Full text: Commentar zu den patriotischen Rügen eines Holsteiners über das Post- und Poststraßen-Wesen in Holstein

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zuletzr angeführte Gaunerei bei der Bewirthung der Rei - senden laßt sich zum Theil auf die Schlechtigkeit der Wege zurückführen , insofern wenigstens diese jenen Hab - süchtigen Wirthen eine scheinbare Entschuldigung ihrer Prellereien gegen die Reisenden an die Hand giebt . Könn - ten nämlich Posten , aus regelmäßigen Kunststraßen , zu einer bestimmten Zeit ankommen , so würden auch die Wirthe , wie in England , Frankreich und nunmehr auch weit in dem größten Theile von Deutschland , zu einer regelmäßigeren Sorgfalt für die Bewirthung der Reisen - den genöthigt seyn , und keine Entschuldigung wegen ver - spätster Zubereitung des Essens mehr in ihrer Gewalt haben . 
Es ist also eine , durch alle bisher hier gemachte Bemerkungen als unwidersprechlich erwiesene Wahrheit , welche mit leuchtenden Zügen dem Geiste jeder Regierung wie jeder Postbehörde vorschweben sollte : »daß jede Ver - besserung des Postwesens ohne Verbesserung der Post - wege , ein durchaus unvollkommner und halb zweckloser Versuch bleibt ! « Ohne letztere ist alles Andere nur Flickwerk , halbe Maßregel und Mißgriff . Die vollkom - menste Thätigk^t bei dem Anfang einer Unternehmung ist unnütz , wenn sie nicht bis zur gänzlichen Vollendung sortgesetzt wird . Alle Genauigkeit , alle Schnelligkeit , die man in unfern Posterpeditionen und in dem ganzen Post - wesen einzuführen bemüht wäre , würde durch die Unmög - lichkeit eines schnellen Fortbringens zur Post , wegen der Schlechtigkeit der Wege , wieder zu Schanden gehen ; und so lange die Regierung für die Schlechtigkeit der Wege keine Augen hat , so lange berechtigt sie auch gewisserma - ßen die Postbehörden , für alle Klagen über die Schlech - tigkeit der Wagen keine Ohren zu haben ; denn wie kann man von ihnen leichte , bequeme , oder gar elegante Wa - gen verlangen , wenn diese auf morastigen oder holperigen
	        

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