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Gedächtnis aufschreiben ; kommen Sie mit . wir machen die Sache sogleich ! " Wir setzen uns an einen isolierten Tisch , ich nahm zwei Konzertprogramme zur Hand und schrieb auf die leere Rückseite unter dem dröhnenden Schall der Musik den Hymnus in Sans - krit nieder . Inzwischen hatte sich die Gesellschaft verlaufen , und ich begab mich mit Max Müller auf den Heimweg zum Hotel Viktoria , wo wir beide wohnten . Unterwegs teilte ich ihm alles mit , was ich über Form und philosophische Bedeutung dieses Hymnus in Kopf und Herzen trug und so oft vor meinen Zu - Hörern entwickelt hatte . Ich bereitete meinen alten Freund auf seine morgige Rede vor und ahnte nicht , daß ich mich selbst vor - bereitet hatte . „ Ach . " sagte Max Müller , „ wenn ich diese Nacht schlecht schlafe , wie das bei der aufregenden Aussicht auf morgen möglich , ja sogar wahrscheinlich ist . so hilft mir das alles doch nicht . " Mutwillig versetzte ich : „ Seien Sie ganz ruhig , wenn Sie morgen nicht aufgelegt sind , so mache ich die Sache für Sie . " — Das war nicht sehr ernst gemeint , denn , sagte ich mir , wie würde sich ein Max Müller die Gelegenheit entgehen lassen , in einer feierlichen Sitzung vor allem , was Norwegen an Zelebritäten besah , zu reden . Wir nahmen Abschied , ich schlief sehr ruhig , wie ich mir denn überhaupt vorgenommen hatte , auf diesem Kongreß gar nicht hervorzutreten , sondern nur meinem Vergnügen zu leben . Aber es kam anders : als ich am andern Morgen an meinem Waschtische stehe , klopft es an und herein tritt Mar Müller . „ Ich habe mir überlegt , " sagte er , „ ich könnte ein paar einleitende Worte reden , einer der Inder könnte den Hymnus in seiner Weise absingen , und dann könnten Sie über die Bedeutung des Hymnus sprechen . " Gesagt , getan , der große Saal war von einer glänzenden Versammlung , über 600 Per - sonen . gefüllt . Max Müller leitete die Sitzung ein . es erfolgte der Singsang des Inders , dann rief mich Max Müller auf . und frisch und freudig , nicht ermüdet durch die aufregenden Stunden der Vorerwartung , im Bewußtsein , wohl nie wieder vor einer so großen und illustren Versammlung reden zu können , entwickelte ich in begeisterten Worten die herrliche Form , den tiefen philo - sophischen Gehalt des Hymnus , welcher von Vers zu Vers tiefer und tiefer in das Geheimnis der Schöpfung einzudringen sucht .

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