Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4733

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Caßius .
denk Bertrand bekriegt sich , wenn er diese Ehre einem andern Caßius LonginuS beyleget ( ? ) : ich werde einen Fehler des Cor - raduö nicht vergessen ( 6 ) .
( A ) JTIan nennte feinen Richterstuhl die Xlippe der 2 ( n$u klagten . ) Wir haben diesen besondern Umstand nicht von dem Cicero , wie Julian Brodeau geglaubt hat , welcher hierinnen mit Recht und Bescheidenheit von dem Menage getadelt worden . Amoenitat . Iuris , cap . XLIII . pag . 420 . frankfurter Ausgabe von 1680 . Valerius mum in des III B . VII Cap . und nicht im IX , wie beym Menage , er - zählet denselben , dem Marns Antonius , dem Großvaters de« Triumvirs mehr Ehre zu erweisen . Er gieng alsQuästor nach Asim , als er erfuhr , daß man ihn wegen des Verbrechens der Blutschande für desPrärorsL . CaßiuS entsetzliclM Richterstuhl gefordert hatte ; für denjenigen Rich - ? uf ) l , den man fcopulum rcoruni genennt . Er säumte nicht umzu - kehren , und vor demselben zu erscheinen , ohne daß er sich der Rechts - wohlthat bedienen wollte , welche verbiethet . . Klagen wider diejenigen a>u zunehmen , die Reipublicae caufa abwesend sind : und er ist frey chen worden . Siehe oben den Artikel ( Marcus ) Antoniu« , der Red - „ er . Ein Neuerer hat geglaubt , daß es der Prätor CajuS Aqvilius ge , wesen , dessen Richterstuhl die Klippe der Angeklagten genennt worden . Siehe Biblioth . Vniuerf Tom . XIII . pag . 121 . Dieser Aquilius ist zu gleicher Zeit mit dem Cicero Prator gewesen . Bertrand , in Vitis Iuris - conf . p . 223 . welcher die Lib . Topic . des Cicero anführet .
( B ) Man muß ihn von dem Lucius Caßius unterscheiden , ton welchem Cicero in dem Tractate , von vcn berühmten Red - nern , und im IIIB . von den Gcscyen redet ) Cicero beschreibt ihn auf eine solche Art , die uns klärlich zu erkennen giebt , daß er vom L , CaßiuS , dem Zunftmeister des Volkes im 6 , 6 Jahre , redet ; denn er eignet ihm den Tabellariam Legem zu , vermöge dessen das Volk seine Stimmen nicht mehr mündlich , sondern auf Täfelchen geschrieben , geben mußte , und welches unter dem Consulate des M . LepiduS , und des C . Mancinus eingesühret worden . Siehe denMereerus über denAlexan - der ab Alexandro , im III Cap . des IV B . p . m . 894 . Man darf nicht zweifeln , daß L Caßius , der im Zahre Roms 6 - 6 , Conful und 6 - 8 , Sit - temichrer gewesen , nicht eben derselbe wäre , der im 6 , 6 Jahre , Zunft - Meister des Volkes gewesen ist . ES scheint also nicht , daß er derjenige gewesen , dessen Richrerstuhl die Klippe der Angeklagten genennet wor -
Man müßte hierbey voraus setzen , daß er , nachdem er im 6 - 8
Jahre zur höchsten Würde der Republik gelanget n'äre , nach Verlauf von zwölf oder dreyzehn Jahren wieder zum Prätoramte herunter ge - stiegen feyn müßte ; weil der Prätor , von welchem Valerius Maximus , bey Gelegenheit des Proeesscs de« Marcus Antonius redet , dieses Amr ungefähr um« 640 Jahr Rom« bekleidet haben muß . Oder man muß - te voraus seken , daß dieser Schriftsteller die Bedienungen des L . Caßius nicht genau beschrieben haben müßt ? .
' Der P . Cantel , in seiner Auslegung über den Valerius Maximu« , in vfum Delphini , im III B , VII Cap , 179 und 18öS . saget etwas , ches alle Schwierigkeiten hebt , nämlich daß L . Caßius nach seinem Con - fulate und Censoramte , außerordentlicher weise zum Prätor ernennet wor - den ; weil er in dem Rufe stund , daß er sehr streng wäre , und daß er , auf die Verordnung des Volkes , die Gewalt erhalten , über die Verbrechen der Blutschande zu einer Zeit zu erkennen , da man sich beklagte , daß die Oberpriester allzu gelinde wider die vestalischen Jungfern verfahren wären , die wegen Unkeuschheit angeklagt worden waren . Das Uebelste ist , daß weder der Auszug de« Titus Livius , noch der Asconius Pedia - nus , welche der P . Cantel anführet , etwas davon sagen . Der Auszug des Titus LiviuS LXIII . bemerket nur , daß Aemilia , Licinia und Mar - tia , vestalische Jungfern , wegen des Verbrechens , der Blutschande ver - damml worden ; und daß man erzählet , wie diese Blutschande deganqen , entdeckt und bestraft worden . Ein schöne« Stück der verlohrnen Histo - rie' Jammer und Schade , daß wir hierüber nicht den ernsthaften und majestätischen Titus Livius lesen können ! Es ist auch Schade , daß man nicht alles weis , was Dio von dem Processe dieser Vestalinnen ge - sagt hat Wir haben etwas davon , in den Excerptis , welche im 1656 Jahre von dem ValesiuS herausgegeben worden , anf der 6 - 8 S . Allein wir wollen die Worte des Afconius Pedianus betrachten , welcher sich in einige Umstände , und vornehmlich wegen des L . Caßius einläßt . Zu der Zeit , saget er über die Rede des Cicero für den Milo , da Sextus
eeduciu» , der Zunftmeister des Volkes , den Gberpriester , iL .
7etellua , und das gan^e Collegium der Priester angeklagt , daß sie über die Blutschande der vestalischen Jungfern übel geunheilt , davon man nnr die einzige Aemilia verdammt ; die andern ; rvo aber , nämlich die Marti« und Licinia , freygesprochen balle : so trug das Volk dem L . . Caßius , einem Manne von großer Stren , ge , auf , die Sache dieser Jungfern von neuem ? » untersuchen ; welcher sie nicht allein alle beyde , sondern auch noch viele dre verdammte . Man glaubet auch , daß er dabey all ; « schar /
^^Aus^dic^r Stelle erbellet nicht , daß L . Caßius bereits Cvnful und Censor gewesen , noch daß ihm da« Prätoramt außerordentlicher weise aufgetragen worden wäre . Nichts destoweniger kann man daraus schließen , wenn man dem Buchstaben ein wenig zu Hülfe kommt , daß er damals von dem Volke eine außerordentliche und besondere Vollmacht erhalten , dergleichen in Frankreich die aufgetragenen Verrichtungen der großen Gerichtstaqe sind , oder wie Boucherats sein« im 1680 Jahre gewe , fen , welcher zum Vorsitzer bey den Giftmischer - und - Herenprocessen er , nennt worden . Er isttm 1685 Jahre zum Kanzler von Frankreich ernennt worden , und hatte bereit« verschiedene große Bedienungen besessen . Er ist im Herbstmonate 1699 gestorben . Wenn man also voraus sehet , daß sich Valerius Maximu« nicht wohl ausgedruckt , da er uns einen Mann für einen bloßen Prätor angiebt , der bereits die höchsten Aemter der Republik verwaltet hatte , und sich damals mit einer außerordentlichen Gewalt versehen sah , um bey wichtiqm Sachen den Vorsitz zu haben : so könnte man glauben . daß Lucius Caßius . welcher 6 , 6 Zunftmeister des Volkes , im 6 - 6 Jahre Consul . und 6 - 8 Jahre Censor gewesen , die Aufsicht bey den Untersuchungen der Blutschande , ums 640 Jahr gehabt haben , und des Redner« , Marcus Antonius , Richter gewesen feim kann . Nach denen Zügen , mit welchen ihn Cicero im XXV Cap . de« Brutu« , Tum L . Caflius multiim potuit not» eloquentia , fed dicen - do tarnen ; homo non liberaütate vt alii , fed ipfa triftitia et feueri - fate populäris , abschildert : so würde man eben nicht ungeschickt urthei - lcn , daß er sich den Ruhm erworben hatte , die Klippe der Angeklagten
zu seyn ; allein außer diesem ist die Strenge in seiner Familie eine so gewöhnliche Eigenschaft gewesen , daß man daraus nicht entscheiden kann , ob derjenige , der diesen entsetzlichen Ruhm gehabt , der Zunftmeister vom 616 Jahre , oder sein Sohn , oder sein Bruder , oder seines Bruderssohn , oder ein andrer Vetter gewesen ? L . Caflius ex familia tum ad caete - ras res , tum ad iudicandum feuerifllma . Cicero Verr . II . da er von einem Caßius redet , welcher zur Zeit des Processe« , von dem Verre« zum Tribun der Soldaten gemacht worden . Wir wollen diesem eine Stelle des Tacitus beyfügen : Ita dignum maioribui fuis et familia Caflla per illas quoque gentes celebrata . Tacit . Annal . Libr . XII . cap . XII . da er von einem Caßius redet , der auch bey Friedenszeiten in seiner Statthalterschaft Syrien die Kriegszucht gehandyabet hat .
Ob man weis , von welchem Caßius der Grundsatz , Cui bono , ist ?
Nicht weniger kann man diese Frage durch diese Anmerkung ent - scheiden , da nämlich Cicero , welcher etlichemal von dem Grundsatze , Cui bono , geredet , der von einem L . Caßius , einem sehr strengen Rich - ter , vermnthlich von demjenigen , dessen Richrerstuhl man die Klippe der Angeklagten genennt , eingeführt worden , niemals bemerket , daß er Consul oder Censor gewesen ; denn man kann antworten , daß , wenn bloß die Frage ist , die Eigenschaften eines guten Richter« zu erkennen zu ge - ben , e« unnützlich ist , seine andern Bedienungen zu bemerken : und außer diesem könnte man sagen , das Lucius Caßius , der Zunftmeister des Vol - kes im 616 Jahre , von welchem Cicero in seinem Tractate , von den be - rühmten Rednern redet , weder da« Consulat , noch da« Censoramt ver - waltet hat , weil Cicero nichts davon saget . Wenn man mich fraget , was ich für Grund habe , zu verlangen , daß der Grundsatz , Cui bono . von L , CaßiuS , der Klippe der Angeklagten , ist : so führe ich statt desselben diese schöne Stelle aus der Rede für den Roscius AmerinuS an : Luc . Caflius ille , quem populus Romanus veriflimum et fepientiflimum iudicem putabat , iaentidem in caufis quacrere folebat c vi bono f vi ss et ? ( Cicero machet eben diese Anmerkung in der Rede für den Milo , XII Cap . und Philipp . II , Cap . XIV . ) Sic vita hominum eft , vt ad raaleficium nemo conetnr fine fpe atque emolumento accede - re . Hunc quaefitorem ac iudicem fugiebant atque horrebant ii , quibus periculum creabatur ; ideo quod tametfi veritatis erat arai - cus , tarnen natura non tarn propenfu» ad mifericordiam , quam im» plicatus ad feueritattm videbatur . Ego . - facile me paterer vel illo acerrimo iudice quaerente , vel apud cass1anos Iudi - cet , quonim etiam nunc illi , quibus cauia dicenda eft , nomen ipfiutl yeformidant , pro Sex . Rofcio dicere .
Ob ein Consul zum Pratoramte herunter gestiegen .
Ich habe etwas gesaget , welches eine Ausschweifung erfordert : Ich habe voraus gesetzet , daß diejenigen , welche die höchsten Aemter der Republik bekleidet , nicht wieder zum Prätvramte herunter gestiegen , gleichwohl ist die Rückkehr zu diesem Amte , nach der Besitzung des Con - sulats , nicht ohneBeyspiel : allein unser Lucius CaßiuS gehöret nicht in diesen Fall . Man kam wieder zu demselben zurück , wenn man sich nach einer widrigen Absetzung von neuem empor zu bringen suchte . . Plu - tarch belehret uns dieses in dem Leben des Cicero , von dem Cornelius Lentulus Surs , welcher von der Rathsherrnstelle abgesetzt worden , nachdem er da« Consulat verwaltet hatte , und nicht in seine erste Würde wieder hergesteller wurde , al« bi« er da« Prätoramt zum andernmale verwaltet hatte . Dio bemerket eben dasselbe von diesem Lentulus , im XXXVIIB . Und im Xl . II B . bemerket er , daß Sallustiu« im 706 Iah - re Rom« , surn Prator gemacht worden , damit er wieder in den Nack» kommen könne . Ohne Zweifel haben die Triumviri dem Ventidius au« eben dieser Ursache das Prätoramt wieder gegeben , ( ebendaselbst XLVIIB . ) welcher mit dem Marcus Antonius , für einen Feind der Republik war erklart worden . Außer dieser Ursache hat es auch gesche - hen können , daß dieses Amr einer Person zweymal ausgetragen worden ; weil wir bey demAsconiu« Pedianus , in Orat . Ciceron . contra C . ton , etc . lesen , daß Marius Gratidianus zweymal Prätor gewesen , weil ihn das Volk sehr lieb gehabt : allein vermuthlich ist zwischen diesen zwoen Präturen kein Consulat und Censoramt gewesen ; und also ist diese» kein solches Beyspiel , wie eS seyn soll , dasjenige zu erläuten , , was unsern Caßius betrifft . Das Beyspiel de« Mancinus , der nach alle» vor Numantium ausgestandenen Widerwärtigkeiten , unter währenden seinem Consulate , Prätor gewesen , ( Aurel . Vidi . ) dienet eben so wenig zu dieser Frage ; es ist von gleicher Art mit des LentuluS Sur« seinem : allein des Metellu« Pius feine« , welcher das Prätoramt und die Wür - de eine« Oberpriester« , gegen seine eonsularischen Mitwerber davon ge - tragen , würde einige Schwierigkeiten machen , wenn man nicht saget , daß diese Worte des Aureliu« Victor : Adolefcens in petitione Praeturae et Pontificatus , Confulanbus viris praelatus eft ; ( diese Worte chen den Auslegen , viel Mühe , ) nichts anders bedeuten , al« daß er con , sulansche Mitwerber um die oberpriesterliche Würde gehabt . Man darf sich nicht einbilden , daß Aureliu« Victor , oder alle diejenigen , die vor ihn , gewesen sind , diese Regel der Logikverständigel , in ihren Erzählungen in Acht genommen haben , daß em Satz , der au« vielen Materien bestehr , falsch ist , wenn das Prädicat nicht einem jedem Subjecte absonderlich zu . kommt Was da« Quastorar , ein geringeres Amt , als das Prätorar , betrifft , so kann ich nicht leugnen , daß es nicht von Leuten verwaltet wer - den , die Burgermeister gewesen sind ; und es hat ein gelehrter Mann gendes davon bemerket : „ Obgleich die Quästoren nicht die qeringste „ Gerichtsbarkeit gehabt , sie auch niemanden vor sich fordern lassen , noch „ jemanden gefangen nehmen lassen können , neque vocationem nequo „ prehenfionem haberent : so haben dennoch consularische Personen die - „ se« Amt nicht ausgeschlagen . Titus Quintius Capitolinus war mit dem „ Marcus Valerius Quastrr , nachdem er da« Bürgermeisteramt drey« „ mal verwaltet hatte . Cato der ältere , ist e«auch gewesen , nachdem er . . triumphitt hatte , und durch alle Bedienungen gegangen war . Ja eS „ ist so gar dnrch da« pompejische Gesetze verordnet worden , daß dieses Amt „ in Zukunft nur Personen besitzen sollten , die Bürgermeister gewesen „ waren . , . Du Boulay , Threfor des Antiquitez Romaines , p . zz ? . Weil man aber keine solch» Beyspiel« in Ansehung des Prätoramt« hat ,

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