Full text: Festschrift zum 80. Geburtstage des Herrn Geheimen Regierungsrats Prof. Dr. Karl Möbius in Berlin

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H . J . Kolbe . 
der Coprophagen llgliedrige Antennen vor ( Subfam . Geotrupinae und Tleocominae ) . In den übrigen Familien ( Melolonthidae , Bute - iidae , Dynastidcie , Cetoniidae etc . ) sind einige Antennenglieder einander verschmolzen , ihre Zahl ist daher reduziert . Das ist auch bei den meisten Coprophagen der Fall . Die Geotrupinen und Pleo - cominen stehen daher auf der untersten Stufe des Coprophagen - Typus , also auf der untersten Stufe der Lamellicornier überhaupt . 
Es ist nun auffallend , daß gerade die Angehörigen der untersten Stufe des Lamellicornier - Typus sich von Dejektionen herbivorer Säugetiere ernähren . Das ist an sich nicht ein Zeichen von einer primären Lebensweise ; man könnte das Dungfressertum eher für eine sehr derívate Gewohnheit halten . Es ist aber auch geradezu unwahrscheinlich , daß die Angehörigen der untersten Stufe sogleich als Dangfresser aufgetreten seien . Das Bessere wird ab initio dem Schlechtem gewöhnlich vorgezogen , und erst bei Gelegenheit , scheinlich durch die Umstände gezwungen oder veranlaßt , werden manche Gattungen zu Fäulnisprodukten als Nahrungsmitteln gegangen sein . Die Gewohnheit wurde dann ihre Amme . Aber wir haben noch lebende Zeugen der primordialen Vegetabiliennalirung , welche , den untersten Stufen der Coprophagenorganisation hörend , uns begreiflich machen , wie die Coprophagen Dungfresser geworden sind . 
Man mag es bisher zwar als extraordinäre , aber wohl nur als eine zufällige Tatsache aufgefaßt haben , daß Lethrus Blätter und junge Triebe von den Pflanzen , z . B . Löwenzahn ( Taraxacum ) und Weinrebe ( Vitis ) oder auch verschiedener anderer Pflanzen , abbeißt und dann in seine Brutkammern schleppt , wo sie den Larven zur Nahrung dienen sollen . Die Brutkammern liegen in dem untern , vertikalen Teile eines tiefen Ganges , den beide Geschlechter in trocknen Boden graben . Der Gang ( Brutgang ) verläuft erst etwa 25—30 cm lang schräg , dann 50 - 60 cm lang senkrecht . In diesem Teile werden an den Seiten 6—8 Kammern von der Größe eines Taubeneies angelegt und von dem weiblichen Käfer mit einem ebenso großen Futterballen ausgefüllt , in dessen Mitte das Ei gelegt wird . Der Futterballen genügt der Larve bis zur vollen Entwicklung , wozu sie etwa 3 Monate ( von Ende April oder Mai bis Ende Juli oder August ) nötig hat . Jeder Brutgang wird nur von einem Paar bewohnt , wie schon Fischer von Waldheim ( in : Ent . Russ . , 1820 , V . 1 p . 135 ) schreibt . Vor dem Eingange in den Brutgang hält das kampfesmutige Männchen Wache , um jeden
	        
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