Full text: Revision der Streitsache des Herrn Hauptpastor Sturm mit dem Herrn Hauptpastor Goeze in Hamburg, oder Prüfung und Entscheidung der Frage: ist die Gewohnheit, Missethäter durch Prediger zur Vollziehung ihrer Todesstrafe begleiten zu lassen, nützlich oder schädlich? Nebst einer gelegentlichen Anfrage über die vernünftige und moralische Freyheit der Menschen

Absicht zweckwidrig , und aus eben dem Grunde auch wirklich schädlich und verwerflich . Ihre scheinbar gute Seite wird demnach von ihrer wirklich schlechten Seite bey weiten überwogen , und jene darf also gegen diese gar nicht in Betrach - tung gezogen , und nicht in Rechnnng gebracht werden . Es ist daher nun klar , 'daß der obige Grundsatz : „ alles dasjenige , was ans die wahre Bekehrung eines zum Tode vernrtheilten Missethäters , und aussein wirkliches Seeligwerden keinen wesentlichen ihm , inentbehrlichen Einfluß , und folglich auch keinen wesent - lichen und keinen bleibenden Nutzen für ihn hat , sondern bloß dazu dient , ihm seinen Hingang zum Tode zu erleichtern , und noch dazu seinen Missethätertod in den Augen der Zuschauer gleichsam zu verherrlichen ; das kann und darf nicht allein mit allem Rechte ihm versagt und entzogen werden , sondernder eigent - liche Endzweck der ihm gesetzmäßig zuerkannten Todesstrafe erfordert eS auch , daß es sorgfältig vermieden und davon gänzlich entfernt werde ; " daß , sageich , dieser Grundsatz bey der Predigerbegleitung seine richtige und sehr vernünftige Anwendung findet . Dieser Grundsatz bestimmt den Werth , den wir ihr bevznlegen Hal en , er bestimmt uns aber auch das entscheidende Endnrthell , daK wir über sie zu sprechen haben . Ich werde nicht nöthig haben , eS meinen itt fern vorzusprechen ; sondern ich kann eS sicher einem jeden überlassen , der meine Schrift mit nnpartheyifcher Wahrheitsliebe aufmerksam gelesen und mit Ver - stände sie geprüft hat . 
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Ich war anfänglich zwar willens , nnn auch noch die Schrift desHauptp . Goeze mit Bescheidenheit durchzugehn , und den Inhalt derselben einer genau - er» «nd umständlicher» Prüfung zu unterwerfen . Allein nach genauerer lieber * legnng finde ich das nun nicht mehr nöthig . Denn daS , waö bisher gejagt worden ist , wird jeden aufmerksamen und unpartheyischen Liebhaber der Wahr - Heiken und des Rechlö hinlänglich in den Stand setzen , die seinem Hrn . College» entgegengesetzte Schrift des Hrn . Hauptp . Goeze gründlich zu prüfen und sie richtig zu beurtheilen . Ich will also nur noch eine dreysache Anmerkung hinzu - setze» . 
Erste Anmerkung . Der Hr . Hauptp . Goeze sagt im Anfange seiner - Schrift : , , da die Frage : ob Missethäter von Predigen zum Tode begleitet werden müssen , aus klaren Stellen der heil . Schrift weder^>ejahet noch vernei - net werden kann ; so stehet eS den Gelehrten , ja allen verständigen Christen srey , über dieselbe eine Untersuchung anzustellen , und sie nach ihrer Ueberzeu - gung mit Ja , oder mit Nein , zu beantworten . " — Ich setze nur die kleine Bemerkung hier hinzu : hoffentlich wird also der Hrn . Hauptp . eS mir nun nicht verdenken können , daß auch ich dieser Freyheit mich bedient habe . — 5 C 2 Um'
	        
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