Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13124

ihnen die Gebrechlichkeit der Natur nicht erlaubt , die Enthaltung zu be - obachten , sich verheirathen können , ohne ihre Gelübde zu brechen . Er rüh - met sich , pag . 379 , daß er nichts von der Nachgebung der Katholiken an - geführt , was nicht auf die Lehre desThomas von Aquin und andrer ernst - haften Lehrer gegründet sey , und daß dasjenige , was er von der Nachge - bung der Reformirten vorgiebr , auf die Bekenntnisse Calvins und andrer berühmten Scribenten gegründet ist . Hieraus schließt er , daß die Pri - vatpersonen von beyden Gemeinschaften , die sich dergleichen Nachgebun - gen nicht unterwerfen wollten , verwegen feyn würden . Er führet hier - über die Lobsprüche an , welche die Päbste und berühmte Gesellschaften der Lehre des Thomas von Aquin gegeben haben ; und was die Privat - doctoren betrifft , welche dieselbe gelobt haben , so verweiset er uns in ein Buch , welches betitelt ist : Ics Difputes du College de Complute Cur la Diale & ique . Er führet auch die BllligungSschriften an , die dem Buche des Cardinals von Richelieu , und des Bischofs von Condom ertheilet wor , den , und die Beweise von den Bekenntnissen Calvins , des Thomas Aquin , h . f . w . Er zeiget , daß Calvin , River . Bucan , die Lehre von einem Schutzengel für wahrscheinlich gehalten : und was die Möglichkeit des ehlosen Standes betrifft , so führet er den Nationalfynodus zu Nochelle , von 1571 an , welcher den Ehfrauen der Geistlichen , die wider ins Pabst . thum gefallen sind , anräth . keinen Umgang mit ihnen zu haben . Der zu Vitrai 1588 billiget nicht , daß ein Mann , dessen Frau aussätzig geworden , sich wider an eine andre verheirathe ; er ermahnet , Gott zu bitten , und sich , so lange als er lebet , mit dieser Fran zu begnügen .
Obgleich dieses Buch mit Genehmhalrung einiger angesehenen Perso - ven gedruckt worden , so haben es die Mönche dennoch erhalten , daß die Exemplare davon in die Schreiber« ) des Chacelets gebracht würden . Sie hatten einige bey einem Buchbinder gesehen , und deswegen ein große« Lärmen angefangen . Wenigstens ist dieses eine Zeitung , die mir 167« von einem Neugierigen überschrieben worden , der sehr wohl von allem um »errichtet war , was i n der Republik der Gelehrten vorgieng .
Ich bin versichert daß man mir wegen der Stücke aus diesem Werke Dank wissen wird , die ich hier einschalte ; denn ich thue eS aus keiner an - dern Ursache , als weil es wenigen bekannt , und fast unmöglich zu sin - den ist .
( B ) Die Beschaffen ! , eit Oer Zeit hat den provinzialsynodum genörhiger , sich einer Mäßigung zu bedienen . ] „ Dize , welcher re - svrmirter Prediger zu Grenoble gewesen , und wirklich Professor der Got - „ tesgelahrtheit zu Die war , hat eine Schrift über diese Materie gemacht , „ und sich eingebildet , daß er das Mittel zu einer vollkommenen Versoh - „ nung gefunden hätte . Gleichwohl hat fein Entwurf nicht das Glücke „ gehabt , dem Synodo feiner Provinz zu gefallen , der ihm verbothen , den - „ selben drucken zu lassen , oder andern mitzutheilen . Allein Dize , der von den „ Kühelungen des Präsidenten de la Berchere eingenommen war , der ihm „ von seiner Arbeit zu großen Belohnungen , und zu großen Wirkungen Hoff - „ nung machte , hat dem Synodo nicht glauben wollen . Er hat mir Em - „ pfehlungöschreiben von dem Präsidenten , an die Vornehmsten de6 „ Raths versehen , eine Reise nach Paris gethan . Die reformirten Pre - „ diger des Ortes , die von seinem Vorhaben Nachricht bekommen , haben „ sich bemühet , die Mittheilung seiner Schrift zu erlangen , um ihn von der „ Herausgebung derselben abzuwenden . Sie haben aber nichts von ihm „ erhalten ; Dize hat sie , ohne daß er sie ihnen zeigen wollen , den Bischof „ von Condom sehen lassen . Dieses Stücke hat den Katholiken nicht „ gefallen können ; denn der Urheber läßt sie allzuviel nachgeben , und hat „ unter andern Ausdrückungen die meisten Artikel der reformirten Lehre „ mit einfließen lassen : so daß er ohne Bewilligung und Belohnung zu - „ rück kam ; indem er seine Brüder geärgert , ohne daß er die Wohlgewo - „ genheil ihrer Feinde gewonnen hatte . Man hat ihm auch , ihm pein - - liche Händel machen wollen , um ihn für seine guten Absichten zu bezah - . . . . " hat ihn davor in Sicherheit
at er sich nicht unterstanden , et , zumal zu einer Zeit , da
„ len : allein der Präsident , sein Beschü „ gesetzt . Den Synodum betreffend , so „ was über diese Aufführung zu unternehmen .
„ man nicht gewußt , ob es der Hof nicht übel nehmen würde . Man hat „ also , ohne ihn abzusetzen , einen Vertrag mit ihm gemacht , vermöge des - „ sen man ihm die Professorbesoldung gelassen , ihm aber , unter dem „ Scheine ihn der Last zu überheben , die Verrichtungen entzogen . Er „ ist einige Zeit hernach gestorben , und hat den Fehler , den er bey dieser „ Gelegenheit begangen . durch eine Erklärung seiner Mevnungen ersetzt , , . die sehr erbaulich gewesen . , , Hift . de l'Edic de Nantes Tom . III , Part . II , Liv . XV , p . 350 , aufs 1677 Jahr .
lL ) Derproceß , den cr - - - gehabt , hat nicht die drießlichen und schimpflichen Folgen gehabt , die ein katholischer Scribent bekannt gemacht hat . ] Bernard , Explication de l'Edic des Nantes , welche in der Historie des EdictS von Nantes , Tom . III , Liv . XI , p . 60 , aufs , 666 Jahr angeführt wird , hat versichert : daß juc Seit des Rrieges , den der - Herzog von Savoyen wider seine Un - eertbanen in den piemontcsischcn Thalern geführt , die Rcformir - ten für sie'eine Summe von sechs bis siebenmalhundert lausend Pfund jiifammen gebracht , welche in Empfang genommen , und ausgetheilr hat ; daß er dieses Amt schlecht verwaltet ; daß er vor der Rammer * u Grenoble verklagt worden , Rechenschaft davon abzulegen ; daß das Consistorium . um das Aufsehen , welches diese Sacke gemacht , zu stillen , ihn absetzen müssen ; daß es , bn zum Aufseher des Tollegii in Die gemacht , und vier Prediger er - nennt , seine Rechnungen durchzusehen . Es ist unter allen diesen nickt das geringste wahr , als der einzige Artikel , daß Dize d»e Gelder i»Empfang genommen , die zur Linderung der Thalein - roohner bestimmt gewesen , und daß man hierinnen eine Gelegen - ueit gesucht , ihm aus Widerwillen und Rachgier - Handel zu ma - / hen Man kann die Folgen dieser Sache in dem Geschichtlchreiber des tfhiet« von Nantes finden . Ich will nur diese drey oder vier Geschichte nehmen . Dize hat seine Rechnungen gegen das Ende des fÄZs abgelegt . Der Präsident von Perissol hat ihn >66 ; gt - rithfifihiLtanat Diese Sache ist Stufenweise bis vor die getheilte worden . Dize hat diese Sache vor den Gerick - laßen , und sie gewonnen . Der Präsident , der über war , hat die Sa'ch - noch viel hefti - seine Drohungen , we cke weder das Bitten sei - ' «ock die Vorstellungen de» Rirchenraths ,
II Sand .
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ihn , als Professor der Gottesgelahrtheit nach Die zu schicken . Er hatte die Verrichtungen schon zu der Seit verwaltet , ö« Cregut durch die Verfolgung des Bischofs gezwungen worden war , die - selben zu verlassen . Unterdessen ist die Sacke vor die Ramincr von Castres abgefordert ; und der Präsident hat die Einwohner der Thaler , so viel als er konnte , angerrieben , dem Dize seinen Proceß macken zu lassen . Der Rirckenracb hat ihn eine neue Recknung ablegen lassen , das Aergerniß dieses Procefles zu stil - len ; und es fand sick nur ein einziger Artikel , der auf einen Pfen - nig vom Pfunde bey der ganzen Summe angekommen , davon er nickt hatte Recknung geben können . Allein seine Redlichkeit ist ersckienen , u . f . w . Die Worte , die ich auslasse , belehren uns , daß er nur einer kleinen Nachläßigkeir schuldig gewesen . Desto besser für ihn' und man muß ihn glücklich schaben , daß er nur dadurch gefehlt hat : denn die Verwaltung solcher öffentlichen Sammlungen , ist eine so gefähr - liche Gelegenheit , zu sündigen : daß , wenn man klug handeln wollte , mau sich niemals dazu verbindlich machen sollte , bis man seine Kräfte vielmal« probiert hätte . Die Bewahrung solcher Gelder ist vielleicht noch schwe« rer . als die Bewahrung einer Schönheit . Die Verqleichung des Geldes mit dem Peche , diese Vergleichung , sage ich , die so gar bis in dem Mun - de der Bauern so gewöhnlich ist , ist unvergleichlich : man kann mit diesem unglücklichen Metalle eben >0 wenig umgehen , als mit dem Peche , ohne daß etwas kleben bleibe . Man hat entsetzlich ( * ) wider die böse waltung der unsäglichen Summen ( * * ) geschrieen , die für die Waiden» ser zusammen gebracht worden ; und ich glaube , daß man in allen der - gleichen Fällen Ursache gehabt , und haben wird , sich zu beklagen , und zurufen : 0 wie seltsam ist es , einen Menschen zu finden , der nicht gegen diesen Magnet von Eisen seyn sollte !
Abftinens ducentis ad fe cunfla pecuniae .
Horat . Od . IX , Lib . IV . Wir wollen ihn mit des Diogenes Laterne suchen , und wenn wir ihm eine Krone bestimmen , so werden wir sie , aus Mangel des Gegenstand« der sie verdienet , lange behalten .
Regnurn et diadeina tutnrn Deferens vni , propriarnque lauruin ;
Quisqnis ingentes ocnlo irretorto
Speäat aceruos . Ebenb . Od . II , Lib . II . ( * ) Siehe Leti , Critique Air les Loteries , Part . II , 108 u . f . S . ( * * ) Der Historienschreiber des Edict« von Nantes verneinet , daß das , was man in Frankreich gesammlet , auf sechs bis siebenmal hundert tausend Pfunde gestiegen , wie es Bernard versichert . Es ist nicht mehr , saget man , als aufs höchste das Drittheil von allen den Summen gewesen , und alle die Summen haben sich nicht auf 530 tausend Pfund belaufen . Leti an angezogenem Orte , pag . 110 , laßt sie auf 3 Millionen , und die von Frankreich auf 750 tausend Pfund steigen .
( v ) Cregut bar eine Sckuysckrifr berausgcgeben , wo cr diesen Prediger mir sehr schwarzen Farben abmalet . ] Sie ist mir nur vor wenig Tagen in die Hände geftillen . Hier ist der Titel davon : Apo . logia necefläria non minus quam aequiflima Äntonii Creguti , contra aceufationem impraeuifam , inexfpeöatam , et iniquam Friderici Span , hemii Profefioris Leydenfis . Sie ist 1678 zu Amsterdam gedruckt wor - den , und enthält 48 S . in 8 . Cregut , Apol . necelihr . 11 u . f . S saget , daß nach Stephan Blanes Tode , welcher Professor der Gottesgelahrtheit zu Die gewesen , der akademische Rath , dem von Yse , Predigern deö Orrs , die Stelle des Verstorbenen bis zu dem nächsten Snnodo aufgetragen habe . Der im folgenden Jahre nach Die berufene Synodus erwählte den Anton Cregut , ( er war Prediger zu Montellimart gewesen ) zum Professor der Gottesgelahrtheit . Dieß ist nur eine Interimswahl ge - wesen , allein sie ist nach Verlauf eines Jahres durch das Urtheil des S» - nodus von Pragelas bestäriger worden . Ise , der dieses Amt um so viel mehr wünschte , da er die Verrichtungen desselben einige Zeit verwaltet hatte , hat die Wahl eines andern , so viel als er konnte , zu hin - tertreiden gesucht , und , da er solches nicht zu Wege bringen konnte , eine heftige Eifersucht gegen den Cregut gefasset , und alle ersinnliche Mittel hervorgesuchet , ihm zu schaden , ob er sich gleich allezeit als seinen Freund stellte . Er hat es durch seine heimlichen Anschläge so weit gebracht , daß zu Genf der Druck eines lateinischen Buches Cregut« , Reuelator Arca - norum , betitelt , unter dem Verwände gehindert wurde , daß die Lehre des - selbe» böse und gefährlich wäre . Der Verfasser hat gcbethen , daß die Prüfung seiiies Werkes aHein von den Professoren zu Genf geschehe» möchte , damit alles ohne weniger Aussehen , und mit mehr Gründlichkeit und Geschwindigkeit vorgienge : allein sein Suchen ist verworfen den ; man hat sein Werk in der Versammlung aller reformirre» Prediger gcprüfct . Er hat sich nichts gutes prophezeyet , und sich der Klage de» Kaiser Hadrians erinnert , die Menge der Aerzre hat mich bracht , turba Medicormn me perdidit . Man hat zwo bis dm ? von seinen Lehren verdammet : diese Verdammung ist den versammleten Predigern im Gresivaudan , ( einem Lande bey Grenoble , und einem von den Gesprächen des Provmzialsynodu« im Delphinate , bev Gelegenheit der Reformirten ) durch feinen Widersacher mitgetheilet worden ; und seit dem sind die Borurtheile wider den Urheber so gewaltig geworden , daß man ihm gedroht , ihn bey dem nächsten Snnodo zu Die abzusehen . Z ) se , welcher nicht zweifelte , daß das Amt des Ausiehers dieses Synodu« ihm nicht aroße Mittel darbietben würde , feine Absichten auszuführen , hat sich dasselbe gewünschet^ , und es auch wirklich erhalten . Die erste Beschuldigung betraf die Sätze von der Gnade , die Cregut herausgeaeben hatte . Er hat feine Gründe angeführt , und , da er die Endigung diese« ersten Verfahren« gesehen , nichts zu befürchten zu haben gealaubt : allein er hat sich betrogen ; denn nach Verlauf etlicher Tage , da 9fe dem nodo erklart hatte , daß die Prediger zu Genf einige Artikel aus Cregut« Reiielatore Arcanorurn etc . verurtheilt hätten , hat er den Ver« fnsser über die Zurechnung der Sünde Adams befraget . Cregut machte sich fertig , diese Materie zu erläutern ; allein man ist ihm gleich beym Ansänge , unter dem Vorwande , ins Wort gefallen , daß Sachen auf dem Tapete wären , die nicht auf ein ander mal ben werden könnten . Er hat eine Gelegenheit erwartet , sich in den fol« genden Sitzlagen zu erklären , wenn man wieder von dieser Streitfrage reden sollte , und er hat vergeblich gewartet . Pse hat seine Rolle so boö , Haft gespielt , daß sein Widersacher verdammt worden , ohne ihm Gele , geuhcit zu geben , seine Sacke zu vertheidiqen . ES ist daselbst eine beru - fem Disputation in dem philosophischen Hörsaale gehalten worden . Die
Zjj U 2 dasigm

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