Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4760

Caßius .
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Pfnde verknüpfet gewesen , daß alle Besitzer desselben ein unglückliches Ende nehmen müssen , und unter andern davon angeführten Beyspielen , die er zu haben vermeynet , führet er auch de« Caju« Caßius seines an , in dessen Hände dieses Pferd nach dem gewaltsamen Tode des Dolabella gekommen mar . Hierauf sebet er dazu , wie es bekannt genug sey , daß Caßius , nachdem er die Parther überwunden gehabt , oder nachdem die Parther uberwunden worden . und nach der Zerstreuung seines Kriegs - Heers elendiglich gestorben wäre . Nichts kann zu ungelegnerer Zeit ge -
Erzählung dem Plutarch entwischt ist , der die Wunderwerke so sorgsäl - tig zusammen gerassr hat , welche den Krieg wider den Caßius und BrntuS betreffen , und der eine so große Anzahl davon erzahlet , daß er sich auch verbunden gehalten , uns zu berichten , daß Caßius ein wenig wankelmü - thig wegen der Grundsatze seines Epikuräismus geworden 1 Plutarch . in Vita Bruti . Dio , der in diesem Puncte nicht weniger wachsam , und nicht weniger sorgfaltig , als Plutarch , ist , saget eben so wenig etwas von dieser merkwürdigen Erscheinung : ich weis memanden , als den Valerius
saget werden , als an einem solchem Orte die Vortheile anzuführen , die Maximus , der davon geredet hat . In der Schlacht bey Philippis , saget
• - — afn k ; * MM ■ * * " n " * er in des IB . letztem Capitel , hat Caßius , welcher mit der größten Htt - e
angriff , den Cäsar gesehen , welcher mit einer mehr göttlichen als mensch - lichen Mine , nnd einem drohenden Gesichte , mit verhängtem Zügel auf ihn los rennte . Er ist über diesen Anblick so erschrocken , daß er ihm den Rücken zugewendet , nachdem er gesager hatte ; ich muß die partev verlassen ; Senn was kann man mehr chun , wenn es noch zu wenig ifi , Saß man ihn ermordet har^ ( Ziiidenirn smpliuüagas , ü occidifl'e panitn eft ? Ich würde mich noch mehr darüber verwnn - dern , daß ich dergleichen Abentheuer nur in einem einzigen Schriftsteller finde , wenn ich nicht wüßte , vaß uns viele , wegen ihrer Seltsamkeit sehr merkwürdige Dinge nur durch einen einzigen Bericht bekannt sind . Es geschieht dach wohl manchmal , daß dieser einzige Zeuge mir bey Gelegenheit und lange Zeit darauf , da die Sache geschehen seyn soll , davon redet .
Wir werden hin und wieder in diesem Werke Exempel davon geben : hier ist eins davon . Wirwissen nur von dem einzigen Ammian Mareellin im XVI B . V Cap . das Mittel , dessen sich Alexander bedienet hat , den Schlaf zu vertreiben ; und vermuthltch hätten wir es nicht erfahren , wenn man nicht begierig gewesen wäre , dem Julianus , dem abtrunni - gen , einen Vorzug über den Alexander zugeben .
( I ) ( £c hat die Sterblichkeit der Seele geglaubt , und gleich - wobl hat er sein Gebert , an dem Tage der Ermordung Julius Casars an den ( Beiß des großen Pompesus gerichtet . ] Plutarch hat dieses erzahlet , und nicht vergessen , seine Betrachtung dazu zusetzen : er hat gesaget , daß die Größe der Uiiternehmung und die Gefährlichkeit ten , damit sie umgeben gewesen , dem Caßius eine Entzückung eiugebla - sen , worüber er die Grundsätze seiner Philosophie vergessen . i<«j yict
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fjiriwe ÜTro & exuv , ivixaMioicm tmiry , Kxineg b£k ä & cTf io ( uj tüv EVMtSgH * ( yuv . « & . ' i xaifo« ( « { ) jfj ) , r5 iwS »Mfefüret , * £ ! } <> ( , kjTl tüv ■KfOTffUv Xoyusna - J . Quin etiara Caflius fertur , quamuis ab Epicuri doärina non abhorreret , eatn ftatuam ante aggreflionem refpiciens tacitus , Pompeiiun inuo - cafle . Verum articulus ille , vtpote tanto iam ingruente difcrimine , amotis prioribus rationibi» , fanatitum eum et commotum reddidit . Plutarch . in Iulio Caefare , p . 739 . A . siehe auch in kruto p . ^yi . v .
( X ) Als ihm - Bauns eine Erscheinung von Gelpenstern er , zahlte , u . f . tp . } Plutarch berichtet uns alles dieses . a« / , * >■ , «« s' är'
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igymi * u> , iMw tjyep - ovet tvnt . Genios porro neque efie credibile eil : neque Ii fint , dominum habere figuram vel vocem vel vim , quac ad nos pertingat . Nam equidem ita eile velim , ne tantum equitatu ,
Caßius bereit« seit langer Zeit über die Parther erhalten gehabt . Ent - weder die Stelle muß verfälscht und Parthis statt partibus gesetzt den seyn , ( siehe Glandorp . Onomaft . pag . 470 . die besten Ausgaben des Aulus GelliuS haben partibus . ) oder Aulu« GelliuS muß nicht daran gedacht haben , wasersaget . UebrigenSmußFuretiere , welcher saget , daß Caßius , der nach des Dolabella Tode Herr über des Sejanus Pferd ge , »vejen , in einem Rriege wider die parther geblieben ist , ( Di ( E ) Plutarch ist wegen des Todes dieses erlauchten Romer» in einen Mderspruch verfallen . ^ Er saget an einem Orte , daß sich Caßius mit eben demselben Dolche entleibet , den er zur Ermordung Cäsars gebraucht hatte ; und bewundert dieses , als ein sonderbares Geheimniß . ( in . dem Leben Cäsars auf der 740 S . ) Allein in dem Marcus Antonius 924 S . und in dem Leben des Brutus 1004 S - begnügt er sich , zu sagen , daß Caßius sich vom Pindarus , seinem Freygeiasienen , entleiben lassen : und er bemerket auch , es sey auf diese Art geschehen , daß ihm der Frey - gelassene den Kopf abgehauen . VellejuS Patereulus unterstützet diesen Umstand in des II B . LXX Cap . Lacerna caput circumdedit , saget er , extentamque ceriiiceminterrituslibertopraebuit . Detiderat Caflii caput cum etc . Allein ein Dolch ist hierzu gewiß nicht geschickt , uud es ist gewiß , daß sich fast alle Mörder Cäsars nach dem Sueton in dem Cäsar LXXII Cap . kurzer Degen bedienet , wie es Amyor Übersetzer . DaS allerwenigste , was Plutarch hätte sagen können , wenn er in seinem Zeugnisse die Gleichförmigkeit nicht gänzlich hätte verlassen wollen , wäre gewesen : entweder , daß CaßiuS seinem Freygelasseueu ausdrucklich befoh - len , sich keines andern Dolchs zu bedienen , als mit welchem Caßius den Julius Cäsar durchstochen ; oder daß der Freygelassene damals keinen andern gehabt hätte . Man kann die Figur von dem Dolche des Brutus und Caßiu« auf einer Schaumünze des Brutus sehen , welche Spanheim auf der - 70 S . seiner Auslegung der Kaiser Julian ! mittheiler .
( ? ) - - - und Dio hat nicht wohl geschlossen . ^ Nachdem er gegen da« Ende des XLVIIB erzählet , daß siel» Caßius vom Pin - dauis , einem von seinen Freygelassenen , entleiben lassen , und daß sich Brutus gleichfalls von einem unter denen rödten lassen , die ihn begleitet gehabt , fr saget er zu Anfange des XL VI II Buches , daß auf diese Art Ärurus und Taßius , von eben denselben Dolchen durchstochen ,
«t Caflius oppetierunt iis , quilxis Caefarern interfecerant , gladiis con - fofli . Allein nur Verbellt aller Ehrerbiethung , die man den alten Ge - schichtschreibern schuldig ist , kann man sagen , 'daß in dieser Erzählung nicht alles an seinen Platz gesetzet ist , und daß kein einziger Leser darin - nen eine gute Folge finden wird . BrutuS und Caßius haben sich durch eine Person von ihrem Gefolge entleiben lassen : also sind sie mit eben denselben Degen durchstochen worden , damit sie den Julius Cäsar getöd - tet hatten . Man würde es eher glauben , wenn man sähe , daß sie sich selbst entleibet hätten . Sueton im Iulio zu Ende säget wohl , daß sich einige von Casars Mördern mit demselben Dolche entleibet , aber er nen - net keinen , dtonrnilli lernet eodem illo pugione , quo Caefarern vio - laucrant , intcremeriint .
( G ) Des <£«fcbtiu» Chronike bat an diesem . , , . , v— gefunden , daß u
eine nxirläuftige Auslegung darüber gemacht hat , um uns einen hohen Begriff von den Unterredungen der Römer beyzubringen . Mansche , saget er Oeuvres diverfes , Difcours IL p . m . 51 , 52 . wie wunderbar Caßius eine so unangenehme Materie heran , gedrehet , und sie zum Nuyen der linrerredung angewendet hat . ( Dbne einen stürzten Bewunderer , oder einen halsstarrigen Unqlänbigen vorzusreUen , saget er zu seinem Freunde lachmd : „ daß die Sor - „ gen der Stele , die Anstrengung des Geistes , die Müdigkeit des „ Rorpers und die Fins ierniß der XJacbt gar wohl die Ursache „ seiner ILrscheinung seyn , und ihm diests seltsame Zöild oorge - „ steller baden könnten . Daß er für feine Person , nach den „ Grundsätzen der ! weltwe , sheir , zu welchen er sich bekennt^ „ nicht glaube , daß es Geister gebe , noch weniger , daß sie ficht« „ bat : waren : daß ern . chtsde« owemgerwünsckenwollre es gäbe „ welche , und seme Philosophie se^falscl ) ; weil vermuthlich diese
zur selben Zeit geruhig gehorcht hat . Caßius hat den Tempel zu Jeru - salem niemals geplündert : wenn er solches gethan hätte , so wurde Jo - sephus eine solche That nicht mir Stillschweigm übergangen und sich nicht begnügt haben , zusagen , daß Caßms von denJüden eine große Summe Geldes gefordert hätte . Er hat solches uach Cäsar« Tode gethan , da er sich der Landschaft Syrien versichert hatte . Siehe Scaligers Aniuiadu . über diesen Ott . Die Chronike des Eusebius auf der , ; 8S . wo er be , merket , daß Jornandes , »ach feiner Gewohnheit , diese Fehler aus dem Hieronymus abgeschrieben hat . Wem , man gesaget hätte , daß Caßiu« die Tempel der Rhodier geplündert , so hätte man mehr Recht gehabt : allein man müßte diese Sache , wie in eben dieser Chronike geschehen , nicht zwey ^ahre nach Julius Cäsar« Tode setzen . Der Jrrthum scheint mir nicht , wie dem Scaliger , ebendas . 160 S . von zwey Jahren , sondern nur von einem , ahre zu seyn . Dem sey , wie ihm wolle , da Caßius die Flotte der Rhodier geschlagen , ihre Schiffe und ihr Geld weqgeführet , und ihre Tempel geplündert hatte ; so hatte er ihnen nur den Wagen der Sonne gelassen , und wurde noch härter gegen sie verfahren seyn , wenn • sich nicht der Zeit erinnert hätte , da er bey ihnen studiert gehabt . Sie
, c , - x . 111 fv fu / cn elfii / ic Tz ? * '
„ che so billig wäre , ohne Zweifel Theil daran nehmen würden , „ weim sie also Freunde und Äundesgenosien der Republik wä - „ ren , an die sie nicht gedacht hatten , so wurden sie ihnen bcysie - „ hen , und statt eines - Hinterhalts dienen , der im Falle der Noch „ für sie fechten konnte . V ? cnn diestin also wäre , so dorfren sie „ sich in ihrer parte ? nicht allein auf so viele Conipagnicn Fuß - „ volk , auf so viel Lahnlein Reiter , so viele / Legionen und so viele „ Schiffe verlassen ; sondern sie hatten auch nocli so viel unsterb - „ liclies Volk und selige Soldaten , denen sie keinen Sold geben » dürften , die sich für die gerechte Sacke erklären und sich rvohl „ hüten würden , dem Antonins wider den Bruttig zu dienen , „ und die T ) 'ranney der Freiheit vorzuziehen . „ Diese U ? orte , gnädige Lraii , sind die letzten rvorte der Republik , welcl'e sie vor Ausblasung der Seele gesprochen , und daraus verschieden ist . Dieß ist der Character des romischen Geiste« , dies ; ist die natürliche Sprache der N7a , cstat . Und finden sie nicht , daß Caßius in dieser Spracfoe stbrberedr gewesen ^ bürden sie nickt vergnügt seyn . diesen vortrefflickeiiMaim genauer mkinnen , ihn
che sie aefanaen bekomme»» ivurvrn . uio Libr . XLVll . p . 39s . Man vor r cewcr» ju poccn : xjaijai . wuirtji
sehe , wie Valerius Maximiis , welcher geheminißvolle Spihfüud^gkeiten t0Z' & ^ berichtet uns , daß sich
vorbringen wollen , dasjenige im I B . X Cap . Mm . 8 . verdrehet hat , »va« den Wagen der Sonne betrifft .
ltt ) plutarch und die andern Gesckicktsckreiber haben eine Erscheinung ausgelassen , die Caßius vom Iulius Casar gehabt . ^ Ich verwundere mich über das Stillschweigen Plutarchs wegen einer Erscheinung , die Caßiu« in währender Schlacht bey Philippis vom lius Cäsar gehabt . Wie muß es doch zugegangen seyn , daß eine solche
Brutus und CaßiuS den Tag nach der Erscheinung mir einander unter - redet , und damal« waren sie noch nicht au« Asien nach Europa überge - gangen .
Plutarch beobachtet , daß Brutus durch die Schlußrede seine« Freun - des ziemlich getröstet worden . Sie war scheinbar : allein , wird man sagen , har das Gespenste nicht gesaget , daß es der böse Schutzgeisr ( Genius ) de« Brun»« gewesen ? Bedeutet da« nicht , daß nicht alle
Schuh»

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