Full text: Lebenserinnerungen von Christoph Heinrich Pfaff, Doctor der Philosophie und Medicin ...


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frühe seinem Brustübel , indem er schon im Jahre 1800 in Schwedt seinen Tod fand . Ich kann es mir nicht versagen , hier einen Zug seines gutmüthigen Humors anzuführen . Die Frau Brun hatte zu unserer Gesellschaft auch den Professor der Physik Schräder , bekannt durch seine Geschicklichkeit in Verfertigung von Spiegelteleskopen , fast . vollkommen taub , zum Mittagsessen geladen . Kapellmeister Schulze , dem dieser letzte Umstand unbe - kannt war , hatte sich mit Schräder in ein Gespräch eingelassen . Dieser unterließ nicht , in die Unterhaltung auf das freundlichste einzugehen , jedoch waren seine Anstrengungen ganz verkehrt , da er nichts von dem Gespräch verstand . Schulze , der dieses seiner gedämpften Stimme zuschrieb , verstärkte dieselbe möglichst , jedoch mit keinem besseren Erfolge . Beim fortgesetzten Versuche bekam er Blutspeien ; nun merkte er , woran die Schuld lag , und mit dem gutmüthigsten Lächeln und ohne ein Zeichen von Mißstim - mung murmelte er nur vor sich hin : nun lieber Schräder weiß ich woran ich bin , welcher Letzterer jedoch nicht dadurch abgehalten wurde , in seiner Selbsttäuschung zu beharren , als verstehe er seinen Gegenredner , und er setzte einseitig die Unterhaltung fort . 
^ Graf Reventlow zu Emkendorf , der zu dieser Zeit seiner Gesundheit halber mit seiner Gemahlin , die selbst sehr leidend war , eine Reise nach Italien beabsichtigte , und besonders für letztere einen Reifearzt suchte , wurde sowohl von dem Archiator Hensler , als von meiner Reisegesellschaft auf mich in dieser Be - ziehung aufmerksam gemacht , und ließ durch Ersteren einen Vor - schlag an mich gelangen , auf welchen ich einging . Der erste Brief des Grafen an mich gab schon jene noble Gesinnung kund , die ich im Folgenden mehrfach zu rühmen Gelegenheit haben werde . Ich komme nun noch mit einigen Worten auf meinen weireren geselligen Umgang in Kopenhagen zurück . Vor Allem muß ich ein sogenanntes Sonntagskränzchen hervorheben , aus welchem leider Schulze durch seine Reise eben ausgeschieden war , aber als seine Stellvertreter«'» seine Gattin hinterlassen hatte , die reizendste Blondine , welche ich jemals sah , und die mehr als einem Manne den Kopf verdrehte . Dieses Kränzchen bestand großentheils aus angesehenen deutschen Beamten verschiedener Kollegien , auch war der bekannte Virtuose Weise und mein Freund
	        

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