Die altgermanische hundertschaft .
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hundert mann besetzte gebiet und eben daher den namen „ hundertschaft " behalten habe ; durch den ihm zu ohren kommenen zahlausdruck irregeleitet , habe Tacitus die gesamt - heit der manner einer solchen hundertschaft , d . h . eines gaues , die an den gerichtstagen um den gaufürsten sich sammelte , als einen hunderterausschufs aus der gaugemeinde aufgefafst . Die haltlosigkeit der Waitzschen auffassung hat Brunner1 ) mit inneren und äufseren gründen kurz und bündig gewiesen ; besonders einleuchtend und fruchtbar ist seine nähme , dais ein „ gau " das ursprüngliche niederlassungsgebiet einer grofsen , geschlossenen heeresabteilung von 1000 mann war , einer tausendschaft , wie wir sie — im gegensatze zu den blofs angenommenen abteilungen von hundert mann — bei Ost - und Westgermanen thatsächlich kennen . Uns erscheint diese annähme als unabweisbar angesichts der thatsache , dafs nach ursprünglich ohne zweifei gemeingermanischer Verfassung , wie sie Cäsar B . G . 4 , 1 bei den Sueben schildert , jeder gau jährlich eine tausendschaft — aufser einer hernach zu delnden elitetruppe von hundert mann — unter den waffen hielt . Diesen grofsen und geschlossenen heeresabteilungen gegenüber , die wir bei den Ostgermanen auch noch aus späterer zeit kennen , stehen die militärischen hundertschaften als durchaus unselbständige und untergeordnete verbände da , denen wir schon aus diesem gründe — anderer , der germanischen agrarverfassung entnommener gründe hier zu geschweigen — nicht die fähigkeit zuschreiben können , bei der landnahme ein gröfseres geschlossenes gebiet , einen gau , zu dauerndem anbau zu okkupieren . In den gerichtlichen hundertschaften nun sieht Brunner rein persönliche , ohne jede rücksicht auf lokale Zusammengehörigkeit der mitglieder schaffene verbände , deren es in jedem gau eine gröfsere anzahl gegeben habe ; jeder dieser verbände habe seine eigenen ge - richtstage gehabt , an denen sich die gesamte gerichtsgemeinde ,
' ) Deutsche rechtsgeschichte I § 16 , anm . 13 .
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