Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4805

Caßius .
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des Caßius vergrößert . und ihn , anstatt der Verweisung , nach der Insel Creta , auf das kleine Cyland Seriphus , mil Untersagung des Feuere und Waisers , geschickt habe . Tack . Ann . Libr . IV . cap . XXI . Man erfahrt aus dieser Stelle weiter nichts , ob Caßius unter dem Au - gustus . oder nach dem Tode des Augustus , auf die Insel Creta wiesen worden ; und wenn dieses auch nach 'Augusts Tode geschehen wäre , so hätte sich Moreri dennoch betrogen , da er dem Tacitus daeje - «ige zueignet , wa« er nicht gesager hat . Was würde denn daraus wer - den . wenn man sähe , daß CaßiuS unter dem August wäre verwiesen worden ? Man bekräftiget dieses auf folgende Art . Caßius ist , »ach der Chronike des heil . Hieronymus , im drey und dreyßigsten Jahre Jesu Christi . ( Andreas Schorrus setzet in seinem Tractate , äe claris apud Se - necam Rhetoribus > unrecht neun und dreyßig . ) und in dem fünf und zwanzigsten seiner Verbannung gestorben . Er muß also im 8 Jahre unsers Heilandes , und im ; o der Regierung Auguste , auf die Insel Cre - ta geschickt worden seyn . Weil nun AugustuS erstlich im 56 Jahre ner Regierung gestorben ist , so muß die Verbannung des CaßiuS , vor der Regierung Tiber« , fünf oder sechs Jahre vorhergeqangen seyn . Wir sehen auch , daß Scaliger die Verbannung des Ovidius und des Caßius fast in eben dieselbe Zeit setzet , in Animadu . in Eufeb . p . 187 . aus die Num . 2048 . I V . Dieses zeiget einen andern Fehler des Moreri äugen - scheinlich ; daß er nämlich dem heiliqen Hieronymus beymißt . er ver - sichere , daß Caßius . nach einer 15jährigen Verbannung . im uten Jahre der CC Olvmpias , oas heißt ungefähr im - 4 Jahre der christlichen Zeirreclinung , gestorben sey . Man darf nur die Au - gen auf die Chronik des heil . Hieronymus werfen , so sieht man den Tod des Caßius im - 5 Jahre seiner Verbannung , im 4 der CCII Olymvias , im 53 Jesu Christi , und im 19 des Tiberius . Man kann den Fehler nicht auf den Buchdrucker schieben , daß er eine Ziffer für die andere ge - nommen hätte , denn außer , daß in dem Artikel des Moreri etliche Zah len ganz ausgeschrieben sind , so versieht sich ein Setzer schwerlich drey - mal nacheinander in den Zahlen , mir der schönen Ordnung , die man hier unter den Fehlern sieht . V . Der letzte Schnitzer ist dieser : man beutet dasjenige auf den Caßius Severus , was Horaz allein von dem Caßiu« von Parma saaet . nämlich , daß seine poetische Ader viel geschwinder lause , als ein schneller Strohn , u . s . w . Ich schweige der andern Schriftstel - ler , die er unter dem Artikel angeführt , ob sie gleich von unferm Caßius Severus nicht« gesagt haben .
( c ) t t - eine» Verlheidigers des Tardmals Maxarm . Z a Caßius parmensis , saget er , via . sog . de Mafcurat , p . 642 . wider den Angul ? geschrieben hatte , ss versprach ? war Albius Tibullus ihn ? u vertheidigen :
Scribere quod Cafli Parmcnfis opufeula vincat !
Horat . Libr . I . Epift . IV . v . z .
Allein der Raistr hatte nicht die geringste Empfindlichkeit dar« über . Niemals ist eine Stelle ungeschickter angesuhret worden , als dieser Vers desHoraz ; denn dieser Poet versichert nicht allein nicht . daßTibul - luS Verse gemacht , die einige Verwandtschaft mit dem Caßius von Par - ma hätten , er redet nur zweifelhaft davon : sondern er sehet auch vor - aus , daß Tibullus . wenn er auf diese Art gearbeitet , solches nicht gethan , eine wider den August gemachte Satire zu widerlegen , er setzet voraus , daß solches geschehen , den Caßius ParmeiisiS zu übertreffen . Man se folgende Verse wohl , und ziehe Dariers Noten * dabey zu Rache : Albi , noftrorum Sermonum candide iudex ,
Quid nunc tc dicani facere in regione Pedana ?
Scribere quod Cafli Parmenfis opufeula vincat !
An tacitum fyluas inter reptare falubres ,
Curantem quiequid dignuni fapiente bonoque eft ? Ebend .
* Weil die Noten Daeier« , über den Horaz , in Deutschland so gemein nicht sind , als in Frankreich , so will ich die Anmerkung desselben hier kürzlich beybringen : Dieß ist ein Spott , heißt es . Horaz redet hier nicht allein von der Schönheit seiner Werke , dern von ihrer Anzahl . Und er machet im Vorbeygehen den Cas - ßins Parmensis lächerlich ; der sich für fruchtbarer hielt , als andre Leute , und am besten aus dem Stegreife arbeitete . Horaz hat des - sei , Bildniß und seine Geschichte in folgenden wenigen Versen der X Satire , des I Buchs , gemacht :
amet feripfifle ducentos Arte eibum verfus , totidein coenatus , Etrufci Quali fiiit Cafli , rapido feruentius anini Ingenium : capfis , quem faina cft elfe librisque Ambuftum propriis . G .
Untersuchung der Beurtheilung Dacierö , wider den Voßius .
( v ) Voßius hat auch den Redner mit dem Poeten vermengt . ) Dacier hat dieses Versehen in seiner unvergleichlichen Auslegung über den Horaz , V Ttv 147 Seite , oder in der VI Ode Epod . oder des V Buchs , entdeckt . Wenn es wahr wäre , daß der Poet Seve - rus geheißen , wie es der P Harduin in indice Autorum Plinii versichert , so würde ich nur einen einzigen Beweis sehe« , , daß ihn Vos - siuS mit dem Redner vermengt hätte . Denn in diesem Falle hätte er dem Poeten den Namen Caßiu« Severus Parmensis geben können , ohne ihn mit dem Redner zu vermengen . Und was die Stelle Quin - tilians betrifft , wo vom Caßius , dem Redner , gehandelt wird , und welche Dacier anführet , um den Voßius zu überführen , daß er diese zweenen Caßier mit einander vermenget hat , so kann sie dieß nicht beweisen ; weil Vos - sius sein Absehen nicht auf diese Stelle gehabt , und da er deswegen eine andre aus eben diesem Quimilian anführet , wo nicht von dem Redner , ffflüuis Severus , sondern von dem Poeten , Cornelius Severus , gehan - Mt wird Vofll de Poet . Lat . p . 24 . Also ist dem Dacier nichts übrig , als dieser Beweis : daß V°ß>us dem Caßius von Parma dasieniae zu - mae der alte Schvliaste des Horaz über die VI Ode , des V B . ri tsZit • sondern auch dasjenige , wa« nur dem Poeten . Corne - KS^ ugW Mßiu - >t dich Fehler in dem Werke , von uu . «sev . rue , zliae . . ^macht : denn er deutet diese
& Ä8S , Ätt«« «•
II Z^and .
vom Comelius Severus , und tadelt den La Popeliniere , welcher sie ver - mengt hat . Voss , de Hiftor . Lat . p . 109 .
( E ) Einige haben den Caßius Severus in yroeene getheilet . ] Wir wcrden sehen , daß , wenn Caßius Parmensis an einer Seite zu einer einzigen Person gemacht worden , Caßius Severus , an der andern Seite verdoppelt worden . In der That schwatzet uns Glandorp . Onomaft . p . 209 . nachdem er die meisten Dinge von ihm gesager , die von ihm gesaget werden , unmittelbar darauf von einem andern Caßiu« Severus , der unter dem Vespasian geblnhet , und dessen Plinius im XI Cap . des XXX V B . gedmket ; allein dieser ist keinesweges ein anderer Mann , als derjenige , welcher wegen seiner Lästerungen lns Elend geschickt worden . Dieß ist sonnenklar , wenn man betrachtet . bey welcher Gele - genheit Plinius von diesem Caßius redet : dieß geschieht , nachdem er von qewissen Schusseln von einer so außerordentlichen Größe gere - det , daß vielleicht die Verschwendung niemals mehr , als zu der Zeit ge - herrschet ; er saget , daß das Gerüchte des VitelliuS nicht schändlicher , als des Asprenasseines gewesen , wo man 130 Gäste vergiftet hätte , wie Ca^vb Severus , desAspienas Ankläger , ihm vorgeworfen . Nun aber sieht man in SuetonS August , EVI Cap . daß es unter der Regierung des Augustus geschehen , da Asprenas voin CaßiuS Severus , wegen Giftmischung vor Gerichte «ngeklaget worden .
( E ) »irc ist nicht derjenige , an welchen Ovidius geschrieben har . 1 Glandorp hatte kurz zuvor einen andern Fehler begangen , daß er nämlich geglaubet , es sey T . CaßiuS Severus derjenige , an welchen Ovidius den VIII Br . der I Buches , de Ponto , geschrieben hat . Der P . AndreaS SchsttuS . de claris apud Senecam Rhetoribus , ist in eben diesen Jrrtbum verfallen ; Voßius gleichfalls , de Hift . Lat . p . 109 . ob ihn gleich Scaliger , wegen des Zweifels , widerlegt hatte , darinnen er denLiliusGiraldi gesehen , ob derRedner . CaßiuS Severus , und derjeni - ge Severus , an welchen Ovidius geschrieben , einerley Person gewesen .
\G ) Gcaliger widerleget'diesen Jrrrhum durch üble Grün , de . ^ Es ist ein so großer Unterschied , saget er Animadu . in Chron . Eufeb . p . 187 . amsterdamer Ausgabe , vrnt 1658 , zwischen einem und dem ander» , als unter dem Hause des Caßius , und dem Hanse des Cornelius : denn derjenige , an welchen Ovidius geschrieben , ist Corne - liuö Severus der Dichter gewesen . Der andere ist CaßiuS Severus , der Redner . Man sieht aus diesen Worten klar , daß Scali - ger in der Einbildung gestanden , e6 sey dieser Caßius aus der Familie Caßia . einer der berühmtesten in Rom , gewesen : allein dieß ist falsch , weil dieser Redner , nachdem Tacitus , eine niedrige Geburt gehabt . Relatum de Caflio Seuero exfule , qui SORDiDae or1g1nis maleficae vitae , fed orandi validus ctc . Tacit . Annal . Libr . IV . cap . XXI . Der andre Grund Scaligers ist für mich ein Räthsel : ich habe die Stelle etlichemal hin und wieder überlesen , ohne daß ich etwas davon begreifen können . Cornelius Severus , saget er , hat noch nach Augusts Tode gelebet ; allein Caßius Severus war fünf Jahre vor dem Tode die - ses Kaisers , fast zu qleicher Zeit mit dem Ovidius verbannt worden . Die Buchdrucker müssen einige Worte ausgelassen haben , als z . E . Ro - mae ; denn ohne dieß würde Scaliger erbärmlich schließen ; und wenn man voraus sehet , daß er gesaget : es hätte Cornelius Severus , nachdem Tode des Augustus . zu Rom gewohnet ; so wäre dieses ein überzeugen - der Grund , daß dieser Cornelius nicht Caßius Severus gewesen , welcher , da er vor dem Tode Augusts , ins Elend geschickt worden , niemals aus sei - nem Elende zurück gekommen ist . Dieß ist in der That das wahre Mittel , den Zweifel deö Giraldi zu heben , und die Meynung Glandorpe und des Voßius zu widerlegen : man dörfte sie nur auf den Brief des Ovidiuf selbst zurück weisen . Sie würden darinnen die Unterschrift des vierzehn« ten Jahres seiner Verbannung und die Ueberschrift an einen Menschen sehen , der alle Ergetzlichkeiten Roms und alle Annehmlichkeiten seines Landhauses genossen : dieses schicket sich um diese Zeit keinesweqes aus den Redner Caßius , derauf die Insel Creta verwieg , , gewesen . Wenn auch der Zweifel des Giraldi den II Br . des IVB . de Ponto , beträfe , fo kann man denselben gleichfalls durch den Brief selbst heben , weil er an einen Poeten gerichtet ist , der im Wohlstande gelebt hac .
Man muß auch wissen , daß man außer dein VIII Br . des l B . de Ponto , noch den andern , im V B . sieht , welcher an einen Severus ge - schrieben ist . der ein Poet von Proseßion gewesen ; wie man leicht aus der Schreibart schließen kann , deren sich Ovidius an ihn bedient hat . Vermutlich ist dieß Cornelius Severus gewesen , wie Voßius , de Poet .
{ * trÄÄ Ut - P " Staubet haben . Also wären der VIII Br . des I B . de Ponto , und der II Br . des IV B . ^F^^ilis - an eben denselben Freund geschrieben worden . Wenn lhl £ fc n , C & 9l ? ub» ; diese Briefe in der richtigen Zeit . Äl uft i « ? r' " ach der Unterschrift viel älter ,
als der VIII Br . des IB . weil sich in jenem Ovidius gegen seinen Freund entschuldiget , daß er »och nicht geschrieben . Da er überdieß indem VIII Br . des I B . seinen Freund unter verschiedenen Beschäfftiqunqen de - trachtet : so saget er nichts , welches zu erkennen gäbe , daß er an einen Poeten schreibt . Der Fall wäre etwas ganz besonders für 'Personen , die sich eine Ehre aus der Dichtkunst machen , und die sich so sehr darauf geleget haben , als OvidiuS und Cornelius Severus . Man hat aho noch eine kleine Ursache , zu zweifeln , ob diese zwo Briese an einerley Person gerichtet sind ; allein so viel ist gewiß , daß keiner von beyden an den CaßiuS Se - verus geschrieben ist .
( H ) Man kann Schwierigkeiten über die Zeit machen , in wel - cher Caßius wegen seiner Satiren gestraft worden . ) Die Rech - nung des heil . Hieronymus , die Verbannung dieses SarirenschreiberS be - treffend , ist geschickt , verschiedene andere Zeitrechnungen zu verwirren . CaßiuS wird mit allem Rechte ein Srachelschreibcr genennet ; er könnte so gar für einen Märtyrer der Verleumdung gehalten werden : weil er sich durch seine Satiren eine harte Verbannung zugezogen , und nach sei - nem Unsterne sich nicht geändert hatte ; sondern sich neue Feinde ge - macht , ohne diejenigen zu besänftigen , die er schon gereizet gehabt . Per immodicas inimicitias , vt ludicio iurati Senatus in Cretam amouere - tur , effecerat . Atque lllic eadem adlitando , recentia veteraque odia aduertit , bonisqueerutu» , interdidVo igni atque aqua , faxoSeriphio confenuit . T^cit . Ann . Libr . IV cap . XXI . Dieß bat ihm noch einen viel heftigem ^turm über den Hals gezogen , und eine so außerordentliche Armuth , daß er kaum die Blöße derjeniqen Glieder hat bedecken können , welche me Schamhaftigkeit am allernothwendigsten zu verbergen befiehlt . XXV Nu exiln anno »n fumma inopia moritur , vix panno verenda conteftus . ehr . Eufet . Er ist nach dem heil . Hieronymus im - 5 Jahre ° 2 seiner

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