Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13437

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dabe^mit vieler Ehrerbiethung aufgefnhret . Es hat jemand die Bild - stille der Juno gefragt , ob sie nach Rom kommen wolle : sie hat ein jahendes Zeichen gegeben , und man will so gar , daß sie dieses Ja lich ausgesprochen . Man hat nicht die geringste Mühe gehabt , sie weg - zuführen ; man hat gesaget , daß sie sich gar Bewegungen gegeben , den Siegern zu folgen . Camillus hat ihr auf dem Berge Aventin , nach sei - ncr gethanen Versprechung , einen Tempel geweiher . Tum Iunoni re - ginae teniplutn in Auentino locaiiit dedicauitque Matutae matri . Ebendas cap . XXIII . Die Worte des Titus Livius im XXII Cap . sind so schon und merkwürdig , daß alle , die Latein verstehen , vergnügt seyn wer - den , sie zu lesen , ohne daß sie sich die Mühe geben dürfen , sich von ihrem Or - te zu bewegen . Cum iam humanae opes afportatae egeftaeque a Veiis cfl'cnt , amoliri tum Dcum dona ipfosque Dcos , fed colentium magis quam rapientium modo , coepere . Namque dele & i ex omni exer - citu iuuenes , pure lotis corporibus , Candida vefte , quibus deportan - da Romam Regina Inno aflignata erat , venerabundi templum inire , primo religiofe admouentcs manus : quod id fignuin inore Etrufco nili certae gentis facerdos attreäare non eilet folitus . Deinde qiuim quidarn , feu fpiritu diuino tadhis , feil iuuenili ioco , V'isns Romam in Juno7 , annuifle caeteri Deam conclamauerunt : inde tabula adiedhim eft , vocem quoque dicentis , Velle , auditam . Motam certe fede fua parui molirpenti adminiculis , fequentis modo , accepimus leuem ac fa - cilem translätu fuifle : integramque in Auentinum aeternam federn fuaui , quo vota Romani diöatoris vocauerant , perlatam ; vbi plum ei poftea idem , qui vouerat , Camillus dedicauit . Plutarch in Camillo , pag . 132 . A . wißt dem Titus Livius Key , al« wenn er vorge - bracht , daß Camillus , da er die Juno gebethen , nach Rom zu kommen , die Bildsäule dieser Göttinn angerühret habe , und daß einige geantwor - tet , daß sie darein willige und von ganzem Herzen folge - , a<« lizisSm f6vrm Vti > ( 3«'a«toh cvyxxranfT , vjf ) awot -
Hotethi ttfäinu ; . Liuius tradit inter precandum attre & afle Camillum Deam et inuitafie : inde velle et annuere ac fequi libentem refpon - diile ex adftantibus nonnullos . Man vergleiche dieses mit den Wor - ten des Livius , so wird man ganz deutlich sehen , daß Plutarch nichts da - von begriffen hat : oder daß er vielmehr aus dem Gedächtnisse angesüh - ret , und die Umstände verunstaltet : und wie er wahrscheinlich sich bey vielen Zufällen auf sein Gedächtniß verlassen , so fürchte ich gar sehr , daß wir nicht in Ansehung vieler Geschichte in seinen Büchern finden sollten ; nicht dasjenige , was er gelesen hat , sondern die Forme , welche die Histo - rien , die er gelesen halte , in seiner Einbildung angenommen haben . Li - viuS eignet dem Camillus keine Gebethe an die Juno zu , als vor der Einnahme von Vejo« . Wie hätte er denn mit an die Bildsäule ten banden bethen können ? Folgendes schicket sich noch besser zu mei - nem Texte .
Plutarch füget dazu , daß diejenigen , welche behaupten , daß die Bild - säule der Juno entweder mit Zeichen oder mit Worten geantwortet , daß sie iftt dem Gebethe des Camillus ihre Einwilligung gebe , ein sehr starkes Argument anzuführen haben , nämlich den Wohlstand Roms ; denn die , se Stadt , saget er , so klein als sie war . würde sich ohne die beständige Gunst eines gegenwärtigen Gottes , nicht zu einem so hohen Gipfel der Macht haben erheben können . 01 S' Uxugi^tvoi n & f nü
( Boi ( 3«wr« , ptytn * / liv ix * * ' fftnijyofov rjv rvxw rft ni * e * ( , q» 'und tßittgüt vjf ] K«ra ( pj»va ( i<« ) C itfytf Iftrf Simafieut TftH -
9 , 7» ; hx« je» totale wf itc - yxaait im$xvetxi { i'unri evij . nufivtot , « ( . isjX«vov . Caeterum hoc miraculum adftruentibus et defendentibus fortuna magnopere fuffragatur vrbis , quae ex paruo et humili exor - dio» fine numinis perpetuo ex multis et maenis fignis praefentis fa - uore , euadere ad eam gloriam et potentiam haud quaquam potuiflet Er glaubet also , daß Juno , da sie von Bejos nach Rom gebracht worden , den Römern günstig gewesen , und ihnen diejenige Folge von Sieqenver - schafft liabe . die sie so furchtbar gemacht . Man müßte also , die Erfüllung der Prophezeyung Jupiters , daß Juno der römischen Nation endlich günstig seyn würde , ins 359 Jahr Roms sehen , welches das Jahr der Plünderung von VejoS ist .
Quin afpera Iuno Qtiae wäre nunc terrasque metu coelumque fatigat ,
Confilia in melius referet , mecumque fouebit Romanos rerum Dominos gentemque togatam .
Virgil . Aeneid . Libr . I , Verf . 179 .
Und gleichwohl , weil es etlichen Poeten gefallen hat , diesen Zeitpunct bis in den andern punischen Krieg zu verschieben , der im 5Z5 Jahre Roms anfing , haben sich die Ausleger lieber an diese Erdichtung gehalten , al« an das Wort der Historienschreiber . Quia bello Punico fecundo , vt ait Ennius , placata Iuno coeperit fauere Romanis . Seruius in hunc locum Virgilii . Siehe Sil . Ital . Libr . XII , p . m . 520 . Horat . Libr . II , Od . I . Ich beobachte hier , daß Juno , außer dem Tempel , den sie zu Rom auf dem aventinischen Berge hatte , auch den Tempel des Capitols mit ihrem Gemahle und der Minerva gemeinschaftlich besessen hat . Sie - h , den DausquejuS , über den Silius Jtalicus Libr . X , pag . 4z ; . Der Tempel der Juno Moneta , von dem ich in der folgenden Anmerkung rede , wird mir einen guten Beweis darbiethen .
( U ) Sie ist ju Rom unter - - - dem Titel der Moneta verehrt worden . 3 Es erhellet aus verschiedenen Stellen der Alten , daß das Beywort Rexina der Juno beygeleget worden , die Camillus von Vejos gebracht , und welcher er auf dem aventinischen Berge einen pel erbauet hat . Decretum eft Iunoni Reginae in Auentino Iunoni . que fofpitae Lanuuii waioribus noftris facrificaretur . Liuius , Libr . XXII . zu Anfange . Man sehe auch des XXVII B . XXXVIl Cap . wo er die Gepränge beschreibt , die man bey der Iuno Regina in Auentino btob> achtet hat . Man hat einen Lobgesang gesungen , den der Dichter LiviuS verfertiget hatte . Carmen in Iunonein reginam - - - illa fem - pertatc forfitan Iaudabile rudibus ingeniis , nunc abhorrens et incon - ditum fi referatur . Was die Juno Moneta anbelanget , so hat sie ih - ren Sitz auf dem Capitol gehabt . Valerius Maximus ist vielleicht der einzige , der sie mit derjenigen vermengt hat , welcher der Dictator Ca - millus einen Tempel auf dem aventinischen Berge gebauet hat . Ich zweifle nicht , daß dieses nicht einer von denen Fehlern ist , die man in so großer Anzahl im Valerius MaximuS findet . Nec minus voluntarius , saget er / Libr . I , cap . VIII , num . z . Iunonis in vrbetn noftram tranfi -
tus . Captis a Furio Camillo Veiis , milites iuffu Imperatoris fimular chrum Iunonis Mqpetae , quod ibi praeeipua religipne cultum erat , in Vrbem tralaturi , fede fua mouere conabantur . Quorum ab vno per iocum interrogata Dea , an Romam migrare vellet , Velle fe refponait . Hac voce audita , lufus in admirationem verfus eft . Iamque non fi - mulacrum , fed ipfavn coelo Iunonein petitam portare fe credentes , laeti in ea parte montis Auentini , in qua nunc templum eius cerni - mus , collocauerunt . Man hat niemand , als ihn selbst nöthig , ihn sei - ner Verwirrungen zu überführen ; denn er erzählet in des VI B . III Cap . Num . i . daß der Tempel der Göltinn Moneta , auf dem Capitol an dem Orte gewesen , wo des Manlius Haus gestanden hatte . Nun ist , nach dem Livius , der Tempel , den man dahin gebauet , wo dieses HauS gewesen war , der Juno Monera unter währendem Kriege der Aruncer gewidmet ge , wesen . Er ist im 413 Jahre Roms eingeweihet worden . Liuius , Libr . VII , cap . XXVIII . OvidiuS im VI Buche Fattor . kömmt hierinnen mit dem Livius unvergleichlich überein . Die Verse , wo er davon redet , be - lehren uns , daß dieser Tempel vom Camillus angelobet worden ; hierbey beobachtet ein Kunstrichtcr , ( Siehe den Valerius Maximus Variorurn , des Thysius , Libr . I , cap . VIII , num . z . p . 10j . ) daß Plutarch wohl keinesweges sage , daß Camillus dieses Gelübde gethan hätte ; er sa - ger nur , daß des ManliiisHaus niedergerissen , und der Tempel der Göt . tum Moneta an eben demselben Orte erbauet worden , wo dieses HauS gestanden hätte . Dieser Kunstrichter hat ohne Zweifel geglaubt , daß der Camillus , von welchem Ovidius redet , derjenige sey , dessen Le - ben Plutarch beschrieben hat ; derjenige , sage ich , der so stark an der De - strafung des Manlius gearbeitet hat . Ich glaube nicht , daß sich Ovidius so schändlich betrogen habe Derjenige , welcher der Juno Moneta den Tempel angelober , ist Camillus , der Sohn , gewesen . Man darfsichs also nicht bestem , den lassen , wenn der Geschichlschreiber des Vaters , nichts von diesem Ge , lübde saget : allein man könnte ihn wegen der Nachläßigkeit tadeln , mit welcher er das Schicksal von dem Hause dieses Manlius erzählet . Er saget , in Camillo , pag . 14g . C . daß die Römer , nachdem sie dasselbe nie - der gerissen , auf dessen Stelle den Tempel der Göttinn Moneta bauen lassen , und befohlen haben , daß in Zukunft kein Patricier mehr auf dem Capicol wohnen sollte . Wo sind die Leser , die eine solche Erzählung nicht verleitet , zu glauben , daß diese drey Dinge zu einer Zeit geschehen sind ? Wer könnte sichs wohl einbilden , daß dieser Tempel nicht eher als über vierzig Jahre nach der Todesstrafe des Manlius angelobet worden ? Es ist etwas iin I B . Cicecons de Diuinatione , das hier ein wenig Verwir , rung verursachet ; daß nämlich die Juno , die einen Tempel aus dem Ca , pitol hatte , darinnen Moneta zugenamt worden , weil sie den Römern gerathen hatte , eine tragende Sau zu opfern . Scriptum a multis cum terrae motus fadtus eilet , vt lue plena procuratio fieret , vocem ab aede Iunonis ex arca exiifle , quo circa Iunonem illam appellatam Monetam . Diesem zu Folge müßte man sagen , daß ein Tempel der Juno auf dem Capitol gewesen , ehe der Dictätor Camillus , der Sohn , der Juno Moneta den Tempel angelobet hat : oder man müßte wohl gar sagen , daß er der Juno bloß einen Tempel angelobet ; daß aber diese Göt - tinn m der folgenden Zeit den Zunamen Moneta , wegen des Raths er - halten habe , den sie in diesem Tempel gegeben hat . Die erste von diesen zwoen Meynungen hat keinen Grund in den Schriftstellern ; und die andere würde die Historienschreiber einer außerordentlichen Nachläßigkeit überführen , da sie ausdrücklich bemerken , daß dieser Dictator Camillus der Juno Moneta einen Tempel gelobet hat , der an dem Orte erbauet worden , wo Manlius gewohnt halte . Vielleicht würde man diese Ver , wirrung entwickeln , wenn man voraus setzte , daß der Ort , wo Juno die« sen Rarh gegeben , die Kapelle gewesen , die ihr in dem Tempel Jupiters , auf dem Capitol , erbauel worden war . Man sehe den Dionysius von Halikarnaß , Libr . IV , cap . LXIX . Dausquejuö , in Sil . Italic . Libr . X . pag . 435 . führet verschiedene Zeugnisse an . Es erhellet aus des Livius , III Bp . m . 79 . daß die Juno des Tempels de« kapitolinischen Jupiters Regj . na zugenamt worden . Seit dieser Zeit kann sie Monera zugenamt wor« den seyn , ohne daß sie einen absonderlichen Tempel unter diesem Bey - Worte gehabt ; allein in dem Kriege der Aruncier würde ihr Camillus einen Tempel haben bauen wollen , da sie diesen Zunamen bereits gehabt . Dieses wurde ein Beweis seyn , daß sie das römische Volk vor dem 41z Jahre , gewarnet hätte , und daß folglich ihre Freundschaft gegen die Rö - mer vor dem andern punischen Kriege hergegangen wäre . RosinuS , Antiqu . Rom . Libr . II , cap . VI . mißt dem Cicero bey , er hätte gesaget : daß das Erdbeben , weswegen die Juno das Opfer einer trää ) tigen Sau angerathen , sich eher eräuget , als die Gallier Rom eingenommen . Cicero saget diese« nicht ; Rosin hat sich geirret .
( X ) Der Dienst der Juno in Rom ist sehr alt gewesen . ] Ta - tiuS , de« Romulus Mitregente , hatte die Ehrenbezeigungen der Iuno Guiritia , oder ( Uturitis eingeführet . Dionyf . Halicarn . Libr . II , c . LII . Man findet , daß die Oberpriester unter der Regierung des TulluS Hosti , lius , die wegen der Versöhnung der tinversehenen Mordthaten um Rath geftaget worden , zween Altäre aufrichten lassen , und darauf die Ceremo , nien verrichtet haben , die sie ffir geschickt gehalten , den Horatius zu reini - gen , der seine Schwester umgebracht hatte . Der eine von diesen Altären war der Iuno , ( Der Auffeherinn der Schwestern , saget Dionysius von Halikarnaß ; allein sie wird im Festus Sororia zugenamt , auf der 262 S . unter dem Worte , Sororium tigillum . ) und der andere dem Janus ge - weihet . Dionyf . Libr . III , cap . XXVIII , Man saget in der Schatzkam - mer der römischen Allerthümer des du Boulay , pag . , 49 . daß vor dieser Zeit in Rom ein Tempel der Juno , den Numa Pompilius erbauet , ge - wesen , und daß dieser Prinz , welcher die Gewogenheit dieser Göttinn ge - Winnen wollen , durch ein ausdrückliches Geseye allen liederlichen lveibespersonen verbothen babe , denselben zu betreten - - » und so gar zu berühren . So lauten die rvorte dieses Geseyes . Pellcx aeaem Iunonis ne tangito : fi tangat , Iunoni agnum foeminam demiflis crinibus caedito : Dieß ist die Duste gervcsen , die sie ihr durchGpferung eines Lammes mit fliegenden Haaren leisten ten . Wir wollen kürzlich sagen , daß Virgil den Jupiter nicht durch eine Hyperbole , die nicht zu entschuldigen ist , einführe , da er seiner Ge - mahlinn verspricht , daß ihr die Nachkommen des AeneaS viel andächtiger dienen würden , als andere Nationen . Diese« Gespräche ist eine von den schönsten Stellen derAeneis ; sie enthält die Wiederversohnung der Juno wegen der Verfolgungen des Aeneas . und die Gnade , die sie wegen ib - res Nachgeben« verlangt hat . Ich rathe meinen Lesern , an die Quelle zu gehen : ich will nur diese vier Berse daraus nehmein
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