Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13400

Juno .
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daß , so bald sich Juno niedergesetzt gehabt , der Fußboden des Hinnnels sich gespaltet habe , und der Stuhl , da er keine Stütze mehr gehabt , gegen die Wolken gefallen , und in dem Räume hänaen geblieben sey , der zwi - schen Himmel und Erde ist ? Dieses hätte den Lesern ein kenntliche« Bild gegeben . ServiuS erzählet die Pache besser : er saget , daß Vulkan einen Stuhl gemacher , von welchem die Juno , da sie sich einmal darauf gesetzt gehabt ( * * ) , nicht eher wieder aufsieheu können , als bis sie dem Vul , kan alles verwilliget , was er verlangte . Er aber hat gewollt , daß man ihm seine Aeltern zeigen sollte . Alii dicunt , quod cum Vulcanus paren - tes fuos diu quaereret , nec inueniret ; fedile fecit tale , vt cum eo , qui fediflet , furgerenon poflet ; in quo cum adfediilct Inno , nec poflet ex - furgere : Vulcanus negauit fe foluturum oninino , nili prius parentes fuos fibi monftraflet , atque ita faöum eft , vt in Deorum numerum reciperetur . Seruius , in Eclog . IV . Virg . v . 62 . Man ziehe den Pan - sanias zu Rathe , der uns Lib . I , pag . >8 , belehret , daß Vulkan , der sich an der Juno rächen wollen , ihr einen güldenmThron geschicket , auf welchem sie gefesselt ward , fo bald sie sich darauf gefetzer hatte . Niemand als Bac - chus hat den Vulkan vermögen können , in den Himmel zurück zu kehren : und er hat ihn noch berauschen müssen , um ihn zu dieser Reise zu bewegen . Die Athenienser haben ein Gemälde gehabt , welches den BaechuS vor - stellte , wie er den Vulkan wieder nach dem Himmel geführt : und man hat zli Lacedämon ein Schnitzwerk gesehen , welches eben denselben Vul - kan vorgestellt , wie er seine Mutter losband . Paula» . Lib . III , p . 99 .
( * ) Ob man folia oder foleas lesen müsse : ob man sagen könne , au - rcas ex adarnante ; und ob es besser gesagt wäre , folia aurea nexa ada - roante , oder folia ex auroetexadamante . Siehe HyginS amsterd . Ausg . von 1681 .
( * * ) Man ziehe zu Rache was im VI D . der AeneiS vom Thefeuö ge - sagt wird : 8edet aeternumquc fedebit infelix Thefeus ; und , was die Ausleger von dem Stuhle sagen , darauf er gesetzt worden . Du Rondel für le Chenix de Pythagore , 95 U . f . S .
( H ) Sie hat dem Gebähren und verschiedenen Dingen vorge - standen , die davon adbange» . ^ Wenn Terentiuö , in Andria A & . III , Seen . I , voraussetzet , daß die Hure Glycerium , da sie in Kindesnöthen arbeitet , sich dieses Gebeths bedient hat , luno Lucin» fer opein , ferua nie obfecro ! so bezeuget er handgreiflich , daß Juno diejenige Gottheit gewesen , die dieser Sache vorgestanden . Sie hat sich , ( Feftus pag . m . cxxxjx . ) Opigena und Lucina bey dieser Belichtung genennet , ftue te Lucinam , quod lucein nafeentibus tribuas ac Lucetiam conuenit nuneupari . Mart . Capella , de Nuptiis Philologiac , Lib . II , pag . m . 37 . Man hat ihr noch andre absonderliche Namen nach denen verschiedenen Diensten gegeben , die man bey diesen Ilmständen von ihr erwartete ; denn man hat fieFluonia genennt , in so fern sie den allzugroßen Verlust des Geblütes verhüten konnte . Fluoniam Iunonem mulieres colebant , quod cam fanguinis fhiorem in conceptu retinere putabant . Feftus , pag m 6z . Man hat sie Februa genannt , in so fern sie dem Reini - aunasaepranae der Wöchnerinnen vorg . 'standen hat . Dieß sind die Ein - schrankungen , die Ma> tianue Capella dem Zunamen Fluoma und Februa qiebt ; denn er führet die Philologie ein , welche erklaret , daß sie , als eine Junafer nicht nöthig habe , die Göttinn Juno unter diesen zwoen Absich - ttn anzurufen : Kam Fluuoniam Febmalernque ac Fcbruam mihi po - feere non necefle eft , cum nihil contagionis corporeae fexu interne - rata pertulerim . De Nuptiis Philologiae , Lib . II , p . 37 . Sie würde derselben in einer andern Absicht nöthig haben können , weil Augustin , de Chat . Dei , Lib . VII , c . ? , pag . m . 628 , versichert , es habe Varro ange . führt , daß Juno die Aufsicht über dcn Flnß der monatlichen Bluthe ge - habt Ibi eft et Dea Mena , quae xnenftruis tliionbus praeeft , quamius louis filia , tarnen ignobiiis . Et hanc prouinciam fluorum menftruo - rum in libro fele6torum deorum , lpfi Iunoni idem autor aflignat , quae'in diis feleäis etiam regina eft : et hinc tanquam luno Lucina cum eadem Mena priuigna , fua eidem cruori praefidet . E« ist mir nicht unbekannt , daß die Gvttinn der Geburten nach vielen Schnststel
„ Hofe genommen hatte - indem er sich gerühmt , er habe sie für diesesmal „ fo gut befunden , als da er ihr das erstemal , ohne Wissen ihrer Aeltern , . . die Jungferschaft genommen hätte . „ Montagne , Efiäi» , Livr . I , chap . XXIX , p . m . 309 . Montagne hat Unrecht gehabt , diesen Begriff eini . gen nach Umarmungen heißhungrigen Poeten beyzumesjen , weil Homeru« , der Urheber dieses Mahrchens , deutlich bezeuget hat - daß er eS nicht für wahrscheinlich halte , daß ein Ehmann eine so heftige Brunst gegen seine Ehfrau fassen könnte . In dieser Absicht setzet er , Iliad . Libr . XIV . aus , es habe Juno nicht allein ihren besten Schmuck angeleget , sondern auch überdieß die Geschicklichkeit gehabt , sich den Gürtel der Venus leihen zu lassen : eine unvermeidliche Bezauberung , nnd LiebcSkünstchen von einer ge , wissen Wirkung . Dieser erborgten Hülfe eignet er die Kraft zu , welche
Juno gehabt , ihrem Gemahle einen so hitzigen Anfall der Zärtlichkeit " " . ES wären viel andere Dlnge in dieser Erzählung deS Mon . tagne zu tadeln , ( man sehe weiter nnten die angeführten Stellen
Homers . ) wenn er nicht die Klugheit gehabt , den Platö anzuführen . Dieserwegen darf man ihn wegen der Fehler dieft« Philosophen nicht zur Rede setzen : man muß sich an den Plato halten .
Es ist sicher , daß er Homers Erzählung unrichtig anführet : dieser re -
det also , tt Ata HaütviivTiw rßv uMuv äcOv rt mSfvxm , i ; nevcg iywyo ? u ( t a ißutofa & ro , tmtmv tävtuv failtif iiri / jtySavoßtvov , ha rijj täk Iwiihnlw , ) rjf Stuc nxkaykiTu , llorr« t$v IifotVy vri rif rs öu / ^tnty föftoiv itösit , AXk' avri ßtsAtluwiv %oncti 'iulyiyvtsäut , Atyovr * ü ( Sru ( in0 ijriäi / fi / aj '«' 'fivS * Ii li n & JTtt rhvKT» .
e»y im Itiv $iAot« , h i' 'ingot , h i' ctigifif , n6fflxei< ijr' txAftf / i von ttdtietnif Qfoviivrw ,
In eo autem delinimenta omnia inclufa erant :
Ibi inerat quidern anior , inerat defiderium , inerat et aniantiuti colloquium ,
Blandiloquentia quae furtini furripit mentem prudentium liest , Homer . Iliad . Libr . XIV , v . 2ij .
Ich will ihn nicht entschuldigen : ich gebe zu , daß ihn Plato rechtmäßig verdammet ; denn kurz , eS ist eine höchst ärgerliche Sache , wenn man den
. . . Obersten der Götter so verspottet . UebrigenS ist Jupiters Begierde nichr
lern von der ^uno unterschieden ist : denn einiae sagen , daß Lueina ihre ^ groß gewesen , daß er nicht der Juno die Muße gegeben , eine lange Tochter gewesen ; ( tteiiod . in Theog . Siehe den Meziriac über des f , uc seiner Beyfchläferinnen herzusagen . Einige halten dafür , es babe * ~ r — iw . fi Hom „ diese Erzählung am unrechten Orte angebracht : es ist wider die
Ovi'dius Briefe pag . 633 . ) und andre haben versichert , daß Diana der Ver richtnng , den gebährenden Weibern beyzustehen vorgesetzt gewesen . LatuU . Epigr . XXXV , ttorat . Od . XXII , Lib III , und viele andre . Allein ohne daß ich mich bey der Meynnng aufhalte , daß^ocina , Ililhia , Diana , £tma und Inno einerley Gottheit gewesen , ( Siehe den Meziriac über
^ > c . f . . . iA . ka6
Klugheit eine - EhmannS , sagen sie^se . ner Frau die an ihr begangenen Untreuen vorzustellen ; dieß ist kein Mittel , sie zu kützeln . Andcrerecht . fettiaen den ^omer aus dem Grunde , daß es einer Frau angenehm feyt , müsse von ihrem Ebmanne zu hören , daß er mehr Brunst gegen sie
de^Ovidius'Briefe pag . 63 * ) fo sage ich : eS ist sehr wahrscheinlich , daß iZ ~v v -
Juno als das Haupt dieser Verrichtung , und als wenn sie Gehülsinnen empfinde , als erenipfunden , da er von diesen und imenB^f^^ L "
und Bevollmächtigte in verschiedenen Abtheil , inaen gehabt , angesehen hätte . Hierauf ist
worden . Kippingius , 111 Antiquu . Romanis , Lib . I . c . 1 , num . 15 pag . Erklärung hinaus gelanfei» . ' ' ^S Jupiters
>n . 24 , 2 ; . Wenn man sie also nicht eigentlich und unmittelbar sti'r die Göttinn Leuana erkennen will , welche gemacht , daß die neugebohrnen Kinder von ihren Vätern erkannt worden , ( dieses geschah , wenn sie das Kind aufhoben , welches die Hebamme auf die Erde gelegt hatte ) noch für die Göltinn Rumina , die ihremSäugen vorstund , noch für die Göttin»
Cunina , welche ihre Wiegen behütete ; noch für die Göttinn Nundina , welche für die Beyleaung ihrer Namen sorgte ; noch für die Göttinn Vaticana , welche die Aufsicht über ihr Schrei , en hatte ; ( Siehe den Auluö Gelliuö Libr . XVI , c . 17 , wo er nach dem Varro Dens Vaticanus saget ) noch für die Göttinn Fabulina , welche der ersten Lösung ihrer Zunge vorstund , das heißt , den ersten Worten , die sie aussprachen : so glaube man zum wenigsten , daß alle diese Göttinnen Untergebene , der Oberauf - seherinn Juno gewesen sind . Wir wollen ebendasselbe in Ansehung der Göttinn Profa , und der Göttinn Poftuerta sagen , welche man verehret , damit die Kinder keine üble Stellung genommen , wenn sie sich zur Ge , burt anschickten . Qjiando contra naturam forte conuerfi ( pueri ) in pedes brachiis plerumque diduäis retineri folent : aegriusque tunc mulieres enituntur . Huius periculi deprecandi gratia arae ftatutae , funt Romae duabus Carmentibus , quarum vna Polhierta nominata eft .
Proia altera ; a reöi peruerfique partus et poteftate et nomine . Au -
lusGellius , Lib . XVI , c . 17 .
( I ) Montagne , - » drucket sich ein wenig alln , lustig kus . 1 „ Diese Erzählung hat Plato aus irgend einem dürftiqen und „ heißhungrigen Poeten nach dieser Belustigung entlehnet : daß Jupiter „ feine Gemahlinn eine« TageS fo hitzig angegriffen , daß er fle , da er nicht „ die Geduld gehabt , fein Bette zu erreichen , auf die Dielen geleget , und „ über die Heftigkeit der Wollust , die großen und wichtigen gen vergessen , die er mit den andern Göttern in feinem himmlischen
NÄM i' * Y h ( p'Aerifr« Itmßhn .
06 yieg xuvoTi f1 die $e * ( IfQ ? uü ywamtf ev / xcv ( vi riSeewrtfvrpotxvSslc iiifiavtiv , t ) vi' Sit6t ifxe & nw it / soxtio ) etc .
Nos autem age in amore conuertamur in leflo dorrnientei , Non enim vnquam mihi fic deae amor neque mulieris Animum in peftoribus circumfufus doinuit ,
Neque quando captus fui amore Ixioniae vxoris tftc ,
Homer . Iliad . Libr . XIV , v . 3 * 4»
Ich setze dazu , daß Homer den Wohlstand gegen die Juno in Acht ge , nommen hat . Er läßt sie ihrem Gemahle die Unanständigkeit vorstellen , wenn irgend ein Gott sie auf dem Berge bei , einander schlafen sähe , und eS andern meldete : allein , hat sie ihm vorgestellet , weil ihr Lust habet , so wollen wir in euer Zimmer steigen . Jupiter hat keinen Gefallen an dem vorgeschlagenen Mittel gehabt ; er hat ein anders gefunden , daß er Nämlich seine GemahlinN mit einer dicken Wolle umschlossen , daß die Sonne selbst nichts davon sehen konnte , und unter dieser Wolke hat er seine Begierde gestiller . Er hat seine Gemahlinn Nicht auf die Dielen geleget , wie Montagne saget , sondern auf die harte Erde , unter freyem Himmel . Es ist wahr , daß die Erde so gleich Blumen und Gras her - vorgebracht , die ihnen zu einer guten Madratze dienten . Ebend . 547 V . Weder HomeruS noch Plato lassen den Jupiter sagen , wie Montag» ? , daß er sie diefi»nal fo gut befunden habe , als damals , da er ihr ohne ihrer Aelrern Vorrvisstndie Jungferstbaft gcnsmnien halte . Ho» meruS saget nur , ( seine Worte habe ich in der Anmerkung ( A ) «nge« führet ) daß Jupiter , da er die Juno erblicker , eben dieselbe Brunst empfunden , als damals , da er ihrer das erstemal genießen wollen . Ich
gebe

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