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wal recht hineingezogen wurde . Es waren allerdings , mit Aus - " ahme einiger sehr gebildeten dänischen Judcnsamilien , deutsche Häuser , in denen ich unvergeßliche Stunden verlebt habe . Ich muß hier vor allen die Familie des Bischofs Munter und des Banquiers Brun , dessen Frau , die Schwester des Bischofs , die berühmte Friederike Brun war , hervorheben , um so mehr , da diese Bekanntschaften einen so großen Einfluß auf mein künftiges Lebensschicksal hatten . Der Bischof Münter war , was man übrigens seiner Physiognomie nicht ansah , ein höchst gelehrter Mann , und sogar in den Keilschriften von Perfepolis bewandert , weswegen ihm seine Frau scherzhafterweise oft diesen letzteren Namen gab . Er war in Deutschland geboren , aber in frühe - ster Zeit nach Kopenhagen übersiedelt , wohin sein Vater als Prediger bei der deutschen Petrigemeinde berufen worden war , der leibst auch in großem Ansehen stand , und auch durch seine Schrift über die Bekehrung Struensee's in größeren Kreisen bekannt ge - worden ist . Trotz seines deutschen Geburtsortes bezeichnete sich Münter immer als Havniensis . Er war zur hohen Würde eines Bischofs von Seeland gelangt , zeigte übrigens äußerlich keine Prälatenwürde , war ein höchst redlicher Mann , und in seinen reli - giösen Ansichten gemäßigt . Heber seine große Zerstreutheit cursirten mancherlei amüsante Anecdoten . Einmal war er , so sagte man , ausge - gangen und hatte vorher auf die verschlossene Thür seines Zimmers geschrieben : Der Bischof ist nicht zu Hause . Bei seiner späteren Rückkehr starrte er diese Ueberschrift an und verließ das Haus^ wieder . Ein anderesmal war er , nach der Erzählung , bei seinem SBege auf dem Trottoir mit einem Fuß in die neben ihm besind - liche Gosse gekommen , und setzte auf diese Weise seinen Weg fort , daß ein Freund in seinem Hause sich besorgt erkundigte , ob dem Bischof etwas widerfahren , da er über die Straße gehinkt sei . Auch Oehlenfchläger führt in seinen Erinnerungen einige charakteristische Anecdoten hierüber an .
Mit ihrem Bruder , der im Ganzen prosaisch auftrat , con - ^rastirte in hohem Grade seine Schwester , die so bekannte Friede - r>ke Brun ; sie entbehrte aller Schönheit , aber ersetzte diesen Mangel durch einen Ausdruck von sast übertriebener talität , so wie sie in ihrem ganzen Verhalten , besonders in der
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