Full text: Einige Nachrichten von den im funfzehnten Jahrhundert zu Lübeck gedruckten niedersächs. Büchern

Einige Nachrichten von den im fünfzehnten Jahrhundert zu Lübeck gedruckten niedersachsischen Büchern . 
I^nter denjenigen Städten , in welchen die Buchdruckerkunst schon die ersten Jahr - zehende nach ihrer Erfindung geübt und gefördert wurde , nimmt unser Lübeck nicht eben die letzte Stelle ein . Denn obgleich daö erste mit einer Zahrzahl bezeichnete , in dieser Stadt gedruckte Buch daö bekannte Rudimentum noyitiorum ist , welches im Jahr 1475 aus der Ostiem des Lucas Brandis de Schaß hervorging ; so finden sich doch sowohl ganze Werke , als einzelne Fragmente , die auf eine frühere Zeit hinweisen , wie das eine nur einigermaßen genaue Kenntnis ; älterer Drucke jedem Unpartheiischen leicht darthun kann . Es mag hier genügen , wenn ich ein lateinisches Psalterium in 12 . nachzuweisen im Stande bin , welches mit einem lübeckischen Wapen geschmückt , und , wie aus einem hinzugeschriebenen Kalender und andern Notizen erhellt , schon vor dem Jahr 1473 gebraucht ist : doch habe ich auch ältere Bruchstücke aus Liturgieen , Erbauungs - und Volksbüchern , kleine Gebete , Sic * derchen , Bildersprüche u . dgl , den niedersächsischen Manuskripten , welche unsre Bibliothek bewahrt , eingefügt oder beigebunden gesehen , die ich um so eher einem hiesigen Drucker zu - schreiben möchte , als sie näherer Verglcichung zufolge offenbar «nehmen der hier angefertigten Handschriften aus der ersten Hälfte und der Mitte des 15 . Zahrh . entlehnt sind . Wie sehr ich aber die Resultate einer solchen Forschung schon jetzt umständlicher vorzulegen wünsche ; so sehe ich doch aus anderen Gründen mich genöthigt , Zeit und Gelegenheit zu erharren , wo ich jene Manuseripte selbst zu beschreiben und zu charakterisiren im Stande sein werde , und mich vorläufig aus Bezeichnung der niedersächsischen Bücher zu beschränken , welche noch im 15 . Jahrhundert zu Lübeck gedruckt sind . Freilich ist die Zahl derselben nur gering , und ihre Wichtigkeit nicht sehr groß , zumal Grimm neuerdings erwiesen , daß selbst der be - rühmte Reynke de vos nur eine höchst unselbstständige Ueberarbeicung des niederländischen Neinaert ist : doch sind sie fast alle von den bisherigen Bibliographen , den einzigen Paul Jakob Bruns ausgenommen , unverantwortlich vernachlässigt , und haben ihren eigenthüm - liehen Werth zur Erkenntniß einer der trefflichsten deutschen Mundarten , in deren Ver - achtung und Vernichtung man , ungerechter Weise , heut zu Tage fast einen gewissen Stolz setzen möchte . 
Was nun für die Vollständigkeit der folgenden Nachrichten die hiesige , die Braun - schweigischen und die Wolfenbüulec Bibliotheken darboten , ist mit Liebe benutzt ; und keiner bedauert es mehr als der Verfasser dieser Zeilen , daß er nicht im Stande war , auch die 
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