Predigt des Herrn Pastor Schröder
am
Nachmittage den ist«» Januar 1801 .
> i <
fröhlichem Gemüche dankt , die ihr Christo angehört ,
Dankt ihm , daß seine Gute gleich als sein L . eben ewig wahrt , ttach Hunderten von Jahren , die durch sie alle reich An frohem Segen waren , bleibt sie sich immer gleich .
^vann endigte ihr Sorgen , ihr Segnen , ihre Treu *
Lvard sie nicht jeden Morgen Jahrhunderte durch neu !
Text :
Ps . 77r 12 — 14 verbunden mit Ps . 1^5 , I — ly *
^6 ist heute ein merkwürdiger Tag . Ein neuer Abschnitt der Zeil , und von unge - > wöhnlicherArt . Da» Jahrhundert , in dessen Grenzen unsere ganze Lebensdauer bisher beschränkt gewesen ist . ein langer Zeitraum , der während seines Laufes unzählige ? male seine Gestalten änderte , in seinen kleineren Abschnitten immer vorübereilte , aber immer mit Beharrlichkeit wiederkehrte , ein Zeitraum , in welchem hundertmal der Herbst die Natur den , Grabesschlummer zuführte , aber auch hundertmal wieder der Frühling die erstorbene neu b . lebte , das achtzehnte der nach Christi Geburt Verstoss« n«n Jahrhunderte hat seine Rolle ausgespielt , ist in die große Reihe seiner Borgän« qer , die auck einst wäre« und nimmer wiederkehren , zurückgetreten , und — u ? ir jfniö überblieben . Wie hocherhaben stehen wir als Menschen über alles , was in Zeit und Raum ist' . Wir können dem entflohenen Jahrhundert nachsehen , es noch einmal in seiner Flucht ergreissen und mit unfern , Geiste umfassen . Wir können das neuausgnretcne begrüßen , und ahndenden Blickes in feine Tiefen hinausschauen . Well ! sprechen wir , ein Jahrhundert deines Daseyns ist dahin , doch was in dir ge - Nossen , erduldet , vollbracht wurde , davon weissest du nichts ; aber der Bewohner deines Staubes , der Menfchengeist , weiß es , und freuet sich des , oder trauert dar« über , und denkt deines und feines großen Regierers . Welch ein Wunderwesen ist der Mensch !
Aber wir ältern doch , und fühlen nur zu unleugbar , daß unfer Leben in dem allumfassenden Strome des Werdens und Vergehens mit fortkreiset . Nur mit unser« Gedanken können wir Jahrhunderte und Jahrtausende umfassen . Nicht können wir das mil unferm Dafeyn . Das kann nur einer , den zu ahnden und zu erkennen , vor
welchen