Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13337

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Prinzeßinn schuldig wäre : allein er hat ihrer War nimg gespottet , und ist in diesem Tone zi« predigen fortgefahren . Man hat Untersuchungen wider ihn angesteller , und dem Könige die Registraturen zugeschickt . Der König , welcher ihn mit ebenderselbe Lebensstrase zu belegen , beschloß , de - ren er die Prinzeßinn würdig schäkte , hat befohlen , den Mönch vor ihn zu bringen . Die Königinn von Navarra aber , welche für ihn bath , hat die Milderung der Strafe erhalten . Die Schwierigkeit war , sich dieses Dknschen zu bemächtigen ; denn er hatte den Pöbel auf seiner Seite , so daß der Rath zu Jssmidun sich nicht unterstanden , den königlichen Be - fehl auszuführen . Dionysius Du Jon , der aus den Schulen zurück kam , wo er sich wacker herum geschlagen , hat gesaget , daß , wenn ihm der Kö - nig auftragen wollte , tiefen Mönch zu greifen , er es genau ausführen wolle . Da ihm diese Verrichtung aufgetragen wurde , so hat er sich an die Spitze der Gcrichtsdiener gesteller , und ungeachtet der Widersetzun - gen des Pöbels , den Prediger aus dem Kloster geholt , der ans zwey Jahre auf die Galeeren geschickt wurde . In der Thal hat sich Du Jon dadurch in die Gnade Franciscus des I , und der Herzoginn von Berry gesetzt ; allein er hat sich den Haß des Pöbels und der Francilcaner zogen , und sich eine Verfolgung von Verleumdungen und Drohungen , und einen Proceß über de» Hals geladen , welcher endlich auf eine grau - same Niedermetzelung seiner Person hinaus lief . Haec prima fuit actio , quae in gratiain Regis , fororisque Reginae infinuauit patrem : fed apud illain inconfultam plebcculam et Francifcanorum ordinem odia perpetua conciliauit : indigniflimasque calumnias , minas , criminatio - nes , perfeciitiones , damna , criientam denique caedem patri apporta - uit . Ebendas . col . 2 . Man hat ihn des Lutherthums beschuldiget , und seine Magd bestochen , zu bezeugen , daß er die Fasttage nicht beobachte . Et Francifcanorum arte , et plebis imprudentia odioque maximo pres - Ais et fub religionis fpecie et Lutheranifmi - - - accufatus , fuborna - ta ad eaiu rem ancilla , qnae domi feruiuerat . Ea patrem a fe vifum , quum diebus vetitis carnes ederet , pro teftimonio dicebat falfo , vt ma - trein faepe andiui confirmantem . Ebendas . Er hat die Flucht genom - men , weil er sich mit solchen parteyischen Leuten nicht einlassen wollte : man hat seine Güter eingezogen , und die Königinn von Navarra hat ihm fast ein Jahr seinen Unterhalt verschaffen . Endlich hat die Ge - walt des Königes die Anklagen vernichtet , und darauf hat Du Jon die Stelle eines Raths erhalten , u . f . w . Libcratus ab accufatione pater auftoritate Rcgis , patriuin foluni repetit , atque irnniigrat in Bkuri - gtirn metropolin , vbi cum lande ad exitum vsque vitae Confiliarii regii et pro Tribuno militum honoribus a Rege collatis defunehis eft : ter alia commoda honoraria , quae a Regina fororc iljiiisetBiturigum Düte aeeeperat . Ebend . p . 7 . col . 1 Er ist so gelobtet worden : die Katholiken zu Jssoudun haben am Frohnleichnamsfestc , ohne Bettach - tung des Vertrags , welcher kürzlich geschlossen worden , tausenderley Ge - waltthätigkeiten wider die Reformieren begangen . Der König hat an den Dionysius Du Jon eine Vollmacht aüsgefertiget . diesen Aufstand zu untersuchen , und die Urheber desselben zu strafen . Du Jon hat sich bloß von dreyen Gerichtsdienern begleitet , nach Jssoudun erhoben ; er hat die andern an verschiedenen Oertern vertheilet , ehe er in die Stadt gieng : > Venn er mußte bey einer so kützlichen Sache viel Klugheit gebrauchen . Seine Vorsichtigkeiten aber haben ihm zu nichts gedient : man hat chen , warum er kam : der Pöbel hat sich der Thore bemächtiget , und das HauS de . , Bevollmächtigten belagert . Man ist hineinqedrungen , man hat den Du Jon getödret , man hat ihn zum Fenster hinausgeworfen , man hat ihn durch die Straßen geschleppt , man hat ihn den Hunden vor - geworfen , man hat öffentlich verbothen , ihn zu begraben . Ebendas . 14 S . Er ist gleichwohl bey Nachtzeit von einer Frau begraben worden . Der Rath des Königes , hat wider diese Verwegenheit den Unwillen gefaßt , den sie verdiente , und befohlen , die Mauern von Jssoudun zu schleifen : allem Cipierre , und einige andre Herren , baden die Veränderung diese« Spruches zuwege gebracht , und vornehmlich dadurch , daß der ermorde - te Bevollmächtigte bereits seit vier und zwanzig Jahren des Lutherthums verdächtig gewesen wäre . Die Witwe des Verstorbenen , welche die Rache dieses Mordes verfolgen wollte , hat sich den Haß vieler Leute zu , gezogen , und sich durch die Proeeßkosteii verzehret . Haec «aedes conii - fium Regis commouit plurimum : et decretum de labefa & andis muris totius oppidi in eo faehitn propter atrocitatem fceleris , et periculo - fiflimum exemplum illins . Sed poftea conuerfä eft fa & ionibu» tota ratio confilii : tum propter Sipierrii Gubernatoris et nonnullorum ex nobilitate procerum inueterata odia , tum propter religionis Pontifi - ciae zeluni , cuius odio indefinenter flagrauifle inde ab annis amplius viginti quatnor criminabantur patrem . Itaquc caedem illam neccffc habuit niatcr in Regis confilio perfcqui ex eo tempore : quo fc & o , cum ipfa in fe multorum concitauit odia , tum omnia ferme commoda , quae cx bellica licentia , fiirtis , rapinis , grafiätionibusque reftabant ipfi , in hac perfecutione occupauit . Ebendas .
H , er ermahne ich niemanden , die bösen Wirkungen de« ReligionSei , fers zu bewundern . Man muß die Mordthaten billigen , und die Auf , führung einer Frau misbilligen , welche die Mörder ihres EkmannS ver - folget . Allein ich bitte meinen Leser , eine Sache mit Aufmerksamkeit zu betrachten . Die Religion , welche durch die ganze Welt , als der festeste Pfeiler der obersten Gewalt angesehen wird , und die es auch in der Thal ftvn würde , wenn sie wohl verstanden und geübt wird , ist gemeiniglich dasjenige , was dieselbe Gewalt am meisten entkräftet . Es war nichts gerechters , als das Urtheil FraneifeuS des I , wider dm Prediger von Jssoudun , einen Menschen , der die Kühnheit gehabt hatte , auf dem Pre - digtstuhle der eignen Schwester seines Königes so schändlich zu begegnen . Gleichwohl untersteht sich keine einzige obrigkeitliche Person die Befehle ihres Monarchen wider diesen Aufwiegler auszuführen ; und ivenn ein Edelmann die Herzhastigkeit hat , dieselben zu vollstrecken , so setzet er sich tausenderley Verfolgungen aus , und machet sich so verhaßt , daß man die , jenigen ohne Scheu beschützet , die ihn ermordet haben . Die Königinn von Navarra ist die erste geivesen , die diesem Edelmann ? angerarhen , ihr Land zu verlassen ; Feliciiu certe vtiliusque politicos honores gefturo , et Remp . adininiftraturo , ii poft tarn forte aufura honefta et cauta mi - gratione , quam faepe tieri Nauarrena Regina et nonnulli Proceres cupiuerunt , vt alibi Reip . inferuiret pater , fibi profpexiflet . Ebendas . p . 6 . col . 2 . weil ihn die Ausführung der höchstgerechten Befehle seine« Prinzen dem Ha> , e der Scheinheiligen ausgesetzet hat . Ein offenbarer Beweis , daß sich der Hof nicht für stark genug halt , die trruen Diener zu beschützen , die von der Clensey verfolget werden . Man saget gemei - nigllch , daß da« evangelische Predigtamt , eft ipfis Angelis tremendum ,
wir wollen hier darzu setzen , et ipfis qtioqnc Regibus . Man lese die Historie der römischen Kirche wohl , so wird man finden , daß sich die al - lergrößten Prinzen der Welt , mehr vor den Leidenschaften zu furchten gehabt , welche die Eiferer erregen , als vor den Waffen der Ungläubigen : also ist das , was die Befestigung der Republik , und der Majestät des Staats seyn sollte , sehr oft die uuüberwiiidlichste - öindmusi , die den genten bey der Vollstreckung ihrer Befehle aufstößt . Man ziehe hierbey zu Rathe , wa« in der Anmerkung ( L ) , - bey dem ArtikelAbva« gesaget worden .
( C ) , t - iLc hat seine Frau entsetzlichen Verleumdungen ausgeseyet , weil sie schwanger wurde , 0« man ihn für flüchtig hielt . Z Es ist ein Unverstand , wenn man sich in den Stand setzet , schwanger zu werden , wenn der Ehmann flüchtig ist : denn wenn er vor der Zurückkunft und vor der Niederkunft stürbe , oder ehe er erkennte , daß er der Urheber dieser Schwängerung wäre , drey Dinge die sehr möglich sind , wie wollte man sich gegen dieWeit rechtfertigen ? Allein überdieß , heißt diese« nicht der Verleumdung die Waffen in die Hand geben , wie die Ehsrau desDu Jon gethan hat ? Man wird mir antworten , daß dieses leicht zu sagen ist , , renn man mit Gelassenheit davon handelt , und wenn man sich nicht an den Platz verliebter Personen stellet . Nach der Abwesenheit von einigen Monaten wird ihre Flamme so heftig , daß keine Betrachtung sie zurück halten kann : die Liebe zieht sie mit Gewalt fort , man höret nichts : Fertur cquis auriga , neque audit currus habenas . Virg . Georg . Lib . I . v . 514 . Dem sey wie ihm wolle , so ist die Mutter unsers Du Jon verleumdet worden , und dieß ist ihr durchs Herz gegangen . Profugus pater dam ad matrem femel redierat , hinc grauida facta mater profeindebatur a vnlgo , tanquam fi proftituta fuifiet pudicitia Mus . Vtroque hoc incommodo fanöae illius foeminae animus oppugnabatur , obiieien - tibus maligne quam plurimis , tum Francifcani illius reuerfionem , tum grauiditatem , vt aiebant , impudicaro . Iunius , in Vita fua , pag . 7 . col . 1 .
( D ) Seine natürliche Schamhaftigkeit , nebst vielem Lhrgeixe . Z Diese zwo Leidenschaften scheinen nicht eine für die andre gemacht zu seyn , und gleichwohl verbinden sie sich manchmal miteinander . Juniu« ist ein Beyspiel davon . Er bekennet , daß er in seinen jungen Jahren mehr als er sollte , geehrt und gelobt zu werden , gewünscht , und daß er die Lobeserhebungen nicht leiden können , die er andern gehen gehöret . Natura me pucrum ad honoris et laudis appetentiam plus fatis accen . dente . Sic enim mala radix illa rüe tpiAenpla ( in me germinabat , vt nec alienam laudem ifta aetate aequo animo ferre pofl'em mifer , nec in mea exiftimatione illa conquiefcere , quam mihi conciliabam perti - naeiffima diligentia . Ueberdieß bekennet er , er sey von einem so furcht - samen und gegen sich . selbst miStrauischen Naturelle gewesen , daß er selbst in einem fast fünfzigjährigen Alter , nicht ohne Rothwerden , mit feiner eignen Frau reden können , und sich kaum getrauet habe , seinen genossen etwas zu befehlen . Pudor fummus qui me ad hanc vsque aeta - tem fic preflit , vt rufticus magis ad omnia quam vrbanus merito ben poffinj . - - - Quid dicam nifi impudentem ferme pudorem efie , qui me tantopere impeditum diftinet , vt vix fine pudore vxori res vulgareis enunciem , vix iam domi feruitio imperem . Er will aus dieser Schaam große Vortheile gezogen haben ; weil er , da er sich selbst nichts zugetrauet , sich um desto mehr beflissen , dasjenige zu seinem Nutzen anzuwenden , wa« er gehöret und gesehen hätte : Ex pudore haec confequuta funt inde a puero quod mihi femper fim diffifus , quod aliorum fadtis audiendis , fermonibus obferuandis et aduertendis in vfum menrn ftuduerim . Ebendas col . 2 . und er saget , daß er seinen sern sein Gebrechen nicht melden würde , wenn er nicht glaubte , daß es für die Jugend eine sehr nützliche Lehre der Bescheidenheit seyn sollte . Hoc eo libentius praedico de infirmitate mea , vtiuuentus abexemploineo praeeeptum hauriatraT«ivo ( pf>o * i / n»« atque modeftiae , vt certum rrudhim peritiae certo iudicio afiequatur . Id enim teftor , nihil mihi fecuns dum benediöionem Dei tarn commodauilfe in rebus omnibus , quam illam de me ipfo diffidentiam , ex confcientia infirmitatis et pudori» mei , et ftudiofam aliortim , quibuscunque adfui obferuantiam . Man kann die Sittsamkeik , und diese seltene Demuth nicht genug loben , wel - che machet . daß man seinen Kräften nicht trauet ; allein es ist gewiß , daß sie nichts tauget , fein Glück in der Welt zu machen ; und wenn ein Vater den Vorsatz hat , daß seine Kinder zu Würden gelangen sollen , so wollte ich ihm rathen , denselben vielmehr Einbildung und Eitelkeit , al« Mistrauen gegen ihre Verdienste , einzublasen . Iunius ist vielleicht der zige , der . in Ansehung der weltlichen Vortheile , sich bey seiner Eingezo - genheit wohl befunden hat . Ich verlange nicht zu behaupten , daß der Stolz allezeit nützlich sey : er verderbet manchmal junge Leute , und ver , hindert sie , sich empor zu schwingen ; ich rede hiervon nur überhaupt , und halte mich bey den Ausnahmen nicht auf .
( E ) Äartkolomöus Aneau . Ich habe in der Anmerkung ( M ) des Artikels Alciat , ( Andreas ) von feiner Auslegung über Alciats Em - blemata geredet . Er hat sich auf lateinisch Annulu« , oder Anulus nennt : er war von BourgeS , und hat viele Bücher herausgegeben . La Croix du Maine , p . ja , und du Venjiec Vau Privas p . 110 , 111 . Er ist elendiglich in dem Religionstumulte ermordet worden , wobey Iunius fast umgekommen wäre : feine Ehftau hätte gleiches Schicksal gehabt ) wenn sie der Prevot von Lion durch ihre Gefangennehmung nicht tet hatte . Siehe da« Leben des Iunius p . 10 , col . 2 .
( F ) bar einem Mägdchen eine derbe Maulschelle gegeben , d»e ihm Liebkosungen erweisen wollte . ^ Hier ist eine Sache , die weit mehr zu bewundern ist . als dieThat desTheageneS : Siehe die An - merkung ( C ) bey dem Artikel - Heliodorus ; sie , st historisch , anstatt , daß desTheageneS seine nur ein Roman ist . JuniuS , der auf feine Stu , dien erpicht war , hat an nichts weniger , al« an die Liebe gedacht . Unter - dessen hat man über seine wenige Galanterie gebrummet , und ihm vor - gestellet , daß er niemals höflich werden würde , wenn er sich nicht verlieb - te . Diele Reden haben seine Aufführung in nichts verändert , man hat ihn den Liebkosungen von drey bis vier Mägdchen ausgesetzet , die ihm nnver - schämt über demHalse gelegen : Sie warfen sid ) ihm ganz ansqelassen um den Hals und vergaffen nichts , über feine Schamhaftigkeit zu siegen . Endlich ist ihm dieGeduld ausgerissener hat eine davon maulschällirt ; dieseMaulschälle hat einen großen Lärmen im Hause gemachet . DasMägdchen . da« sie bekom - men hatte , da es aus der Mine de« jungen Menschen wahrnahm , daß diese« keinSpaß seyn sollte , fing aus Verdruß , d«ß man ihr also begegnet war , zu wei - nen und schreyen an . Man lachte sie aus , und den Iunius dazu : allein dieß Machte ihn vielen Personen verhaßt . Man muß ihn selbst hören : Die» et
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