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Richard Bethge .
kündet das urteil ; insofern kann Tacitus mit recht von ihm sagen „ iura redâit " oder Cäsar Jus dicit " ; die wirkliche ur - teilsfindung aber ruht bei den hundert „ begleiternaus deren mitte nach anhörung der parteien Urteilsvorschläge gemacht werden ( consilium ) , deren einer durch Zustimmung aller oder der mehrheit zum endgiltigen urteil erhoben wird ( auctoritas ) und alsdann , um in kraft zu treten , vom gaurichter ohne riicksicht auf etwaige eigene abweichende meinung verkündet werden mufs . Ist somit die thätigkeit der hundertschaft im wesentlichen durchsichtig , so ist dagegen die form ihrer be - stellung , die art ihrer Zusammensetzung um so dunkler ; ging sie aus freier wähl der gaugenossen hervor ? übte der gaufürst auf ihre Zusammensetzung einen einflufs ? gab es einen durch die geburt erworbenen rechtstitel auf die mitgliedschaft ? Man könnte der fragen noch mehr aufwerfen ; aber bei dem mangel einerseits an jeder nachricht über die richterliche schaft aulser in der angeführten Tacitusstelle , andererseits an jeder analogie zu diesem gebilde in der späteren gerichts - verfassung müssen all diese fragen für unbeantwortbar gelten . So einzig anscheinend steht die taciteïsche nachricht da , so unvereinbar mit dem „ grundgedanken der germanischen ge - richtsverfassung " , dafs die modernen systematiker des manischen Staatsrechtes , juristen und historiker , um die wette sich bemüht haben , die klaren worte des Tacitus als mifs - verstandene auffassung und wiedergäbe eines ganz anderen that - bestandes darzustellen . Welcher art freilich der letztere gewesen sei , darübergehen die meinungen weit auseinander ; dafs aber überhaupt bei Tacitus ein mifsverständnis vorliege , darin weifs man sich so ziemlich einig . Am meisten Verbreitung hat die Waitzsche auffassung1 ) gefunden , dafs die territoriale centene der fränkischen zeit bereits der urzeit angehört habe und mit dem gau ( pagus ) identisch sei , der nichts sei als das bei der ersten landnahme von einer heeresabteilung von
' ) Waitz , Verfassungsgesch . I3 211 ff .

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