Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13080

Zoviailus .
9u
ob amplificata regna triumphalis gloria firnfle delata . Vnde P . Sci - pioni ob rccuperatas Hifpanias , Fuluio Capua poft diuturna certami - na ftiperata , et Opimio poft diucrfus cxitus praeliorum , Fregellanis tunc interneciuis hoftibus ad deditionem compulfis , triumphi funt denegati . ] d etiam memoriae nos veteres doccnt , in extremis cafi - bus ich cum dedecore foedera , poftquam partes verbis iurauere conceptis , repetitione bellorum illico dilioliita : vt temporibiiS pri - fcis apud Furcas Caudinas fub iugum legionibus miffis in Samnio , et per Albinum in Numidia fcelefte pace cogitata , et audtore turpiter paäionis feftinatae Mancino dedito Nnmantinis . Man merke , daß die Anmerkung ( D ) , als eine Folge von dieser betrachtet werden muß ; denn ich habe daselbst untersuchet , ob Eutropius und Ammian Marcellin alles haben bejahen können , was sie vorgeben .
Die gewöhnliche Neigung der Völker , in Ansehung der Friedensschlüsse und des Rricgcs .
Wenn man dasNaturel der Volker , und den Zustand ein wenig erwä« get , darinnen sich damals die Christen und Heiden befunden , so wird man leicht glauben , daß sich der Kaiser Jovian verhaßt und verächtlich , und zum Gegenstande vieler Satiren gemacht habe . Das Volk fürchtet und hasset den Krieg ; es liebet und wünschet den Frieden : Dieß geschieht aus gutem Grunde ; denn es muß die vornehmsten Beschwerlichkeiten des Krieges ertragen : allein gleichwohl betrübet es sich auch über einen Friedensschluß , der der Nation schimpflich ist , und sie einer Grenzfestung beraubet , die es in Sicherheit setzte , und seinen Nachbarn furchtbar mach - te . Die Siege und Eroberungen erfüllen die Herzen , auch so gar der al - lerärmsten Bauern mit Freude , und machen die Last des Krieges viel er - traglicher . Man vergißt die Schätzungen und die Menge von Auflagen viel besser , wenn man das Glück der Waffen , und die vortheilhaften De - dingungen eines Friedensschlusses sieht . Zedermann nimmt seinen An - theil an dem Ruhme der Nation ; allein der Gedanke , daß die Feinde hoch - müthig , schnöde und zanksüchtig werden , wenn sie den Krieg durch einen erwünschten Frieden geendiget haben , schlägt sie vor Verdruß uiidAerger - niß darnieder . Solleo , saget man , dergleichen Lasten und Unkosten zu nichts dienen ? u . s . w . Man sehe oben in den Anmerkungen ( C ) ( G ) CH ) des Artikels - Heinrich der II , imgleichen in der Anmerkung ( ? ) des Artikels - Heinrich« des IV , das Murren der Franzosen wider den Frie - den vonCateau . Niemals haben sich die Unterrhanen mehr im Stande befunden , dergleichen Widerwillen ausbrechen zu lassen , als unter Iovi - ans Regierung . Der Nacheifer unter den Christen und Heiden war groß . Diese hatten einen Kaiser verlohren , den sie liebten , und von dem sie große Dinge erwarteten : sie hallen sich mit der Hoffnung geschmei - cheli , daß sein Kriegszug wider die Perser nützlich und rühmlich seyn würde , und sie sahen , daß , da ihn der Tod dieser schönen Siege beraubt , man ihm einen christlichen Prinzen zum Nachfolger gab , unter welchen die Geschäffte in einen elenden Zustand geraten waren . Wider einen solchen Prinzen murren , ihn tadeln , und ihn mit Stachelschristen durch - ziehen , hieß vielen Leidenschaften zu einerley Zeit Genügen thun ; dieß hieß den Ruhm Julians vermehren , dieß hieß die Christen beschämen , dieß hieß dem Götzen der politischen Eitelkeit und des Religionseisers opfern . Man hqt nicht ermangelt , nach den Trieben aller dieser Grundsätze zu handeln : man hat zur Beschimpfung IovianS Verse und Parodien ge - macht S . den Suidas iv 'loßwü . Die Spötter von Antiochia haben sich hauptsächlich hervorgethan ; sie haben Schmähschriften wider ihn auf den Straßen ausgestreuet ; sie haben einige andre angeschlagen : sie haben ihn lächerlich gemacht , indem sie etlicl>e Stellen der Jlias auf ihn gedeutet , tmd unter andern diese aus dem III D . zy B wo Paris von seinem Bru - der Hektor so heftig angefahren wird , und aus dem II B . 26 , B . wo Ulysses dem Thersites drohet , ihn nackend auszuziehen und schimpflich wegzujagen .
Li ßil iyu as Aatjav , & xi fiiv Qltot tlugra Sven
XAaiVavT' , M 3s , T« r uUü ä / x / xaA ( / TTH
Aöriv Si xAa / cvra Scfi« in } xt ? cat ätpijffu .
Nifi ego te captutn , et caris veftibus exuam ,
Laenaque et tunica et veßibus quae pudenda circumtegunt ,
Ipfum vero te plorantein celeriter ad Perlas remittam .
Eine alte Frau , welche sah , daß er groß und schön war , und erfuhr , daß er weder Wik noch Verstand hatte , rief aus : Seine Narrheu , ft fo qrofi , als seine Gestalt , " o«v ßtäit titudo et prufunditas eft huius corporis , tanta etiam eft aus ßultitta . tzzuidas , der uns alle diese Dinge belehret , hatte bereits gesagt , daß dieser Kaiser nichts verstünde ; daß er nicht die geringste Zucht gehabt , und daß er durch seine schändliche Nachläßigkeit alles verderbet , was ihm die Na - tur gegeben hätte . 'a^thtc« « «v . iyi / «rnw »www« ! w i» » ? * « Sth fiSuixlav ifnaCf» vjf »faiv« ? «» . Sed mellitus et docirinae plane expers : quam ne guflarat quidem . Quin etiam quod habebat jneenium , id per ignauiam obfeurabat , et delebat . Eutropius und Ammian Marcellin reden nicht auf diese Art . Vir alias neque iners Sie tmprudens . Eutrop . Libr . X zu Ende . Die Ausdrückungen des andern wird man in der Anmerkung ( E ) zu Anfangesehen .
( C ) Er har nicht zugeben wollen , zur Vernichwng der Letten Gewalt zu gcbrauclien . Z Der Philosoph ThemistiuS giebt . hm ein Lob , das nicht mit den Geschichten übereinkömmt , die man m der Sm * chenhistorie findet . Er lobet ihn , daß er allen Menschen erlaubt habe , Gott zu dienen , wie es ihnen gefiele ; und daß er dadurch der Unbestän , diakeit derjenigen Schmeichler Einhalt gethan , welche die Religion änderten , iiachdem die Kaiser heidnisch oder christlich waren ; Leute , die " mit dem Euripus vergleicht . Siehe Fenkes diverfes für les Come - f'L »44 - «« " ( ^4« ßut . tia , «C rä «> , « * 3 ? » ( » * »»«
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V . slxtet vCv f t« Statyl . Imperatorem magnis effert laudibu» , ob id
oJTj , SSe übera facultate cofendi nuininis prout vellet , quod concel q coinnreflerit . Qiios quidem facete perftnngens , adiUatorum more P elTe . ilIos non Deum fed purpuram colere :
nen : unterdessen berichtet uns der Geschichtschreiber Sokrates im XXIV Cap . daß alle Tempel der Heiden verschlossen worden , und daß sich die Ab - götter einiqe an diesem , die andern an einein andern Orte versteckt hat - ren - daß die Philosophen ihre Kleidung abgelegt , und daß die Opfer , die unter dem Kaiser Julian so häufig gewesen , aufgehört hätten . Man muß also sagen , daß sich Themistius einer Hyperbole bedient hat , die bloß aus IovianS Mäßigung gegen die Ketzer gegründet , und vielleicht eine qe - schickte Ermahnung war , sich gleicher Duldung gegen alle Religionsarten zu gebrauchen . So viel ist gewiß , daß dieser Prinz , der von allen lichen Seeten gesucht worden , ( denn jede wollte ihn gewinnen , ) sich für die rechtgläubige Parrey von der Consubstantialirät erklärt hat ; ( 25 Cap . ebend . ) allein er hat die Bitte nicht gebilliget , diejenigen von ihren Kir - chen zu verjagen , die eine andre Meyniiiig halten , und geantwortet , daß er die Streitigkeiten hasse , und die Liebhaber der Einigkeit liebe und hoch schätze . Er hat sich vorgenommen , alle Spaltungen der Kirche , durch Gelindigkeit und Sanftmuth zu dämpfen : dieserwegen hat er zu verste - hen gegeben , daß er niemand verfolgen , aber diejenigen vornehmlich lie - ben und ehren wurde , die viel Eifer für die Herstellung des Friedens zeig -
teN . '0 ßxeiMv ; nqtöiaii i ? xi , koAaxela xtiäol rfiv >y
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gä - ovrxc . Caeterum Imperator id fibi propofuerat , vt diflidentium lurgia blanditiis et leni verborum perfuafione extingueret ; aiebat - que fe nemini omnino qualiscunque fidei eflet , nioleftiam exhibitu - rum : eos tarnen prae caeteris aniaturum atque in pretio habittirum qui reparandae , in Ecclefia pacis , auäorcs ac duces fe praeberent ! Ebend . 204 , aoj S - Wir wollen bemerken , daß er ei» scharfes Gesetz wider diejenigen gemacht , welche Nonnen zur Ehe begehren , oder sie un - züchtig ansehen würden : denn er hat verordnet , daß sie am Leben gestraft werden sollten . Lib . VI , c . 3 . Er ist zu dieser Strenge bewogen wor - den , die Kühnheit im Zaume zu halten , die man unter der Regierung Ju , lians gehabt , die Nonnen zu heirathen , und sie bald durch Gewalt^ bald durch Ueberredung zu verfuhren .
( v ) Einige Schriftsteller sagen , daß die Romer vor ihm nie' mals da» geringste Stücke des Reiches durch einen Friedens - schluß abgetreten hätten . ^ Die Stellen des Eutropius und Ammian Mareellins , die ich oben in der Anmerkung ( B ) angeführt habe , sind ein offenbarer Beweis , daß man diese Sprache geführt har . Casaubon giebt in Kot . ad Spartian . Vit . Adriani c . 5 , p . m . 47 , vor , daß diejenigen , die also geredet , eine Unwahrheit vorgeben : er gründet sich darauf , daß der Kaiser Hadrian drey Provinzen fahren lassen , ( siehe oben die Anmerkung ( G ) zu dem Artikel Hadrian ( PubliuS Aelius ) ) . Und daß Dioclelian die Grenzen seines Reiches enger gemacht hat . Diocletianus . . . Augufti praeeeptum Hadrianique exemplum fecutus , imperii fines , meridie fupra Aegyptum aretauit : Auftor Procopius in Perficis . Idein Imperator reliquit et Daciam a Traiano conftitutam , fublato exercitu et prouincialibus : defperans eam poJJ'e retineri , Vopifcus ait Allein ValefiuS in Anim . Marcellin . Lib . XXV , c . 9 , pag . m . 439 , 440 , zeiget einen großen Unterschied unter demjenigen . was diese zween Kaiser gethan . und unter dem , was Jovian that . Dieser hat Provin - zen durch einen Friedensschluß , und statt einer Art der Bezahlung eine« Lösegeldes abgetreten ; die andern haben ein Land freywillig verlassen , das allzuviel zu beschützen kostete : dieses hieß den Begriffen der Klugheit folgen , und nicht , wie Jovian , sich den Gesetzen des Üeberwinders unter - werfen . Man hat aljo nicht Ursache gehabt , Marcellins Worte zu ta - deln , wie sie Casaubon , Lindenbrogh , in Amm . Marcell . und Leonhard Co - quäus , in Aueuft . deCiult . Dei , Lib . IV , 0 , 19 , getadelt haben : und es ist gewiß , daß Jovian eine Neuerung eingeführt hat . Alle Welt gesteht , daß sie schimpflich gewesen . Poft . - - pudendae pacis ich foe . dera , Amm . Marcell . Lib . XXVII , c . 12 , ( iehe auch den AgathiaS , Lib . IV , den Sokrates , Lib . III , c . »2 , den Zonaras u a . m . Die Christen und Heiden haben nicht darüber gestritten : sie sind nur in Ansehung der Rechtfertigung diese« Kaisers unterschieden . Die Christen haben gw beitot , ihn des Schimpfes zu entledigen , und die Heiden , ihn damit zu be» legen . Wir haben oben in der Anmerkung ( ö ) gesehen , daß ihn ein Heid , nischer Historienschreiber getadelt , nicht daß er in den Friedensschluß ge» williget , sondern daß er die Bedingungen desselben beobachtet hatte . Dieser Tadel ist ungerecht , und ganz und gar abscheulich . Wenn ihn die Nothwendigkeit verbunden hat , Friede zu machen , wie dieser Schriftstel - ler und alle andern es bekennen , so muß man ihn entschuldigen ; denn die Nolh hat kein Gesetz :
Neceflitas , cuiuS * curfus transuerfi impetum Voluerunt multi efFugere , pauci potuerunt .
Laberius , beym MacrobiuS , Saturn . Libr . II , c . VII . Siehe auch die Worte Horazens oben in dem Artikel des dritten Herzogs von Guise Ahm . ( A ) . Und wenn man ihn einmal wegen diese« Puncrs rechtfertiget , so fällt das übrige von sich selbst weg . Die genaue Beobachtung eines feyerlich beschwornen Friedensschlusses verdienet keine Verdammung . Ammian Marcellin ist ein viel gefährlicherer Tadler , al« Eutropius : er war ein Augenzeuge gewesen , uiid erzählet die Sachen , Libr . XXV , cap . VII , pag . 433 . so , daß er zu verstehen giebt ; es habe sich Jovian ohne Noth in diese Nothwendigkeit verwickelt , und daß die Verwirrungen , worein ihn die Perser versetzt , nicht so groß gewesen , daß er nicht lieber das Glü . cke der Waffen hätte versuchen , als sold , e schändliche Bedingungen ein« gehen sollen , die er annahm . Er beschuldiget ihn ganz rund der Furcht« samkeit , und daß er den Schmeichlern Gehör gegeben , die ihm Furcht ein« gejagt . Et cum pugnari decies expediret , ne horum quidquam dede - retur : adulatorum globus inftabat timido Principi , Procopii nietuen , dum fiibfcrens nomen , eumque adfirmans , nifi rediret , cognitoIuliani interitu , cum intaflo milite , quem regebat , nouas res nullo renitente facile moliturum . Hac perniciosa verborum ille adfiduitate nimia fuccenfus ; fine cundlatione tradidit omni , quae petebantur . Ebend . 434 S , AgathiaS im IVB . mißt ihm eben diese ! beSchwachheit ziemlich deut - lich bey . Die Christen beobachten , zu Jovianö Entsd ? »ldigung , sorgfältig , daß Julian der Abtrünnige die Hauptursache diese« ganzen Unglücks gewe« sen , weil seine Verwegenheit so groß war , daß er alle Schiffe verbrenne» lassen , die zur Ueberführung der Lebensmittel hätten dienen können ; denn davon ist die grausame Hungersnoch entstanden , die den Jovian gezwungen , sich so schimpflich zu vergleichen . Siehe die zweyte Rede de« Gregoriu« von Nazianz wider Julian den Abttünnigeii . Imgleichen den Svkrate« , Lib . III» c . XXII . p . 19Ä . Cuiui vani» deditiu oracu .
Iis

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