Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13415

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Juno .
gebe zu , daß man zur Entschuldigung de« Montagne sagen könne , er habe nicht geglaubt , daß unter diesen zweyen Dingen ein großer Unterschied wäre .
( K " ) Einige sagen , daß sie ; u Samos erlogen worden , andere sägen , daß dieses im Meere geschehen fey . ^ Sie saget es selbst in dem Gespräche , das sie mit der Venus gehalten , da sie den Gürtel von ihr geborgt . Man sehe auch , was sie zum Ocean und der Thetis in dem II B der Verwandlungen des OvidiuS gesaget hat , da sie dieselben ge - bethen , daß sie das Gestirn des Baren ausschließen sollten . Sie saget zu ihr , daß sie denselben nöthig habe , die Einigkeit zwischen dem Ocean und seiner Gemahlinn Thetis wieder zu stiften , welche seit langer Zeit nicht bey einander geschlafen hatten . Ihre Erkenntlichkeit wegen der guten Erziehung , die sie bey ihnen genossen , hat sie bewogen , eine Reise zu ihrer Wiedervereinigung zu thun : sie hat sich versprochen , daß sie nen ewig Werth und lieb seyn würde , wenn er sie überreden könnte , fer - ner nur ein Bette zu halten .
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H Stf yccf St / fov xfovn ä^ifAaiv avr£%ovTai Eivflj 4 ) Da nunc mihi »morem et defiderium , quo tu «nunc»
Dornas immortales atque mortales homines :
Vado enim vifura almae fines terrae ,
Oceanumque Deorum parenteni , et matrem Tethyn ,
Qui me in Alis aedibus magna cura nutrierunt et educarunt ,
Hos vado vifura , ipfis vt difficiles compofitu lites dirimam . Iam enim diuturno tempore inter fe abftinent Cubili et amore , ira enim inuaiit animum , etc .
Homer . Iliad . Libr . XIV , v . 198 . Zun» wiederholet eben dasselbe auf dem Berge Ida , als sie Jupiter ge - fraget , wo sie hingehen wolle ? Ebendas . 301 V . Wenn sie den Gürtel der Venus zu ihrem Erbtheile gehabt hätte , diese so kräftige Anreizung , bey verheiratheten Leuten , die sich absonderlich betten , ihre Auffühning zu verändern ; so würde man ihr mit großem Rechte die Aussicht über die Heirathen ertheilet haben : allein sie hat das friedfertige Mittel und das kräftige Werkzeug der Versöhnungen borgen müssen ; warum ist dieses Amt nicht derjenigen Göttinn aufgetragen worden , von der sie den Gürtel entlehnen müssen ? Ich überlasse müßigen Personen diese Unter - suchung .
Wegen ihrer Erziehung zu Samos ziehe man den ! Pausanias im VII B . 209 S . zu Rache , welcher saget , es hätten die Einwohner dieser Insel behauptet , daß Juno daselbst unter einem Strauche gebohren wor« den , den man noch zeigte . Der Tempel dieser Göltinn ist sehr alt gewesen . Jedermann wird sich der Worte der Aeneis im IB . 15 V . erinnern : Quam Inno fertur terris magis omnibus vnam ,
Pofthabita coluifle Samo .
Die Insel ist deswegen Parthenia genennet worden , weil Juno in ih - rem Jungfernstande daselbst erzogen worden . Scholiaft . Apollönii in Libr . IV . Er saget über den >87 Vers des I Buches , daß der Fluß Im , brises auf Samos nugähiw genennet worden , weil Juno , als Jungfer , daselbst erzogen worden . Daselbst ist auch ihre Hochzeit mit dem Jupiter gefeyert worden , woher es kömmt , daß sie als eine Jungfer , die man hei - rächet , in ihrem Tempel vorgestellet , und ihr Jahrfest , als eine Hochzeit gefeyert worden . Infulam Sannim fcribit Varro prius Partheniam no - minatam , quod ibi Iuno adoleuerit , ibique etiam Ioui nupferit : Ita - que nobiliffimum , et antiquiflimum Templuni eins eftSami , etfimu - lachrum in habitu nubentis figuratum , et facra eius anniuerfaiia nup - tiarum ritu celebrantur . La ( L ) Sie ist in keiner Stadt mehr geehret worden , als jt» nos . ] Die Argier haben vorgegeben , daß die drey Töchter des Flußes Astenou die Juno ernährt hätten . Eine davon hat Euböa geheißen : ihr Name ist dem Berge gegeben worden , auf welchem der Juno Tempel erbauet war . Eupölcmus , gebürtig aus Argos , ist der Baumeister des« selben gewesen . Man hat in dem Vorhose alle Bildsaulen von den Prie - sterinnen dieser Göttinn gescheit Panfan . Libr . II , pag . 59 . Ihr Amt ist sehr ansehnlich gewesen , wie ich bemerket habe , wenn ich von der un , glücklichen Priesterinn geredet , welche die Ursache gewesen , daß dieser Tempel abgebrannt ist . Siehe den Artikel Chrysis . Pausanias saget im IIB . 59 S . man sehe auch des III B . 86 S daß sie sich nach Tegäa zu dem Altare der Pallas gerettet , und daß die Argier . ungeachtet ihres Hasses , dennoch ihre Bildlaulc an dem Orte stehen lassen , wo sie war . Er fa - gel , daß das älteste Götzenbild dieser Gottinn von einem wilden Birnbäume gewesen . Man hat es sorgfältig bewahret . Pirasus , des Argus Sohn , hatte es nach Tyrinrhus geführet ; allein die Argier , nachdem sie diese Stadt verwüstet , haben es wieder in den Tempel der Juno gebracht . Man sehe den Benedietus über den Pindar , pag . 14» , 618 . wegen der Spiele , die man in Argos dieser Göttinn zu Ehren gefeyert hat . Man sehe auch die Ausleger Horazms über diese Worte der VII Ode des IB .
P' - irinius in Iunonis honorem Aptum dicit equis Argon .
Silius Jtalicus , wenn er von der Ergebenheit der Juno gegen die Stadt Carthago reden will , saget im I B - 6 V . daß sie dieselbe dm Städten Argos und Mycene vorgezogen habe .
Hic Iuno ante Argos ( fic credidit alta vetuftas )
Ante Agameinnoniatn gratiilima tefta Mycenem ,
Optauit profugis aeternam condere federn .
Nach Homers Ilms IV B . 5' V . waren die drey Städte , welche Juno vor allen gelicbet , Argos , Lacedämon , und Mycene ; man wundert sich , daß er nichts von Samos saget , davon doch Virgil ganz allein redet , wenn «r von dem Vorzuge der Stadt Carthago spricht .
Wir wollen etwas von dem Stifter des Tempels sagen , den Juno zu Argos gehabt : wir werden daraus das Alterthmn diese« Gebäudes
kennen . Phoronus , des Jnachus Sohn , hat ihn bauen lassen , und «st der erste gewesen , welcher der Juno Waffen gegeben , und zur Belohnung dafür der erste gnvesen , der geherrscht hat . Phoroneus Inachi films templuin Argis Iunoni prinius fecit . Hygin im CCXXV Cap . neus Inachi Hlius , saget er CCLXXIV Cap . arma Iunoni primus cit , qui ob cam caulTam primus regnandi poteftatem habuit . Einige Kunstrichter wollen , daß man aram oder facra an statt arma , lesen se ; allein andere behaupten die gemeine Lesart , und bestätigen sie durch eine Stelle CaßiodorS im XVIII Cap . des VII B . Variorum Man sehe Hygins Ausleger in der amsterd . Ausgabe ififu . Das Alterthum des Phoroneus nun betreffend , sehe man den Scaliger 19 S . seiner No» ten über die Chronike des Eusebius . Es ist genug , wenn man sich erm , nert , daß er mit dem Abraham zu gleicher Zeit gelebt hat , oder wenigsten« fehlet nicht viel daran .
( M ) * = = Sie ist auch zu Carthago sehr verehret worden . ) Ich habe lange Zeit geglaubt , daß sich Virgil der poetischen Vorrechte , ohne die geringste Betrachtung der Historie , bedienet habe , wenn er Car - thago als die liebste Stadt der Juno , Aeneid . Libr . I . zu Anfange , gestellet : und ich hielte mich nicht verbunden , dies ? Meynung zu ändern , wenn ich im Ovidius und Silius Jtalicus die Bestätigung desjenigen sähe , was Birgilius bejahet : denn man kann vernünftiger Weise nicht zweifeln , daß er Ursache gewesen wäre , daß Ovidius , Faftor . Libr . VI , verf . 45 . die Juno also reden läßt :
Poeniteat quod non foui Carthaginis arces ,
Cum mea fint illo currus et arma loco . und daß Silius Jtalicus die Gedanken vorgebracht , die man in der vor - hergehenden Anmerkung gesehen . Allein da ich andere Stelle« ? verschie - dener Schriftsteller überleget , so habe ich mir einzubilden anaefangen . daß Virgils Meynung auf die Tradition gegründet gewesen . Das Gebeth der Psvche rühret mich nicht wenig : Magni louis germana , saget sie Apulei . Libr . VI , Metam . zu Anfange , et conniga : fiue tu Sa - mi , quae querulo partu vagituque et alimonia tua gloriatur , tene» vetufta delubra ; fiue celfae Carthaginis , quae te virginem ve & ura leonis coelo commeantem percolit , beatas fedes frequentas : fiue pro - pe ripas Inachi , qui te iam iiuptam Tonantis , et reginam dearum memorat , inclytis Argiuorum praefides moenibus : quam cunöu» oriens Zygiam veneratur , et omnis occidens Lucinam appellat : fi» meis extremis cafibus Iuno Sofpita , meque in tantis exantlatis labo - ribus defefläm , imminentis periculi metu libera . Dieses geht dingt und ohne Zweydeutigkeit auf die Juno . Die Stelle Herodian« , die Urania , von Carthago betreffend , scheint mir nicht von solcher Stärke zu seyn ; denn sie bewegt uns zu glauben , daß diese Urania nicht Juno , sondern £ . unä gewesen . Man hat vorgegeben , daß ihr Götzenbild von der Dido eingeweihet worden , da sie Carthago erbauet . Herodian . Libr . V , cap . VI . Nun betrachte ich hier nicht die Theologie derer , welche schiedene heidnische Gottheiten zu einer machen , ich halte mich an die Begriffe der Welt , nach welchen die Iuno , als eine Schwester und Ge - mahlinn Jupiter« , und als eine von der Diana , der Minerva . der Luna , der Proserpina , u . a . m . unterschiedene Person angebethet worden . Uebrigens kann ich keine Acht auf den Dienst haben , der dieser Göttinn an so vielen Oertern , und mit so vielen Geprängen erwiesen worden ; ( Wir werden in der Anmerkung ( V ) etwas von den Tempeln sagen , die sie in Italien gehabt . ) ich kann auf denselben keine Acht haben , sage ich , ohne zu glauben , daß sich , ich weis nicht was für Eindrücke der Gewöhn - heit darein gemengt haben , die man in 'Ansehung der Frauenspersonen beobachtet . Wenn eine Frau Theil an der Regierung bat , so wird sie vielmehr bedient und verehrt , als eine Mannsperson von eben derselben Gewalt . Man betrachte die Art , init welcher man den Gemahlinnen der Statthalter in den Provinzen auswartet , wenn man weis , daß sie in großem Ansehen stehen . Die Ehrenbezeigungen , die ihnen erwiesen werden , übertreffen diejenigen , die man ihren Ehmännern erweist . Dieß ist der Welt Gebrauch , und man hat ihn auch in dem Himmel einge - führet . Jupiter wurde als ein König , und Juno als eine Herrschsucht ! - ge , hochmürhige , rachgierige Königinn bedienet : welche die Herrschaft der Welt mit ihm theiire , und allen seinen Berathschlagungen beywohnte . Man sehe den Homer im Lobgesange Apollons . wenn er saget , daß Juno sid> wegen der Geburt der Minerva ein Jahr von ihrem Gemahle ge - schieden habe .
Ouri irtrr tk tiv^w Aic ( ? Au3» f« ) Tio»vT© - >
OBti tot ti ( woAuSai'JaAov , Ton & <> { & Tlf ,
Air# wvxivitt ( pfa & tKirj
Nunqtianv ad cubilc louis venit confiliarii ,
Nuraquam ad thronum varniui , ficuti antea ,
Cum ipfo fedens , fapientia confultans confilia .
Ich getraue mir , zu sagen , daß die Ausschweifungen , wozu die Christen gegen die Jungftau Maria geneigt sind , und , welche alles dasjenige über , treffen , was die Heiden zur Ehre der Juno haben erfinden können , au« eben derselben Quelle entsprossen sind ; ich will sagen , aus der Gewohnheit , die man hat , das Frauenzimmer zu ehren , und ihm vielmehr Ergeben - heit und Ehrerbiethung , als dem andern Geschlechte , zu erweisen . Man kann der Frauenspersonen weder in dem bürgerlichen noch geistlichen Le - ben entbehren . Wer der römischen Kirche ihre Andachten gegen die Hei - ligen und insonderheit gegen diejenige wegnehmen sollte , die sie die Köni - ginn des Himmel« , die Königinn der Engel betitelt , was für abscheuli - che leere Plätze würde man nicht darinnen sehen : alles übrige würde zu Tömmern gehen , und arena fine calce , fcopae diflolutae seyn . mus , wenn er die Gewohnheit , die Jungfer Maria zu begrüßen , aufder Kanzel nach dem Eingange einer Predigt tadelt , sager : daß sie wider da« Scyspiel aller Alten streite , daß man lieber ich weis nichr roas für beuten nachahmen solle , welche vielleicht dem Frauen - Zimmer ; u Gefallen den - Heiden hierinnen gefolgt sind . Erasmus in Fcclefiafte , beym Colomies , Rome Proteftante , p .
( N ) Sie hatte das Gebeimnifi , alle Jahre wieder Jungfer werden . 1 Sie hat sich dieserwegen nur in einem Brunnen baden dör - fen . Er hat Canathus geheißen , und war im Peloponefus gelegen . Pau . fanias , Libr . II , zu Ende , pag . 80 . Juno ist sehr besorgt gewesen , ( so redet Cäsar von Rochefort , im Di & ionaire Gener . et curieiix , pag . 612 , 6»z . ) sich alle Jahre in dem Brunnen Canarhlis bey V7au - plieo ; u baden , das wir heuriges Tages N«pol» Vi Romania nen -
nen .

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