Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13017

Jonas . Jemandes . Joubert .
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Jonas , ( Arngrimus ) ein Isländer von Geburt , hat sich im XVI und XVII Jahrhunderte durch die Werke schätzbar ge - macht , die er herausgab . Er war 1644 noch am Leben , und über neunzig Jahre alt Er hatte sich nur vier^ahre zuvor der mit einem jungen Mägdchen verheiratet . Er war gelehrt , und ein ehrlicher Mann , und unter den Gelehrten m großer Hochachtung . Er war Coadjutor des Gundebrand von Torlac , Bischofs von Hole in Island gewesen h . Dieser Gunde - brand war ein Isländer , ein sehr gelehrter und redlicher Mann c . Er war ein Schüler des Tycho - Brahe gewesen , und verstund die Astrologie gut . Nach seinem Tode schlug Arngrimus das Bischofthum von Hole ab , das ihm der König von Dannemark geben wollte * : er bath diesen Prinz , ihn duinic zu verschonen , sowohl uni sich dem kleide zu entziehen , alo seinen Studien mit mehrerer Müsse obzuliegen . Die Bücher , die er heraus gegeben hat ( A ) , sind meistentheils , entweder Historien , oder Beschreibungen von Island , oder Schußschriften für seine Nation . Bleffenius hat viel nachtheilige Dinge davon gesagt , theilö in Ansehung der Zauberkünste ( B ) , theilö in Ansehung der Unkeuschheit ( C ) . ArngrimuS hat ihn widerlegt .
Er ist 1649 gestorben - . Er ist Pastor der Kirche zu Melstadt , und Aufseher über die benachbarten Kirchen des Kirchen - sprengelS von Hole gewesen / .
a ) La Peyrere , Relation de l'lslande , p . yy . jfi . b~ ) Ebendas . 55 S . 0 Ebendas . 5 und 55 1 Mollerus , Hypomnem . ad Albert . Bartholinuiti de Scriptis Danorum , p . 164 . f ) Ebendaselbst .
„ lvas ihnen die Jßländer bringen . Die Mägdchen , die in dieser Insel sehr „ schön aber übel bekleidet sind , besuchen diese Deutschen , und biethen sich „ denjenigen an , die keine Frau haben , bey ihnen für Brodt , für Zwie - „ back , oder für etwas ander« von geringem Werth ? zu schlafen . Die Vater selbst biethen den Fremden ihre Töchter an ; und wenn sie fchwan -
< / ) Ebendas . 55 S . - ) Siehe den
( A ) Die Bücher , Sie er herausgegeben hat . ] Hier sind alle die , jenigen , die ich in den Verzeichnissen Albrecht BartholiuS de Script» vanorum PSA . 12 . gefunden habe . Idea veri Magiftratus , zu hagen , 1589 , in Ort . Breuis Commentarius de Islandia , ebendas . 1593 in 8 . Anatome Blefkeniana , zu Hole in Jßland , 1612 , in 8 . und zu Hamburg i5i8 , in 4 , Epiftola pro patria defenforia , ebendas . 161z . ÄxorSlßv , Calumniae ebendas . 1622 , in 4 . Chrymogaea ( es sollte heißen Cryniogaea ) feu Rerum Islandicarum libri tres , Ebendas . 1630 , in 4 . Vita Gtidbrandi Thorlacii , ebendas . 1630 , in 4 . Specimen Islandiae Hiftoricum , et magna ex parte Chorographicum , zu Amsterdam , 164 ? , in 4 .
Ein gelehrter Mann , der den Traetat Albrecht Bartholins mit histo - tischen und eritischen Vermehrungen herausgegeben hat , belehret mich , daß die Anatome Blefkeniana die Widerlegung eine« Buchs ist , welches 1607 zu Leiden gedruckt worden , und betitelt ist , Islandia feu Defcriptio popnlorum et meniorabilium huius Infulae , und daß die Crymogaea 160^ geschrieben , und 1609 zu Hamburg , mit der Landkarte von Danne - mark , und 1610 ohne diese Landkarte gedruckt worden ; daß dasfpecimen Islandiae Hiftoricum eine Schuhschrift für dieMeynung des Verfassers , wider die Gründe des Johann Jsaaeius PonranuS enthalt . Unser Arn - grimus Jonas hat behauptet , daß Jßland erstlich um das 874 Jahr be , wohnet werden , und also nicht das alte Thüle sey . Aus des Mollerus Hyponw . ad Barthol . de Scriptis Danorum , pag . 16 ; , 166 . Pontanu« hat sich ein wenig verwundert , daß Arngrimus Jonas die Vertheidigung einer Mymmg unternommen hat , die Jßland weniger rühmlich ist , als die gegenseitige Meynung ; gleichwohl hat er von diesem gelehrten Jßlander mit aller Höflichkeit und Hochachtung geredet . Man sehe den Brief , den er den ersten des Heumonats 1638 an den Stephanius geschrieben hat . Es ist der m unter denjenigen , die Matthäus 1695 zu Leiden hat drucken lassen . Man sehe die 325 Seite dieser Briessammlung und auch die - 10 S . Mollerus giebt uns auf der 166 S - die Titel etlicher Werke unser« Jonas , die vom Albrecht Bartholin vergesien worden sind , tmd 5avon einige das Licht gesehen haben , und die andern nur im Manu - si . - ripte da sind .
( B ) Blefkenius hat viel nachtheilige Dinge von Jßland gesa get , rbeils in Ansehung der Zauberkünste . - - - ] Blefkenms Jaget , daß die Jßländer den Wind verkaufen , und daß er es erfahren ha - he . La Peyrere , Relat . de 1' blande pag . 18 . Arngrimus spottet ber ; denn er saget , „ daß der ißländische Bootsmann des Abends aus „ der Beschaffenheit der Lnst erkenne , was den folgenden Tag für Wind
und Wetter seyn werde ; und daß , wann er muthmaßet , daß solcher «Wind seyn wird , als der Reisende zu seiner Abreise erwartet , er densel - „ den besuchet , und sich verbindlich machet , ihm den Wind zu verkaufen . I , Dieses thut er auf folgende Art . Er fordert von dem Fremden fem „ Schnupftuch , in welches er , zum Scheine etliche Worte murmelt , und „ das Schnupftuch eiligst zuknöpfet , als wenn er sich fürchtete , daß seine „ ausgesprochenen Worte davon fliegen möchten . Siehe Carl Ogiers „ Erzählung davon , 433 S . seiner pohlnischen Reise . Hierauf giebt er „ ihm da« zugeknüpfte Schnupftuch , und empfiehlst ihm , dasselbe ) o , wie „ er es erhalten , zu bewahren , mit der Versicherung , daß er seine ganze „ Reise über guten Wind haben werde . Nun trägt es sich manchmal zu , „ daß der verkaufte Wind den folgenden Tag wehet ; allein am allerofter , „ sten , daß sich eben derselbe Wind verändert , nachdem der Fremde abge - „ reiset ist , und sich in offener See befindet . - - - Trägt e« sich un - „ ter hundertmalen einmal zu , daß der Wind den Fremden an den Ort „ aeführet hat , wo er hin verlangt : so bestätiget diese« einzige mal , den » . Jrrthum , gegen hundert andere widerwärtige Erfahrungen . Und der „ Jrrthum wird durch denjenigen ausgebreitet , der öffentlich saget , weil „ er es so glaubet , daß er den Wind in Jßland gekauft , und daß ihn die - „ ser Wind glücklich nach Hause gebracht habe . „ Eben dieser Blefkenius erzählet pag . z , . daß es Hexenmeister inJßland giebt , welche die Macht haben , die Schiffe in offener See und in vollem Segein aufzuhalten ; er erzählet auch , daß diejenigen , die aufgehalten werden , sich statt der Ge - genhexerey gewisser stinkenden Rauchereyen bedienen , davon er die Be - schreibungen machet ; mit diesen , saget er , vertreiben diejenigen , welche aufgehalten werden , die Teufel , welche sie zurück halten , und die von der Zaüberey befreyten Schiffe setzen ihren Lauf fort .
( L ) - - - Theils in Ansehung der Unzucht . Z „ Blefkenius „ saget , daß die Deutschen , welche nach Jßland handeln , nahe an den Hä - „ fen Zelte ausschlagen , wo sie gelandet haben , und daß sie daselbst ihre „ Waliren auskramen , welche in Mänteln , Schuhen , Spiegeln , Messern „ und andern Tändeleyen bestehen , die sie gegen dasjenige vertauschen ,
„ ger geworden , so ist dieses eine große Ehre . Denn sie sind in größerm An« „ sehen , und werden von den Jßlandern mehr gesucht , als die andern , „ und es ist ein recht Gedränge um sie . Wenn die Jßländer von den „ fremden Kaufleuten Wein oder Bier gekauft ( das ist , umgetauscht ) ha - „ ben : so bitten sie ihre Anverwandten , ihre Freunde , und ihre Nachbarn „ zusammen , beyderley zu trinken ; und gehen nicht eher auseinander , als bis „ alles atlsgeleert ist . Sie singen , beym Trinken , die Heldenthaten ihrer „ Feldherren - - - Es ist eine UnHöflichkeit bey ihnen vom Tische „ aufzustehen , wenn sie trinken , um sein Wasser abzuschlagen . Die Töch - „ ter , welche in diesem Lande nicht häßlich sind , wie ich gesagt habe , krie - „ chen unter den Bänken herum , und biethen den Trinkern das Kammer - „ decken an . Arngrimus hält diese Schrauberey für einen Betrug , und Jo - „ naS fährt sehr zornig wider den Blefkenius wegen des Schimpft heraus , „ den er der Ehre der ißländifchen Jungfern erwiesen haben soll . Der „ gute Mann kann nicht leiden , daß man verächtlich von seinen Land ? 6« „ leuten redet , und daß man sie für Barbarn ausgiebt . , , La Peyrere , Relat . d'Islande , pag . 23 , 24 . Wenn die Heftigkeit jemals einem Verthei - digungsschreiber erlaubt gewesen , so kann des Arngrimus seine nicht delt werden ; denn es ist keine Wahrscheinlichkeit , daß das Evangelium , welches seit so vielen Jahrhunderten in Jßland bekannt gewesen , diese« Volk in einer so lasterhaften Dummheit gelassen hätte ; noch daß , wenn die Religion so wenig Fortgang bey diesen Jnjulanern hätte , der König von Dänemark zugegeben haben sollte , daß sie ungescheut ihren Spott mit demjenigen trieben , was man dem öffentlichen Wohlstande schuldig ist . Die Gewohnheit der Gastgebothe scheint mir auch nicht richtig vorgekra - gen zu seyn : man hat die Sache vergrößert , ein Gelächter zu erwecken . Hat man jemals von einer solchen Bedienung , und von einer solchen Faulheit reden hören ? Hier sind Leute , die sich nicht allein nicht die Mühe nehmen wollen , vom Tische aufzustehen , zu pissen ; sondern die auch nichr einmal wollen , daß es ihnen die geringste Bewegung der Hand kosten soll . Hierzu führet uns das Mäbrchen ; warum würde man sonst fagen> daß dieMagdchen unter denBanken herumkriechend Man konn - te ja wohl ohnedieß den Gästen das Kammerbecken geben ; wenn es wel - ter auf nichts ankäme , als ihnen die Mühe zu ersparen , aufzustehen . Wenn alles wahr wäre , was uns Blefkenius gesagt - hat , so müßte man gestehen , daß die Eifersucht nicht unnützlich in der Welt wäre . Siehe die Nouvelles Lettres contre le Calvinifme de Maimbourg , 542 und folg . Seite .
Einwurf , der aus der Unverschämtheit gewisser Volker hergenommen ist .
Wenn es erlaubt wäre , zum Besten der Wahrheit zu lügen , fi> würde man alles leugnen müssen , was man von der Unverschämtheit gewisser Völker erzählet ; denn die Freygeister ziehen einen großen Vortheil daraus , daß es , saget man , gewisse Nationen giebt , die das unzüchtige Leben ihrer Frauen nicht mit der geringsten Schande verknüpfen . Die Isländer würden sich , nach des Blefkenius Erzählung , in diesem Falle befinden , ja gar noch weiter gehen ; denn sie würden die Schwangerschaft einer Tech - ter , die sich den Fremden Preis gegeben , als eine Ehre ansehen , und sie würden sich für sehr glücklich schätzen , wenn man das Anerbiechen annah - me , das sie Leuten aus einem andern Lande mit der Jungferschaft ihrer Töchter rhun . Wo ist also , würde man fragen , derjenige natürliche Trieb , ! der alle Menschen , das Gute und Böse entscheiden läßt ? Hier sind christliche Nationen , die nicht allein nicht das geringste aus der Keuschheit in der Ausübung machen , sondern die auch den Begriff davon verlohren haben : hieraus folget , daß ihrem Gewissen in diesem Stücke die Empfindung des natürlichen Rechtes fehlet . Ist dieses nicht ein Merkmaal , daß die Begriffe der Tugend von der Erziehung und der ein - geführten Gewohnheit , und nicht von einem natürlichen Eindrucke ab - hangen ? Und wie sind diese Leute zu heilen , weil ihr Gewissen tobt ist ! Denn wenn es möglich ist , daß das Gewissen bey den deutlichen Begrif - fen des Guten und Bösen eine unglückliche Sicherheit genießt ; giebt die - ses nicht unfehlbar zu erkmnen , daß diese Begriffe erloschen sind ? Es ist nicht nörhig , auf diesen Einwurf zu antworten , weil Arngrimus Jonas die Sache leugnet . Man muß alle diejenigen an ihn verweisen , die sich die Erzählung seines Gegners zu Nutze machen wollen . Und wenn sie erst unleugbare Geschichte anführten , alsdann würde es auch nicht an der Antwort fehlen .
, ein Gothe von Geburt , war gegen die Mitten des IV Jahrhunderts Bischof zu Ravenna . - - - - Sein Buch von der Historie der Gothen , welches ins Französische übersetzt worden , ist im 1703 Jahre zu Paris gedruckt , und dem nige von Schweden zugeschrieben worden
<0 Man sehe die Nachrichten von Trevoux im Jenner 1704 , Art . VI . französischer Ausgabe .
Joubert , Lorenz ) Rath und ordentlicher Arzt des Königes von Frankreich , und des Königes von Navarra , erster Dotf or re - cen8 , Kanzler und Richter der Universität zu Montpellier , war zu Valence imDelphinate den 6 des Christmonats 1529 gebohren a . Er ist ein Schüler des Silviuö zu Paris , und desArgentier jenseit der Alpen b gewesen , und hat sich durch die Vorlesungen , die er ,
als

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