Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13244

Julius der III .
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et loh . Cochleum Ecclefiae Catholicae fyiiceriffinios defenfores , und erschien zu Wittenberg U43 . Antiqua Litterarum monumenta auto - grapha etc . Bninfw . 1S90 . Tom . I , pag . 448 . Die andere , von wel - «>er hier gehandelt wird , erschien eilf Jahre hernach , und der Urheber , D . D . Gerardus Husdragus deLuca , nennet sich darinnen Docker der Deeretalien , Bischof vonNeapoliS de Romania , und Suffragan von Padua . Crit . Xnmett .
( H ) Diese Briefe waren mit den abscheulichsten Unflarhereyen angefüllt . ^ Sie sind den 26 Jenner 1550 an einen gewissen Hannibal Contin , von Camilla Oliva , Conclavisien des Cardmals von Mantua , geschrieben und von einem kleinen Gedichte begleitet worden , worinnen der Urheber seine Leidenschaft und die außerordentliche Begierde fchänd - lich beschrieben , die ihn reizte , wieder bey seinem Freunde zu seyn . Die , ses erzählet Johann SIeidan im XXI B . auf der Gegenseite des 609 Blattes . Dum in Conclaiii res agitur , interceptae fuerunt litterae , quaS ex Cardinalis Mantuani familiaribus , quidam , Camillus Oliiuis , ad qucndam fuum Annibalem Continum , Ianuarii die XXVIfcripfifie ferebatiir , et fimul Carmen lingua populari fcriptuni , vbi de fua lo - ciitiis affeftionc , et abfentis defiderio , tarn pudendis vtitnr verbis , vt fine flagitio vix ea recitare liceat . Hinc iociis illortim , qui Pontifi - cem dicebant aliquein obfeoemim praenunciari , qui proditurus eilet ex eo Conclaiii , quod eiusmodi litteras daret . Dieses ist auch in Thuans VI B . i2i S . ftankf . Ausgabe von 1615 . Em hier oben führter Schriftsteller , zieht diese Stelle erstlich an , nachdem er folgendes gesaget hat . Vir Do£his anonyintis in Epiß . ad amicum narrat , ex eo Conclaiii , in quo creatus eft Iitlius , interceptas fuifle litteras alicilius ex Conclauiftis , i . e . ex illis , qui folent aflidere Cardinalibus , Papam eledturis , quibus quidem litteris non putetvüamemoriavnquamfcri - ptas fuifle vllas obfcoeniores , fceleratioresque . Nudis enim nefan - diffimisque verbis illic agi cum cinaedo , faluo honore . Has , fateri , ad fe primum in Germaniam fuifle niifläs , fed dare typis excudendas ( vt ifiillti voluiflent ) nunquam quidem fe voluifle . Paulo poß addit , Iulium III valde male audrre in hoc obfcoenifllmo genere , ( Sodomiti - ci »im . criminis ) ita vt neque a Cardinalibus abftineat . Joannes Zuingerus , in Trafiatu dt Feflo Corporis Chrißi , pag . 146 .
( I ) Eine Schaumünze - - - hatte zum Sinnspruche eine Stelle aus ver Keil . Schrift , davon sich sie Deutung in kurzer Sät falsch befunden . ] Man hat zu Rom eine außerordentliche Freude über den Tod des jungen Eduards bezeuget , weil die Prinzeßinn Maria , die ihm gefolgt . England wieder unter den Gehorsam des Pabstes brach - te ; allein die Ursachen dieser Freude haben gar bald aufgehört . Elisa , beth hat die Glanbensverbesserung wieder hergestellt , und diese Insel zu einem von den blühendsten Königreichen der Christenheit gemacht : so daß die Prophezeyung der Schaumünze ein Hirngespinnst gewesen . Eo in - faniac Iulitis peruenit , vt in perpetuam rei memoriam excudi curaue . rit monctam , cujus altera pars eius imaginem tricortiifeiam ofterita - uit , . altera iiifcriptionem eiusmodi habuit : Gens et Regnern , quod non feriicrit tili~peiibit . Sibi ftöllde vendicans ; quo CIirifto Efaias . Sed diuturnum et ftabile gaudium neutiquain fuit . Heidegg . Hiftor . Papat . pag . 238 .
( K ) iSx haue sich krank gestellt . ] Die Ursache dieser Verstellung ist gewesen , iveil er entdeckt , daß die Cardinäle in die Bitte nicht willi - gen wurden , worüber ihm sein Bruder beständig anlag , daß er sie an dieselbe» thun sollte . Sein Bruder wünschte den Besitz einer Stadt auf das begierigste , und lag dem Pabste dieserwegen unaufhörlich in den Ohren . Damit er also einen Vorwand haben wollte , kein Consi - storium zuhalten , so hat sich Julius krank gestellt . Dieses Spiel zu verdecken , hat er nicht viel essen , und solche Speisen erwählen müssen , die sich für Kranke schicken . Diese Veränderung der Nahrung , saget man , hat die Krankheit verursachet , daran er gestorben ist . Spondanus , aufs 15sj Jahr , mim . 4 . pag . 556 . aus dem Onuphrius Panvinius . Thuan erzählet diese Sache im XV B . 306 S . Dieses erinnert mich an des Martials Cölius Epigr . XXXIX , Libr . VII .
Difturfus varios , vagumque mane ,
Et faftus , et aüe potentiorum ,
- Cum perferre patique iam negaret ;
Coepit fingere Caelius podagram .
Quam dum vult nimis approbare veram ,
- Et fanas linit obligatque plantas .
Inceditque gradu Iaboriofo ;
( Quantum cura poteft , et ars dolor ! « ! )
Delit fingere Caelius podagram .
Es sagen einige , daß die Veränderung der Nahrung wohl die Ursache seiner Krankheit gewesen ; aber nicht , daß er sich zu dieser Diät verstan - den habe , um die Welt hinters Licht zu fuhren : sie sagen , daß er sich da . durch von den unerträglichen Schmerzen der Gicht zu besreyen gehofft habe . Andere geben vor , daß ein altes Uebel die Ursache seines Todes ge - »vesen : nnd sie bekennen , daß er ein seinen Wollüsten ergebener Mann gewchn , der vielmehr der päbstlichen Würde zu genießen , als sie zu »er - walten gedacht . Sunt etiain qui dicant , eum vetcranointeriifle : cum , vt idem etiam auclor narrat , externa quaeque pamm curans , fruendo potius quam regendo Pontificatui ineumberet , totmque cflet in ex - ftruenda elegantiflima ad voluptarios fecefliis extra portam Flaminiam Villa Iulia : cuius infaniore ftudio videbatur ; in qua conuiuiis po - tius quam publica« procurationi vocabat . Spond . aufs JSS4 Jahr , num . 4 . pag . ; ; 6 . ex Onuphrio Panuinio .
( LI Man saget , daß er und der Cardinal Crescentiu - t * ■ cn einem Orte geliebt , und die Rinder ihrer Deyschlafermnen kuf aemeinschaftliche Rosien ernähret Habens Dieß belehret mich TbomaS Erastus . luliu , III . Pontifex , saget er beym Hottinger Hilter : Ecclef . Tom V , p 574 . et Crefcentius fere omnes meretrices com - niunes' habiienint , propriisque fumtibus neuter . fed communibus alue - runt , atque vt breuiter dicam , ommum fcelerutn focn exftiterunt . Sufcreerunt ex quadam muliere , honefh viri Viterbienfisfiliam . quam , quod . iw . ter fuam eile dicere credereque poflet vt matrem , ita fiham quoque communibus fumtibus educandam tradiderunt , nuptuiquc de - derunt Nobiliflimo huius vrbis a^plefcenti et inter w>m , vrbis , qui funt 40 , constitutum voluerunt . Dieses ist ein großer M«N -
gel an Eifersucht und envaö sehr seltenes , in diejem Lande .
( M ) Der Cardinal palavicitt vergeringert die Gebrechen dieses pabsies - - - ; allein er widerleget dasjenige nicht , was Lra - Paols saget . ] Man bekennet , daß sich dieser Pabst gern lustig ge - maä ) t ; allein man setzet darzu , daß er sich die Geichäffte nicht weniger angelegen seyn lassen . Prunus ad laxamenta , fed aeque etiam ad ne - gotia . Hift . Concil . Trid . Libr . XIII , cap . X , num . 8 . Man giebt zu , daß er gestorben , ohne daß er sehr geachtet , noch geliebt gewesen : aetli . matione tenui , nec maiorc beneuolentia mortuus eft ; allein man giebt vor , daß seine etwas allzusreye lind gemeine Lebensart Ursache daraii ge - wesen , lind er . weil er sich nicht die öffentliche Verehrung zugezogen , sür keinen guten Pabst gehalten worden . Man setzet dazu . daß dieses Ur - theil ungerecht gewesen , und daß , wenn die Gebrecken Julius des III , mehr in die Augen gefallen wären , als seine guten Eigenschaften , sie viel^ leicht weit geringer , als seine Tugenden gewesen . Niiiilominus , vt mca fert opinio , haec de illo exiftimatio fuit iniqua : ipfius quippe vitia maiora quidem ad fpeciem erant , quam virtutes , fed non fortalle ad pondus . Was die Beförderung des jungen Burschen belangt , so saget man nur in des XI B . I V Cap . Num . 4 . daß sie die ersten Tage dieses Pabstthums verunehrt hätte . Man hat bekannt , daß die Geburt dieser Person so unbekannt gewesen , daß man sie noch nicht wisse ; allein mau will , daß die Freundschaft , die der Cardinal del Monte gegen ihn gehabt , darauf gegründet gewesen , daß er ihn für den Sohn seiner wohlbedacht ! - gen Wahl angesehen . Dieß will so viel sagen . In währender Zeit , da die , ser Cardinal Legat zu Plaeenz gewesen , ist er durch die artigen Manieren eines jungen Knaben gerührt worden , der sich oft bey seiner Tafel ein - fand . Er hat dieses für ein Merkmal des Witzes gehalten , und sich ent - schlössen , diese junge Pflanze auf seine Unkosten erziehen zu lassen - un ! > als er gesehen , daß dieser Knabe zunahm , so hat er ihn immermehr und mehr geliebt ; er hat sich über eine so glückliche Muthmaßung erfreuet ; er hat ihn als einen Sohn seiner Urlheilskraft angesehen . eine Art dev Creatur . daraus wir weit mehr machen , als aus einem leiblichen Kinde . Obleftatus ex eo herus , fibique plaudens , anod fua quafi perfpicacia plantam eximiam , adhuc minutulam et in luto , difereuiflet , maiorl in puerum beneuolentia incaluit , qua illum profequebatur veluti ful iudicii prolem , cuius filii pluris quam corporis foboles aeftimantur . Er hat gewollt , daß ihn sein Bruder an Kinde« statt annahm ; und so bald er Pabst war , hat er ihn den zo May 1550 zur Cardinalswürde erhoben . Er hat ihn bis zu dieser Zeit in einem Dorfe , eine Tagereise von Rom , wohnen lassen . Er hat ihm 12000 Thaler Einkünfte gegeben : allein er hat ihm damals keine Verwaltung der Geschähe aufgetragen . Dieser neue Cardinal war kaum siebenzehn Jahre alt . Er hat sich dieser Ehre ganz unwürdig gezeigt , und man hat ihn unter den solgenden Pab - sten , wegen seiner Ausschwnfungen , züchtigen müssen . Dieses ist alles , was Palavicin beobachtet . Er hat den Fra^Paolo nicht tadeln wollen , der sehr deutlich zu erkennen giebt , daß die Welt diese Creatur des Julius für seinen Bettgesellen gehalten hat ; die Klugheit hat nicht gewollt , daß man dergleichen Begriffe wieder aufweckte . Dieserwegen beschuldiget man den Fra - Paolo nicht , daß er die Verleumdungen boshafterweise zusammen getragen habe ; man saget ihm nur , daß er sich wegen der Zeit der Kindesannehmung , und wegen des OrtS betrogen , wo sich dieser jun - ge Mensch beliebt zu machen angefangen . Palavicin saget im XI B . - VII Cap . Num . 4 . eS erhelle , aus dem Tagebuche des Mässarellus , Se - cretars des Coneilii , daß dieser junge Knabe an Kindes statt angenom» wen worden , da er eine von den spielenden Personen einer Pastorale , den 2 März 1549 , gewesen . Er saget , es se» dieses nicht zu Bononien ge - fthehen , wie Fra . Paolo will , sondern zu Plaeenz . Wir wollen sehen , was er Libr . III , aufs 1550 Jahr pag . - 8l . gesaget hat . „ Julius hat „ gleich anfänglich Proben seiner zukünftigen Regierung gegeben , indem „ er ganze Tage mit Spatzierengehen in seinen Gärten zugebracht , auf „ das Bauen von Lusthäusern gedacht , und eine große Neigung gegen die „ Wollüste des Lebens und wenig Lust zu Geschafften gezeigt , vornehmlich . wenn ihm dieselben etwas schwer zu verwalten vorgekommen sind . Qui ' occupationibus totus intentus . Cardinalis , veluti furtim , vohipra . ' , 'tes fequebatui " , Pontifex faftus , votorum iam omnium coinpos , ab» ''dicata reruin cura , hilaritati et genio fuo nimium indulfit . Ontiphr . „ in Vita . Der Abgesandte Mendoza , der diese GemüthSarr wohl be - „ merket , hat au seinen Herrn geschrieben , daß es sehr leicht seyn würde , „ in allen Unterhandlungen glücklich zu seyn , die man mit diesem Pabste „ hätte , welcher , da er nach nichts als Freiide und Wollust trachtete , sich Deicht drchen würde , wie man wollte , wenn man ihm eine Furcht ein - „ jagte . Die Meynung , die , nan hatte , daß er seinen Nutzen und seine „ besondern Zuneigungen dem gemeinen Wesen vorziehen würde , ist gar „ bald durch die Beförderung eines Cardinals bestätiger worden , dem er „ den zi M«t ) , nach Gewohnheit der Päbste . feinen Jjut gegeben hat . „ Als er nur noch Erzbifchof von Siponte gewesen , nnd die Städt Boiw - „ nien^regiert , so hat er einen jungen Knaben , von Placenz gebürtig , in sein „ Haus ausgenommen , dessen Geburt niemals bekannt geworden ist . Er „ hat eine Zuneigung auf ihn geworfen , als wenn er sein eigner Sohn „ gewesen wäre , und ihn mit nachTrident genommen , all wo er ihn durch „ eine große Krankheit bald verlohren hätte . Allein da er ihn nach dein „ Rathe der Aerzte , zur Veränderung der Luft , nach Verona geschickt , so , erhielt Jnnoceutius , ( dieß war der Name dieses Lieblings ) seine Ge - „ sundheit wieder , und kam kurz darauf nach Trident zurück . Den Tag , „ da er ankommen sollte , ist der Legat unter dem Scheine einer Spazier - „ lust , in Begleitung vieler Prälaten , aus der Stadl gefahren , und hat „ ihn . da er ihm begegnet , mit übermäßigen Freuden - und ZärtlichkchS - „ bezeigungen empfangen . Dieses hat viel Redens gemacht , es sey nun „ daß es ein ungefährer Znfall , oder eine abgeredete Sache gewesen , ihn „ unterwegens iu empfangen . Der Legat pflegte zu sage» , daß er ihn ^ils der Urheber feines Glucks , liebe ( * ) : da die Sterndeuter diesem „ Kinde große Reichthümer und hohe Würden prophezeyet hätten . wel - „ ches nicht anders , als durch seine Erhebung zum Pabstthume geschehen „ könnte . Kaum ist erPabsi geivesen , so ist JnnocentiuS vom Balduin del „ Monte , von seinem Bruder , an Sohnes statt aufgenommen worden ; und „ dann hat er ihn , nach vielen ertheilten Pfründen , zum Cardinale g^ „ macht , wie ich gesaget habe . Dieses hat den Pasquillen und dem Kü - „ tzel , Übels von den Hofleuten zu reden , zum Stoffe gediener , welche sich „ lim die Wette bemühten , die wahre Ur^che einer so erstaunlichen That , „ nach verschiedenen Mulhmaßungen die aus vergangenen Zufällen gezo - „ gen waren , nach zu sagen . „
( * ) Onuphrius erzählet , es habe Julius gelaget , daß er durch das Gute zum Pabstthume gelangt , das er diesem Kinde erwiesen hätte . Affir -

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