Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4742

Caßius .
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so habe ich Recht vorzugeben , daß man in diesem Stücke einen schied unter diesen zweyenAemtern gemacht hat .
( C ) - - Allein nicht von demjenigen , der den berufenen Grundsay cvi bono in Ansehen qebracht . ^ Die Stelle aus der Rede , pro Rofcio Amerino , welche ich in der vorhergehenden Anmer - kung angeführt habe , zeiget , was dieser Grundsatz gewesen , und zu was für einem Gebrauche ihn der Prätor Lucius CaßiuS angewendet hat . Hier sehe ich dazu , daß dieser Grundsatz sehr vernünftig ist , und sich auf einen Ursprung gründet , der wenig Ausnahmen in dem gemeinen Leben leidet : nämlich , daß man keine Verbrechen , ohne Erwartung ei - ncs Nutzens , begehr ; daß , in Ansehung der Verbrechen , der Her - dacht rvider diejenigen , die Nutzen daraus 5iehen . Ich rede von solchen Verbrechen , die von Richtern auf der Welt bestrafet werden . Dieserwegen hat der Prätor CaßiuS mit Recht gehoffet , daß ma« , in den peinlichen Untersuchungen viele Dinge erläutern würde ; wenn man entdecken könnte , was der Angeklagte für Vortheil bey dem angegebenen Verbrechen gehabt . Nicht dämm , daß eS keine Leute geben sollte , die unvermögend waren , sich zu einem Verbrechen verleiten zu lassen , was sie auch für einen Nutzen daraus ziehen können : ( diese Anmerkung ist vom Cicero , in 0rst . pro Milo»e , an dem Orte selbst , wo er von dem Grundsatze des CaßiuS redet : illud Caffianum cvibonofverit , inhis perfouis valeat , etfi boni nullo emolumento impelluntur in dem improbi faepe paruo ; ) und daß sich nicht andre fänden , die ver - mögend wären , sich wegen eines mittelmäßigen Nutzens , oder wohl gar au« einer bloßen Begierde , sich in der Fähigkeit , Übels zu thun , zu erhalten , dazu verleiten ließen : Si caufa peccandi in praesens mi - nus fiippetebat , nihilominus infontes ficuti fontes circumuenire , iu - gulare . Scilicet ne per otium torpefcerent inanus auf animus , gra - tuito potius malus atque crudelis erat . Salluft . in Bello Catil . da er davon redet , was Catilina durch seine Leute verüben lassen . S . Licer . de OfFic . Lib . LI . cap . XXIV . ) Allein dieses wirst des CaßiuS Grundsatz nicht um ; man weis zur Genüge , daß in dergleichen Materien die geln von feiner metaphysischen Allgemeinheit sey» dörfen , auch von kei - ner physikalischen . A^an sehe die Anwendung , »velche Thomas HobbeS , in dem LVII Cap . des LeviathanS , laMothe le Vay^r . in dem Discurfe von der Historie auf der - c» Seite , des II Th . von der Ausgabe in ia ; und der Urheber der Pentes diverse« 5ur les Cometes , auf der 68z S . von diesem Grundsatze gemacht haben .
( v ) - > Noch von demjenigen . der nach dem Sallustius im 642 Jabre jioms Prätor gerveien . Z Dieser Prätor kann sehr wohl der Urheber des Grundsatzes cui bono , und die Klippe der Ange - klagten gewesen seyn ; denn Sallustius stellet uns denselben mit einem solchen Ruhme der Redlichkeit vor , daß man sich auf seine Privatver« sprechungen eben so gut , als auf eine öffentliche Verbindlichkeit des gemei - nen Wesens verlassen : dieses hat den JugurtHa vollends vermocht , sich der Willkür des römischen Volkes zu überliefern ; da ihm Caßius , der zu , I , m geschickt worden , ihn zu vermögen , nach Rom zu kommen , demsel - selben nicht allein ein sichere« Geleite von der Republik , sondern auch das Wort für seine Person gegeben hatte . Priuatim praetcrea , saget Sallustius in Bell . Iueurth . XXXII Cav . zu Ende , fidem fuam in - terpor . it , quam ille ( lugurtha ) non minoris quam publicam duce - bat . Talis ea tempeftat'e fama de Caflio erat . Wenn eS eben der - selbe gewesen ist , von welchem Valerius MaximuS bey Gelegenheit de« Redners , Marcus Antonius , redet , so wäre er «von dem Zunftmeister des Volkes , im 616 Jahre unterschieden ; denn wo ist die Wahrschein - lichkeit , daß ein Mann , der im 6 - 8 Jahre Censor gewesen , im 64 ! Iah - re weiter nichts , als Prätor gewesen seyn sollte ?
Die Auslegung der Variorum , über den Sallustius , welche zu Leiden , m , 6 ; 6 Jahre vom Thvsius herausgegeben worden , zeiget uns zwo ganz entgegen gesetzte Meinungen . Einige wollen , daß der Prätor Caßius , der an den JugurtHa geschickt worden , eben derselbe sey , der unter sei - uem Zunftmeisteramte das tabellarische Gesetze tingeführet hat : andre sagen , daß es derjenige gewesen , der kurz nach dem Krieqszuge in Nu , midien , das Bürgermeisteramt bekleidet , ( Glandorp 203 S> sehet sechs Jahre zwischen dem Prätoramte dieses CaßiuS , und seiner Niederlage ; eck sind nur viere gewesen ; ) und ein Kriegsherr in Gallien eonimandirt bat , welcl ) es von den Tigurinern in die Pfanne gehauen worden . Dieß sind die Schweizer von Zürch . Diese letzte Mevming , welche auch de« SigoniuS in Faftis Conful . «nd de« Glandorp ist , ist viel besser als die andre ; denn wenn L Caßius , der im 646 Jahre Rom« , von den Tign - rinern geschlagen worden , Zunftmeister des Volke« , im 616 Jahre , ge - wesen ist , so müßte er 646 zum andernmale Bürgermeister gnvesen seyn , wovon die Consiilarjahrbücher nicht das geringste gedenken . Dieß ist vielmehr der Sohn dieses Zunftmeisters , wie Sigonius glaubet , als der Zunftmeister selbst .
Folgende« scheint mir ziemlich gewiß zu seyn , daß Lucius Caßius , der Ur - Heber des Grundsatzes cui bono , und die Klippe der Angeklagten , entwe - der derjenige ist , der im 616 Jahre Zunftmeister gewesen ; oder derjenige , welcher als Prätor im 642 Jahre an den JugurtHa geschickt worden . DerScholiast desDauphins , über die Reden de« Cicero , erkläret sich für diese letzte Mcynnng , ValesiuS in Ammian . Marcell . Lib . XXII . p . 321 . in der Folioausgabe von 1681 , hatte sich bereit« für dieselbe erklärt ; allein ohne denLindenbrog zu beurtheilen , welcher der andern Meynung gefolgt , und den er in einer andern Sache in eben derselbe Note beurtheilr . Corradus in seiner Auslegung über den Brutus des Cicero , und der Scho , liast des Dauphins über dasselbe Buch , Glandorp und verschiedene
dre , behaupten mit dem Lindenbrog einerley . Ich hoffe , daß dieses die Gelehrten ermuntern wird , gründlicher zu untersuchen , was daran ist .
( E ) Xvegen seiner Strenge sind die aüfufebaefen Richter Caßianer genennet worden . ) Wir haben es bereits in einer Stelle des Cicero , zu Ende der dritten Zeile von der Anmerkung ( L ) gesehen : hier ist eine andre von eben demselben Gewächse , ( in der fünften verri - nifchen Rede , man Führet auch die dritte in Verrem an , weil unter den Reden , welche die Sachen deö VerreS betreffen , und welche man alle ver - rinijche nennet , zwo davon nur zur Vorbereitung dienen . ( ValesiuS der jüngere , über den Ammian . Marcellin . auf der 471 S . deutet eine von diesen Stellen auf die erste Rede in Verrem . die von seinem Bruder angeführt worden ; vermmhlich ist dieß ein Druckschier , wie vereren , anstatt Verrem ; denn auf der 321 S . führte der ältere z in Verrem an : ) Non quaero iudices CASSiANOS , veterem iudiciorum fe - ueritatem non requiro . Cicero hatte kurz zuvor ironischer Weise gesa» get : Etiam illumipfum , quem tu in cohorte tua c a ssi an vm iu - dicem habebas . Hierauf bezieht sich diese Stelle im XXVI B . de« AmmianuS Marzellinus : Iura quidem praetenduntur et leges , et Catonianae vel cassianae fententiac , fueo perliti refident ces : und diese andre des Marcus AureliuS , Epift . ad Praef . Praetor . Puto mc non erraffe , liquidem et tu notum habe» Caffiuni , hominemr Cassianae feueritatis et difciplinac . Man kann auch diese Wor» te aus dem XXX B . desselben Marcellinus , den Kaiser ValentinianuS betreffend , hierher ziehen : Iudices nunquam confulto malignos elc - git : fed fi femel promotos agere didicit immaniter , Lycurgos inue - niffe fe pracdicabatet cassios , columinaiuftitiaeprifeae , feribens - que hortabatur affidue , vt noxas velleuesacerbius vindicarent . Man merke , daß Lindenbrog die erste Stelle Marcellins , nicht auf den Lucius Caßius , sondern auf den CajuS CaßiuS deutet , der unter und nach dem Tiberius gelebt hat , und da« Haupt der caßianischen Secte , unter de» Rechtsaelehrten gewesen ist . Er hätte sich erinnern sollen , daß er über diese Wortes ludieibus Lalliis triftior et Lycurgis , desselben Geschichtschreibers im XXII B . gesagt hat , die ludice» Caffiani haben ihren Namen von» Lucius Caßius angenommen , dessen Cicero in dem Brutus gedenket , und von welchem , nach seinem Vorgeben , Marcellin»« hier reden soll .
CF ) Der Präsident 25ertrgnd bekriegt sich , rvenn er diese lehre einem andern Caßius - L . onginus bevteget . Z Die bereits angeführten Stellen sind ein Theil der größten Lobsprüche , welche die Nachkommen anwenden können , der Redlichkeit des Lucius CaßiuS Gerechtigkeit zu erweisen , und seinen Eifer unsterblich zu machen , den er erwiesen , d , e Scharfe der Gesetze zu seinen Zeiten im Gange zu er . halten . Der Präsident Berttand hat sich hier sehr geirret . Lib . IL de Iunsper . pag . m . 274 . Er bemerket , nach dem Sueton , daß CajuS Caßius LonginuS , der zu Nerons Zeiten gelebt , blind gewesen ; und giebt vor , daß dieses zum Merkmale einer außerordentlichen Strenge diene : welches er mit den Beyspielen des CajcelliuS , des Appius und des Catulus Messalinus beweist . Er setzet dazu , es sey dieser Caßiu« ein so strenger Richter gewesen , daß man seinen Richterstuhl , fcopulum reorum , genannt . Dieß ist ein Versehen , weil derjenige , dessen terstuhl also genennt worden , zur Zeit des Redners , Marcus Antonius , ungefähr ums 640 Jahr RomS , mehr als 150 Jahre vor der Regierung des Nero gelebt hat . Menage hat es in dm Amoenit . Iuris c . XLIIL bemerket : Wilhelm GrotiuS , der Bruder des großen Hugo , hatte eS schon lange zuvor inVitis Iurisconfultorum , quorum in PandeÖis ex - ftant Nomina bemerkt : Welches Werk lange Zeit unter den Papieren des Verstorbenen verborgen geblieben , und eines verbesserter« Druckes wehrt wäre , ist . 690 zu Leiden gedruckt worden . Es ist wahr , daß et den Bertrand sagen läßt , es habe sich CaßiuS dieses durch seine große Grausamkeit zugezogen , propter nimiam faeuitiam , da sich doch Der - ttand nur des Wortes feueritas bedienet : allein dieses würde die cas , sianische Schärfe oder Sttengigkeit erneuern heissen , wenn man hier - auf den geringsten Stteit gründen wollte .
( G ) Ich werde einen Fehler des Corradus nicht vergessen . ^ Ich habe eine Stelle des Cicero angeführt , wo von einem L , Caßiu« ge» redet wird , welcher , weil er zum Tribun der Soldaten erwählt wor« den , de« Verre« Richter nicht hätte seyn können , wenn ma» , die Sache bi« in das folgende Jahr verschoben hatte . Corradu« , über den BrutuS des Cicero , aus der 179 © . hat sich eingebildet , daß entweder die Ausle» gunq des AjcomuS Pedianus an dieser Stelle verfälscht gewesen , oder daß si» dieser Ausleger versehen hat , wenn er vorgiebt , Cicero habe von ebendemselben CaßiuS geredet , welcher das tabellarische Gesetz« im 617 Jahre Roms ejngeführet . Corradus bemerket diese« Jahr , und nicht wie andre , da« 616 Jahr . Wenn AusoniuS diese Gedan - ken gehabt hätte , so wäre er in einen kindischen Jrrtbum verfallen ; denn da , nach der Rechnung deS Corradus , zum wenigsten sieben und sechzig Jahre , von der Einsetzung dieses Gesetze« , bis auf den Proceß de« Berns gewesen : was würde dieses nicht für ein Schnitzer ftyn , wenn man vorgeben wollte , daß ein Mann , der in einem fast hundertjährigen Alter zum Tribun der Soldaten erwählt worden , sieben und sechzig Jahre darauf , Zunftmeister des Volks gewesen wäre ? Allein es findet sich in dem Texte des Astonius nicht das geringste , das einen Fehler zeigte : Corradus hat ihn nur nicht wohl verstanden . Asconius . ivelcher in Prooem . Aö . in Verrem zeigen wollen , daß Cicero mit allem Rechte gesaget , es sey die caßische Familie , so wohl inAnsenung des richterlichen Amt« , als in andern Dingen , sehr strenge gewesen , bemerket , daß von die -
sem die Leges tabeUariae gekommen wären , und daß dieftr Caßiu« gefragt habe , cui bono !
Caßius Longinus , ( Cajus ) einer von den Mördern Julius CäsarS , und derjenige , der zu einem von den Mitmö» dem aesagt hat : stoß zu , und wenn co mir durch den Leib gehen sollte " ! ist einer von den größten Mannern seiner Zeit ge . weien . Er ist War ein wenig heftig gewesen , und ihm hat man die Rathschläge zuqesäMeben , welche den Brutus manchmal bewoaen . die Sachen über die Schnur zu treiben Er war ein großer Eptkuraer , und nichts destoweniger übte er die sichren eines ebrlichcn Mannes besser auö , und war in seinen Sitten unendlich ordentlicher , als die meisten Götzendiener . $r hat niemals Wein getrunken . Es ist niemand , der nicht wissen sollte , daß man ihm das Lob gegeben , daß er der letzte Römer Wäre << . Er ist mit der Junia^deS Brutus Schwester , verheiratet gewesen , und hat , wie es scheint , nicht viel Ursache gehabt
. . . aiauven dak sie sich allzu keusch aufgeführt ( A ) . Er war ein großerSoldat , und hat solches nach der Erlegung desTrassuS sebr wobl aeteiat . Die Parthcr drungen , ihren teieq zu verfolgen in Syrien , und schlugen die Belagerung vor Antiochia auf . Caßius schlug sie mit einer solchen Tapferkeit zurück , daß sie d , e Belagerung^aufheben mußten , und er machte so aeschlckte An - stallen , ihre Patteyen zu . schlagen , und . ihr ^riegsheer in gefährliche , und furzte Feinde nachthe , lige Oerter zu locken , daß er
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