Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13537

956
Justmiani .
appellatus , quod faturetur annis : ex fe enim natos comefle fingitur folitus , qiiia confumit aetas temporum fpatia , annisque praeteritis in - ftturabiliter expletur . Vinöus eft autcm a Ioue , ne imniodcratos curfus haberet , atque vt eum fiderum vinculis alligaret . Cicero , de Natura Deorum , Libr . II , Cap . XXIV , XXV . Es wird weiter nichts brauchen , das Lächerliche dieser Erklärungen wohl zu erkennen . Man wird sie nicht lesen können , ohne daß man Mitleiden mit denjenigen Weltweisen hat , die ihre Zeit so übel angewendet haben ; und ivenn man eines Theils die bösen Folgen ven den Erdichtungen der Poeten net , und die ungebundene Freyheit , mir welcher sie über eine Materie Po , sen getrieben haben , die so viel Ehcrbiethung verdiente ; so ergehet man sid> andern Theils an den Annehmlichkeiten ihrer Erfindungen , so lange als man sie als ein Gedankenspiel ansieht . Allein wenn man Philosophen sieht , die mit allem ihrem ernsthaften Wesen Geheimnisse in diesen albern Fratzen finden , so kann man ihre Verblendungen nicht län - ger ertragen , und man wirft ihnen diesen Spruch auf den Buckel :
Turpe eft difficiles habere migas ,
Et ftultus eft labor ineptiarum
Martial . Epigr . L X X X VI , Libri 11 .
Das größte Uebel ist , baß , da sie sich vor einer Gottlosigkeit verwahren wollen , sie in eine andere gefallen sind : denn , da sie die Götter der Poe - ten . beseelte und belebte Götter verworfen , so haben sie andere an dersel« bm Platz gestellt , die weder Leben noch ( Erkenntnis ? harten . Wir wollen den Vorwurf sehen , den ihnen Cicero , Libr . I , cap . XIV , de Nat . Deor . gemacht hat . Hic idem ( Zwo ) alio Ioco aethera Deum dicit eile , fi intelligi poteft nihil fentiens Dens , qui nunquam nobis occurrit que in preeibus , neque in optatis , neque in votis . Aliis autemlibris rationem quandam per omnem naturam rerum pertinentem , vt diui - nam , esse affeäam putat . Idem aftrit hoc idem tribuit , tum annis , menfibus , annorumque mutationibus . Cum vero Hefiodi Theogo - riam interpretatur , tollit omnino vfitatai pereeptasque cognitiones Deortim ; neque enim Iouem , neque Iunonem , neque Veftam , neque quenquam , qui ita appeHetur , in Deomm habet mimero ; fed rebus inaniuiatis , atque mutis per quandam fignificationem haec docet tri - buta nomina . Durch diese falschen Auslegungen haben sie die Menschen gewöhnt , das blaue Gewölbe , da« über unsern Köpfen ist , für den Zu , piter zu nehmen , Hunc Ennius nuneupat ita dicens ,
Afpice hoc
Sublime candens , quem iauocant omnes Iouem .
Planiusque alit loco idem ,
Cui , quod in nie eft , exfecrabor hoc , quo lucet , quidquid eft .
Hunc etiam Augures noftri , cum dicunt , Ioue fulgente , tonante : dicunt tnim caelo fulgente , tonante . Euripides autem , vt multa praeclara fie boe breuiter .
Vides fublime fufutn , immoderatum aethera ,
Qui tenero terram circumieftu ampleöitur :
Hunc fummum habeto Diuum : hunc perhibeto Iouem .
Ebend . Libr . II , Cap . XXV .
Was die Juno anbelangt , so haben sie dieselbe zur Luft gemacht , wie uns Cicero ebendaselbst >m XXVI Cap . belehret . Aer autem , vt Stoici diC putant , interieftus inter mare , et caelum , Iunonis nomine confecra . tur , quae eft foror et coniux Iouis , quod et fimilitudo eft aetheris , et cum eo fumma coniunöio . Effeminarunt autem eum , Iunonique tribuerunt , quod nihil eft eo mollius . Man mag sich bey diesem Lehr - s^tze drehen , wohin man will , so wird man weder die Abgeschmacktheiten , noch die Gottlosigkeiten vermeiden können . Hier ist ein Beweis davon : wir wollen diese Philosophen ein wenig befragen . Also glaubet ihr , daß der Jupiter der Poeten , und derjenige , der auf dem Capitol und an allen andern Oettern verehrt wird , derjenige große Umfang ist , an dem wir so viele Sterne sehen ? und daß diejenige Juno , die Schwester und Gemah - linn Jupiters , die so eifersüchtig , so stolz , so mächtig ist , welcher die Ar - gier und die andern Völker so viele Ehre erweisen , die Luft ist , welche die Erde umgiebt , die in die Lunge der Thiere dringet , und wo sich die ken , der Reqen , u . d . m . bilden ? Allein ist es nicht handgreiflich , daß die , ser himmlische Raum , und diese Luft ein Theil von der Materie der Welt sind , und daß die Materie , als Materie , nicht denket ? Erkennet man nicht deutlich , daß die Luft nicht mehr Leben und Erkenntniß hat , als der Scknce und der Hagel ? Wenn also Juno nichts anders , als die Luft ist , so ist es ja lächerlich , Gebethe an sie zu richten , und ihr Opfer zu brin - gen : denn sie versteht , und erkennet nichts ; und also wirft eure Lehre die Religion gerades wegeS um . Dieß ist eine materialische Gottesleugnung ; ihr entzieht der Juno alle ihre Göttlichkeit ; ihr lasset ihr nur den leeren und nichts bedeutenden Namen einer Göttinn ; und seyd weit abge - sckmackter , als Epikur , wenn ihr dasjenige anberhet , was weiter nichts , als ein betrüglicher und erdichteter Name ist . Juno ist hier nur ein Vor - bild ; allein Jupiter und Neptunus , und alle andern Götter , fallen eben so wohl , wie sie , durch die Stärke desselben Vernunftschlusses . Wenn ihr saget , daß ihr die Luft nicht , als einen schlechten Körper betrachtet ; wenn ihr behauptet , daß Juno die Lust sey , so erkläret mir doch , was ihr außer dem dabey betrachtet . Wollet ihr , daß die Luft mit der Göttinn
Iustiniani f ( Augustin ) Bischof von Nebbio auf der Insel Corsica , war zu Genua 1470 gebohren . Er wurde den 25 April i487ein Dominicaner , und legte sich mit solchem Eifer , und unter so geschickten Meistern auf die Studien , daß er ein sehr gelehrter Mann ward . Er verstund die Philosophie , die Mathematik , die Gotteögelahrtheit , das Griechische , Hebräische , Ära - bische und Chaldäische sehr wohl . Er lehrte achtzehn Jahre in der Lombardey , mit großem Ruhen seiner Zuhörer : er wurde den 15 des Wintermonats 1514 auf die Anpreisung des Cardinals Bendinello Saoli , seines Vetters , zum Bischöfe von Nebblo aemachet ; und erhielte seine Bullen eher , als er die Dienste wußte , die ihm dieser Cardinal geleistet hatte . Er hat dem Conci - Uo im Lateran beygewohnt , und etliche Artikel des ConcordatS bestritte» , das zwischen Frankreich und dem Hose zu Rom errichtet worden war . Dieses hat nicht gehindert , daß ihn FranciscuS der I nicht nach Paris gezogen , und ihm den Titel seines Allmo - fenierö gegeben hätte . Er hat sich der Einsichten dieses Prälaten bedient , die morgenländischen Sprachen bey der Universität zu Paris einzuführen . Da sich Iustiniani so nahe bey England befand , so that er eine Reise dahin , und erhielt von Heinrichen dem VIII viel Liebkosungen . Er hat eine sehr schöne Bibliothek angelegt , und sie durch seinen legten Willen der Republik Genua vermacht ( A ) . Er hat viel Verbesserungen in seinem Bischosthume gemachet , und ihre Einkünfte vermehrt , und seine Haupt« kirche , die der Jungfer Maria gewidmet war , solchergestalt ausgeziert , daß ihn Maracci unter die Zahl der treuen Diener die»
i - r
Juno vereiniget sey ? Daß sie jener zur Seele diene , und daß jene dieser Göttinn zum Körper diene ? Heißt dieses aber nicht eine Gattung eines belebten Wesens voraus setzen , davon wir nicht den geringsten Begriff haben ? Enthält der Begriff einer lebendigen Creatur , nicht die mensetzung der Theile , die ein Ganzes zusammen ausmachen ? Schließt er nicht dasjenige aus , was man quantitatem diferetam nennet ? Ist es nicht gewiß , daß sich die Theile der Luft von einander trennen , und daß der geringste Stein , den man in dieselbe wirft , eine Auflösung des zusam - mengesetzten Ganzen machet , welche« eine schmerzhafte Verwundung seyn müßte , wenn die Luft ein lebendiges Thier wäre ? Was für Gefahren tzet ihr die Juno aus , wenn ihr sie zur Seele der Luft machet ? Erhielte sie nicht unaufhörliche Wunden ? Wenn ihr mir antwortet , daß diese Gottheit mit der Luft vereiniget sey ; nid>t daß sie ihr zur Seele diene , sondern nur , daß sie dieselbe wirksam mache : so verfallet ihr in eine andere Alberkeir . die eben so lächerlich wäre , als wenn wir sagten , daß ein Steuer - mann ein Schiff , und ein Stallmeister ein Pferd wäre . Wollet ihr mir antworten , daß ein großer Unterschied unter diesen Dingen ist , weil ein Steuermann nicht mit einem Schisse vereiniget ist , wie die Juno mit der Luft ? So erkläret mir doch diese Vereinigung : und gebet Acht auf die Verwirrungen , darein euch Aristoteles versetzet , wenn er saget , es sey wider die Vernunft , daß die Luft und das Feuer belebte Creaturen wären : im Falle aber , wenn sie eine Seele hätten , es abgeschmackt sey , daß sie es nicht wären . Prüfet diese Worte wohl : ^ rim
ph yug ah luv iv tu it ( p i , i' i» ri nvgl ita if « Toisi £aov , h
ii toT ( fiixrui : , vjrf rxGra ßiÄrluv I» toCt oif tivxi ioxevca ; yieg «»ti« , vjh Siic t / v« tdrUv tj «v rw äift ifiv%ij , t> ? { Jv reif ßtÄrtun hl vjf ) tvfjißahsi 31 ä / i ri A ( yitv ifiov ri > } rov uipx , rOv irapzAoyuTffm i ? f , yjfl fti ) kiytn 4»« tpuzfc i / Mvtf , «rojrov . Qiiam enim ob caufam anima in aere qui . dem vel igne fiineft , non facit animal , in miftis autem facit ? praeter - tim aim in illis videatur esse praeftantior ? Qiiaeret etiam quispiara quam ob caufam anima ea . quae eft in aere . praeftabilior eftac immor - talior ea , quae in animalibus ineft . Vtrobique autem emergit quod - dam absurdum et rationis egrediens metas , nam ignem autaerein ani - mal esse dicere , rationis egreditur fines , et asserere rurlus animali * non esse , fi in fit in ipfis anima , perabfurdum eft fane . Ariftot . de Anima , Libr . I , cap . V , p . m , 485 . Tom . I , Operum . Hier befindet ihr euch zwischen zween Abgründen . Wenn Inno die Seele der Luft ist , ohne daß sie und die Luft eine belebte Crearur ausmachen ; so ist es eine Ungereimtheit , die nicht zu behaupten ist : und wenn sie eine belebte Creatur ausmache» , so ist eS eine Abgeschmacktheit und entsetzliche Gott» losigkeit . KarneadeS , hat mit aller derjenigen unüberwindlichen Stärke , die ihm so eigen war , das erdichtete Daseyn einer solchen Gattung von belebten Creaturen dermaßen zu Boden geschlagen . daß sie sich niemals wieder aufrichten können . Man sehe seine Schlußreden in des Cicero III B . von der Natur der Götter XVII Cap .
Ich will mit einem Gedanken den Beschluß machen , den mir Pausa« nias darbiethet . Er erzählet , im VII B . XIII Cap . 68z S . daß er ei - nes Tages mit einem Sidonier in einem Tempel des AeskulapiuS dispu - tirt . Dieser Mensch hat behauptet , daß die Phönicier , in den Materien von der Gottheit , viel geschickter , als die Griechen gewesen , und auch in den andern . Sie sagen , hat er dazu gefüget , daß Aeskulapius des Apollo Sohn ist , und fie wollen nicht , daß eine Frau feine Murrer gewesen ; denn er ist die Luft , die Quelle der Gesundheit , so wohl für die Menschen , als für die Thiere . Apollo , welcher die Sonne ist , wird billig für des Aeskulapius Vater gehalten , weil sie durch die Abwechselung der Jahrs - zeiten , die ihre Bewegung einführet , die Luft gesund machet . PausaniaS ist allen diesen Dingen beygefallen ; allein er hat gewollt , daß sie den Phöniciern nicht mehr zuqehörten , als den Grieä>en , und daß es auch den Kindern bekannt fey , daß die Gesundheit der Mensd>en eine Wirkung von der Bewegung der Sonne sey . Man urtheile hieraus von der Recht» gläubigkeit der Heiden . Diejenigen , welche sich , die Lehren der Theolo - gie besser zu verstehen , gerühmt , haben zu erkennen gegeben , wenn sie sich rund erkläret : daß sie keine andern Götter , als die Lust , und die Gestirne u . f . w . erkannt haben . Dieß war im Grunde , eine wahrhafte Gottes - leugnung ; dieß hieß die Nothdurft der Natur in einen Gott verwan« deln . Ich habe eine Stelle in dem Euripides beobachtet , wo man den Jupiter anruft , ohne daß man recht weis , was er ist . Man bekennet , daß er durch verborgene Wege alle Dinge gerecht regiert : allein man hält es für sehr schwer , ihn zu erkennen , und weis nicht , ob er die Noth - wendigkeit der Natur , oder der menschliche Verstand ist . Was für ein Glaube ! Ein Spinosist würde dieses bey nahe unterschreiben .
d yfit Vxw , * %m Ugm ,
Ot ri ( tt6t tltu Ji / toV« ? « ? tiShtxi Z£ & < , « " t' iviyKti ( pustut , ein »» ( ßforlh Tlgotiv^äiitri st aa / ra yocg ii Bottvuv XCACI / T¥ , tcc 5vt ) r' aytif .
O terrae vehiculum , et in terra habens federn ,
Quicunque tandem es , imperueftigabilis animis noftris Iupiter , fiue es neceflitas naturae , ( iue mens mortalium , Te inuoco , ornnia enim per arcanani Vadens viam ducis mortalia iufte .
Hecuba beym Euripides in Troadibus , v . 884 - p . m . 107 .

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.