Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13095

912 Iour .
Iis erat ( Iulianus ) , qitando fretus fecuritate vidtariae «aues , quibus vi & us necefiarius portabatur , incendit . Deinde feruide inftans im - modicis aufibus et mox merito temeritatis occifus , in locis hoftilibus cgenum reliquit exercitum , vt aliter inde non poflet euadi , nili tra illud aufpicium Dei Termini , de quo fuperiore Iibro diximus , Romani iinperii termini mouerentur . CefTit enim Terminus Deus neceflitati , qui non «eflerat loui . Auguft . de Ciuit . Dei Libr . V , cap . XXI , p . m . 554 . ungleichen Libr . IV , cap . XXIX . Man sieht in diesen Worten des heil . Augustins den ganzen Fehler auf den Julian zurück geschoben , und außer diesem eine Spötterei , wider die heidnische Religion darüber , daß sich die Unbeweglichkeit des Gottes Terminus bey diesem Vorfalle verleugnet Hatte . Man sehe den Dionysius von Halikarnaß , im III B . XC1I Cap . Die Heiden hatten sagen können , daß man sich nicht verwundern dürfe , wenn diese Gottheit nicht zum Besten Jovian« gehandelt hatte , als der ei» Aufrührer wider die Götter Roms war : allein man hätte diese Ausflucht leicht widerlegen können ; denn es wäre allemal wahr gewesen , daß die Versprechung , welche der Gott Terminus , nach der Römer Vorgeben , gethan hatte , daß die Grenzen des Reichs niemals zurück gehen sollten , betrüglich gewesen wäre . Dieses ists nun , was der h . Augustin den Heiden hat beweisen wollen .
Man merke im Vorbeygehen , wie klug die Aufführung des alten Rom« gewesen ist : es hatte sich vorgenommen , zu erobern , und bey dergleichen Vorsähe hatte es nichts anders nöthig , als daß man dasjenige bey Schlie - ßung eines Friedens nicht wiedergab , was man im Kriege gewonnen hatte ; denn man mag immerhin Städte und Provinzen wegnehmen , die - fes wird einen nicht größer machen , wenn man durch die Friedensbedingun - gen verbunden ist , sie wieder zu geben . Die Römer , um ihr Vorhaben , ein weitläuftiges Reick ) zu stiften , glücklich auszuführen , haben ihre Heerführer , theils durch Dewegungsgründe der Ehre , theils durch Reli - gionsserupcl dahin vermocht , neue Länder zu gewinnen , und die einmal gemachten Eroberungen nicht wiederfahren zu lassen . Sie haben denjeni - gen das Siegesgepränge nicht verwilliget , die nur wieder eroberten , was der Feind genommen hatte , ( Siehe die Anmerkung ( B ) ) und sie gaben zu verstehen , daß man die Religion des Gottes Terminus , und feine heil . Vorsorgen ( Siehe den heil . Augustin , de Ciuit . Dei Libr . IV , cap . XXIX . ) schänden würde , wenn man die Grenzen des Reiches te . Die Türken , welche sich weitläustige Eroberungen , und die tung eines großen Reiches vorgesetzt hatten haben sich der Hülfe der Re - ligion viel deutlicher bedient : denn sie haben gefaget , dieselbe erlaube nicht , daß eine Stadt , wo eine Mosch« gewesen wäre , ihren ersten De - sitzern wieder gegeben würde . Diesenvegen haben sie geeilt , in ihren neuen Eroberungen Moscheen erbauen zu lassen . f Hierdurch haben sie sich verpflichtet , dieselben bey erfolgtem Frieden zurück zu behalten , und die Statthalter einer Stadt verbunden . dieselbe aus einem GewWns , gründe mit einer ausierordemlicben Hartnäckigkeit ju verrheivi , gen . Ricaut , Etat pre'fent de 1' Empire Ottomann . Livr . II , chap . III , p . m . 320 . Allein sie haben vor kurzem die Umuchlichkeit dieser feinen Staatskunst erfahren . Der >698 zu Carlowitz geschlossene Vertrag hat sie eben derselben Spötterey bloßgestellt , die der heil . Augustin wider den Gott Terminus der Römer gebraucht hat , welcher der Nothwew digkeil unter dem Kaiser Jovian hatte weichen müssen . Der Sultan ist gezwungen gewesen , den christlichen Prinzen unzahlige Platze ten , welche Moscheen gehabt haben . Man hat ihm vergeblich vorgestellt , daß dieses eine Sünde wider die Grundsätze seiner Religio» wäre ; er hat sie überschreiten , und aus Weyen Nebeln das ärgste vermeiden müssen .
( E ) Sr ist sehr lang von Person , eifrig für die Rechtglaubig« keil ? aber dem tPeme und der Unkeuschheir sehr ergeben sen . Z Hier ist sein Bildniß von der Arbeit eines heidnischen Historien - schreiberS . Amin . Marcell . Libr . XXV , zu Ende p . m . 443 . Incedebat motu corporis gram , vidtu laetiffiino , oculis caefus . vafta proceritatc et ardiia , adeo vt diu null um indumentum regiiim ad menfiiram eins aptum inueniretur . Et aemulari malebat Conftantium , agens feria quaedam aliquoties poft meridiem : iocarique palam cum proximis adfuetus . Chriftianae legis idcm ftudiofus , et nonnumquam hono - rificus , mediocriter eruditus , magisque beneuolus , et perpenfkis , vt apparebat ex paucis , quos promoiierat , iudices elechirus : edax tarnen , et vino Venerique indulgens : quae vitia imperial ! verecundia forfi - can correxiflet . ZonaraS , der ein Christ und Mönch gewesen , hat die vornehmsten Züge dieses Bildnisses abgeschrieben , wenn er von diesem Kaiser redet , ö nb 'ioßmvo ; , saget er , ? » * « ? > rd Soyn»
IcyuboSiA> ) { . oivu } ' iJrofTO vji / ittyfoiislw , »V rSjv tS aüfurtot ivaif« . ftiji , «ipi'x * c , >« / ' u'x Srii ( o ( . Iouianiis quidem religiofii *
fuit erga Chriftianam fidem , et beniiiolus . Vino tarnen , Vefierique indulgens . Procerus ftatura , nec litterarum expers . Hier ist also ein sehr andächtiger Kaiser , die Lehren betreffend , aber seh» versoffen und verhurt . Er hat vor Besteigung des Throns zwo starke Proben seine« Eiftr« für das Evangelium gegeben ; denn I , hat er sich sehr geneigt be - zeuget , eher sein Amt , al« feine Religion , fahren zu lassen , ( Socr . Libr .
Ipern .
III , cap . XXII . ) als Julian befahl , daß die Bedienten bey den Solda - ten , entweder das Heidenthum annehmen , oder ihre Bedienung verlassen sollten . Zum II , hat er das Kaiserthum nicht eher angenommen , als bis er sich fiir einen Christen erklärt harte , und keine Heiden commandiren wollen , bis die Soldaten erklart hatten , daß sie Christen wären . Er hatte also die Stärke gehabt , aus Liebe gegen Gott , nicht allein ein kleines Amt nieder zu legm , sondern auch der höchsten Würde abzusagen , die auf der Welt war . Er war vermögend , seine Religion dem ganzen römischen Reiche vorzuziehen : allein dieses so starke , so reine , und so zarte Gewissen in diesem Stücke , hat ihn nicht bewogen , dem Weine und dem Frauen - zimmer abzusagen . Er konnte wegen der Religion alles verlassen , bi« auf diese zwey Dinge . Was für eine seltsame Abwechselung ! und was für eine Verbindung des Guten und Bösen in einerley Herzen ! Alle Jahrhunderte zeigen unzählige Leute , die wegen ihrerReligion ins Elend gehen , welche Gürer , Aemter , Aeltern , Freunde verlassen , und der Venu« und dem Bachus nicht absagen können . Man glaube nicht , daß Jo - vians Rechtgläubigkeit unvollkommen gewesen ; nian kann überzeuget seyn , daß er vollkommen gewnßt , daß die Trunkenheit und Unkeuschheir von Gott verbothen sind , und daß eben dieselbe Religion , welche die Heid - nische Abgötterey verdammer , auch die Ergebenheit gegen den Wein und das Frauenvolk verdammet hat . Man merke , daß er eben so ein großer Esser als Trinker gewesen , und man saget , daß er wegen allzustarken Es - sens gestorben ist . Multi exanimatum opinantur nimia cruditate : in . ter coenanduni enim epulis indiilferat . Eiitropius , Libr . X , zu Ende . Man sehe auch den Ammian Mareellin , Libr . XXV , pag . 443 . Man hat noch andere Ursachen seines TodeS angeführet . Ätii odore cubiciu Ii , quod ex recenti teöorio calcis , graue qiiiefcentibus erat : quidarn nimietate prunariim , quas graui frigore adoleri multas iufierat . Ebend . Der Dunst einer allzuheißen Stube , das Gift ( Siehe Valef . in Ammian . Mareellin . ) u . d . m . ; allein diese letztere ist von den Christen selbst an - geführet worden . £T«Af< / rif«v , ii cKptiSiftfev , u { Tivfs Afyuri , JsiTvif - exi , * 1 ixi riit * cluijt tb oUvuixth . Obiit fiue quod intemperantius , vt quidarn aiunt , coenauerat , feu prae odore cubiculi . Sozomen . Hift . EccleC Libr . VI , cap . VI . Hat man auf die Muthmaßung des Histo - rienfchreibers Marcellins Acht gegeben ? Er hat gesaget , daß Jovian viel - leicht in Betrachtung seiner kaiserlichen Würde , die Unordnungen seines Mundes , und seine Unkeuschheir verbessert haben würde . Dieß heißt vernünftig reden , ob es gleich , wenn man die Sachen nur obenhin und nach etlichen Erfahrungen betrachtet , nicht scheint : daß die oberste Ge - walt eine gute Schule der Nüchternheit und der Enthaltung für diejenl -
? en seyn kann , welche von Natur die groben Wollüste lieben , und daß sie ingegen viel fähiger scheint , die Krankheit zu vermehren , als zu heilen ; da die Mittel , seine Wollüste zu vergnügen , viel größer , und in größerer Anzahl sind . Allein , wenn es wahr ist , daß eine Uebermaße der Tafel den Jovian ums Leben gebracht , und wenn dasjenige , was man im SuidaS findet , nicht fabelhaft ist , fo wäre Marcellins Muthmaßung sehr zweisel - hast . Suidas , in'i - jZ - - ^ , erzählet , daß Jovian auf Anstifte» seiner Gemahlinn , einen sehr schönen Tempel , welchen Hadrian dem Trajan ge - weiher hatte , und die Bibliothek verbrennen lassen , die der Kaiser Julian gestiftet hatte . Er fetzet dazu , daß JovianS Beyschläferinnen dieselben selbst in Brand gesteckt und darüber gelacht haben . Diese That gleichet sehr der Ausschweifung Alexanders , und der Hure Thais , da er die Stadt Persepolis verbrennen lassen . Q , Curt . Libr . V , cap . VII .
( F ) i£t hat nicht verhindern können , daß die wahren tungen , - - nicht den falschen Zeitungen zuvor gekommen rvaren , die er überall auszustreuen verordnet hat , die Vorchei - le ja verheelen , roelche die Perser erhalten hatten . ] Dieß ist einer von den nützlichsten Kunstgriffen der Sraatskunst . die Unterthanen mit falschen Erzählungen zu bekriegen , wenn man keine guten Zeitungen be - kannt zu machen hat . Siehe zu Ende dieses Wörterbuches die tion über die Pasquille , in der Anmerkung ( B ) . Es ist schwer , ich kenne es , den Lauf einer bösen Zeitung aufzuhalten , wenn sie mehr al« zu wahr ist ; allein man thut dabey , was man kann . Jovian hat diese Staatslist nicht vergessen . Iuftum eft autem ad implenda haec per - re & uris , extollere feriem geftorum in melius , et rumores quaqua irent verbis diffiindere , concinentibus procindhim Parthicum exitu profpero terminatum . . - - Hos tabellarios fama praegrediens , index triftiorum cafuum velociffima , per prouincias volitabat et gen . tes ; maximeque omnium Nifibenos acerbo dolore perculfit , cum vr - bem Sapori deditam comperiflent . Ammian . Mareellin . Libr . XXV , cap . VIII , pag . 436 , 437 . Diese Worte Marcellins sind merkwürdig ; fama index triftiorum cafuum velociffima : sie geben zu erkennen , daß der Ruf niemals fo geschwinde läuft , als wenn er verdrießliche Begeben - Helten auszubreiten hat . In solchem Falle wird er mit allem Rechte verdienen , daß er so characterisirt wird , wie es geschehen .
Fama mal um , qua non aliud velocius vlluin ,
Mobilitate viget , viresque adquirit eundo .
Virgil . Aeneid , Libr . IV , Verf . 174 .
IoUV , dieser Artikel , der in unserm Entwürfe erschienen ist , wird zu Ende dieses Wörterbuches in einer Dissertation zu finden seyn , siehe Hippomaneo .
Ipern oder Wen : , eine bischöfliche Stadt in der Grafschaft Flandern , hat ihren Namen von einem Nüsse , der durch , fließt . Es ist anfänglich nur ein Schloß gewesen . Da es die Normanner verwüstet , so hat es derGrasBalduin , der II dieses Namens im 880 Jahre wieder erneuern lassen ; der Graf Arnoul hat es 901 mit Festungswerken versehen ; und Graf Balduin der III . hat es viele Jahre hernach vermehrt . Man hat von Zeit zu Zeit neue Vermehrungen gemacht , so daß die Stadt Apern 147z in ihren Mauern , 17z Ruthen einschloß , jede von 14 geometrischen Schuhen . Sie wurde 1373 von den Gentern undEnglän - dern 9 Wochen lang belagert . Ihre steinernen Mauern wurden 1388 mit Einwilligung Philipps des Kühnen gebauet Die Wollenmanufacturen und Farbereyen waren zu Ende des XII Jahrhunderts daselbst in sehr gutem Stande , wie es aus dem Zeus - nisse Wilhelms des Bretannierö erhellet * . Die Franzosen nahmen sie 1648 , und verlohren sie das folgende Jahr . Sie nah - men dieselbe 1658 wieder , und gaben sie den Spaniern , durch den pyrenäischen Friedensschluß , wieder zurück ; sie nahmen sie 1678 noch einmal wieder , und sie wurde ihnen von den Spaniern bey dem Friedensvertrage abgetreten , der in demselben Jahrezu Nim - wegen geschlossen worden . Die^Streitigkeiten des Janftnismus haben den Namen der Stadt Ppern berühmt gemacht . Denn man redet nicht leicht von dem ^ansenius , ohne zu bemerken , daß er ihr Bischof aewefen . Die Verwandtschaft zwischen dieser Stadt und den Jrrungm der ^ansenisten mit den Jesuiten , hat sich durch dieses Mittel der ganzen Welt bekannt gemacht ; und hiervon kömmt ohne Zweifel der Einfall , darauf ein vorgegebener Brief des Königes von Frankreich an den Arnauld gefchmie - dct worden ( A ) , der in dem Lager vor Ypern 1678 unterschrieben ist . Es sind viel« Abschriften von diesem Briefe herumgegan -
sen ,

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