Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13451

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heirathete , so wären die Schwierigkeiten nicht so wichtig gewesen ; die Beschaffenheit der Personen , und die natürliche Neigung hätten den all - gemeinen Aufseher vieler Mühseligkeiten überheben können : allein so war eine der vornehmsten Göttinnen vermöge ihrer Ehre und ihres Ruhms verbunden , es so einzurichten , daß man sich auch gut verhciralhe - te ; ich will sagen , daß die Verhaltniß der Stände und der Gemüther ein unauflösliches Band der Freundschaft und Einigkeit knüpfen mochte . Und also müßten ihr alle übelqerathene Heirathen und böse Haushaltun - gen Verdruß verursachen ; dieses waren so viele Flecken ihres guten Na - mens , und so viele gerechte Ursachen , ihr vorzuwerfen : daß die Sorge , die man gehabt hatte , sie den Hochzeittag anzurufen und zu verehren , eine verlohrne Mühe gewesen wäre . Alle diejenigen , die Übels von ihr reden wollen , hätten ein schönes Feld gehabt : denn kurz , entweder sie hat ihr möglichstes gethan , gute Heirathen zu verschaffen , oder sie hat es nicht ge - than . Hat sie es gethan , so hätte man Ursache , zu schließen , daß sie sehr armselig sey , weil sie eine Bedienung hätte , wobev sie alle ihre Kräfte und allen ihren Fleiß erschöpfte , ohne daß sie unzählige böse Folgen ver - meide» könnte . Diese unendliche Anzahl der Erfahrungen , welche die Ulinützlichkeit ihrer Bemühungen sehen ließ , war ein Beweis , entweder daß sie an einer Materie arbeitete , mit welcher schlimm umzugehen war ; oder daß ihre Kräfte ziemlich eingeschränket wären . Im drsten Falle war ihr Unglück und die beweinenswürdige Härte ihres Schicksals , oder ihr Unverstand handgreiflich : denn wenn es ihr nicht erlaubt war , ein Amt niederzulegen , wobey , , venn sie ihr bestes that , sie nicht verhindern konnte , daß tausend und aber tausend Vorfälle einen bojen Ausschlag gewönnen ; so ist die Notwendigkeit ihres Schicksals mitleiden« - würdig gewesen . War es ihr aber erlaubt , ihr Amt niederzulegen , und hat sie gleichwohl halsstarrig darauf bestanden , dasselbe zu behalten ; so hat es ihr an Urtheilskrast und Klugheit gemangelt , metiri fequem - que fuo modulo ac pede verum eft , ( Horat . Epift . VII , Lib . I , v . vlt . ) und sie hat sich ungerechter weise bey einer Verrichtung erhalten , die ihre Kräfte überstieg , und die sie zu ihrer Schande verwaltete . Es ist eine armselige Entschuldigung , wenn man anführte , daß ihre guten Ab - sichten durch den Eigensinn einer andern Görtinn hintertrieben worden wären .
Sic vifum Veneri , cui placet impares
Forinas , atque animos lud iuga ahenea
Saeuo mittere cum ioco . Horat . Od . zz , Lib . I . Solchergestalt hatte sie die Einschränkung und die Anhänglichkeit ihrer Kräfte 5eka . . nt : ein entsetzliches und krankendes Bekennmiß , das weit über alles daö weg ist . was man sich für eine so ruhmsüchtige Göttinn einbilden kenn , wie Inno war . Dieses hätte man sagen können , wenn man vorausgesetzt , daß sie ihr Amt mit aller Anwendung ihrer Kräfte gesühret hatte . Hätte man aber vorausgesetzt , daß sie es besser machen können ; so hat man sie als eine Strafbare , oder als eine ungemein Nachläßige , oder als eine außerordentlich Boshafte , und folglich der Eh - re , die man ihr erwies , und des Amts , damit sie bekleidet war . höchst nn - würdige Göttinn angesehen . Diese Betrachtungen hätten die Heiden natürlicher weise machen sollen ; der Schluß nun aus dielen Gedanken ist , zu urtheilen , daß ihr Zustand , so wohl in Ansehung der großen Arbeit , die ihre Bedienung erforderte , als wegen der unglücklichen Erfolge ihrer Mühe , unglückselig gewesen . Der Verdruß scheint um so viel nnab - rrennlicher von diesem Zustande zu seyn , da sie von einer Würde und von einem Geschlechte gewesen , welche sie ungemein empfindlich gegen die Verachtung und Widerwärtigkeiten machten : und man sollte sich wohl einbilden , daß sie so viel Verstand gehabt , sich dasjenige vorzustellen , was man in ihrer Verwaltung tadeln würde , und zu glauben , daß die andern Götter darüber spotten würden ( * ) , und daß , wenn sie die Behutsam - feit hätten , es nicht in ihrer Gegenwart zu thun , oder ihr zu hinrerbrin - gen , was man Böses von ihr sagte , sie in ihrer Abwesenheit übel davon reden , oder wenigstens nicht unterlassen würden , nachtheilige Gedanken von ihr zu haben . Es brauchet weiter nichts , ein empfindliches , herrsch - süchtiges und stolzes Herz zu betrüben ; es ist genug dazu , wenn es weis , daß seine Gebrechen bekannt sind .
( * ) Die Heiden haben geglaubt , daß die Eifersucht , die Zankereyen , die Zwiespalt ? uud andre dergleichen Unordnungen unter den Göttern statt hätten .
Alle die Betrachtungen , die ich vorgebracht habe , hätten auch über eben dieselbe Juno gemacht werden können , in so fern sie die Aufsicht über das Gebähren der Kiuder gehabt . Welch eine Mühe ! Dieß war das tel , keinen Augenblick Ruhe zu haben , und die Verbindlichkeit an tausend Oertern zugleich zu arbeiten . Dieses Amt ist unangenehmen Zufällen unterworfen . Der Fleiß der allergeschicktesten Wundärzte verhindert nicht , daß viele Kinder , die verkehrt kominen wollen , einige auf diese , die andern auf eine andre Art , nicht zugleich mit ihren Müttern umkommen . Diese Unglücksfälle wären so viele Capitel für die Tadler der Juno , die unter den besondern und verschiedenen Namen , nach der Verschiedenheit der Fälle , angerufen worden . Man sehe dieAnmerkung ( H ) . Ich weis wohl , daß man mit vieler Wahrscheinlichkeit behaupten kann , daß man alle die Gottheiten des Ehstandes und der Geburten , u . s w . nicht ans die verschiedentlich benannte Juno allein einschränken dörse : allein außer diesem ist es sehr wahrscheinlich , daß diese andern Gottheiren als Unter - gebene der allgemeinen Ausseherinn angesehen werden müssen , woraus folget : daß die Unordnungen ganz wohl auf die Rechnung der Juno ge - setzt werden können ; eben al« wie die böse Verwaltung der Statthalter von den Provinzen dem Oberregenten beygemessen wird , wenn er keine Mittel dagegen anwendet . Außer - , daß diese Bevsüqung der Gehülfen zu erkennen giebt , daß man das Amt der Juno für allzubeschwerlich ge - halten hat . Nun schließen alle diese Begriffe ein nachtheiliges Urtheil in sich ein . Man füge allem diesem noch bey , daß man dem Amte dieser Göttinn die zwo rühmlichsten Verrichtungen entzogen hat ; denn man hat einer andern Gottheit , Viriplaca genannt , ( Val . Max . L . II , c . i , num . 6 , pag . m . lzx . ) die Sorge der Versöhnung verheirateter Personen aufgetragen , und der Venus Verticordia die Bekehrung der Frauen übergeben , die die Freundschaft ihrer Ehmänner durch eine keusche Auf - führung nicht verdient hatten CK , id . L . VI , Faft . pag . in . 74 . Was für eine Beschimpfung für die Juno , da man ihre Aufsicht über die Heirachen auf diese Art zergliedert hat !
( A A ) - - - und so gereckte Ursache sie auch gegeben ben , das theologische Lehrgebäude der - Heiden lächerlich ; u ms - cHot . ] Die Zunamen pronuba , Iugalis u . f . w . die man in der
merkung ( Z ) sehen können , sind nicht die einzigen gewesen , die der Juno als Aufseheriun der Heirathen eigen waren ; sie hat auch absonderliche Zu - namen gehabt , die darauf gegründet waren , daß sie der Aufführung der Neuverheiratheten , dem Hause ihrer lLhmänner - - - und der Salbung vorstund , welche die Neuverheirarhere an den Thürpfeilern oder Pfosten ihres Lehmanns verricktete - - - und weil sie dem Ehmanne den jungfräulichen Gürtel ablöst»» half . Du Boulay , Thrcfor des Antiqu . Rom . pag . 149 , 150 . Man wird diese Zunamen in folgenden lateinischen Worten finden , die aus ei« nem , an die Juno gerichteten Gebethe genommen sind . Martin . Capel - Ja , de Nuptiis Philologiae , Lib . II , pag . m . 37 , 38 . Interducam , oder Iter - ducam , etDomiducam , Vnxiam , Cindüain ( * ) mortales puellae de - bent in nuptias conuocare , vt earum et itinera protegas , et in optata» domos ducas , et cum poftes vnguent , fauftum omen affigas , et cingu * lum ponentes in thalamis non relinquas . Man hat nicht verlangt , daß sie an der Thüre der Brautkamuier stehen bleiben sollte ; man hat auch ihren Beystand in dem Brautbette verlangt : sie ist unter dem Ti - tel , Dea mater Prema , und Dea Perttinda , in Begleitung des Dens pater Subigus hinein gekommen . Hierüber hat der h . Augustin das Heiden - thurn lächerlich gemachet ; und wie es sehr schwer war , nichts als ernst - hafte Betrachtungen bey einer solchen Materie anzuwenden : so hat er die Unbesonnenheit auf eine ziemlich freye und aufgeweckte Art zu erkennen gegeben . Man würde sich dem Tadel aller Puristen und aller schamhaft ren Leser aussetzen , wenn man die Worte dieses Kirchenvaters genau über , sttzte ; wir wollen sie also lateinisch anführen . De Ciuit . Dei , Lib . VI , c . 9 , pag . m . 599 . Cum mas et foemina coniunguntur , adhibetur Dens Iugatinus . Sit hoc ferendum . Sed domum eft ducenda , quae nubit , adhibetur Deus Domiducus . Vt maneat cum viro , additur Dea Man . turna . Quid vltra quaeritur ? Parcatur humanae verecundiae : per - agat caetera concupifcentia carnis et sanguinis , procurato fecreto pu . doris . Quid impletur cubiculum turba numinum : quandoet para - nymphi inde difeedunt ? Et ad hoc impletur , non vt eorum praefen - tia cogitata maior fit cura pudicitiae ; fed vt foeminae fexu infirmae , nouitate pauidae , illis cooperantibus fine vlia difficultate virginitas auferatur . Adeft eniin dea Virginenfis , et deus pater Subigus , et dea materPrema , et dea Pertunda , et Venus , et Priapus . Quid eft hoc ? Si omnino laborantem in illo opere virum ab diis adiuiiari oporte - bat : non fufticiebat aliquis vnus , aut aliqua vna ? Nunquid Venus fola partim eilet , quae ob hoc etiam dicitur nuneupata , quod fine eius vi foemina virgo eile non definat ? Si vlla eft frons in homini - bus , quae non eft in nuininibus ? nonne cum credunt coniugati tot deos vtriusque fexus praefentes , et huic operi instantes , ita pudore afficiuntur , vt et ille minus inoueatur , et illa plus relu & etur ? Et cer - te fi adeft Virginenfis dea , vt virgini zona foluatur : fi adeft deus Subigus ; vt viro fubigatur : fi adeft dea Prema , vt fubadVa ne fc commoueat , preinatur , dea Pertunda ibi quid facit ? Erubefcat , eat foras : agat aliquid et maritus . Valde inhoneftuin eft , vt quod vocatur illa , iinpleat quisquam nifi ille . Sed forte ideo toleratur , quia dea tur elTe , non deus . Nam fi mafculus crederetur , et Pertundus vocaretur maius contra eum pro vxoris pudicitia pofeeret maritus auxilium , quam Foeta contra Siluamun ( * * ) . Sed quid hoc dicani , cum ibi fit et pus niinis mafculus , fuper cuius immanitlimum et turpiflimura fafei - num federe noua nupta iubebatur more honeftiflimo et religiofilfi - mo matronarum ? Diese Einwürfe sind niederschlagend , und man be - greift nicht , daß die besten Vertheidiger der heidnischen Religion sie hät - ten widerlegen können . Der Vorwurf , den der h . Augustin auf die un - nützliche Vermehrung der Wesen gründet , war allein vermögend , sie aufs äußerste zu treiben . Was für Mistrauen der menschlichen Kräfte war es nicht , zu glauben , daß die Venus dreyer oder vier andrer Gottheiten Beystand nöthig hatte ? Man begreift nur , daß ein Vertheidiger würde haben antworten können , es hätte Augustin Unrecht , die Beygefellung der Göttin« Pertunda zu der Göttinn mater Prema als eine che Sache , und die dem Ehmanne gar nichts zu thun übrig ließe , vorzn - werfen : denn in dieser elenden Theologie war die eine nicht weniger oder mehr nothwendig , als die andre , und keine von beyden hat die That der Verheiratheten ausgeschlossen . Es ist also ein kleiner Mangel der Auf - merksamkeit in diesem Theile der Einwürfe des h . Augustins . Der größ - te allgemeine Lehrsatz der Heiden selbiger Zeit ist vielleicht gewesen , zu sa - gen , daß die eingewandte Vermehrung nur eine Vermehrung der Na - men aber einerley Gottheit sey . Schwache Antwort : denn die Bücher der alten Heiden biethen die Widerlegung derselben dar .
( * ) Man sehe eine Stelle des Festus Pompejus pag . XXXV : Cin - xiae Iunonis nomen fandhim habebatur in nuptiis quod initio con - iugi folutio erat cinguli , quo noua nupta erat cinfta .
( * * ) Der h . Augustin hatte zuvor gesagt , daß man den Wöchnerin - nen Wächter zugegeben , damit sie der Gott Silvan nicht martern sollte . Mulieri foetae poft partum tres Deos cuftodes commemorat ( Varro ) adhiberi , ne Syluanus Deus per noflem ingrediatur , et vexet .
Betrachtung über das Schicksal der Philosophen , die für das - Heidemlium und über eine Schwierigkeiten der Einig - teil der Religion haben schreiben müfst» .
Mein merke im Vorbeygehen , daß die alten Philosophen , welche den christlichen Lehrern zu antworten unternahmen , sehr zu beklagen gewesen . Sie haben die Strafe fremder Narrheit getragen . Die alten Priester hatten den Fehler begangen , daß sie die Phantasien der Poeten in den Gottesdienst gebracht , und die Philosophen haben nach vielen Jahrhun - derten die ganze Schande dieser Narrheiten tragen und sich martern müs - sen , die Streiche abzuwenden , die durch und durch giengen . Wenn dieje - nigen , die einen so lächerlichen Gottesdienst geschmiedet , so geschickte und mächtige Gegner gehabt hätten , als der heil . Augustin war , so würden sie viel vorsichtiger gewesen seyn , und ihren Betrügereyen den Zügel nicht so lang haben jchießen lassen ; und dieß ist ein Nachtheil einer einzigen ligion . Die Verschiedenheit der Religionen hat zwar ihre ten . und man muß zugeben , daß sie sehr zu fürchten sind : allein außer diesem verhindert sie eine gewisse Zunahme des Verderbnisse» : sie erhält die einen in Ansehung der andern in Ehrerbiethuug .
( KL ) Ihre Eifersucht hat sie vermockt , Meer und Länder ju durckstreicken , um sick das Vergnügen der Rache ; u fen . - - - Sie har niemals das Vergnügen genossen , dafi sie ihren Zweck völlig und vollkommen erreichet hätte . ] Man trachte

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