Full text: Beiträge zur Volkskunde

Zum 14 . Januar 1896 . 
Hochgeehrter Herr Geheimrat ! 
Ein halbes Jahrhundert fruchtbarster und faltigster wissenschaftlicher Arbeit liegt beute hinter Ihnen ; es giebt kaum ein Gebiet der germanischen lologie , das nicht durch sie berührt worden wäre . Aber ob nun Ihre Forschung dem germanischen Altertum , dem Mittelalter oder der Neuzeit , ob sie unserm deutschen Vaterland und seinen einzelnen Stämmen , oder ob sie dem skandinavischen Norden galt , immer war sie aus einem Geiste geboren , strebte sie einem Ziele zu . Im Geiste unseres ehrwürdigen Meisters Jakob Grimm haben Sie , niemals an einer einzelnen Seite unserer Wissenschaft haftend , dem Wesen germanischen Volkstums in seinen verschiedenen Erscheinungsformen nachgespürt , und seit Sie heute vor fünfzig Jahren mit einer Bearbeitung der kühnen poetischen Skizze nordgermanischer Weltanschauung , der Völuspa , in die Welt der Forschung eintraten , haben Sie in Mythus und Sage , in Sitte und Brauch , in Literatur und Schriftsprache , in Volksdichtung und Mundart den Pulsschlag germanischen Lebens gefühlt . So war denn die Wissenschaft , in deren Dienst Sie sich von jenem Tage an gestellt haben , recht eigentlich die germanische
	        
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