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Grunde , sondern sie entstehet aus einer natürli - chen Bosheit . Ein liebenswürdiger Mensch wird dieses Laster des Herzens zu unterscheiden wissen , welches allezeit von der falschen Zärtlichkeit tet wird , die nur ein Fehler des Geistes ist . Er wird , sage ich , selbiges von einer billigen und vernünftigen Critic unterscheiden . Die Critic dienet zur Reinigung des Geschmacks . Diejcni - - gen , so uns die Vollkommenheiren anzeigen , die gewissen Werken fehlet , verHelen zugleich nicht die Schönheiten , die darinn enthalten sind . Ihre Arbeit giebet uns ein Licht , und gereichet zur Auf - nähme der Wissenschaften . Allein , diese Gabe , welche unsrer Lobeserhebung Werth ist , muß sich in uns nicht in einen Gemüthsfehler verkehren . Es ist gar leicht zu sehen , daß ich hier diese zwey Din - ge nicht mit einander verwirre»
Diese falsche Feinheit in dem Geschmacke hat oft ihren Grund in einer ungezwungenen Nach - ahmung ; diese aber kann nicht mit dem Character eines liebenswürdigen Menschen übereinstimmen» Sie ist ein Zwang , und der Zwang schranket die Kräfte der Seelen ein , und schwächet ihre Hand - lung . Die Wichtigkeit und Nachläßigkeit , die wir vielen Personen vorwerfen , und von welchen ich weiter oben geredet , sind gemeiniglich die Wir - kungen dieser Gczwimgenheit . Wir lieben in den Manieren eine gewisse' Ungezwungenheit . Die äffettirten Geberden empören uns . Was man nicht abgemessen , das kleidet allemal schlecht , Ei -
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