Full text: Kritik Des Völkerrechts Nach Dem Jetzigen Standpunkte Der Wissenschaft

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fassung ist dann das Recht etwas rein Willkürliches , einzig durch Vertrag der Ich's zu Stande Gebrachtes , etwas rein Mechanisches , indem die äussere Notwendigkeit des physischen Zwanges einzig und allein es stützen muss * ) , etwas rein Formelles , indem es völlig losgerissen ist von den übrigen ethischen Sphären , namentlich der Moral . Dieser Charakter ist denn auch in der Theorie Fichte's Uber das kerrecht nur allzusehr wahrnehmbar . 
Das Völkerrecht ist zuvörderst nichts als angewandtes Naturrecht . An die Aufstellung selbstständiger Principien für das Völkerrecht wird nicht gegangen , sondern die rechtlichen Verhältnisse unmittelbar in_Parallole gestellt mit denen der Individuen des Privatrechts . Statt einer lung des Völkerrechts aus der specifischen Natur des Staats wird eine allgemeine Anwendung der abstracten Grundsätze des Privatrechts geliefert , also unmittelbar aus dem Rechte des Eihzelmensehen auf das Recht der Staaten geschlossen . Allerdings theilt Fichte diesen Fehler mit allen seinen gängern . Wir erwähnen aber gerade diese Schwäche Fichte's noch besonders , da derselbe ein Völkerrecht nach den cipien seiner Wissenschaftslehre construirt . Wie das »Ich« des Einzelnmenschen in Privat - und Staatsrechte durch seine Willkür alles organische Rechtsleben vernichtet , so ist auch die einseitige Geltendmachung des Staats - Ich's , der zelnen Staaten bei Fichte der Art , dass dem Völkerrechte jegliche objective Rasis fehlt . I ) io Staatssouverainetät scheint als das einzig Berechtigte und ihr gegenüber sind alle Gemeinschaften und Rande eines Völkerlebens zu nahmen oder doch zu willkürlichen Vertragsverhältnissen herabgesetzt , die alle Tage aufgegeben werden können . Wenn die Staatssouverainetät mit Recht als dasMaass der 
* ) Das eigentliche und einzige Rechtsprincip soll bei Fichte das Selbstbewusstsein , das Ich und sein Wille sein . Daraus lüsst sich aber unmöglich eine volle Rechtsgemeinschaft deduciren . Darum sieht sich Fichte genöthigt , nachträglich und inconsequent in der mechanischen Notwendigkeit des physischen Zwanges eine Nothbrücke zur Erlangung eines Rechtslebens zu suchen . Seine Rechts - und Staatsgemeinschaft ist eine Zwangs - und I'olizcianstalt .
	        
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