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sind , so lange ist unsere Seele gänzlich gefesselt . Unsere Vernunftschlüsse sind nicht frey , und unsre Begriffe empfinden die Dienstbarkeiren unsersGci - stes . Die Vernunft , dieses so göttliche Licht , wel - ches der Schöpfer zu unsrer Erleuchtung mit uns hat gebohren werden lassen , kann nicht durch die dicke Finsterniß dringen , mit welcher die Vorur - - theile unsre Seele umhüllen . Ihre Stimme wird durch das Schreyen des Irthums erstickt» Ein von den Vorurtheilen befreyeter Geist , wird sich eben so über denjenigen , der ihnen noch fen ist , erheben , als ein kühner Adler ; der feine völlige Freyheit geniesset , und der alle seine Fevern hat , sich schnell über denjenigen erheben wird , den man die Flügel verschnitten hat .
Ein feiner und guter Gedanke , ein wahrer und richtiger Begriff haben gleichsam auf unsern Beyfall ein Recht . Sic müssen von jedermann an - und wohl aufgenommen werdeU . Dieser Grundsatz ist unumstößlich . Indessen gicbt es doch ein Vorurtheil , welches uns darauf Acht zu haben verhindert , wenn sie nehmlich von gewissen Personen herkommen , die wir nicht für fähig ten , daß sie selbige hervorbringen können , da wir doch viele Acht darauf haben würden , wenn ein anderer , deren Urheber wäre . Alles , was ein Mensch sagt , der nicht in unsrer Achtung steht , wird verachtet ; alles , was ein Mensch vorbringt , dem wir Verdienste zueignen , wird mit der größ - ten Gefälligkeit erhoben . Was für ein

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