ersten sehr interessanten Unterredung führe ich nur als charakteristisch für dieselbe an , daß , als wir auf Schiller zu sprechen kamen , und ich ihn als meinen Lieblingsdichter pries , sie bemerkte , daß der - selbe allerdings die Menschheit wie eine schöne Blume in der Hand trage , für die aber das Gefäß mit der nährenden Erde , ( das Christenthum ) , fehle . Der Hauptzweck meiner Zusammen - kunst war , mich mit dem berühmten Leibarzte des Chursürsten von Mainz C . L . Hoffmann , der mit seinem Herrn seine Zu - flucht nach Aschaffenburg genommen hatte , über die Krankheit des Grafen Reventlow zu berathen . Dieser Arzt war dem Grafen von der Fürstin Gallitzin und dem berühmten F . H . Jacobi , dringend empfohlen worden . Er hatte früher seinen Aufenthalt in Münster gehabt und sich das höchste Ansehen und Vertrauen unter seinen katholischen Glaubensgenossen erworben , für die er durch seine Unfehlbarkeit und feinen doctrinairen Dogmatismus wie geschaffen war . 
Der ärztlichen Welt ist er durch mehrere ausgezeichnete Schriften , aber auch durch seine seltsamen Theorien und bizarre Hypothese , namentlich die nur einmalige Ansteckung der Blattern betreffend , hinlänglich bekannt . Bei seinem großen ärztlichen Renommee wurde er als Leibarzt nach Mainz berufen . Hierüber ist mir nun folgende Anekdote als verbürgt erzählt worden . Es war ihm wohlbekannt , daß die hypochondrischen Beschwerden seines neuen Kranken , des Chursürsten , zum Theil mit von dem etwas reich - lichen Genuß des vortrefflichen Rheinweins herrührten . Nach seiner Ankunft in dem ihm im Schlosse angewiesenen Quartiere war sein Erstes , es sich bequem zu machen , sich in den Schlafrock zu werfen und feine Pfeife anzuzünden . Der Hofmarschall , welcher ihn begrüßen sollte , war nicht wenig bestürzt , als er den Tabacks - dampf aufwirbeln sah . Er äußerte gegen den neuen Leibarzt , daß dem Chursürsten nichts mehr wie Tabacksrauch zuwider
	        

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