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Richard Bethge .
eben die hundertschaft , um den gauriehter versammelt habe . Aber dieser auffassung , die späteren einrichtungen zu liebe erdacht ist , fehlt in den worten des Tacitus jeder boden . Von anderen minder bedeutenden versuchen , das angebliche „ mifs - verständnis " des Tacitus aufzuklären , sehen wir hier ab ; den aus weg aus der Verlegenheit , den der neueste darsteller der deutschen urzeit1 ) gefunden hat , die angabe des Tacitus fach als keine beachtung verdienend zu ignorieren , mit drücklicher ablehnung der versuche , sie aus einem mifs - verständnis zu erklären , erwähnen wir nur als kuriosum . Den ausgangspunkt für das urteil dieser rechtssystematiker bildet stets die Wahrnehmung , dafs ein solcher „ gerichtsrat " innerhalb der einzelnen gaue , wie ihn Tacitus behauptet , unvereinbar sei mit dem grundgedanken der germanischen gerichts - verfassung , welcher gebieterisch den zusammentritt der ganzen gerichtsgemeinde zum gerichtshofe erheische . Uns läfst diese behauptete Unvereinbarkeit der taciteïschen hundertschaft mit dem grundgedanken der germanischen gerichtsverfassung völlig kalt ; es läge ja nahe , diesen als das ergebnis einer entwicklung in den jahrhunderten zwischen Tacitus und den ältesten auf - zeichnungen germanischer volksrechte aufzufassen , aber wir verzichten auf diese ausflucht , erkennen vielmehr bereitwillig die mitwirkung der gesamten gerichtsgemeinde bei der recht - sprechung bereits der taciteïschen zeit zu ; das landding als träger der hohen gerichtsbarkeit ( Germ . c . 12 ) ist ja der greifliche beweis dafür . Das irrt uns nicht . Eine historisch gewordene Verfassung ist in keinem Zeitpunkte ihres bestehens ein widerspruchslos aus einem „ grundgedanken " abgeleitetes system , wie es als ideal lediglich in den köpfen der rechts - theoretiker lebt , sondern enthält stets einander widersprechende elemente vergangener und keime zukünftiger entwicklungsstufen . Die demütigen formen , unter denen in England die bestellung
* ) W . Schultze in Gut s che u . Schultze , Deutsche geschichte von der urzeit bis zu den Karolingern I 332 .

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