Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
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Jupiter .
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aot : quam cum grauidam fecifiet , dighitiuit , ne qnis alius Deorum nafceretur ex ea iinpudens ac fatuus . Ex eo clbo mox ipfe Iupiter pro vxore grauidus faflus Palladem armatam e capite peperit . Natal . Cos mes , Mythol . Lib . II . p . in . 90 .
Seit der ersten Ausgabe dieft« Wörterbuches habe ich diese« genauer geprüfet , und gefunden , daß Natali« Comeö nichts vorgebracht , das nicht auf die Worte des Johann Diaconu« gegründet wäre , die er anführet .
Dieser Diaconus ist ein griechischer Scribent und Christ , welcher An - spielungen und Scholien über de« Hesiodu« Gedicht , 0««yov / * , sie gung Oer Götter , betitelt , gemachet hat . Er saget ausdrücklich , daß Iupiter , nachdem er seine Gemahlinn , Metis , verschlungen , die va gebohren habe ; vjf ) mirw xoctccxiuv äitarlxltt ix rii { taurS ue ( puAf<
Tijv T ( iToyh«av aW«» ; er bedienet sich , sage ich , dieser Worte bar darauf , nachdem er die in der von mir angeführten Stelle des Na - talis Lomes enthaltenen Ausdrückungen gebraucht hatte . Er erkläret da - durch handgreiflich , daß man , nach seinem Willen , urtheilen solle , es fty Minerva aus Jupiters Kopfe gebohren worden : weil Metis , da sie schwanger gewesen , vom Jupiter , ihrem Gemahle , verschlungen worden .
Allein Hesiodus führet uns nicht zu diesem Gedanken , und qiebt so gar vor , daß der Metis klägliche« Ende , der Minerva Geburt beschleuniget habe : dieß ist der Auszug seiner Erzählung , 887 u . f . S Metis , Ju - piters erste Gemahlinn , stund im Begriffe zu gebühren ; allein Jupiter hat sie daran gehindert : er hat schmeichlerische Gespräche geführet , die sie betrogen , und sie in seinen Bauch verschlungen . Der Himmel und die Erde hatten ihm diesen Rath gegeben , und gemeldet , daß , wenn er dieses nicht thäte , er seinen Zepter verlieren würde , weil das Verhäugniß beschlossen : daß Metis , nachdem sie die weise Minerva zur Welt gebracht .
mit einen , tapfern Knaben niederkommen sollte , der uber Gotttr und gewöhnlicher , als Leute zu sehen , die ihre Laster zu entschuldigen , '
Menschen herrschen wurde . Jupiter hat diesen unglücklichen Swe . ch ^pten : entweder , daß sie weiter nicht - gethan . als daß sie den Göt5
de verschlossen . ehe sie tJr , „ n / hn , „ hn , t «w 1»^ a - «» . . 5 . » .
„ legen > - - indem sie glauben können , daß sie durch die Nachah - „ mung der Götter nicht fehlten . Dieses will auch dieJo in de« Euripi - „ de« Tragödie , die von ihr den Namen hat , sagen :
M . i . . Ovx er ivifüxu ; xxx & t „ Alyetv Slxmov , il tz tü» Siffi» x«x«
„ Mtpiipii' , ccX^it rtf ( iiSirxovr« ( TÜe .
„ Man muß die bösen Mensche» nicht verdammen , wenn ihnen die Götter „ selbst zu einem Beyspiele dienen ; der Tadel fällt auf die , die ihnen zum „ Muster dienen .
Diese Note machet Meziriac über eine Stelle desOvidius . p . 419 . 420 . wo Phädra . in Epift . ad Hippolytum , bemerket , daß der Scrupel der Blutschande , zu den grobe» Zeiten des Saturnu« , gut gewesen ; daß aber unter der Regierung seine« Nachfolgers , einer Frau erlaubet gewe - fen seyn müsse , bey ihrem Stiefsohne zu schlafen . Jupiter , saget sie , der sich mit seiner Schwester vermählet hat , bestätiget alle« :
Nec quia prhiigno videar coitura nouercae
Terruerint animos nomina vana tuos .
Ifta vetus pietas , aeuo moriturafuturo ,
Ruftica Saturno regna tenente , hiit .
Iupiter eile piuin ftatuit quodcunque iuuaret ,
Et fas omne facit fratre marita foror .
Ovidiu« fällt hier in einen sehr groben Fehlet , ( diese Anmerkung machet Meziriae , p . 4 , 9 . ) weil e« gewiß ist , daß Saturnu« mir seiner Schwe - ster , eben wie Jupiter mit der seinigen . verheirathet gewesen . Man könnte der Stelle des Euripides , die Meziriac angeführer hat , hundert andre Stellen , von gleicher Stärke , beyfügen . Nichts ist in den alten
abgewendet : er hat die Metis in sein Eingeweide Mutter geworden ; er hat sie darein verschlossen , sage ich , damit sie'ihm Böses und Gutes ankündigte .
A * Ä . ' agapiv Zet> ( TgocS'ev et ) / lyx & THsTt vyivv ,
dt Si1 oi Qf & eeairo Sei äyaäöv rt xctxöv ts .
Sed illam fane Iupiter ante in fuum condidit ventrem .
Vt nempe ei indicaret dea bonumque malumque .
Ebendas . verf . 899 .
Er hat hieraus die Themi« geheirarhet , von der er viel Kinder gehabt : er hat auch viele von seinen Beyschläserinnen gehabt . C°f hat von der Eurynome , OceanS Tochter die drey Gratien gehabt : darauf hat er sich zur Ceres geleget , welche die Proserpina zur Welt gebracht hat . Nach diesem hat er sich in die Mnemosyne verliebt , und sie zur Mutter der neun Musen gemacht . Von der Larona hat er einen Sohn und eine Tochter gehabt , nämlich den Apollo und die Diana ; und endlich hat er sich mir der Juno vermählet , die ihn mit drey Kindern . , der Hebe , dem Mars , und der Lucina beschenket ; und er für seine Person , hat die Mi - nerva in seinem Kopfe empfangen , und sie zur Welt gebracht . Man siehr wohl , daß Hesiodus , ivenn er gewollt , daß sich seine Leser einbilden sollen , es sey die Geburt der Minerva die Wirkung von der Einschließung der Metis in dem Bauche Jupiters gewesen , alles dasjenige gethan här - te . was nöthig gewesen wäre , sein Vorgeben zu vernichten : denn er hat zwischen dieser Wirkung und dieser Ursache . eine Zwischenzeit gesetzet , welche an ganz was anders , als die Absicht gedenken läßt , die er gehabt hätte . Wir wollen also sagen , daß er diese Absicht nicht gehabt , oder daß er in dem schändlichen Fleiße , eine Geschichte übel zu erzählen , und dunkel vorzutragen , unvergleichlich gewesen sey . Man merke , daß wenn die neunzehn Verse , die man in des GalenuS Werke , de Hippocrat . et Pia - tonis Placitis , Lib . III . cap . VIII . p . 131 . par . Ausg . 1679 , findet , des siodus gewesen , wir diesen Poeten nicht würden tadeln können , daß er zu dunkel gewesen wäre . Man sieht darinnen ganz deutlich , daß dieselbe Pallas , die au« Jupiters Kopfe gebohren worden , in dem Schooße der Metis empfangen wäre . Allein man muß beobachten , daß sie erstlich nachdem enipfanaen worden , da Metis vom Jupiter verschlungen war . Dieß ist eine Veränderung , die bemerket zu werden verdient . Ich sehe dazu , es ist nicht die geringste Wahrscheinlichkeit , daß diese Verse vom Hesiodus wären : wenn er der Urheber davon gewese» , so müßte in sei - nem Gedichte von der Zeugung der Götter eine Lücke seyn , worüber sich aber die Kunstrichter nicht beklagen . Galen ist ein wenig zu tadeln , daß er nicht ins Licht gesehet , ob das Vorwort xfoot , ipfe , welche« vor den zehn Versen hergeht , sich entweder auf den Hesiodus , oder den Chrysip , pus bezieht . Ich glaube , daß es sich auf den Cbrysippus bezieht , und daß dieser große Philosoph , nachdem er des Hesiodus se , die Metis betreffend , angeführet , diese aus einem andern Dichter angezogen hat , wo die Empfängniß der Minerva ein wenig ander« schrieben war . Fraget man mich , warum Chrysippu« des Hesiodus Ver , sc . und die ander» a»gesühret . so werde ich antworten : es ist darum schehen , damit er beweisen wollen , daß seine Meynung , wegen des Sitze« der vernünftigen Seele , der Sage von der Minerva Geburt , nicht zuwider wäre . Er hat die vernünftiae Seele ins Herz aeschet . und gleichwohl war Minerva , das beißt , die Vernunft und Weisheit , aus Jupiters Ge - Hirne gebohren . Diesen Einwurf hat Chrysipvus gepruset ; er hat sich des Umstandes zu seinem Vortheile bedienet , daß die vom Jupiter ve^ schlungene Mens , die Minerva empfangen habe , und behauptet , daß dieses bemerke : es sey die Vernunft in der Brust gebildet worden , und daß die Gebährung der Minerva , die Sprache bedeute , da« ist , daß die Vernunft aus dem Kopfe komme ; angesehen der Mund das Werkzeug ist , wodurch die in dem Herzen abgefaßten Gedanken . sich von außen zu erkennen geben . Galenu« hält es p . >zz . für sehr seltsam , daß sich Chry - slrwu« die Heit verderbet , die Traditionen der Poeten so sorgfältig zu er - - ^ ' ff , m ftt hi>m 5frtiM ( TbtVttU -
frören . Siehe oben die angeführten Stellenm dem Artikel Chrysip - pus . '
fckickt aetvefeN ' V>e guten Sitten M verderben . }
Arnauld in der V ciu ? ecke Philofopniqiie , P^Z2 . „ Auel
Vi ; ltl ) C vutr» vtv . " ' 5 '
vus . Man kann ihm eine so Übel angewendeteZeit . Nicht genug vorwerfen , m Da« Lehrgebäude der heidnischen Religion , ist sehr ge< v ) . . . i Man sehe den
^rnauio in m v
" diesen schandbaren Thaten Jupiters , haben die christlichen Scribenten »starke Grunde gefunden , die Heiden , wegen der Falschheit ihrer Götter , 'h " - beugen , wie man in vielen Stellen deSLacrantius , TertullianuS , »des Clemens von Alexandrien , des Arnobiu« , und vieler andern sehen h H " ' A^enn außer , daß so viele abscheuliche Verbrechen mit der Gott - . ^ehen können : so hatten die Heiden daraus einen gerechten „ rwand " ehmen können , sich mit allen Kräften auf böse Thaten zn
lern nachgeahmt , oder , daß sie von den Göttern gereizet worden , Böse« zu thun . Siehe den Artikel - Helena , in der Anmerkung ( C ) . Um aber nichts zu verheelen . so muß man zum Ruhme der Heide» sagen , daß sie nicht nach ihren Grundsätzen gelebet haben . Es ist wahr , daß die Verderbnisse der Sitten , in dem Heidenthume groß gewesen ; allein es haben sich viele Leute darinnen gefunden , die dem Vorbilde ihrer fal - scheu Götter nicht gefolget sind , und die Begriffe der Ehrbarkeit einem so großen Ansehen vorgezogen haben . Seltsam ist es , daß die Christen , deren Lehrgebäude so rein ist , in Ansehung der Laster , den Heiden fast nichts nachgeben . ES ist einJrrthum , wenn man glaubet , daß die Sitten einer Religion , mit den Lehren des Glaubensbekenntnisses , über - ein kommen .
( E ) Jcb werde nur von dem Adler reden , der ihmdenL ? ecrar »«getragen hat . z Eine Frau . Namens Moero . die Urheberinn eines Gedichtes , welches den Titel halte , das Gcdäctitm'fi , ( Athen . Libr . XV . p . 490 . ) saget : daß Jupiter , ohne Vorwissen aller Götter , in einer Höle der Insel Creta , durch Tauben ernähret worden , die ihm Ambro - sin gebracht , und durch einen Adler , der ihm Nectar gebracht hat Der Ambrosin kam vom Ocean , und der Neckar war aus einem Steine ge - zogen . Jupiter hat diesen Adler , nachdem er den Saturnu« vom Throne gestoßen , verewiget , und ihn in den Himmel versetzet .
NAcra ? 3' ix itir^ ptyttf altros altv äQvgtuv ,
Tov viKlifxt T«r#pa Kfovow lifioitK Zfü { ,
A'SavaTa - j wolwt iyxtxrivarrw .
Nedtar vero ex faxo ingens aquila femper haurien» ,
Aduolaiis portabat confulto prudentiqne Ioui .
Eam vifto patre Saturno Inppiter altifonus ,
Immortalitate donatam , in coelo habitare volitif .
Ebendas . pag . 491 .
( F ) Charpentier erzählet eine Sacke nickt ricktig , weswegen er den - Hoiner anführet . ^ Ich rede von dem Mitglied ? der franzö - stschen Akademie ; er hat den König , in Begleitung der Akademie , nach der Eroberung von Mans , anzureden gehoffer : allein dieser Prinz hat für dießmal keine Reden haben wollen . Charpentiers Anrede ist dem Mercure Galant , des Maymonats 1691 , einverleibet worden . Man fin - det darinnen , daß der König wie Homers Jupiter sey , wider welchen alle andern Götter vereiniget sind ; und welcher , nachdem er ihnen die Eitelkeit ihres Vorhabens vorgeworfen hat , ihnen durch die Erfalirung beweist , daß seine Macht unüberwindlich sey ; und sie so bald , als sie wi - der ihn geschossen , alle mit der Erdkugel und dem Meere aufgehoben . Mit seiner Erlaubniß : Jupiter beym Homer , im VIII B der JliaS zu Anfange , hat dieses nicht durch die Erfahrung bestätiget ; er hat sich des - sen nur gerühmt , er hat nur damit gedrohet .
Die ändern Götter sind nicht überzeuget gewesen , daß er sich mit Recht gerühmet habe . Sie haben nur geglaubt , daß er bey einem Zwey - kämpfe stärker wurde , als sie seyn . Seine Drohung ist dem Mars la - cherlich vorgekommen , da er sich erinnert , daß nicht vor allznlanger Zeit Neptunus , Juno und Minerva den Jupiter überfallen und gebunden , ihn mit Schrecken erfüllet , und ihn wirklich gebunden gelassen hätten , wenn Thetis nicht Mitleiden mir ihm gehabt , und den hund^tarnugten BriaräuS zu seiner Hülse gerufen hätte . Aus dem Lucia» , in Deonmi Dialogis , p . 173 . 174 . Siehe Horner . Iliad . Lib . I . verf 398 . u . f Wenn Charpentier den satirischen Geist unsrer Pasquillanten gekannt hätte . so würde er sich vermuthlich der Vergleichungen enthalten haben . Er hätte an den Lucian gedacht .
( G ) Sie haben vermöge , ick weis nickt , was für eines Vernlinft - scklu»scs in Viesen Irrthum fallen können . ^ Wir wollen anfänglich hen , wa« Hesiodus von dem Geschlechtregister der Götter gesaget hat , v . 116 . Er sängt mit dem Chaos an : dieß ist das erste Wesen , das er fest setzet : darauf setzet er die Erde und die Liebe ; er setzet dazu , daß ErebuS und die Nacht von dem ChaoS gebohren worden ; daß Aether und der Tag aus der Ehe des Ere - bus und der Nacht entsprossen ; und daß die Erde ohne Verheirathung . den Himmel und das Meer gezeuget , und . nach dem sie sich hierauf mit dem Gimmel verheiratet , den Ocean , die Rhea . die Themis . die Thetis , de» SaturnuS , u . a . m . zur Welt gebracht habe . Diese außerordentlich fruchtbare Ehe hat der Erde wenig Vergnügen gebracht ; denn der Hirn - mel , ihr Ehmann , hat alle ihre Kinder eingesperret , so bald sie gebohren waren . Sie hat sie zur Rache aufgemuntert . und es so wohl tet , daß ihn Saturnu« auf einmal mit der Sichel , desjenigen Gliede« beraubet , da« man nicht gern nennet , und e« in« Meer geworfen hat .
Lee ttt igo« .

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