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sichf , den Menschen seiner Ohnmacht und Unwissenheit zu erinnern , damit er nicht vergesse , jn seinem großen Schaden vergesse , in wessen Händen Himmel und Erde stehen . Unser Text , welcher vorzüglich vom Meere handelt , zielt eben dahin , und dienet nach unsrer heuti - gen Absicht ju der doppelten heilsamen Erinnerung :
1 . daß wir denjenigen erkennen , welchem unser ganzer Dank gebührt ;
2 . daß wir uns zu solchen Gesinnungen erwecken , welche dies Andenken wirke« kann .
Erster Theil .
A . Der göttliche Ausspruch führt uns zunächst aus die Schöpfung unserer Erde ziu rück , unter deren Theilen das Meer einer der Betrachtungswürdigsteu ist , um die Macht und Weisheit des Schöpfers daran zu erkennen .
a . Was hier heißt , Gott hat das Meer mit seinen Thüreu verschlossen , er hat ihm seinen Lauf gebrochen , ihm Riegel und Thür« gesetzt und gesagt : bis hieher sollst du kommen und nicht weiter : c . , das heißt in der Schöpfungsgeschichte nach Mosis Erzählung : Gott sprach : Es werde eine Feste zwischen den Wassern und es sammle sich das Wasser an beson . ' dere Oerter , daß man das Trockene sehe . ' ) Es ist nicht allein der Schrift gemäß , * ) sondern fliid ) dieMeinuiig der größten Naturforscher und Wrltweisen , selbst der neuesten unter ihnen , daß vor der Ausbildung einzelner Theile der Erde , alle Materien , die jetzt in so vielen und mancherlei ) Cöipern vertheilt sind , in Eins vermischt gewesen seyn . Dies wäre denn ver - miiihllch jene Tiefe , worauf der Geist Gottes geschwebet und ans weicher nach und nach die fest , » Tbeile von den flüssigen sich geschiede» habe» . Daher heißt unser Gott , der durch sein aUmächliges Scböpferworr : csrvcrde ! alle diese Veränderungen bewirkte , der Schöpfer , welcher Himmel , Erde und Meer und alles was darinnen ist , geschassen hat . 3 )
b . Sollte das Meer die Absicht des Schöpfers erreichen , so mußte es seinen ange» wiesen»» Ort haben , ohne welchen es wegen seiner Flüssigkeit die Erde überschwemmen könnte ; welches desto mehr * » befürchten wäre , da die Erde sich mit einer unbeschreiblichen * ) Geschwindigkeit um sich selbst herumwälzt . Um deswillen hat der Herr dem Wellmeer sei» Bette gegraben , das ist , ihm seine Stelle und seine Grenzen angewiesen , oder wie die Schrift spricht : die Tiefe mit feinem Ziel verfasset . J ) Zu gleicher Absicht dienet die Schwere deS Wassers , wodurch es ihm unmöglich wird , ohne fremde Gewalt gegen eine Höhe anznlan» fen , daher ein mäßiges Ufer hinreicht , es zur Zeit der Ruhe einzuschränken . Auch dienet ver - mnihlich die Lage der Gebirge , die beständigen Winde in gewissen Gegenden und andere An , stallen m der Natur zu einem ähnlichen Zwecke .
Davon umständlicher zu reden verwehrt mir der Gedanke , daß dieses zum Theil Ihnen längst bekannt ist , zum Theil bey Viele» noch in Zweifel sieht . Zweckmäßiger wäre es wohl , von deu Wohlthaten , die wir durch das Meer erhalten , zu reden : allein ich darf mich in die - fem Betracht sowol anfeines Jeden Erkenntniß und Erfahrung — als auf die Rede meines sel . Herrn Verwesers , Ä ) welche vor 20Jahre» , bey der Einweihung jener größer , , Schleuse gehalten und noch in den meisten Händen ist , berufen . Kurz finden wir davon das Merkwür» digste O i . Mss . 1 , 6 . 7 . 9 »o . * ) 2 . Peer . 3 , 5 . Z ) pf . 146 , 6 .
♦ ) Von 2 . J Meilen in einer Minure .
5 ) Sprüchw . 8 , 2 . 7 .
* ) Des Herrn ( onsistorialraths Kirchhof .