Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13260

Julia .
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„ vxor praeter Fauftinam ? Nifi legamus S t5 Zt & g * * « ? « vji / 'i«a / oc . „ Hoc enim tenuit ancipitem Tfetfein , nec mihi minorem mouit ad - „ mirationem . Quae nos proponimus Chronologis eruditis , et An - „ tiquitatis inueftigatoribus , vt quaerant , et nos doceant , quae ingc . „ nue nos nefcire profitemur . Std mirum hic retufum Scaligeri acu - , , 'nen , et moiatam tßam felicem audaciam , quae loca , hoc multo difficilio . „ >a , tarnßrenue et alacriter fuperauerat . „ Stephanus le Moyne , in Prolegomenis Variorura Sacrorum , fol . * xs . Die Ste lle des Tzetzes be - treffend , so bedienet er sich derselben , um zu beweisen , daß Pkilostratus nicht gesagt hat tS ipuotroip» ; denn wenn TzetzeS dieses im Pyilostratus gelesen hätte , so würde er nicht gesagt haben , es hatte dieser Schriftsiel - ler nicht bemerket , Mit wem die Kaiserin» Julia verheirathet gewesen . Siigvyof 3' avrij » Viv«4 «J» fiaaiteui . Non dicit vero cuius Impe - ratoris illa fuerit coniux . Tzetz . Chil . VI , Hift . XLV . Er würde leicht begriffen haben , daß der Gemahl dieser Julia , entweder Marcus Aurelius . mit dem Zunamen der Philosoph oder Septimiuö Severus ge - wesen , der sich nach dem Beyspicle des Marcus Aurelius der Philosophie sehr ergeben hatte . AmoreMarci , quemfuiiTevel fratrem fuum dice - bat , et cniusPhilofophiam litterarumque inftitutionem femper iinita - tns eft . Spartian . in Geta c . 2 . Philofophiae , declamandi , cundtis poftremo Iiberalium deditus ftudiis . Aurel . Viäor in Cae & ribus . Philofophiae ac dicendi lhidiis fatis deditus ; dodtrinae quoque ni - mis auidus . Spartian . in Seuero , c . ig , pag . 625 , 626 . Uebrigens giebt le Moyne unserer Julia sast beständig den Namen 8euera . Gleichwohl hat er sich hierbey auf Ueberschriften gegründet . Siehe Tristan , Com - ment . Hiftor . Tom . II , p . 221 .
( E ) Ihre Ebbrücke haben dem Namen ihres Gemahls einen Schandfleck gemacht . ^ Severus hatte sich sowohl durch seine Kriegs - thaten , als durch seine politischen Verrichtungen einen großen Ruhm er - werben ; allein er hat ihn durch die Nad ) sicht beflecket , die er gegen die Ausschweifungen seiner Gemahlinn gehabt . Man saget auch , es sey ihm nicht unbekannt gewesen , daß sie einer Verschwörung beygetreten , die wi - der ihn angesponnen wurde . Huic tanto domi , forisque , vxoris pro - bra fummam gloriae demfere : quam adeo famofe araplexus eft , vt cognita libidine ac ream conitirationis retentarit . Aur . Viäor , in Caefar . Triftan , p . 110 , hat diese Stelle schlecht übersetzt ; er hat geglaubt , sie bedeute , daß die Ausjchrveifungen der Julia den Ruhm des Severus von innen und außen sthr beflecket hätten . Dieses führet Aurelius Victor an : Spartian , im Severus 626 , 627 S - saget es nicht weniger ; Domi tarnen minus cautus , qui vxorem luliam famofam adulteriis tenuit , etiam coniurationis confciam . Tristan , Commcnt . Hilf . Tom . II , pag . 10c , halt es nicht für wahrscheinlich , daß sie sich je - mal« in eine Verschwörung wider ihren Gemahl eingelassen habe ; sein Grund ist , daß sie allzuviel gesunde Vernunft gehabt , um nicht zu erken - nen , daß eine solche Unternehmung sowohl für sie , als ihre zween Söhne kläglich ablausen müßte . Allein man kan» antworten : I . daß wir sehr oft wider unfern wahrhaften Nutzen handeln , wenn es daraus ankömmt , eine beschwerliche Leidenschaft zu vergnügen . als z . E die Begierde , sich wegen einer der Julia angethanen Beschimpfung zu rächen , oder die Be - gierde , sich von einer unerträglichen Unterdrückung zu befreyen , seyn könnte . II , Daß Julia die Sache , » so hätte einrichten können , daß dieje - «igen , die den Severus ermordet hatten , das Reich ihrem Sohne gegeben hätte» : dergleichen Exempel hat man schon . Dem sey , wie ihm wolle , so kann man nicht leugnen , daß ste sich nicht in der Unterdrückung be - funden hatte . Severus hat eine so feurige Freundschaft gegen den Plau - tian gefasset , daß die Gewalt dieses Lieblings augenscheinlich über seine« Herrn seine weg war . XiphilinuS im Severus , pag . rn . z29 . zzo . Nun hat sich Plautian sehr heftig wider die Julia bezeiget ; er hat sie bestan , dig beym Severus angeschwärzt ; er hat Untersuchungen wider sie stellt , und Zeugnisse gesucht , die ihr zur Last gereichten : er hat dieselben , sage ich , auf der Folter gesuchet , »vorauf er viel vornehme Frauen hatte le ,
gen lassen : 'n - ii vjrf ti'iBA / iiy Tijv A<' / yHTXj ngo ( tov Zt£ { j ( 0Y etil SteßaX -
Af» , rirn ( Tt Korr avrijt , ßun & vvs «»' tuysuß * yutaiKu * xoivfitvoe .
Vt etiam apud cum luliam Auguftam femper calumniatns fit , ac in eain et de matronis nobilibus tormentis quaefiuerit . Caseneuve in feitwn Anmerkungen über die Briefe des Philostratus pag . 19 führet die - ses französisch aus dem Suidas an ; allein er machet einen sehr plumpen Schnitzer dabey : Plautianus - - - saget er , hat sich bemühet , sie vieler Verbrechen bey dem Severus zu beschuldigen , und hat zu diesem Ende Untersuchungen »vider sie «»»gestellt . Er hat auch den Damen ver - schiedene Frage» vorlegen lassen . Der Geschichrschrciber , der mich die» ses belehret , saget nicht , daß die Kaiserinn ihre Besreyung in einer Be» schwörung wider ihren Gemahl gesucht hat , er saget nur , daß sie aus die - ftr Ursache die Philosophie studiert hat . Man muß sie loben , daß sie zu diesem Tröste Zuflucht genommen hat . Das schlimmste ist , daß sie in währender Zeit , da dieser Liebling seine Gewalt auf eine so unbesonnene Art misbrauchte , ihm vielleicht mehr als zu viel Gelegenheit gegeben hat , sie »vegen ihrer Ehbrüche anzugeben . Wir wollen hier die Antwort an - führen , die ihr in Großbritannien gegeben worden . Sie war ihrem Ge - mahle , im 208 Jahre , dahin gefolgt , und hat , als sie wahrnahm , daß die Frauen auf dieser Insel viele Mannspersonen ohne die geringste Schaam ihrer Gunstbezeigungen theilhaftig machten , die Gemahlinn des Ar - gentocoxus deswegen' auf eine beißende Art durchgezogen , die ihr geant - wortet : tvir thun den Äedürstu'ssen der Natur viel besser eine nügen , als ihr andern Römerinnen ; denn rvirhaben offenbar mir den ehrlichsten Mannspersonen zu rbun . da ihr eucb mit den ale lcrgroßten Äöservicbcern in geheim im Ehbrüche herum walzet .
MäAet afiiut Tivdt K«AiiSovlu ir ( d ( n ) v 'iaAiaw r4» Aiyv - 1x1 üirorxuTTveiv t< wgot avryjv ( UTie r«c eirev$u ( Jx ) ry iviStfV rfßv Kgot rSt twutla , iintn KiytTO^ , brt iro' & ä apavov fT ; rSt rft
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igtvaif iivüfitv , Vitt« Ii Xu3ga uxo rdv tuextsuv iioixtutc3 - f . Vrbane in - primis Argentocoxi Caledonii vxor , IuliaeAuguftae quae ipfam mor - debat initis foederibus , quod ipfae impudenter cum maribus verfa - rentur dixille fertur : Nos ( inquit ) multo melius expleinus ea , quae naturae poftulat neceflita» , quam vos Romanae . Nam aperte cum oprimi« viris habemus confuetudinem 1 vos autem occulte peffiim homines conftuprant . Xiphil . in Seuero , pag . 343 . Wenn man Mich fraget , zu welches Ende die Historie dieser Antwort gedenket so werde ich sagen , daß es bey Gelegenheit eines Gesetzes geschehen . welches der Kai . ler wider den Ehbruch eingeführt hatte , und dessen Ausführung er unter - II Sand .
lassen müssen , weil die Menge der Angeklagten Ursache war , daß die Richterstühle mit dergleichen Untersuchungen nichts mehr zu thun haben wollten . Man saget , es wären zooo Personen »vegen Ehbruchs angege - den worden . Wir müssen gestehen , daß diese barbarische Frau aus die Spöttereyen der Kaiserinn sehr boshaft geantwortet hat ; allein wir wollen nicht glauben , daß die Unverschämtheit dieser Insulanerinnen niger zu radeln wäre , als die heimlichen Ehbrüche in Rom . Diejenigen , die im Verborgerien Böses thun , behalten die Begriffe der Tugend zurück , und erweisen derselben einige Hochachtung ; allein diejenigen , die ohne Schaam sündigen , verehren die Gcreä ) tigkeit weder in der Erkennrniß , noch in der Auöilbung . Siehe den Artikel Jonas ( Arrigrimus ) in der Anmerkung ( B ) .
Brantome erzählet einen Umstand , den ich in den alten Historienschrei« bern nicht geftmden habe . Er enthält die Ursache , warum Severus die Unkeuschheit seiner Gemahlinn so geduldig ertragen . Dames Galantes , Tom . I , pag . 3 ? . „ Weiter hat sich der Kaiser Severus nicht um die Ehre „ seiner Gemahlinn bekümmert , »velche eine öffentliche Hure war , ohne „ daß er sich jemals angelegen seyn lassen , sie zu bessern , indem er sagte : „ sie heiße Julia , und dieserwege» , müsse man sie entschuldigen , und zwar „ um so vielmehr , da alle , die diesen Namen geführt , von einigen Zeiten „ her große Huren gewesen , und ihre Ehmänner zu Hahnreyen gemacht „ hätten ; gleichivie ich viel Damen gekannt , welche ( * ) gewisse christliche „ Namen führen , die ich aus Ehrfurcht , welche ich gegen unfre h . Religion ha , „ be , nicht nennen will , und gemeiniglich dem Schicksale unrenvorfen sind , „ Huren zu werden , und den Bauch höher zu machen , als andre , die andreNa - „ men führen : ich habe derselben wenige gefthen , die entwischet wären .
( * ) Man wende hier diese zween Verse deS Rutilius Numatianus an :
Nominibus certos credam decurrere mores Moribus an potius nomina certa dari ?
( P ) Einige Geschichtscbreiber sagen - - , daß sie den Ca , racalla geheirarhet hat . ] Diese Unwahrheit ist kein Mährchen , das seit kurzer Zeit geschmiedet »vorden : man findet eS schon im Spartian , und im Aurelins Victor . So hat es Brantome , Dames Galantes , Tom . II . pag . 205 , erzählt . „ Man liest noch von der Julia , des Caracalla Sties - . . mutter . da sie eines Tages , gleichsam aus Unachtsamkeit , halb nackend „ gewesen , und Caracalla sie gesehen , daß er nur diese Worte zu ihr ge - „ sagt : Ha , wie gern wollte ich doch , wenn es mir erlaubt wäre ! Sie hat „ eilfertig geantwortet : Es ist euch erlaubt , wenn es euch beliebt : wis - „ set ihr nicht , daß ihr Kaiser seyd , und daß ihr Gesetze gebet , und keine „ annehmer ? Auf dieses fteundliche Wort und auf diese Willfährigkeit , hat er „ sie geheirarhet , und sich mit ihr vermischt . Die muß wohl eine Hure feyn , „ die denjenigen liebet , und zum Manne nimmt , aus deren Schooße er kur - „ ze Zeit zuvor ihrer» eignen Sohn ermordet hat . Jene ist also eine ziem - „ liche und niederträchtige Hure gewesen : jedoch es ist eine große Sache , » . Kaiserin» , zu se» ) n , und dieser Ehre wegen vergißt sid ) alles . Diese Ju , , . lia ist von ihremGemahle sehr geliebt worden , ob sie gleichsehe alt »var , „ dennoch aber nichts von ihrer Schönheit verlohren hatte : denn sie ist „ sehr schön und sehr gefällig geivesen ; »vie ihre Worte bezeugen , »velche „ ihr Ansehen so sehr erhöhet baben , , Damit man sehe . ob sich ein »ve - nig Berbrämm»g hierbey findet , so will ich die Worte der lateinischen Schriftsteller anführen , die hiervon geredet haben . Intereft feire , saget Spartian im Caracalla , c . 10 , pag . m . 730 , quemadmodum nouercam fuam luliam vxorem dirxifle dicitur . Quae quum eilet pulcherrima , et quafi per negligentiam fe maxima corporis parte nudaflet , dixilTet - que Antoninus , Vellern , filicertt : refponfifTe fertur : Si übet , licet . An nefeis , te imperatm em ejje , et leges dare , non aeeipere ? Quo audi - to , furor inconditus ad effedhim criminis roboratus eft : nuptiasque eas celebrauit , quas fi feiret fe leges dare , vere folus prohiberedebu - iflet . Matrem enim ( non alio dicenda erat nomine ) duxit vxorem ad parricidium iunxit inceftum : fiquide»n eam inatrimonio fociauit , cuius filium nuper occiderat . AnrelinS Victor stellet den Kunstgriff ein wenig deutlid ) er vor , dessen sie sich bedient hat . Sie ist nicht so geschickt gewesen , daß sie sich ungesä ) eut vor dem Caracalla ausgekleidet ; diese Unverschämtheit würde de>» jungen Menschen abgeschrecket haben ; sie hat es so angestellt , daß eS für eine Uel'erraschung galt ; sie hat sich gestellt , als »vei»n sie nicht wüßte , daß Caracalla sie in diesem Stande se« hen könnte ; sie hat sich verstellt , als »venu es ihr unbekannt wäre , daß er sich an dem Orte befände , wo sie nackend erschien . Pari fortuna et eo - dem matrimonio , quo pater ; namque luliam nouercam . . - forma captus , coniugem affedtauit : cum illa faäiofior , afpeflui ado - lelcentis , praefentiae quafi ignara , feinet dediflet , inteöo corpore , af - ferentique , Vellern fi liceret , vti : petulantius multo ( quippe quae pu - dorem velamento exuerat ) refpondiflet ; Libet ? Plane licet . Aur . Vi«5tor , in Caefaribus , pag m . 144 . Siehe auch Eutrop . Lib . VIII und Orof . Lib . VII , c . 18 , die von dieser Blutschande reden . Ich weis nicht , wo Vigenere dasjenige gefunden har , was er von dem Umstände des OrtS angiebt . „ Die Kaiserin» Julia saget er in der Vorrede zu den Ab - „ schilderungen deS PhilostratuS , ist ohne Ziveifel des Severus Gemah , Jin» gewesen ; denn Antonin Caracalla hat sie nach diesem geheirarhet , „ ob sie gleich seine Stiefmutter war : Und diese Blutschande kommt da - „ her , daß , da er sie eines Tages ganz nackend in der Badstube durch ein „ Fenster gesehen , welches verborgen hinein gleng , er sich offenbaret hat ; „ und , da sie ihn geftagt , wie sie ihm gefiele ? zur Antwort gegeben , „ so wohl , daß ich euch vor allen andern verlangen wollte , wenn es mir „ erlaubt wäre . Wie nun ( hat sie eilfertig erwiedert ) seyd ihr nicht so „ einfältig , daß ihr nicht wisset , daß , da ihr Herr des Erdboden« seyd , euch , . alles erlaubt seyn muß ? Und hierauf sind sie weiter zu ihrer Missethat fortgeschritten . » ,
( G ) - - - - Allein dieß ist eine Unwahrheit . Z Man hat es so deutlich gezeiget , daß Moreri nicht zu entschuldigen ist , da er dieses Mähr - che» als'eine gewisse Geschichte vorgiebt . Wen» er Tristans AuSlegun« gen gelesen hätte , so würde er daselbst gute Beweise wider diese Lügen ge« sehen haben , ob man gleich gestehen muß , daß nicht alle seine Vernunft , schlüsse demonstrativisch sind . Sei» erster BelveiS . Commcnt . Hiftoriq . Tom . II . »3u . f . S . ist von dem Stillschiveige» der griechischen Schrift - steller hergenommen , welche die Thaten des Caracalla , ohne die geringste Schmeichele ? sehr genau beschrieben . Dio CaßiuS hat zu derselben Zeit gelebt , und große Aemter verwaltet : er hat also »vissen müssen , ob racalla die Julia geheirarhet habe oder nicht , und wenn er Wissenschast von einer solchen Heirarh gehabt , so hätte er unfehlbar davon gereder , um diesen Kaiser desto eher zu verlästern , den er in keiner Sache zu schonen
Bbb bbb Lust

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