Full text: Revision der Streitsache des Herrn Hauptpastor Sturm mit dem Herrn Hauptpastor Goeze in Hamburg, oder Prüfung und Entscheidung der Frage: ist die Gewohnheit, Missethäter durch Prediger zur Vollziehung ihrer Todesstrafe begleiten zu lassen, nützlich oder schädlich? Nebst einer gelegentlichen Anfrage über die vernünftige und moralische Freyheit der Menschen

I . - • f 
I - . 
- 18 ' _ 
in Spiel treibt . Auch andere religiöse auf äussere Religionsgebräuche sich stei - fcude Vorukcheile sind bey dein grossen Haufen bey weiten noch nicht ben . „ Der Missethäter geht bey seinem Todesgange zwischen Predigern einher , die ihn nnterstüßen , für ihn beten , und ihn cinseegnen : alsogeht er desto sichc - rer und desto gewisser in den Himmel ein . " ES würde vergeblich seyn , diesen Aberglauben und diese Vorurtheile durch vernünftige Belehrungen angenblicklich ausrotten und vertilgen zu wollen . Wird man also nicht Gednld haben müssen , bis die Vorsehung mir der Zeit alles näher dazn einleitet , daß bessere ten über Aberglauben und Vorurtheile allmählig siegen und die Oberhand behal - ten können ? Wird es aber nicht weise nnd wohlgethan seyn , indessen all : s zu vermeiden , wodurch Aberglauben uud Vorurtheile bcy der Hiurichtuug eines Missethäters iuuner neue Nahrung , und , so zu sagen , mehr Spielraum be - kommen ? Muß man nicht bcy andern Dingen , die von unlängbaren Nutze» und von entschiedenen Werthe sind , dem Aberglaube» und den Vorurtheile» der Schwachen noch oft nachgeben , nnd jene zurücksetzen , weil diese noch zu wirk - sam sind ? Die Geschichte der Welt , besonders in katholischen Ländern , liefert hiervon unzählige Beyspiele . Da nun diePredigerbegleitnng nicht einmahl von der Beschaffenheit ist , daß sie einem wesentlichen und in aller Absicht zweckmäs - sigen Nutzen für den Missethäter haben kann ; wird es denn nicht um fo viel - mehr vollkommen weife und sehr wohlgethan seyn , - sie lieber ganz zu unterlas - sen , da Aberglaube und Vorurtheile , die doch nun einmahl da sind , und nicht auf einmahl dnrch einenMachtfpruch sich vertilgen lassen , nur einen ganz Zwecke widrigen , und in mehr als einer Absicht wirklich schädlichen Gebrauch davon in machen gewohnt sind ? Daß dieß weise und wohlgethan sey ; ist wohl weiter keinemZweifel uuterworfeu . Demi diePredigerbegleitnng hat zwar eine fchein - bar gute Seite ; aber sie hat auch dagegen eine wirklich schlechte Seite . Sie hat die scheinbar gute Seite , daß sie dem Missethäter vielleicht noch wohl zur Beförderung seiner Bekehruug und feiueS Seeligwerdens nützlich werden , oder doch wenigstens seinen Hingang zum Tode , ihn , erleichtern kann . Aber auch diese scheinbar gute Seite'verschwindet sogleich wieder , wenn man etwas genauer sie beleuchtet . Denn dann findet sich , daß sie auf die wahre Bekehrung eines zum Tode . nun schon hingehenden MissethäterS , und auf sein wirkliches See - ligwerden , keinen wesentlichen ihm unentbehrlichen Einfluß hat , nnd daß sie also weder in dieser noch in irgend einer andern Absicht einen wesentlichen und bleibenden Nutzen für ihn haben kann . Ihre angeblich gute Seite ist also im Grunde nur bloß scheinbar , , weil sie ans keine Weise als ein wahres wirkliches moralisches Bedürfniß für den Missethäter angesehen werden kann . Dagegen «ber hat sie auch eine wirjkjich schlechte Seite . ' Denn sie ist unleugbar in vieler 
• i'' 
i
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.