Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13487

Jupiter . 951
a fimulachro kante ; , digitos tnouent ornantiuin modo . Sunt quae fpeculum teneant . - - - Sedent quaedam in Capitolio , quac fe a Ioue atnari putant , nee Iunoni» quidem , fi credere Poetis velis , ira . cundillimae refpedhi terrentur . Wir wollen diese« durch eine Stelle bekräftigen , die aus einem Buche genommen ist , das noch besteht : Deum colit , qui nouit . Vetenius lintea et ftrigiles Ioui ferre , et culum tenere Iunoni . Senec . Epift . XCV . p . m . 396 .
* Herr Bayle hat un« die Träumereyen der alten Poeten , von der Inno , davon eine immer abgeschmackter ist , als die andere , nicht nur sehr mühsam gesammlet , sondern auch mit einer solchen Schreib - art vorgetragen , als ob es lauter wahrhafte Geschichte warn , . Er hat es den Heiden aufgemutzet , daß sie solche widersprechende Din« ge geglaubet ; da doch dem gemeinen Manne das wenigste davon bekannt gewesen , auch selbst die Gelehrten der alten Zeiten unmög . lich wissen können , was ihre Nachfolger , die wiederum nicht alle Grillen ihrer Vorfahren wußten , für Ungereimtheiten hinzu setzen ' würden . Den Poeten aber Schuld geben , daß sie selbst dasjenige geglaubet , was sie aus ihrem Gehirne erdichteten , das hieße ent - weder sie für sehr dumm halten ; oder doch die Art nicht wissen , dar - nach sie ihre Fabeln allmählich eingekleidet . Theils haben dir alten Geschichte sich bey den Nachkommen , durch die wunderlichen Erzäh - lungen unwissender Leute , in Fabein verwandelt : theils aber haben die Poeten sie nach ihren Absichten gedrehet , wie sie gewollt , um gewisse Sachen allegorisch darunter zu verstecken . Dieses ist die ge - memste Meynung : und nach dieser zu urrheilen , sollte Bayle tersuchet haben , welches denn eigentlich die historischeIuno gewesen ; und was hernach die allegorische Juno bey diesem oder jenem Dich , ter bedeuten sollen ? Das erste würde ihn auf die eretischen Regen - ten geführel haben , deren einer Jnptter geheißen haben soll . Aber davon findet man weder hier , noch in dem folgenden Artikel das geringste . Das andere aber , welches allerdings da« richtigste wesen wäre , würde ihn auf weit altere Zeiten zunicke geführet ha - den ; da man nämlich , vor Erfindung der Schreibekunst , in Aegypten die Bilderschrift gebrauchet . Hier ist Jupiter und Juno , mit den meisten andern Göttern der Griechen und Römer , zu Hause . Das Sonnenbild , derOsiriS , auf dessen Kopfe man es sah , und das un« sichtbare Wesen , wurde von dem gemeinen Manne endlich vermi - schet . Wa6 also die Einflüsse des Himmels in die Erde , ( Ofiri« ist ylN Mnx Dominium terrae , f . Hut . de 15 . et Ofir . ) zur fahrt der Menfthen bedeutet hatte , das ward erst zu dem ersten An« führer der ägyptischen Colonie , dem Cham oder Hammen ; und endlich zum Jupiter , dem obersten Gölte gemacht . Was vorhin die Erde , mit ihren verschiedenen Wohlthaten gegen die Menschen , bedeutet hatte , und um der Fruchtbarkeit halber , als ein Weib . rnrn Isis , war gebildet worden , das mußte eine alte Königinn , des OsiriS oder Jupiters Gemahlinn , oder Juno ; endlich aber , we - gen der verschiedenen Gestalten , die man ihr gab , die Cybele , dir Venus , Jlithya , ( von nV> generauit , Diana , Minerva je . ? c . werden . Die Griechen , die von diesen in Aegnpten selbst halb in« Vergessen gcrarhenen Bedeutungen , keinen rechten Grund wußten und nach diesem allerleyZusthe uiid Veränderungen machten , gerierhen endlich in solche Verwirrung , daß es lächerlich seyn würde . 'aus eine ernsthafte Art von ihren Gedankenspielen zu reden , wie Herr Baye le qethan hat . MarSham . Bochart u . a . m . haben viel von die'ei , Dingen eingesehen , und dem Herrn Bayle harre dieß nicht unbe - kannt seyn sollen . Noch neulich «b - r hak uns Herr Plüche in fei» ner Hiftoire du Cid , ein so vollkommenes Licht darinnen angezündet , daß ich alle Liebhaber der Mythologie , nur auf ihn allein verweiftn darf . G .
faris Inno , nec fedare irnpetuni ettpiditatum in regina poterat numi - num , cum nobilitas eam commendaret tanta , facies , oris dignitas , et vlnarum niuei marmoreique candores . Ein Sophist , der ein großer Grübler wäre , würde vermögend seyn , dieses Unheil des Arnobius ans zugreifen , und zu sagen : daß nach Verlauf einer gewissen Zeit , die Schön - heit der Frauen , in Absicht auf ihre Ehmäniier , alle ihre Stärke verliert ; da die Natur der Dinge so beschaffen ist , daß sie nicht mehr rühren , wenn man derselben gewohnt ist , ab afluetis non fit paflio . Er würde haupten , daß der Grundsatz der Staatsleute , daß die besten Mittel , die Herrschaft zu erhalten , diejenigen sind , die man zu derselben Erlangung gebrauchet hat : Imperium facile iis artibus retinetur , quibus initio partum eft , ( Salluft . in Prooem . Belli Catil . " ) in dem Reiche der Schön - heit falsch ist ; denn wenn die Schönheit Eroberungen machet , so erhält sie dieselben nicht : ein Ehmann . der nur dadurch verliebt geworden , weil seine Liebste schön gewesen , bleibt nicht länger verliebt , als so lange seine Frau schön bleibt ; die Gewohnheit machet ihn , gegen diese Art der Rei - zung hart , er kömmt der Unempfindlichkeit von Tage zu Tage näher .
Einige kommen zeitiger , andere später darzu : allein endlich gelanget man doch darzu , und die Zärtlichkeit , die man behalten kann , und die man in der That auch sehr oft erhalt , ist nicht allein auf die Schönheit , sondern auf andere Eigenschaften gegründet . Die Erfahrung zeiget , daß die Ehmän - ner , deren Freundschaft am längsten und beständigsten dauert , gemeinig - lich nicht die schönsten Frauen haben . Man muß das Anziehende , wel - che die Herzen anfänglich vereiniget , und sie nach diesem verbunden er - hält , anderswo , als in der Schönheit suchen :
Haec re» et iungit , et iunäos feruat amicos .
Horat . Sat . III . Libr . I . v . 54 .
Ein Sophist würde viel andere Beobachtungen von dieser Art über ein - ander häufen ; allein man müßte ihn zuletzt als einen Grübler verwer - fen : denn die Anmerkung des Arnobius hat eine Art eines allgemeinen Grundsatzes zum Grunde . Die ganze Nachbarschaft wird weit mehr von den Liebeshändeln eines Mannes geärgert , der eine schone Frau hat , als von den Buhlereyen eines Mannes , der eine garstige Frau hat .
Eine Nation , sogroßsie auch seyn mag , ist viel einhälliger , die Galante - rlen ihres Königes zu entschuldigen , wenn die Königinn ungestalt und sehr widerwärtig ist : als wenn er mit einer Prinzeßinn von einer seltenen und vortrefflichen Schönheit vermählet ist . Es hat jemand dm Sca - ligeranen ein Mährchen beygefüger , das sich hierher schicket : „ Da „ Porthaise . ein berühmter Prediger , zu Poitier« geprediget , wo er von , den Ausschweifungen eines Arztes , Namens Lumeau , hatte reden hö - " ren , welcher , ob er gleich eine ziemlich schöne Frau hatte , dennoch 'manchmal auf Nebenwege ausgieng : so hat er ihn eines Tages ziem - lich kurzweilig auf der Kanzel angestochen , nachdem er wider dieses La - ster überhaupt gesprochen , und darauf ins besondere gesaget : wir ver ,
! nehmen auch mit Betrübniß , daß e« so verderbte Leute giebt , die sich dem 'Ehbruche überlassen , ob sie gleich in ihren Häusern Frauen haben , die so 'beschaffen sind , daß , uns betreffend , wir sehr wohl mit denselben ver - „ gnügt seyn wollten . „ Scaligerana , p . in . 192 .
( FF ) ! Ls bar Frauen gegeben , welche die Juno verehret , indem iie sieb gestellt , als wenn sie dieselbe kämmten - - « und ihr Den Spiegel vorhielten . ) Was für ein Schade , daß wir da« Buch nicht haben , worinnen Seneca diesen niederträchtigen Aberglauben , und viele andere dergleichen verdammet hat . Der heil . Augustin hat es de Ciuitate Dei , Libr . VI . cap . X . p . m . 605 angefuhret : In Capito - tolium perueni , hat Seneca contra fuperttitioncs gesaget , pudebit pu - blicatae dementiae , quod fibi vanus furor attribuit ofhcii : alius no - minaDeo fubiieit , alius horas Ioui nunciat , alius lidloreft , alius vnöor qui vano motu brachiornm imitatur vngentem . Sunt , quae Iunoni'ac Mineruae capillos difponant , lunge atemplo non tantum
^uviter , der qrößte von allen Göttern des Heidenthums , war des Saturnus und der Cybele Sohn . Es ist kein'Laster , damit^er sich nicht besudelt Bafte ; den» , außer daß er seinen Vater vom Throne gestoßen , daß er ihn entmannet , und mit Ketten aefesselt in die tiefste Hölle gelegt hat ( A ) : so hat er mit seinen Schwestern , mit seinen Töchtern , und den Schwestern seiner Ael - ker» Blutschande begangen ( B ) ; und sich auch bemüht , seine Mutter zu schänden . Er hat unzählige Jungfern und Frauen gemis . brauchet und zu diesem Ende sich in alle Gattungen von Thieren verwandelt . Er hat sich Mit der Sunde wider die Natur decket - denn er hat den schönen GanymedeS entführt« , und ihn mit dem Amte eines Oberschenkel , der Götter versehen , damit er " ^ wenn ihm h / o Jnft rtnfnm«' . ? >ie Betrüaerenen . die Meineide , und überhaupt alle durch die
- fressen ( L ) .
. eberrfcher al -
at , den es ihm leistete . Die alten Kirchenväter man kann sagen , daß dieses Lehr -
'JiMÄft aewesen . die guten Sitten zu verderben ( U ) . ^ch werde nichts von oen Fabeln sagen , die entweder die ebaude Jupiters betreffen f . Moreri hat etwas davon berührt , und man findet es in einer großen Men -
» SfiSTÄ Händm h°b . n . Ich w - rd - nur «°n d . m Adw r - dm . d» ihm dm Stm - r zuq« .
tragen ? E ) ' Diese Sache ist nicht so gemein . Charpentier erzählet eine Sache nicht richtig , weswegen er den Homer
iIi mir eine ziemliche lange Zeit ftemde vorgekommen , was die Heiden von dem Urspn , nge Jupiters gesagt haben , Dasjenlge^t Ml» , eine ^ unh mi> einem Mort« . fo voiae^mmen »ft »viß
? A^^nungmtterschieden waren . ^Ven» man nun einmal diese zween Lehrsätze festegeseßthat / ^ isteS fast eben so leicht , sich einzubil - der Ausdehnung u terschl könne , als zu glauben , das ? die Seele des Menschen materialisch ist ; wie es die
den , daß eine verdnnnte Matene i G ^ Anmerkung G . Es ist in Arkadien ein Tempel des gütigen Gottes gewe -
meisten von denWetweisen g a . s h geweihter Tempel gewesen : seinGrund ist , weil dieses Beyworr , dem
sen . Pausamas wut^ßet , da^ 'zuk^men müsse ( ö ) . Es ist gewiß , daß Jupiters Gütigkeit durch verschiedene allergrößten von den Gottern v^z 3 > ^ h^hete . Allein man bechete , hn auch unter verschiedenen Namen an ,
Zunamen bemerkt worden ist , u^ Mandat auch durch den bloßen Begriff feiner Herunterfahrt auf die Erdens Amt welche zeigten , we " 'chlcher wa^ . Q Werter , wo man vorgiebt , daß er verlanget Karte , man solle . hm Menschen
eines Blchenden bedeutet ( I ) . ^ ^ das Buch , Cymbalum muiidi betitelt , viel kurzweilige Schene
opfern ( K ) . . A ( ( „ in itb weis nicht ob man den Arnobius in einer solchen Materie übertreffen kann . Die Leb«
über Jupiters T^ttmenthalt . a , ch ^ unb weil er ganz frisch aus den Schulen der Redekunstler kam , so sind
daftigkeit seiner Emblldungsttaft g v Schreibart nicht belebt hat . Ich führe an verschiedenen Oettern dlejeö Wotterbuches
w °b°° m<' " " ™l>6< " " " " V« !

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