Full text: Revision der Streitsache des Herrn Hauptpastor Sturm mit dem Herrn Hauptpastor Goeze in Hamburg, oder Prüfung und Entscheidung der Frage: ist die Gewohnheit, Missethäter durch Prediger zur Vollziehung ihrer Todesstrafe begleiten zu lassen, nützlich oder schädlich? Nebst einer gelegentlichen Anfrage über die vernünftige und moralische Freyheit der Menschen

hieraus folgt , baß jede anderweitige und absichtliche Vermehrung selneSMnths und seiner Freudigkeit mit dem Wesen und mit dein eigentlichen Endzweck der ihm . gesetzmäßig zuerkannten Todesstrafe völlig unvereinbar ist . Folglich bleibt'es dabey : Predigerbegleitung ist in dieser Rücksicht im Grunde völlig 
zweckwidrig . Zweckwidrig ist sie , weil sie nicht weniger auch bey 
den Zuschauern die Starke des Eindrucks , den das warnende und ckende Straferempel anf sie absichtlich machen soll , in eben dem Grade schwächt und vermindert , in welchem sie den Muth und die Freudigkeit des MissethäterS bey seineln Hingang zum Tode befördert und vermehrt . Dieß ist schon an sich selbst so klar und so handgreiflich daß es gar keines weitern Beweises zu fen scheint . Denu Beförderung und Vermehrung des Mnths und der Freu - digkeit bey eiuerSache , ist auch zugleich wahre Schwächnng und wirklicheVer - niindernng ihres warnenden zurückschreckenden Eindrucks . — — Zweckwidrig ist fie aber eudlich auch darum , weil sie deu Abscheu und Widerwille» , den jeder Vernünftiger'mit Recht vor jeder Art des Missethätertodes haben muß , bey dem großen Hänfen nicht allein wirklich schwächt und vermindert ; sondern auch so gar dem großen und unvermeidlichen Mißbranch unterworfen ist , daß der große Hanfe der Schwachen , nach seiuen gewöhnlichenVorurtheilen und nach seinem gang - baren Empft'ndungsfystem , die Predigerbegleitung , so zu sagen , als einen sichernGe - leitsbrieszumHumnel und als eine Art von Seeligsprechuug ansieht , die dem Misse - thätertode von allen andern eigen ist . Wer hiulänglicheMeufcheu - nndWelt - Kennt - uiß besißt , wird diesem Erfahruugsfaße seine Gültigkeit nicht absprechen . Anch wird man nicht langnen , daß die Predigerbegleitnng für deu Missethätertod wirklich eiue Art von Verherrlichung in sich faßt . Denn sie gibt ihn» ein gewiss seS feyerlicheö Anfehn , das der Sinnlichkeit schmeichelt , und natürlicher Weise Em - psindungenrege macht , die den gerechten Abscheu und vernünftigen Widerwillen , gegen den Missethätertod ihrer Natur nach wirklich schwächen und vermindern und dagegen ein gewisses sehr zweckwidriges Aufwallen von heiliger Ehrfurcht vor dem feyerlichen Todesgang des also Sterbenden hervorbringen . Dieses fey - erliche , nicht Abscheu und Widerwillen , senden ? heilige Ehrfurcht , religiöses Wohlgefallen erregende Anfehn , das vermittelst der Predigerbegleitung der Missethätertod dem äußern Heiligthum der Religion gleichfam abborgt , macht dann auf die Sinne der Schwachen und auf ihr Empsindnngsfystem , dem vornehmlich nur die Husserliche Heilgkeit religiöser und Gottesdienstlicher ( Zeremonien fühlbar ist , einen desto schlimmer Eindruck , je mehr die Macht des Aberglaubens und religiöser Vorurtheile in die ganze Sceue sich mit einmischt» Es ist bekannt genug , wie sehr der Aberglaube mit einen ; hingerichteten Mif - sethätrr , und sogar auch mit dem Sandhaufen , woranf fein Blut floß , noch 
E sein
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.