Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13216

924 Julius der IL
Absicht unterdrückt habe , um die Ehre Italiens und Englands zu scho . neu . Dieser PolydoruS , war ein Italiener von Geburt , und harre sich in England niedergelassen ; daher nahm er an der Ehre dieser beyden Völker gleichen Antheil . Auch hielt er es Italien für schimpflich , Leute durch dergleichen Lockspeise an sich zu ziehen , und den Engländern für eine Schande , daß sie sich durch dergleichen sollten sangen lauen .
Hier sind die Worte dieses Geschichtschreibers . Feftiuum eft quod refeit Guicciardinus , appulifi'e hoc tempore in Angliam Pontificiam Iongam nauein Falerno vino , cafeis , fuminibusquc onuftam ; quae nomine Pontificis Regi ac Principibus , Antiftibusque donata , ab omnibus ini - ro applatifu accepta funt : et plebem , quam plerumque non minus le - uia quam grauia mouent , ad eam nauem videndam fumma cum vo - luptate accurrifle , gloriantem antea nunquam in ea infula nauim vi . lam cum Pontificiis veiilfis confpedlam . Quibus bellam gentem nobis depingit Guicciardinus , et vini acutique guftus appetentem , quibus fciret Pontifex eam facile in partes fuas trahi pofle ; ficuti olim fes fecifle dicitur , ( Paul . Diacon . de Geft . Longob . Lib . I . c . s - i vt Longobardos in Italiam alliceret ; omnis generis poma , aliarumque deliciarum irritamenta , quorum Italia ferax eflet , mittens , vt pauper - rima fua rura deferentes ad occupandam regionem cunöis refertam diuitjis venirent . Eam vero rem adeo infignem , et Regi , principi - busque , et antiftitibus , a« populo niaxitne acceptam gratanique , cum Polydorus Virgilius fuae Hiftoriae Anglicanae non inferuerit ; exifti - inamus , eum vt Italum et inAnglia commorantem , vtriusque nationis grauitati parcere voluiflc . Spondanus , aufs 1512 Jahe . Num . 3 . p . ni . 289 , wo er starr des Inhalts setzet : Qiiibus illiciis Pontifex fibi Anglos be - neuolos reddiderit . Mezerai kömmt der Vernunft viel näher ; denn er beobachtet , daß der Pabst , Heinrich den VIII , mit der Ehrbegierde ge , kübelt , die wahre Kirche zu beschützen . Die Engländer , saget er , Abre . ge chronolog . Tom . IV . p . 459 . aufs K12 Jahr , „ sind im Begriffe ge - „ wesen , mit dem Könige zu brechen . Denn der Pabst hat sie mit der „ eitlen Ehre , den h . Stuhl zu beschützen , und mit dem Dampfe von lerhand wohlschmeckenden Weinen berauschet , die er ihnen in einem „ großen Schiffe , mit Schinken , Würsten , und Spezereyen beladen , zu - „ geschickt , damit sie ihnen desto besser schmecken sollen . „ Nach dem Va - rillas , im VIII 25 . der Historie Ludwigs des XII . p . 81 . ist es aus gionsbewegungen geschehen , daß ein englischer Bischof , den Tag nachdem Schmause , Krieg ausgeblasen hat ; wobey Heinrich der VIII , die Vor , nehmsten des Parlements , mit den guten Weinen und den vortrefflichen Käsen bewirthete , welche die Galeere de« PabsteS nach London gebracht hatte . Dieser Prälat hat vorgestellt , daß Ludwig der XII , ein Verfol , ger der Kirche wäre , und daß es der englischen Nation ein ewiger Schimpf sevn würde , mit den Verfolgern des h . Gtubls imFrie - de zu leben . Barillas hätte alle die Gründe dieses Prälaten ein we .
«ig besser entwickeln , und nicht allein zeigen sollen , daß man die Bewe - aungsgründe der Religion , mit de» Ursachen des Staats verbunden .
Der englische Prälat hat vorgestellet , ( man darf nicht daran zweifeln , , daß Ludwig der XII , den Pabst aus keiner andern Ursache absehen wolle , als um einen andern zu machen , der ihn Italien erobern ließe . Dieß ist gewißlich die wahre Triebfeder gewesen , die Heinrich den VIII in Schwung gebracht : er hat deutlich wahrgenommen , daß , wenn man sich nicht dar - wider sekte , Ludwig allein den Ruhm einerndten würde , Julius den II , die Geißel der Christenheit , abzusetzen , und einen Pabst zu machen , der zu seinen Diensten stünde , und ganz Italien unrers Joch zu bringen .
Weder die menschliche Staatskunst , noch die Eifersucht erlauben , daß man in eine solche Vergrößerung des Ruhms und der Macht seiner Nach , barn williget ; und dieserwegen , ist Ludwig der XII , von der Kriegsmacht Englands , der Schweizer und Spaniens angegriffen worden .
( Q_ ) Varillas , der von einer gewissen Rede spricht - - - bat sick dem Tadel ausgesetzer . ) Er saget in der Historie Ludwigs des XII , 8 B . pag . 8 , aufs 15» Jahr , daß Pomponius Colonna und Anton Savelli . als sie erfahren , daß der Pabst in eine Art der Ohnmacht gefal - len war , die vier Stunden gedauert , und Anlaß gegeben hat , $tt glauben , daß er todt sey - - - ihre Freunde versammlet , ( j> .
10 ) durch die Straßen gelaufen , die Bürger zum Aufstande gerei - zet . und sie vor dasRarhhaus geführt haben , allwo Colonna , der beredtste von den zweenen , die allerstacklickste Rede gehalten , die wider Sie päbste überhaupt , und wider den Julius ins besondre «ufbewahrcr worden . Er hat vorgegeben , daß sie fast alle die höchste Gewalt gemisbrauchet , nachdem sie dieselbe nnrecklma - ßiger weise an sick gerissen , und , nachdem er die Sradte erzählt , die ehmals von ihnen tyrannisier worden , beschlossen , daß keiner unter allen so übel begegnet worden , als der Stadt Rom . Er hat sich in eine umständliche Beschreibung der Aufführung von Ven lenternpabstcn eingelassen , und es sind ihm in diesen , Stücke Dinge'entfahren , die der voohlstand anzuführen , verbeut . rillas setzet pag . iz dazu , es habe Guicciardin diese Rede nach den Nachrichten zwoer oder dreier Personen aufgeschrieben , die sie gehört hatten , allein man hat sie von der - Hauprhistor , e dert . Nichts destoweniger findet sie sich italienisch , absonderlich gedruckt , und sein franzosischer Dolmetscher , der sie wieder deckt hane , hat sie wieder an die Stelle gesetzt , wo sie weggenom - men worden war . Ich habe noch einer andern Stelle dieses Schrift - stellers nöthig , ehe ich zur Cririk schreite : wir wollen also den Ansang sei - ner Vorrede zum III Bande der Historie Ludwigs des XII sehen : Als ich , saget er , das achte Buch dieser Historie drrrcken lassen ; so habe ick geglaubt , es sey die Rede des Pompe , us Colonna an die nehmsten Bürger zu Rom . sie zur Abwerftmg des pabstlicken Pockes zu bewegen , sehr selten . Und in der Chat habe ick sie an keinem andern Orte gesehen , als in dem Büchersckatze de«
Roniges . Allein ick habe seitdem erfahren , daß sie durck die Besorgung des Herrn vonViguefsrt zuAnfange desBuckes wie - der gedruckt worden ist . welckes er unter dem Titul desThuanus Reftitutm herausgegeben hat , und daß sie folglick nickt sckwer zu findcn ist . Gleichwohl ist es wahr , daß sick ebenderselbe - Herr von Viquefort in diesem Stücke nur eines Theiles von demjeni» gen enrlediget hat , was er dem gemeinen Evesen schuldig war : weil er die Gründe nickt bemerket hat . wegen welcker diese de . welcke die unbesonnenste ifl Sie man lesen kann , gehalten worden ist ; und wie sick Guicciardin eben so wenig darum bekümmert bat , dieselben anzuführen , so werden es die Nmbegierigen
kickt nickt ungern sehen , daß ick den Mangel dieser zweenen - Hi - storiensckreiber ergänze . Der erste Grund u . s . w .
Ich kann weder bejahen noch verneinen , daß sich diese Rede in dem Bückerschatze des Königes befindet ; aber so viel kann ich wohl sagen , daß sie Guicciardin seiner Historie niemals einverleibet hat . Er redet mir im Vorhergehen , von dem Ausstande , den diese zwo Personen zu erregen , bemühet gewesen , und er saget nicht , daß es Pompejus Colonna gewesen , der , als der beredteste , die Rede gehalten habe . Guicciardin . Liv . X , fol . sgo . Siehe auch den Paul Jovius , in Vita Leonis X , pag . m . 108 . Es ist nicht wahr , daß sein französischer Uebersetzer , diese Rede wieder an die Stelle geseyer hatte , wo sie weggenommen worden . Wenn dieses wahr wäre , so würde sie kein seltenes Stück seyn ; denn Guieeiardins französische Übersetzung ist ein ganz gangbares Buch . E6 ist nicht wahr , daß sie durch Besorgung des Herrn von Wiequefort zu An - fange des Thuanus rcdiuiuus wiedergedruckt worden : allein hier ist es , was den Varillas vermuthlich betrogen hat . Man hat von dem 4 B . Guieeiardins einen langen Diseurs über die Art unterdruckt , dadurch di« Päbste weltliche Herren eines TheilS von Italien geworden sind . Die Protestanten haben diesen Diseurs erhalten , und man hat ihn lich unzähligemal herausgegeben . Siehe den Artikel Guicciardin in der Anmerkung ( A ) . Man findet ihn , nebst zween andern Stellen , die aus demllluud XB . Guieeiardins weggelassen worden , lateinisch , italienisch und französisch zu Ende des Thuanus reftitutus , zu Amsterdam 166z , druckt : und er ist an der Stelle , wo er seyn soll , in der ftanzösischen Ue - bersetzung , die durch den Hieronymus Chamedey gemacht , und zu Genf 159z , mir Summarien und Randglossen , die einen vollkommenen Prote - stanten zu erkennen geben , gedruckt worden . ( Sie sind vom de la Noue . ) Varillas , der etwas von der Historie dieses Diseurses , und von der Rede derer hatte reden hören , die sich , die Römer > ; n aufzuwiegeln , be - mühet haben , hat eines mit dem andern vermengt ( > ) .
§ ( 7 ) Es ist in dieser Beurtheilung des Herrn Bayle wider den Va - rillas etwas zu erinnern ; denn , wenn es wahr ist , wie Bayle will , daß Guicciardin die Rede des Pompejus Colonna seiner Historie niemals ein - verleibet hat , und daß er nur beyläusig von dem Aufstände des Pöbels gereder , den er und Antonio Savelli , 15» , in Rom zu erregen , bemüht ge - Wesen : so ist es anch wahr , daß er derselben einen Auszug ihres Diseurses an das Volk bey dieser Gelegenheit , eingeschaltet , und baß dieser Auszug , nachdem er in den meisten Ausgaben Guieeiardins ausgelassen worden , nicht zuAnfange , wie Varillas saget , sondern zu Ende des Thuanus re - ftitutir * des Herrn von Wiequefort gesetzt worden . Und es ist seltsam , daß Herr Bayle es nicht allein nicht wahrgenommen hat , sondern auch so gar das Gegentheil versichert , in dem er von dreyen Stellen Guie - - eiardins redet , die vom Wiequefort gesammlet worden ; und daß diese dritte Stelle gerade der Auszug von dieser Rede des Pompejus Colonna ist . Es ist andern TheilS wahr , daß Varillas davon , nicht als von der Rede selbst hätte reden sollen ; noch als von der unbesonnensten und sali - risckten Rcde , die man lesen kann , wider die Päbste überhaupt , und wider den Julius ins besondere , noch sagen sollen , daß sich Co - loima in eine umständliche Beschreibung von der Aufführung der lencern päbste eingelassen habe , und daß ihm dieserwegen Dinge entfahren waren , welcke der Xvohlstand anzuführen , verbeut : denn außer , daß nichts dergleichen in dem Auszuge ist , daß man darinnen nichts besonders von den letzten Päbsten saget , und daß Julius der II , darinnen nicht einmal genentiet wird ; so sind es nur zwo kleine Seiten in 12 , in welchen man nur überhaupt die Unordnungen und Beichwerlick ) - fetten der geistlichen Herrschaft vorstellet . Weiter hätte er nichts sagen sollen , daß der französische Dolmerscker , der sie wieder entdecket hätte , sie wieder an die Stelle gesitzet , wo sie weggenommen worden ; denn sie findet sich daselbst nicht ; und dieses ist um so viel - mehr zu verwundern , angesehen die zwo andern ausgelassenen und von dem Wiequefort gesammleren Stellen Guieeiardins , sich jede an ihrem Orie in dieser Übersetzung befinden . Herr Bayle hat also Grund ge - habt , zu bejahen , daß diese Rede nicht wieder hinein gesetzt worden ; und dieses ist das einzige , worinnen seine Beurtheilung gegründet ist : denn dasjenige betreffend , was er dazufüget , daß Varillas ohne Zweifel eine ausgelassene Stelle des I V Buches Guieeiardins mit derjenigen vermengt hat , die ans dem X Bücke ist , so zeiget das erst angeführte zureichend , die wenige Gründlichkeit . Und dieses ist ein Beweis von demjenigen , was Bayle selbst in dem Art . Seymur ( Anna Marq . und Johanna ) so scharfsinnig bemerket hat , daß , man bey Gesckickren sehr ^behutsam flyn müsse , zu murhmaßen , und daß man sein Urtheil lieber so lange verschieben solle , bis man alle Stücke gesehen hat . Ich bin vom Herrn Liebe * aus Leipzig berichtet worden , daß sich der'Auszug dieser Rede an seinem Orte in der italienischen Ans - gäbe Guieeiardins , apprefib lacobo Stoer , 1636 findet . In Ansehung der Rede selbst , die Varillas in der Bibliothek des Koniges vyn Frankreich gesehen zu haben saget , so ist sein Zeugniß allzuverdächtig , als daß man sich erkühnen sollte , sich demselben zu unterwerfen . Crit . Anm .
* Im französischen steht Lieve , welchen Namen wir unter un - ftrn hiesigen Gelehrten , in so neuen Zeiten , nämlich seit 1736 nicht kennen . Nun ist es wahr , Herr Liebe , der als Seer . und Biblis - theear in Gotha vor wenigen Jahren gestorben , und den der Urhe , der dieser Crit . Anmerk . ohne Zweifel gemeynet , hat um diese Zeit gleichfalls nicht in Leipzig gelebet . Allein da er doch sonst als Ma - gister hier gelebt hat , so hat dieses den Fehler leicht veranlassen kön - nen . G .
( R ) Sein XVundarzt - - - hat sick eine« Betrugs bedient , der das Uebel geheilr . Z Naude führet dieses Beyspiel in einer Disser - tation an , wo er untersuchet , ob man die Kranken hintergehen dürfe . I« ( celeberrimus Cbirurgu : Joannes de Vigo~ ) dum nodum carnofum Iulii fecundi contumacioretn in dies fieri , et Pontificein omiie genus reme - diorum conftanter respuere adnimaduerteret , nouam quamdam me - dendi rationem meditatus eft : pannos liquidem vetcres fruftillatiin confcerptos vna cum panis filiginei mica molliore , et arfenici fubli - mati in aquis rößram et plantaginis excepti fomento , ad tertias in vafe aeneo decoxit , expreffisque demum illis , et pulueris modo vlceri admotis , quod nullis deinceps fe curaturum iureiurando receperat , breui fumma cum oranium admiratione Pontificem a graui et molefto affeftu liberauit . In Pentade Quaeft . iatrophilologicaruin , pag . 102 , genfer Ausgabe 1645 . Er führet den Johann von Vigo , lib . 2 Chirurg . traä . II , cap . jmv .
( S ) Ban«

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