Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13478

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Juno .
De peur que Paigu bout des pointues herbettes Leurs plantes n'offencaft : fort tendres et douillettes .
Ainfi nues eftant toutes trois vont niarcher Devant le beau Paris , et droit fi vont ranger .
S - Christoph Deffrans , Ritter , Herr von la Jalouziere , und de la Cha - stonniere bty Nivrt in Poictou , Liv . XI . des Hiftoires des Poetes , fol .
verfo , Ausgabe von Niott , 1595 . Er thur hier nichts anders , als daß er dasjenige in Verse gebracht , was Johann le Maire von Belges , Illulirat . de ( Zanle , Liv . I . chap . XXXIII . p . 10z . in Prosa gesaget hat .
Dieser französische Poet , vergißt eine wichtige Sache , daß nämlich diese drey Göttinnen sich über den ganzen Leib in einem Brunnen ge - badet Häven . Euripides berichtet uns diesen besondern Umstand , in lena , v . 682 . und in Andromacha , v . 283 . und man findet in der logie Sinngedichte darüber , im XIX Cap . des IV B . pag . m . 74s . 746 . Also hat sich die Gemahlinn Jupiters sehr unangenehmen Bedingungen unterwerfen müssen ; denn kurz , sie machte Proseßion von der Keusch - hcit ; sie war ernsthaft und majestätisch , sie wußte ihren Rang wohl zu behaupten , und dessen allen ungeachtet hat sie sich verbunden gesehen , sich vor einem Sterblichen ganz nackend zu zeigen ; und das schlimmste war , baß eine andre dem erkiesten Richter schöner geschienen , und daß Venus den güldenen Apfel davon getragen hat . Er hatte nicht blicken lassen , daß er Ursachen des Vorzugs in dem Gesichte , in dem Wüchse und der Leibestragung dieser dreyen Streitenden erkannt hätte : vielmehr hatte er bezeuget , daß er sie , so lange als er sie bekleidet gesehen , für gleich schön gehalten hatte . Nachdem er hierauf wider die Juno geurtheilct , da er dasjenige verglichen , was die Kleider verborgen gehalten , so ist dieses cm Zeichen , daß er viele merkliche Gebrechen an ihr entdecket hat . Wenig - siens hat man dieses argwohnen können . und dieses muß diese Göttinn grausam gekränket haben . Siehe den Artikel Heinrick Oer III . Sie hat Ursache gehabt , sich darüber zu erzürnen . Zch wundre mich , daß Lu - cian in seinem Gespräche über das Urtheil des Paris , seine boshafrigen Kurzweilen hierüber nicht ein wenig ausgelassen hat . Siehe inDial . Deor . Tom . I . p . 154 . Et hat nicht vergessen , die Juno einzuführen , welche saget : daß sich Diana bloß darum an dem Actaon gerachet habe , weil sie fürchtet , er möchte die Garstigkeiten ausbreiten , die er entdecket hätte , da er sie nackend gesehen . Unser Scarron ist nicht so bescheiden gewesen ; dann so kurz>veilet er in dem ID . des verkleideten Virgils darüber :
Ce que craignant la bonne Dame , ( nämlich Juno ) Et gardant encor en fon ame Le beau jugement de Paris ,
Et l'infuppörtable mepris ,
Qu'en faveur de Venus la belle II eüt pour Pallas et pour eile ;
Outre qu'il avoit revele' ,
( Heureux s'il n'euft jamais parle' )
Qu'ellc avoit trop lortgue nianielle ,
Et trop long poil deßbus TaiHeHe ,
Et pour Dame de qualite Le genoüil im peu trop crote :
Ein Schriftsteller , der zu Anfange des XVI Jahrhunderts geblühet , giebt vor , daß Juno nicht ganz nackend erschienen sey . Sie und va , saget Jean le Maire , flluftrat . de Gaule et lingularitez de Iroie , Livr . I . chap . 33 . p . io3 . Ausgabe , von 1549 , in Folio , sind vor Scham erschrocken , und weil sie es nicht thun wollten , ft> haben sie kein Wort geantwortet , als man ihnen bedeutet , daß sie sich die Mühe nehmen sollten , ihre edlenRleider abzulegen , angesehen ihr Streit auf Sie Vcraleickung der Schönheit ihrer gortlicken Rorper ankäme , und aufdie kluge Unlersckeidun - ; und d«s Gleickgervicwe ihrer berühmten Glieder . Allein Venus , als die Ruhnlke , hat zu ihm» aesaget , daß die Sacken bereits soweit gekommen waren , daß man nickt weiter zurück wcicken könne , und hat sich auszukleiden ange - fangen . „ Da Juno also dieses gesehen . hat sie gesaget : gewiß , örau „ VenuS , wir scheuen uns , ans Furcht der Verweisung nicht davor : allein „ ich bilde mir ein : daß es den unsterblichen und ke»sä>eii Göttinnen anständig ist , so gar der Pallas , als einer Jungfrau , und Mir , die ich 'des Königes und Kaisers Gemahlinn bin , sich vor ewigen sterblichen „ Menschen nackend sehen zu lassen , sowenig du dir auch daraus schest , die du verschiedentlich^ männlicher Gesellschaften gewohnt bist . ' . Jedoch , weil es einmal geschehen muß , so werden wir nicht die letzten ' seyn . - - - Die Königinn Juno , die voller marronalischen Ernst - „ baftigkeit und keuschen Ehrbarkeit war , hat nichts von allen ihren Klei - „ dern anbehalten . Hierauf hat sie einen feinen Ueberhang von Erep , „ lang und weit , und sehr dünne , ganz mit güldenen und seidenen Fran - „ zen verbrämet genommen , damit eine von ihren Nymphen bekleidet „ war Sie hat ihn über ihre linke Schulter geleget , und an der rechten . . Seite zugeknüpfet . Weil ihn nun die spielende Luft , wegen seiner „ Leichtigkeit , bey der Bewegung ihres Ganges , manchmal , wider ihren „ Willen , aufhob , so hat sie ihn mit einer von ihren Händen über ihren „ Busen gehalten , und mit der andern weiter unten . , . Ich halte die , es für eine pure Erdichtung dieses Scribenten . Lucian läßt nichts dergln - chenmit einfließen . Dem sey , wie ihm wolle , so hat mno eine außeror - deutliche Empfindlichkeit gegen diese beißende Beschimpfung bezeiget , die sie von ihrem Richter erhalten zu haben glaubete . Diele Wunde hat ge Zeit geblutet , und die Ruhe ihres ganzen Lebens geboret .
Nec dum etiam caufläe irarum SAEVICJVE DOLORES Exciderant animo : manet alta mente repoftum Iudicium Paridis , fpretaeque iniuria formae .
Virg . Acneid . Lib . I . v . 55 . S . auch den 36 , V . desselben B . Cum Iuno aeteRNvm feruans fub peclore vvlnvs .
Beyläufig wollen wir beobachttn , daß sich MaervbiuS in einem von denen Unterschieden betrieget , die er zwischen dem Virgil und deiq Homer be - merket hat . Dieß sind seine Worre : Nullam cominemorationem de iudicio Paridis Homeru * admittit : idem vates Ganymedein non vt Iunonis pellicem a Ioue raptum , led Iouialium poculorum mini , ftrum in eaelum a Diis afcitum rcfert , velut StoTje * «« . Vergilius tantam deam . quod cuiuis de honeftis feminae deforme ett , velut fpe . cie vidlam Paride iudicante dohiifie , et propter catamiti pellicatum totam gentem eins vexaile coramciaorat . Saturn . Libr . V . cap . XVI .
p . m . 407 . Es ist gewiß , daß Homer das Urtheil des Paris erwähnet , und daß er es im letzten B , der Jlias , 25 u . f . V . für die Ursache des unversöhnlichen Zorns der Juno , gegen die Trojaner angegeben hat : es ist also nicht wahr , wie Macrobius vorgiebt , daß Virgil in diesem Pun - cte vom Homer abgegangen . ES würde zu nichts dienen , wenn man hier sagen wollte , daß Euripides , in Troad . v . 924 . und in Helena , v . 23 . und Coluthus , de Raptu Helenae , eben diese ? UrtheilS des Paris gedacht haben .
( DD ) Sie hat sich - - - in einem Brunnen gebadet , und - - - hat das Wasser - - - einen sehr angenehmen Ge - ruck bekommen , der die JLiift in derselben Gegend wohlriechend gemackt hat . ] Aelian hat uns dieses Mährchen erhalten . Er saget , Hift . Animal . Libr . XII . cap . XXX . daß dieser Brunnen bis auf den Grund durchsichtig gewesen , und daß die Landeseimvohner und - Syrier die Tradition auch erhalten , die ich angeführet habe , und dieser den an - genehmen Geruch zugeschrieben haben , den man rund um diesen Orr em -
pfindet . 'E ( vßv ä %ägof tvuSlav a - imnvti ym ] traf 6 äHx xvx^ ratirjf x^vittoh . Vnde locus etiamnum fuauem odorem fpirat , qui in vi . cinum etiam aereni circumquaque diftribuitur . Man sieht hier die Eigenschaft des abergläubischen und fabelhaften Geistes bey'ammen . Die Völker lassen sich leicht bewegen , alle besondern Eigenschaften , die sie in gewissen Oettern der Welt bemerken , von irgends einem himmli - sehen Ursprünge abzuleiten , und wie sich die Heiden von der erdichteten und plumpen Sage der Liebeshändel und Heirathen ihrer Götter harten verführen lassen : so haben sie geglaubet , daß Juno , da sie ihren Körper den Tag nach ihrer Hochzeit gebadet , einen sehr hellen Brunnen darzu erwählet , und daselbst Merkmaale ihrer Gegenwart zurückgelassen habe . Und man merke , daß sie sich nach dem TurnebuS eingebildet , es hätten sich die göttlichen Naturen durch Ihren Geruch zu erkennen gegeben . Adners . Libr . III . cap . XXXIX . Ich bin nicht sehr vergnügt mit den zween Beweisen , die er anführet , welches die von mir angezogenen Stel - len Virgils und des Ovidiuö sind :
Omnia finierat : tenues fecelfit inauras .
Manfit odor : pofles fcire ftiifle Deani .
Ouid . Libr . V . Faftor . v . 37J . Diese« saget Ovidiuö , wenn er von der Flora redet , und folgendes saget Virgil im I B . der Aeneis , 402 V . von der Venus .
Dixit , et aiiertens röfea ceruice refulfit Ambrofiaeque comae diuinum vertice odorem Spirauere .
Johann le Maire von Belges ist diesem Vorurtheile gefolget : denn er versichert , Illuftrations de Gaule , Livr . I . chap . XXXIII . p , 109 . das ; alle irdisclx Dinge gesckwiegen , und fi'ck in großer Stille und Verwunderung gehalten , da sick die gortlicken Rorper l nämlich der Venus , der Minerva und der Juno nackend vor dem Paris , ) ge - zeiget , welcke bereits die ganze Luft umher durck ihren gottli - cken und ambrosinischen Athem wohlrieckend gemackt hatten . Die Heiden haben leicht geglaubet , daß der Speichel der Götter , und al - so das übrige , zum wenigsten Rosenwasser wäre . Balzac beobachtet , Entret . V . chap . II . p . 88 . ( Man sehe in der Anmerkung ( HH ) , des Artikels Mahomet , was die Anhänger dieses Propheten von seinem Schweiße sagen , ) daß der Poete Fnrius den Jupiter Scknee aus - speien läßt , Iupiter hibernas cana niue confpuit Alpes , und daß ein anderer poete so viel Nectar von ihm fliesten läßt , woraus die Flüsse der güldenen Zeit entstanden sind . Balzac setzet darzu : „ daß „ derjenige , den die Historie des Matthieu den französischen Chrysosto - „ mus nennet , sehr wohl gesaget , da er vor dem Könige , Heinrich dem „ großen , geprediget : Sire , wenn eure Majestät perlen weinten , „ ivenn sie Smaragde spieen , wenn sie Rubine niesten , wenn sie , , Diamanteaussckncu ) lcn , „ u . s . w . Man hat nicht viel Mühe ge - habt , zu glauben , daß die Götter alles dieses thäten . Also machet man den Kindern weis , daß die bekannte Urgande , z , E . oder eine andere Zauberinn , wenn sie sich kämmen lassen , und qefraget haben - was las - sct ihr von meinem Ropfe fallen 1 mit Vergnügen diese Antwort gehöret : Gold und Silber . Die meisten von denen , die dieses in ih - rer Kindheit geglaubet haben , werden es ihre ganze Lebenszeit glauben - wenn man ihnen nicht aus dem Jrrthume Hilst , wenn sie groß gewor - den sind ; oder wenn sie gesehen , daß diese Dinge die gemeine Meynung in Glaubenssachen gewesen sind . Uebrigens giebt es viele natürliche Ei - genschaften , welche die Traditionen der Christen wunderbaren Ursachen zueignen , wie die Heiden der Juno den guten Geruch des Brunnens geeignet , davon ich geredet habe . Sehet ihr nicht , sagte man einsmals zu mir , diese kleine Erdzunge , wo das Gras blaß ist . Dieß kömmt da - her , weil man eineN - gewissen Märtyrer darüber nach dem Richtplake ge - führe : hat . Der ganze Weg , dadurch man ihn geführet , hat seitdem die Merkmaale davon getragen . Das Getraide , das Gras , und alles , was man daselbst säet , suhlet es , und erlanget niemals die Grüne , die ihr zur Rechten und zur Linken sehet . Es ist fast kein Kirchspiel , wo man nicht von dergleichen Dingen schwatzet . Ich wollte wünschen , daß es Reisen - de gegeben , die eine «eitläuftige Sammlung davon gemacht kälten . S>e tragen nur das zusammen , was die größten Städte betrifft ; allein eine Sammlung von demjenigen , was die Dorfkirchspiele betrifft , würde ihren Wei'th wohl haben . Und hierbey erinnere ich mich , von einem vernünftigen Manne geHörer zu haben , daß sein Geschmack desjenigen alte» Kirchenvaters seinem nicht gleich sey , der sich gewünschet , daß er in dem alten Rom einen trinmphirenden Einzug möchte gesehen haben . Zch wollte lieber , sagte dieser Mann den bürgerlichen Unterredungen derRö / ' wer etliche Monate beygewohnet , und mich genau erkundigct baben : auf was für Art die Frauen ihre Andacht ausgeübct , und vom Jupiter und der Juno geredet hätten ; wie ihre gemeinen Gespräche , an einem Hoch - zeirrage , bey einer Niederkunft , am Tage eines allgemeinen Umganges , an einem Tage des le & ifternium , u . s . w . von ihren Göttern undGöt - tinnen , Subieus , oder Subiga , Fabulinus , Pertunda , und also von an - dern , be'chassen gewesen wären ? Die Bücher berichten diese Umstände nicht : man kann bloß durch den Umgang zu der Erkenntniß solcher klei - nen Umstände kommen .
( EE ) I» Ansehung der Sckonheit der Iuno konnte man sa - gen , daß die lLhbrücke Iupitcrs um desto radclnswürdiqer wZ< reit . ] Also hat Arnobius im IV B . p . >» . 141 . geurtheilet : 'Et quid regi Saturnio matrimoniis fuerat cum alienis rei Z Non illi fuerat
fatis

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