Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4794

82 Caßius .
' den großen Unterschied , der sich unter demjenigen findet , was man den sie auf diese zwo ein , 7 . - 5 . Hofmann hat dm Lloyd von Buchstabe»
PliniuS sagen laßt , und was er wirklich saget ; und wie seltsam es ist , zu Buchstaben abgeschrieben . Unmittelbar daraufgeben sie UNS . den
daß weder Friedrich Morel , königlicher Profesior , noch Lloyd , noch Hof - Artikel Caßius - Hemm« , des Iahrbuchschreibers , nach des Voßius An -
mann , diesen Fehler Carl Stef ans verbessert haben . Er steht in den merkungen , im guten Stande ; den einzigen , von welchem sie mit Aus -
Ausgaben von 1620 und von 166 - völlig . Lloyd hat mir die Ziffern in rottung des erdichteten Wundarztes , dieses Namens , hatten reden
der Anführung desPIinius geändert , ohne sie besser zu machen : erzieht sollen .
Caßtu6 Severus , ( Titus ) ein berühmter Redner , zur Zeit des Auguftus , that sich vornehmlich durch seinen schen Geist hervor , der ihm endlich ein Verbannungsurtheil mit großen Drangsalen zuzog , die sich nicht eher , als mit seinem Leben , geendiget fl . Moreri hat ihn mit einem andern Caßiuo , Parmensis zugenanit , vermengt ( A ) , welcher ein großer Versmacher und einer von denen gewesen , die den Julius Casar ermorder haben . Hierdurch hat er , außer denen Fehlern , die anders woher gekommen , noch viele Schnitzer begangen iB ) . Man wird sie hier unten mit dem Versehen eines gelehrten Vercheidigers des Cardinals Mazarin sehen ( C ) . Voßius hat auch den Redner mit dem Poeten vermengt ( D ) , und er ist deswegen durch Anmerkungen geradelt worden , die nicht alle von gutem Schrot unb Korne sind . Einige hingegen haben den Caßius Severus in zweene gerheilet ( E ) . Es ist derjenige nicht , an welchen Ovidius geschrieben hat ( F ) . Scaliger hat es sehr wohl gewußt ; allein er widerleget den Irrthum durch üble Gründe ( G ) . Man kann Schwierigkeiten über die Zeit ma - chen , in welcher Caßius wegen seiner Satiren gestrafer worden ( H ) ; denn die Schriftsteller sind , in Ansehung der Gesetze , nicht einig , welche Augustus , wider die Schmähschriften kundmachen lassen . Plutarch hat die Zeitrechnung nicht wodl zu Rathe gezogen , wenn er von unserm Caßius reder ( l ) . Der sarirische Geist dieser Person bewog ihn , sich zum Anklager auf - zuwerfen , ohne daß ihn der üble Fortgang seiner Sachen davon abschrecken konnte ( K ) . Die Art , mit welcher er den Red - ner , Cestius , marterte b , der eine Antwort auf die Rede des Cicero für den Milo gemacht hatte , ist zureichend , zu zeigen , daß niemals kein ausgelaßnerer Zungendrescher und Zanker , als er , gewesen . Und dieß ist eine sehr seltsame Sache , da } 1 er mals die Vcrtheidigling der Angeklagten vor Gerichte geführetc , außer , wenn er gezwungen gewesen , seine eigene Sache in dergleichen Umstände zu vertreten . Hofmann hat sich in gewissen Dingen betrogen ( L ) . Man ist wegen des Vaterlandes des Caßius Severus nicht einig ( Mj . Wir werden in den Anmerkungen die Fehler des Peter Crinitus sehen ( N ) .
Es ist billig , daß ich den Caßius Severus hier auch von seiner schönen Seite zu erkennen gebe . Seine Beredsamkeit er - warb sich die Herrschast über seine Zuhörer ; er führte sie hin , wohin er wollte ; er lenkte ihren Zorn nach seiner Phanta -
! ie . Sie fanden so viel Vergnügen , ihn zu hören , daß sie sich vor dem Ende fürchteten . Seine Stimme verband zwo Voll - ommenheiten mit einander , die nicht leicht in Gesellschaft find ; sie war stark und hatte viel Anmuth : und weil er von einer majestätischen Länge war , so konnte man sagen , daß sein Körper seinem Geiste sehr wohl zu Hülfe kain . Die Ernsthaftigkeit , die ihm in seinem Lebenswandel fehlte , zeigte sich in feinen Worten mit Glänze ; denn wenn er die Spötterey bey Seite legte , so hatte seine Sprache alles Gewichte und alle Eigenschaften der Rede eines Sittenrichters d . Er hatte einen so fertigen Geist , daß es ihm weit besser in Sachen glückte , dazu er sich nicht vorbereitet , als die er gelernet hatte . Seine aus dem Steg . reife entstandenen Einfalle in der Richterstube waren viel einnehmender , als seine dahingebrachten ausstudierten Gedanken . Diejeni - gen , die vor Gerichte wider ihn zu thun hatten , hüteten sich sehr genau , ihn zu unterbrechen ; sie wußten wohl , daß man seiner Beredsamkeit neue Stärke gab , wenn man ihn reizte , und daß es ihm vortheilhaftig war , wenn man den Zusammenhang sei - ner Rede störte . Die unvermutheten Falle waren ihm viel günstiger , als der Fleiß auf seiner Studierstube Gleichwohl reitete sich kein Mensch mit mehrerer Sorgfalt vor , als er . Seine Reden waren außerordentlich ausgearbeitet ; er konnte nicht leiden , daß das geringste darinnen verabsäumet wurde ; sie waren mit großen Gedanken angesüllet ; alles tbat seine Wir - kung , und die allerkürzeste Zerstreuung seiner Zuhörer brachte ihnen den Verlust einer guten Sache zuwege / . Das gute Glück , das er so vielmal , in Ansehung desjenigen , erfahren hatte , was ihm sein Geist aus dem Stegereife anboth , machte ihn niemals sorgloser bey feinen Vorbereitungen . Er begnügte sich nicht mit einein tiefen Nachdenken ; er schrieb auch fast alles dasjenige auf , was er zu sagen hatte . Hier ist der Inhalt des Urtheils , welches Seneca von diesem Redner gefallt hat s , und welches ihm zur Vorrede vor einer sehr merkwürdigen Erzählung dienet ( O ) . Das Urtheil Quintilians kömmt nicht in allen Stücken nur diesem überein . Man merke , daß unser Caßius , und einer von denjenigen Menden , deren Gefechte das römische Volk belustigte , einander so vollkommen ahnlich gewesen , daß man viel Mühe gehabt , einen von dem andern zu unterscheiden ( P ) .
«0 Siehe die Anmerkung ( G ) . V ) Siehe den Artikel Cestius , und den Scneca , Praefat . Libr . III . Declam . p . m . 357 . t ) neca Epitome Declain . Libr . III . p . 336 . d ) Quamdiu citra iocos fe continebat , cenforia oratio erat . Ebendas . t ) Melius femper fortuna , quam cura de illo merebat . Ebendas . f ) Nulla pars erat , quae non fua virtute ftaret : nihil in quo auditor fine damno aliud ageret : omnia intenta , aliquo petentia . Ebendas . / ) Ebendaselbst .
( A ) Moreri hat ihn mit einem andern Caßius , parmensis Dieß heißt , diese Stelle des Voßius sehr übel verstanden haben : 8cr ! . Mgenamer , vermengt . ] Ich habe nicht gesunden , daß ihn« die Alten ptis fuis procacibus profeidifle viros foeminasque illuftres , eaque re den Namen Severus geben : nichts destoweniger berichtet uns der P . occafionem dedifll * Augufto , vt de ltbellis famosis Harduin , Comment . in Plin . Tom . I . in Ind . Autor , daß er Caßius Cognitionen s vsciperet . VoiU de Hiftor . Lat . p . ioy . Severus parmensis geheißen : und daß der Redner , Caßius Seve - Wer sollte glauben , wenn er eS nicht sähe , daß man hier den Kaiser Au - rus , damit er nicht mit ihm vermengt werden sollen , Longulanus gustus hatte finde» können , der neugierig gewesen , die berühmten Sckrif - zugenamet worden , von dem Namen Ä . ongula , seinem Vaterlande , ei - ten zu kennen , die an« Licht traten , und daß man darinnen nicht ei - ner Stadt in dem Lande derVolskier , nahe bey Rom . Ich wollte , daß nen Kaiser gesehen hat , der sich mit einem gerechten Widerwillen gegen er uns Beweise von diesem allen gegeben hätte , und daß er uns auch die Lästerschriften gewaffnet und den Richtern besohlen , die Urheber der - berichtet , ob der Poet darum Parmensis genennet worden , weil er von selben auszuforschen und zu bestrafen ? Ich glaube , daß sich Moreri bes - Parma gebürtig gewesen . Man könnte daran zweifeln , weil ihn Ho - fer aus der Sache geholfen haben würde , wenn er bis an die O . velle raz Hetrufcum , einen Toseaner , nennet . Parma aber damals inGallia zurück gegangen wäre , die ihmVoßinSangezeiget ; ich will sagen , bis in Eisalpina gelegen hat : weil aber diese Stadt damals den Toseanern qe - das erste Buch der Jahrbücher des TaeituS : denn daselbst würde er ge - Hörer ; wer weis , ob ein aus Parma gebürtiger Mensch nicht noch He - sehen haben , daß Augustus der erste gewesen , welcher durch das Gesetze , trufeus hat können genennet werden ? Eben dieser P Harduin beobach - de Maieftate , Nachr . cht von den Büchern eingezogen , welche die Lateiner tet , daß die vorhergehenden Ausgaben des Pliniu ? , den Caßius Severus , famofos genennet ; woraus er hatte schließen können , daß es nicht aus Neu - L . ongulanus bemerken , als wenn es zweene Schriftsteller gewesen wä - begierde , wegen aller berühmten Schriften , geschehen , sondern darum , ren ; und Simmler hat in derThat , in dem Aus^uae ven Ge ? nersBi - daß man gerichtliche Untersuchungen wider dergleichen Schriften , bliothek , aus dem Longulanus einen absonderlichen Schriftsteller ae - wie des Caßius Severus seine , anstellen sollte , warum der Kaiser zu macht . Er saget auch , daß wir ein Sinngedicht de« Caßius auf den Or - dieser neuen Rechtsgelehrsamkeit bewogen worden . Allein , was sind des pheu« haben , »velcheöPirhöuS seiner Sammlung der kleinen alten Gedichte Caßius Schriften für welche gewesen ? Satiren , worinnen der qure einverleibet hat . die 1590 zu Paris ans Licht getreten ist . Ich sehe da - Name vieler berühmten Personen , von beyderley Geschlechte . war ver - zn . daß diese« Sinngedichte auf den Orpheus noch vor der Sammlung lästert worden . So redet TaciruS : Primus Auguftus cognitionera de« Pithöu« erschienen ist . Achilles Statins hat es zuerst in der Aus - de famofis hbellis ( pecie legis eins ( Maieftaris ) tratfauit , couimotus legung über den Sueton , de claris Rhetoribus , bekannt gemacht . Hier - Caffii Seueri libidine , qua viros foeminasque illuftres procacibus feri - auf hat e« Nathan Chyträu« mit einer Auslegung alisgeschmnckt . ptis diftamaiierat . Annal . Libr . I . cap . LXXII . II . saget Moreri . daß Viele stehen in den Gedanken . daß eS ein ur . rergelchobeiies Stuck sey , Caß - u« Severus einer von den Verscbwornen , wider den Cäsar , davon Achilles Statin« der wahrhafte Urheber ist . Siehe Voll' , de Pvct . gewesen ; Saß er nach der Niederlage Oes Srutus und Caßius , Lat . p . 24 . uitf> bm Thcfaur . Seholafticae Eruditioms . ES ist jeder - im 7' - Jahre Roms dem jungen Pompe , us und nacl ? diesem mann bekannt , wie MuretuS solches dem größten Kunstrichter »einer dem Antonius gefolgt st ) - ; und daß endlich Augustus dem V« - Zeit , Joseph Sealigern , wi« gemacht . und sie für Verse de« ( B ) - - - Er hat dadurcl ? viele Scbniner begangen . ^ den rechten Weg , weil diese Verbannung eigentlich für unser» CaßiUS I . Bemerket er , daß die Schriften dieses Caßins , welche dem guten gehöret . Allein Moreri bleibt nicht lange auf dem guten Wege , ohne Namen der Slandespersonen ein wenig zu naei'tbcilig gewesen . straucheln . Taeitus belehret uns nicht , daß e« Tlberins gewesen , der den Ursache gegeben , daß Augustus von allen berübmten U ? er< Caßius nach der Insel Creta verwiesen har : er saget mir unter dem ken XPiflenschftft liabcn wollen , die herausgegeben wurden . Jahre ? 77 , welches das zehnte de« Tiberiu« gewesen , daß man die Strafe

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