Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13315

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Iunius .
( A ) Junius war zu - Horn in Holland gebohren . ] Moreri get in dem Artikel Hadrian Iunius , daß sein gemeiner Name Ionghe , oder Du Jon gewesen , und dann , wenn er von dem FrancilcusJunmS , Professor zu Leiden , redet , so giebt er ihm keinen andern , als den gemei - nen Namen Jonghe . Es ist nicht die geringste Richtigkeit hierbey ; denn erstlich hatte er sagen sollen , von Jongbe , und dieses nur vom Hadrian Iunius ; weil es falsch ist . daß sein Name in^der holländischen Sprache , ohne Unterschied , von Jonghe oder Du Ion seyn können . Zum andern ist es falsch , daß der gemeine Name des Franciscus Iunius , ein anderer , als Du Jon , seyn können . Man hat in der Uebersetzung des Thuanus , bevm Teißier , Addit . aux Eloxes , Tom . I . p . 479 - saget , daß Horn des Hadrian Iunius Vaterland , ein Dorf in Geldern ist . Dieß ist ein großer Schnitzer , den ich nicht in der frankfurter Aus - gäbe Thuans , von >6 - ; . finde . Wenn der Uebersetzer nach einer Aus - gäbe gearbeitet , die diesen Fehler gehabt , so ist er zu entschuldigen ; allein hier ist etwas anders zu tadeln . Er saget , daß Iunius , Sa er - Harlem , rvegen Oer Belagerung , verlassen . von da nach Armuydcn , bey Middelburg gegangen , rvo er , nach vergeblicher Anwendung alles seines Fleißes und aller Gorgen , dem Uebel dieser ten Sradt , einige - Hülfsmittel jit verschaffen . von der rung SerÄ . nft so beschwert worden u . s . w . Man sieht deutlich ge - nug , daß sich diese belagerte Stadl weder auf Middelburg , noch auf Armuydeu , sondern auf Harlem bezieht . Nun ist es höchst falsch , daß Iunius auf die Linderung dieser belagerten Stadt gedacht , als er zu Ar - muyden gewesen ; denn er ist erstlich , nach der Eroberung von Harlem , dahin gegangen . Ad Armuydam iuxta Mildeburgum in Mattiacu fe contulerat , vbi cum fruftra confilio et diligentia fwa conciuibus la - borantibus opem ferreconatus eilet , ex coeli mutatione - - - - in letalem inorbvim incidit . Thuan . Libr . LXII . Thuanus kann wegen dieses Versehens nicht wohl gerechtfertiget werden ; denn ob man gleich , wenn man lateinisch schreibt , nicht verbunden ist , einen Satz nach der Scharfe der französischen Sprachlehre zu entwickeln : so würde er sich doch niemals so ausgedruckt haben , wie er qethan hat , wenn er bet hätte , daß Iunius erstlich nach der Eroberung von Harlem nach Seeland gegangen wäre . Man kann nicht sagen : daß er hier weder , von der Belagerung Middelburg , noch der Belagerung Armuydens ge - handelt ; angesehen diese zween Platze nicht belagert worden , so lange Iunius in Seeland gelebet hat . Melchior Adam hat Thuans Fehler nachgeschrieben . Sie hätten wissen sollen . daß dieser Arzt , nach der Er - oberung von Harlem , sich einige Zeit zu Delft aufgehalten , che er nach Seeland gegangen ist .
( B ) Den i des - Heumonats , 1511 . ] Dieses enthalt das Leben d * s Iunius vor seinen Briefen ; vitam hanc orditur Kalendis Iulii , anni 15a . Einige Seiten darauf liest man , daß er gestorben die »6 Iunii an . no 1575 , cum explevisset annum aetatis 6z qui magnus cli - maaericus annus Medicis vocatur . Hierdurch widerleget man den Thuani . 6 und Melchior Adain , welche ihn in seinem Stufenjahre ben lassen . Wie aber dieses Leben des Iunius nicht sehr richtig ist . und die Ausgabe der Briefe , ( ich bediene mich einer Ausgabe vonDordrecht , apud Vincentium Caimax , in 12 . ) vor welcher e6 steht , auf dem Titel das , 5 * 2 Jahr führet ; ob sie gleich die Grabschrift des 1575 verstorbenen Verfassers , und etliche von feinen Briefen enthält , die >574 unterfchrie - ben sind : so wollte ich die Zeitrechnung des Meursius nicht allzusehr ver - dämmen , der die Geburt dieses gelehrten Mannes ins > ; > - Jahr sehet . Valerius Andreas , Biblioth . Belg , et Bullart , Academ . des Science» , sind ihm gefolget . Was mich zu sagen beweget , daß sein Leben ( * ) nicht richtig ist , besteht darinnen , daß ich außer den zwoen Jahrzahlen , die ich dar6 des Brachmonats . i ; ? 5 , das drey und sechzigste , ahr seines Alters zurück geleqet hatte . Andern Theils , wenn ein Mann vier und sechzig Jahre , bis ungefähr auf vierzehn Tage , gelebet Hat : ist es eine große Nachläßiakeit , wenn man saget , er sey drey und lechzig Jahre alt gewesen , oder habe sein drey und sechzigstes Jahr zurück geleget . Allein es mag hierbey wenig oder viel Nachläßigkeit seyn , so ist es doch ganz gewiß , daß man darinnen die Widerlegung des Moreri , des Fre - herus , des Melchior AdamS . des Pope Blount und derjenigen findet , welche die Geburt de« JlmiuS in« in ; Jahr setzen . Die Ausgabe seiner Briefe ist nicht sehr correct : und über dieß hat man sie nicht nach den Zeiten gesetzt , da sie geschrieben worden , und sich nicht die geringste Mu - he gegeben , die Jahrzahl zu entdecken und zu ergänzen , wenn sie geman - gelt , welches denn gar oft geschieht . Diese zween Fehler sind bey gleichen Sammlungen nur allzugemein .
( * ) Ich weis nicht , ob es dasjenige ist , das Bevernyck in einem Brie - fe an den Voßius , vom 12 des Brachmonats . 1626 , verspricht . Siehe die an den Voßius geschriebenen Briefe , Num . 78 . p . m . 47 .
( C ) Br war der Sohn eines sehr verdienten Sürgermeiffers . ] Der Vater unsers Iunius ist nicht allein Sekretär . und fünfmal germeister zu Horn , sondern auch zweymal Abgeordneter an dendäm - schen Hof . und einmal an Schweden und an andern Oettern gewejen . Er war ein sehr gelehrter Mann , und hat ein lateinisches Buch von dem Ursprünge und dem Wachsthume der Stadt Horn geschrieben , welches nicht gedruckt worden . Boxhorniu« , Theatr . Holland , p . 373 .
( D ) iBt gieng unter wahrenden Unruhen von da weg . 1 In Ermangelung eine« bessern Wegweisers , bin ich dem Leben des Iunius gefolget , welches vor seinen Briefen steht , ob es mir gleich nicht unbe - rannt war , daß die Richtigkeit nicht zugeben kann , dielen Schriftsteller in England , seitdem er das erstemal dahingegangen , bis auf die nach der Vermählung der Maria , mit Philippus dem II entstandenen Unruhen , leben zu lassen : denn ich sehe etliche von seinen Briefen , p . 339 . Z45 . 348 , die zu Harlem oder zu Horn i ; ; - , und zu Anfange des 1554 Jahres un - terschrieben sind , welche einen sehr eingezogenen Menschen zu erkennen geben . Viele von denen , die Lebensbeschreibungen aufgesetzt haben , hät - ten dieser Erinnerung nöthig .
( E ) Er konnte sich nicht gewöhnen . ] Dieses erhellet aus der z85 S . seiner Briefe , wo er also gegen den Sambucus redet : l . iberet mihi Polydori exemplo erumpere in haecverba , adfum profcöus Da - nica c caligine , nifi longinqui ac molefti itinerii ccu partus recorda -
tionem obliteralfet iucundus amicorum reduci quotidie gratulantium . . - occurfus . Er setzet verschiedene Ursachen darzu , warum er die Besoldung fahren lassen . die außerdem sehr ansehnlich gewesen , lich 400 Reichsthaler , ) die er in Kopenhagen hätte genießen können . In einem andern Briefe , 409 S . saget er , daß er und seine Ehsrau ei - nen Abscheu vor diesem Lande gehabt . In einem andern hält er um die Vermehrung seiner Besoldung an . Ich sehe wohl , daß er dahin zum Leibarzte des Königes berufen worden , aber nicht zum Lehrmeister deSjun - gen Prinzen .
( ? ) lLr hat sich ju Harlem niedergelassen . ] Der Verfasser nes Lebens hat die Zeiten nicht wohl unterschieden . Er läßt ihn nicht eher zuHaerlcm bleiben , und sich eher nicht verheirathen , als nach seiner Zurückkunst von Kopenhagen . Nun habe ich bewiesen , ( man sehe oben die Anführung ( / ) daß er 1564 von da zurück gekommen ; und man sieht aus einem Briefe , p . 179 . ( wegen seiner Liebsten , siehe p . 109 . ) den er 15 , 9 geschrieben , daß er sich schon lange zu Harlem niedergelassen , und daselbst sich mit einem schönen Mägdchen verheirathet hätte , die ihm Vermögen zugebracht . Die Zueignungsschrift feines Traetats de Anno ; die zu feinem Tractate , de Loma , und der Animaduerforum , sind au« dieser Stadt , 1556 , unterschrieben .
( 6 ) Sein ältester Sohn - , - hat ihm eine Grabschrist ge - macht . ] Boxhornius , der seinem Schauplatze von Holland , einen pendix beygesüger hat , um die Auslassungen zu ersehen ; hat unter an» dern diese Grabschrift mit großen Buchstaben hineingesetzet . Allein er hat drey Fehler darinnen einschleichen lassen : velint , anstatt meruit ; 67 , anstatt 63 , und 15 , anstatt 16 : Vixit ann . LXIIIX . obiit die XV etc .
( H ) Man hat viele Sucher von seiner Arbeit . ] Seine vor - nehmsten Werke , außer denen , davon ich bereits , in dem Texte geredet habe , sind Animaduerlorum iibri fex . Commentarius de Conia . giorum ab Erasmo omiüörum Centuriae odto cum dimidia . Das Bücherverzeichnis von Oxford , setzet dieses Buch unter des FranciseuS Iunius , Professors der Gottesgelahrtheit zu Leiden , seine . Appendix ad Epitheta Textoris . Copiae cornu , liue Oceanus Enarrationum Homericarum ex Euftathii Commentariis colledhis in vnum men . Ein Nomenciator . Commentarius de Anno et Menfibus . Allerhand Gattungen von lateinischen Versen . Die Uebersetzung des Eu« napius , de Vitis Sophiftarum . Die Übersetzungen des Hesychius Mi - lesius , der Tischrede» Plutarchs , ( Huetius , de daris Interpretibus , det mit vieler Verachtung von diesen Dollmetschungen , ) der medieini - schen Fragen des CaßiuS , latrofophifta , i ; q , zu Paris gemacht und ge - druckt ; ( dieses ist , glaube ich , das erste von seinen Werken . ) Ich sage nichts von einer großen Anzahl Schriftsteller , die er mit Noten erläutert hat , als den Nouius Marcellus , Plautus , Seneca , Plinius , ( siehe sein Leben , vor seinen Briefen , und im Melchior Adam , ) Virgilius , Hora - tius . Siehe seine Briefe , ; und 6 S Er hatte stark über den SuidaS gearbeitet , und auch den Vorsatz , eS dem Sohne des Prinzen von Ora - nien zuzuschreiben , wie er es an einen englischen Herrn , Epift . pag . 173 . bezeuget , siehe auch n6 S . worinnen er uin seinen Fürspruch bey dem Prinzen bittet , damit er zum Voraus mit einigem Geschenke begnadiget werden möchte ; denn er hat auch so gut , als ein andrer verstanden , sich eine Zueignungsschrist zu Nutze zu machen .
Ich habe , drey von seinen Werken betreffend , etwas zu bemerken , I . Der Verfasser seines Lebens saget , daß die Animaduerforum libr ! fex , verlohren gegangen , da Hartem eingenommen worden : man steht nicht recht , was er sagen will ; sie sind durch den Urheber selbst 1556 herausgegeben , und dem Anton Perenot , Bischöfe von Arras >556 zuge - schrieben worden . Gruterus hat sie dem IV Bande seiner «irischen Schatzkammer einverleibet . IL Den Appendix ad Epitheta Textoris betreffend , so kann man sagen , daß Iunius diese Materie mit einer ganz andern Gelehrsamkeit abgehandelt hat , al« Textor , der darinnen ganz plumpe Schnitzer gemacht hat . Man sehe einige davon in den Briefen desJuniuS , p . 406 . Er hat diese Arbeit , als sehr nützlich , und sehr müh - sam angesehen , p . 116 . III . Ist sein Nomenclator ein vortreffliches Buch in seiner Art . Die Wahl der Worte in acht Sprachen , ist darinnen nicht weniger ein Beweis von der Gelehrsamkeit , als der unermüdeten Geduld des Iunius . Meursius , Athen . Belg , saget , daß er acht Spra - chen wohl verstanden habe ; die griechische , lateinische , italienische , fran - zosische , spanische , deutsche , englische nnd holländische . Seine Reisen ha - ben ihm hierzu viel geholfen ; ich finde , daß er in Frankreich , in Italien , in Deullchland und in England gewesen ; aber nicht in Spanien , wie Valerius Andreas , Biblioth . Beiß . p . 12 . Moreri . und FreHer versichern . Colomies hat , Opufcul . p . m . 132 . ein kleines Mährchen bekannt gema - chet , daß er voni Jsaac Voßius erhalten hat , welches beweisen würde , daß Iunius nichts verabsäumet hat , seinen Nomenclator vollkommen zu machen , und daß er sich so weit herunter gelassen , auch mit den Körnern zu trinken , um die Redensarten ihrer Handthierung zu erlernen . Uebri - gens scheint es , man habe in einem von seinen Briefen bemerket , daß er kein großes Laster zu begehen geglaubet , wenn er brav trinken können , ohne daß er sich berauschet hat . Er ist an einen Bischof geschrieben ,
3Venn ich sage , daß sein Nomenclator ein vortreffliches Buch in sei - ner Art ist , so begehre ich nicht zu leugnen , daß nicht Schnitzer , und auch grobe Schnitzer darinnen wären . Man sehe was Crenius , Animadu . Philol . et Hiftor . P . I . 53 u . f . S aus dem Gronovius u . a . m . ret : ich will nur sagen , daß die guten Sachen darinnen den gemeinen Grad weit überstiegen haben . Nun erfordert in den Werken von dieser Art , wo es unmöglich ist , nicht zu straucheln , die Vollkommenheit nicht , daß man von allem Makel besreyet sey . Es geht dabey , wie bey dem Menschen : der vollkommenste ist derjenige , der die wenigsten Gebrechen hat . Vitiis nemo line nafeitur , optimusilleeft , qui minimis vrgetur . Horat . Satir . III . Libri L v . 68 .
( I ) man hatte , wegen eines öffentlichen Lehrstuhls »n Lei , den , die Augen auf ihn geworfen . ] Dieses belehret mich Meursius . Athen . Beiß . p . 93 . Sub mortis tempiu , saget er , Academiae nafeenti inter primos Profeflbres deftinatus , fed inter ipfa initia motte ab - reptus inchoare munus non potuit . FreHer , Theatr . p . 1270 . der die , ses abschreibt , ohne daß er dazu setzet , von was für einer Akademie ge - handelt wird , stürzet seine Leser in Finsterniß , oder Verblendung ; es liegt nicht an ihm , daß , da er zuvor von Middelburg geredet , man sich nicht einbildet , e« sey daselbst «ine neu« Akademie gestiftet worden . Ich
will

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