Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13152

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Judith .
und man merke , daß Judex nicht neun und siebenzig Jahre gelebet ha - den würde , wenn er auch bis 1587 gelebet hatte ; denn er war „ - z ge - bohren . Man versichert in seinem Leben . ( " Schoppius , Orat . de Vita Matth . Iudicis , beym Crenius , Animadu . ? Kllolog . et Hiftor . P . VI . p . 71 . ) daß sein Tod um so vielmehr bedauert worden , da er sein sieben und dreyßigsteS Jahr noch nicht zurück ? gelegt gehabt . Diese Rechnung ist nicht richtig ; denn weil man seine Geburt den 22 des . Herbst - monatS , 1528 , und seinen Tod den 15 May . 1 , 64 , gesetzet hatte , so hät - te man sagen müssen : daß er noch nicht sechs und dreyßig Jahre alt
gewesen .
( v ) Er ist ein Mann von guten Sitten - - * gewesen , und hat viel Bücher geschrieben . ] Er ist so mäßig gewe , en , daß er in einer Woche nicht so viel gegessen , als andere , die nur einen mittelmaßi - gen Magen haben , in zween Tagen essen ; und seine Freunde haben nie - malsvon ihm erhalten können , daß ex so gefällig gewesen wäre , über Durst zu trinken . In seinem Leben , pag . 58 . Er ist so entfernet von der Pracht und Verschwendung gewesen , daß er auch an seinem Hoch - zelttage , seine Braut nicht putzen lassen wollen ; er hat sie vermocht , sich mit einem sehr mittelmäßigen Kleide zu begnügen . p . 58 . 59 - Seine Keuschheit ist so groß gewesen , daß ehe er sich verheirathet , einige geur - »heilet , daß er von frostiger oder unemvfindlicher Complexion sey ; und »r hat seinen besten Freunden im Vertrauen bekannt : er glaube , daß der Ursprung seiner schlechten Gesundheit , oder zum wenigsten die Ver - Mehrung seiner Kränklichkeiten wäre , daß er allzulange gewartet hätte , eine Frau zu nehmen . Ante legitimum coniugium adeo pudice vixit , vt a nonnullis frigidiis fit iudicatus , ac ipfe intimis fit confefltis : fe judicare originem aut certe non leue fuae aduerfae valctudinis in - cremen tum inde exiftere , quod non prius duxiflet vxorem . p . 57 . 58 . Gleichwohl hat er sich im sieben und zwanzigsten Jahre verheirathet , da zum Prediger ben der St . Ulrichskirche zu Magdeburg berufen wor - den . Er hat «in Mägdchen von fünfzehn bis sechzehn Jahren geheim - thet , die nicht reich war . Einige von seinen Freunden sind verdrießlich darüber gewesen , daß er sich eine Braut erwählet hat , die weder Jahre , noch Geld genug gehabt ; allein er hat ihnen geantwortet , daß er Gott allezeit um eine Ehgattinn gebethen , die keine Erfahrung von bösen Dingen hätte , die gelehrig wäre , die nicht hochmüthig wäre , u . s . w . Aegrius tulere amicorutn quidam , quod iuuenculam et minus dota - «am fibi iungeret virginem , fed iis refpondit , fe ab adolefcentia af . fidue petiifl'e aDeo , vt puellam bonis prognatam , honefte educa - tam , virtutibus et pietate ornatam , malarum remm aetate adhuc imperitain , et morigeram potius , quam natalibu« elatam , delicata et blanda educatione ac conuerfatione mala deprauatam , ac dotibus et ornamentis fortunae proteruam , fibi dare cügnaretur , ac fe voti fui compotem fa£him in Dei prouidentia adquiescerc . Ebendas p . 58 . Er hat vergnügt und qotteöfürchtig mit seiner Ehfrau , etwas über ze - hen Jahre , gelebet , und sechs Kinder von ihr gehabt . Sie hat zum an - dermale dm Andreas Schoppius geheirathet . Ebend . p . 50 .
Wir wollen von denen Büchern reden , die er geschrieben hat . Er hat das deutsche Buch Luthers von dem buchstäblichen Verstände dieler Worte : dieses if ? mein Leib , ins Lateinische Übersetzer . Er hat die - ses Werk dem Rache zu Regenspurg zugeschrieben , und in der Zueig - nungsschrist , die fünfzehn vornehmsten Argumente der Zwinglianer wi - »erleget . Hier ist der Titel von einem Buche , welches er «59 heraus - gegeben hat : Quod arguere peccata feu concionari poenitentiam , fit proprium Legis et non euaneelii proprie di6H , Rationes et Argumenta . Sein Traktat . deTypographiae inuentione et de praelorum legitima jnfpeflione , ist 1566 gedruckt worden . Seine Enarrationes Epiftola - rum Dominicalium sind 1578 erschienen . Die Welt hat sechs deutsche Wer^e von seiner Arbeit gesehen . Er und Wiqand haben gemeinsckaft - lich etliche Schriften herausgegeben , als . >558 . Refponfio adl ConfeDio - nem Maioris de Iuftificatione et bonis operibus . Refponfio ad feur - riles et blafphemos foetidi Rambocchii Rythmos Witebergae im . prefl'os . De Adiaphoricis corruptelis in magno libro Aäorum In . «erimifticorum , fub confiöo timlo ProfeflTorum Wittebergenfium edito , repertis , Admonitiones . Corpus Doörinae ex Nouo Tefta - mento . De Viftorini Strigelii declaratione feil potius occultatione . Andreas Schoppius fetzet dieß p . 63 darzu : Item cum Illyrico , Mu - faeo , et Wigando mifit Epiftolatn ad quosdam pios fratres de cauflä Viftorini . Et cum iisdem fe purgauit de fiftis rationibus demiffio - nis Ienenfis , quas charta ö«mvv^o< referebat . Er giebt hierauf die Ti - rel etlicher deutschen Bücher , und etlicher lateinischen Schriften , die nicht gedruckt worden sind . Er beobachtet p . 56 . daß Judex die Musik wohl verstanden , und einige Erkenntniß von der Mathematik gehabt . Die Sterndeutkunst ist ihm nicht unbekannt gewesen ; er hat so gar Nativi - täten gestellt . Iudicia natiuitatum fibi , liberis fuis et Embdenis ( Er ist Lehrmeister der Kinder Levin Emdens , Rechtsverständigen zu Magde - bürg , gewesen . ) nonnullis compofuit , atque figuras caeli , quasvocant , aliis rebus accommodatas erexit . Er halle'etliche Zeit die Rechte zu Wittenberg studiert ; er konnte lateinische und griechische Verse macken , und war willens , eine Kirchmhistorie seiner Zeit aufzusehen . P . 56 . Der Antheil , den er an den zween ersten Theilen der magdeburqrscken Cen - rurien gehabt , ( man merke , daß er Theil an der deutschen Uebersetzung der Dreyen Eenturien gehabt , ) ist der ganzen Welt bekannt , und jeder - mann weis , daß diese Arbeit sehr groß gewesen : also , wenn man weis , daß Judex sehr jung gestorben , und daß seine Gesundheit fünfzehn Iah - re lang übel beschassen gewesen : Annis quindeeim valetudkie affliftifli - ma , ( p . 56 . ) so kann man nicht zweifeln , daß er nicht sehr fleißig und beitsam gewesen wäre .
Wir wollen hier , bey Gelegenheit , eine Sache anführen . die demjeni - gen zu einem Zusätze dienen kann , was man in der Anmerkung ( H ) , des
Artikels Ill^ricus , die Historie der Eenturien betreffend , gesehen hat . Die drey letztem sind niemals erschienen , obgleich die Eenturienschreiber sehr weit damit gekommen waren , und der Marggraf von Brandenburg , Herzog von Preussen , dem Andreas Slangewald Befehl gegeben hatte , die letzte Hand daran zu legen , damit man sie herausgeben könnte . Andreas Stangevvaldus - - - fibi ab inelyto Marchione Branden - burgenfi , Duce ßoruiliae , tum temporis negotium datum esse confir - mabat , vt reliquas tres centurias Ecdefiafticae Hiftoriae Magdebur - genf . ab autoribus affeftas iam peneque perfeftas , perpoliret , atque ad editionem accurate praepararet . CreniuS , Animadu . P . VI . p . 72 . fiihret den Brief an , woraus ich diese Stelle genommen habe . Er hat ihn in einem Werke , Conrad Schlüsselburgs , gesunden . das nach seinem Tode , 1 ( 124 , zu Rostock gedruckt worden . Er wundert sich , daß Sagit - tarius diesen Umstand vergessen hat ; und machet einen andern bekannt , den er in einem Werke des Rechtsgelehrten Franciscus Balduins gelesen hat : ( Antwort an den Beza , unter dem Namen Michael Fabri * cius . ) Daß man nämlich zu Genf eine französische Uebersetzung der Eenturien von Magdeburg , mit eben derselben Unredlichkeit gemacht ha - be , die in Luthers Auslegung , über den Brief an die Galater erschienen ist . Crenius , Animadu . Part . VI . inAddendis , p . penult .
( C ) har viele Verfolgungen und Widerwärtigkeiten aus - jufiehen gehabt . ] Er ist einer von denen gewesen , welche die magdeburgische Kirchenzucht aufgefetzt , die 1554 gedruckt worden . Er ist sehr genau , in Ausübung derselben gewesen , und hat einige unbußfertige Personen , von dem Gebrauche der Sacramente . ausgeschlossen . Dieser - wegen hat man ihm gedrohet , ihn zu schlagen , und mit Füssen zu treten . Ipfi verbera et conculcationem foediffimam minati funt , quod cos ad Baptifinum et vfum Coenac non admiferat , Andr . Schopp , beym Cre - nius , Animadu . Parte VI . p . 62 . Er ist in den Satiren sehr mis - handelt worden , die zu Wittenberg wider die Centuriatoren gemacht wurden . Scurriles Neminiftae et Acolafti Wittebergenfes in famofa illitis laboris reprehenfione et acerba inueßiua D . Iudicem vocabant Iudam et pullum filiutn afinae fubiugalis . Ebendas . p . 67 . Er hat sich den Synergisten stark widersetzet , so lange er Professor der Gottesge - lahrtheit zu Jena war . Ihre Partey war mächtig , und hat , auf eine lästerhafte und unverschämte Art , Pasquille wider ihn gemachet . Man hat auch Steine gebrauchet ; denn es hat eine Bande'loser Buben eine ganze Nacht um sein HauS herum viel Unfug verübet , und ihm die Fenster eingeschmissen . Er ist seines Amtes entsetzet worden , nachdem er dasselbe , unter vielen Unruhen , >8 Monate verwaltet hatte . Der an - geführte Vorwand ist die Herausgebung eines deutschen Buches , de tu . ga Papatus , ron der Flucht des Pabstthums , gewesen , p . 6z ; allein eine von den wahrhaftigen Ursachen ist seine Widersetzung gegen die Partey gewesen , welcher der weymarische Hof günstig war . Dieses ist die Partey des Professors Strigeliue , eines von den Häuptern der S^ - nergisten , oder der Gönner der menschlichen Freyheit , gewesen . Man hat nicht ermangelt , viele Ursachen , oder viele Verwendungen von der Abse - tzung de« Matthäus Judex auszustreuen , welche alle widerleget worden sind . Man hat ihn , unter andern Dingen , beschuldiget , daß er die Exem , plarien , von dem Leben Balthasar Winters , ausqestreuet hätte , und man hat von ihm verlanget , daß er den Urheber dieser Sarire anzeigen , all« Exemplare derselben wieder sammlen , und nach Hofe schicken sollte . Er hat geantwortet , daß dieses Werk keinesweges ein Pasquil wäre ; daß es nichts anders , als die wahrhafte Erzählung von dem Leben und Tode eines trmen Knechts Gottes sey ; daß es nochig gewesen , es dm Lästerungen entgegen zu setzen , welche die Feinde dieser gottseligen Per - son auSgestreuet hätten , und es der Witwe und einigen andem zu ihrem Tröste mitzutheilen . Er hat sich nicht verbunden gehalten , den Urhe - der zu nennen ; allein er hat sich erbothen , wegen dieser Sache , vor un - verdächtigen Richtern zu antworten , davon einige weltliche , und die an - dem geistliche seyn sollten . Seine Widersacher haben dergleichen Rich - terstuhl nicht verlanget . Andreas Schoppius , beym Crenius . Animadu . Parte . VI . pag . 68 . Bey seiner Abreise von Jena hat er sich , nebst sei - nem Freunde , WiganduS , nach Magdeburg begeben , und die Erlaubniß nicht lange genossen , die ihm der Rath ertheilet hatte , sich daselbst auf» zuhalten . Man hat einige Prediger gefallen gesetzt ; man hat etliche andere des Nachts aus der Stadt zu gehen , gezwungen . Er har diese Aufführung des Raths nicht gebilliget , und diese gedrengten Prediger zur Geduld ermahnet . Er hat sich hierdurch einem Hagel von Schimpf - Worten ausgesetzet ; und ein Bürger hat Befehl bekommen , ihm sein Haue nicht zu vermiethen . Sein Schwiegervater hat auch Theil an dm Beschimpfungen gehabt , weil er ihm eine Wohnung in seinem Hause gege - ben hatte . Endlich hat der Rath dem Matthäus Judex befohlen , Mag , deburg unverzüglich zu verlassen . Seine in Thränen schwimmende Frau hat den ersten Bürgermeister inständig angefleher , zu erlauben , daß sie mir ihren 5 Kindern bey ihrem Vater bleiben möchte , bis die Strm> qe des Winters ein wenig vorüber wäre . Sie hat vorgestellet , daß ihr ältester Sohn nur 8 Jahre , und ihr jüngster nur z Monate alt wäre , und sich unpaß befände . Allein alle ihre Bitten und alle ihre Borstel - lungen sind unnützlich gewesen . Sie hat wegreisen , und sich durch Schnee und Kälte nach Wismar begeben müssen , p . 69 . Die Römischkatholischen haben über die Begegnung sehr triumphiret . welche die magdeburgischen Ceiiturienschreiber erhalten haben . Ich will nur die Betrachtung eine« Jelmtcn anführen : Die vier ersten Urheber der Ccnturien berref - send , jaget Maimburg in der Historie des Lutherthum - , Tom . II . p . 179 . Holland . Ausgabe , so ist ihr Glücke von de« Baronius sei , nem sikr unterschieden gewesen ; denn kur ; darnach , nachdem sie ihr N ? crk ans Licht gegeben hatten , sind sie von den ^ . uthe - ranern felbff verbannet worden , welche solche boshafte Manner nicht unter sich leiden konnten .
^Udlth , eine jüdische Frau , die ihr vom Holosernes belagertes Vaterland befreyet hat . Man findet diese Historie im Moreri nebst etlichen Beobachtungen über die Verwirrungen , worinnen sie die Ausleger stürzer . Von allen Büchern , welche die Protestanten , als apokryphische verworfen haben , ist keines , das diesen Flecken besser verdient hätte , als dieses . Denn die ver - nünftigste Pattey , die man ergreifen könnte , ist , zu sagen^daß es ein andächtiger Roman ist ( A ) . Nur vor wenigen Jahren , hat ein gelehrter Benedictiner ein Buch gemacht , die Schwierigkeiten zu heben , die man wider diese Historie einwendet ( B ) . Wenn er sie nicht gehoben hat , so hat er zum wenigsten verschiedene nühliche Erläuterungen dargebothen . Ich erinnere mich , eine Dissertation gesehen zu haben " , wo man unter andern Vernunftschlüssen auch auf diesen dringt , daß man ein Werk für kein canonisches Buch ansehen müsse , welches den Meuchelmord billiget . Dieses erinnert mich «iner Sache , welche den Meuchelmord
Wilhelms

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