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ches Vorurtheil ! heißt das die Sachen nach ihrem wahren Werlhe schätzen ? Ein wilder Bauin kann bisweilen durch glücklichen Zufall , eine eben so schmackhafte Frucht hervorbringen , als die , so in unsern Gärten wachsen . Warum wollet ihr denn dieselbe nicht abbrechen ? Müssen wir nicht dasje - nige , was gut ist , billigen , es mag sich auch fin - den , wo es will ? Ein vernünftiger Mensch su - chet solche Personen zu seiner Gesellschaft , die ihn vergnügen und unterrichten können . Wenn aber , zu ftinem großen Erstaunen , eine gute Meynung , «in glücklicher Einfall , ein richtiger Gedanke ei - nem solchen entfahret , dem er nicht so viel Scharf - siniiigkeit zugetrauet , so wird er sich solches dem ohngeachret zu Nutze machen , ob gleich dieser Schatz auf einem Acker hervor gekommen , auf welchem er ihn nicht gesucht hätte . Einen Dia - mant nicht auszuheben , den man im Kehricht an - trifft , worinnen man nur Nadeln zu finden mey« net , würde ein Verfahren seyn , daö man mitdem grösten Rechte eine Narrheit nennen könnte . Kurz ; dieses Vorurtheil bringt erstaunende Abgeschmackt - heiten mit sich . Ihr verwerfet eine gute Mey - nung und einen guten Gedanken , darum , daß ihn niemand vorbringt , von dem ihr solchen am we - nigsten erwartet habt . Dieses Betragen ist eben so lächerlich , als wenn ein Mensch durchaus nicht auf der Gasse mit seinem Freunde sprechen wollte , dieweil er in seinem Hause mit ihm zu reden verx meynte .
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