Full text: Lebenserinnerungen von Christoph Heinrich Pfaff, Doctor der Philosophie und Medicin ...

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fte lag , bereits vom Feuer ergriffen war , welches einen erschüt - ternden Anblick darbot , aber bei dem Zwischenräume zu ihr eine hinlängliche Zeit gewährte , um das Haus möglichst auszuräumen . Wir übernahmen die Rettnng der herrlichen Mineraliensammlung , und trugen die einzelnen Schiebfächer durch mehrere Straßen bis an eine Stelle , wo wir sie ? ls gesichert ansehen konnten . Welche außerordentliche Kräfte man in einem solchen Zustande der Spannung , wie der unsrige war , besitzt , erfuhren wir da - fcurch , daß wir den folgenden Tag dieselben Schiebfächer nur mit großer Anstrengung zu tragen vermochten . 
Ich kann diese Relation meines Aufenthaltes in Copenhagen nicht beschließen , ohne noch einige Bemerkungen , die ich über den Charakter und die Eigenthümlichkeit der Dänen zu machen Gelegenheit hatte , hinzuzufügen . Sie können als mehr teiisch gelten , da ich mich in einem durchaus neutralen Ver - hältniß zu denselben befand . Bei der Charakteristik einer Nation °iuß man jedoch nie die Warnung Benzamin Franklin's ( dessen Nachgelassene Werke 1 . Bd . S . 428 ) vergessen , dieselbe nie nach einzelnen Erscheinungen und gewissen hervorragenden Individuen bestimmen zu wollen , und er tadelt mit Recht diejenigen , die nach einer solchen einseitigen Auffassung die Spanier als grausam , die Engländer als stolz , die Schotten als grob , die Holländer ö's geizig , endlich die Franzosen als leichtfertig bezeichnen . Es indessen nicht zu läugnen , daß mit der Stammesverschiedenheit und nach den besonderen geographischen Verhältnissen gewisse tümlichkeiten nothwendig gegeben sind . So übt namentlich die " Mansche Lage Seelands und seiner Hauptstadt Copenhagen , die bier das Uebergewicht hat , mir deren Bewohnern besonders aus dem gebildeten Stande , die ich hier zunächst vor Augen babe , unstreitig ihren Einfluß aus , und hat eine einseitige Vor - liebe für die dortigen Einrichtungen und gelehrten Anstalten zur Folge , da die Dänen ihre Studien regelmäßig nur auf der Universität zu Copenhagen absolviren . Eben davon ist auch eine Rivalität , und leicht eine gewisse Herabsetzung alles dessen , was deutsch ist , die Folge . 
Es wird dieser National - Antagonismus noch mehr hervor - gerufen durch das so natürliche Streben eines kleineren Volkes ,
	        

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