Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-13004

schichte von gleicher Natur und die noch unglaublicher sind , entweder sah - ren lassen , oder gänzlich verwerfen . Sie wurden nicht so zart in Anse - hung eines Apulejus und eines ApollouiuS von Tyana seyn^ Sie wür - den nicht Höhnereyen treiben , sie würden vielmehr mir einer trotzigen Mine ihre Triumphe ausblasen : wenn dasjenige , was wir vom Jonas sagen , der Macht eines von diesen zween Heiden zugeschrieben worden wäre . Ich übersetze nicht genau , ich gebe nur einen allgemeinen Begriff von den Gründen des heil . AugustinS ; allein denjenigen nichts zu enrzie - hen , welche die lateinische Sprache verstehen , so will ich hier den vornehm - sten Theil des Originals hersetzen . 8eä habent rcuera , quod non cre - dant in diuino miraculo , vaporein ventris , quo cibi madefcunt , po - tuifie ita temperari , vt vitam hominis conferiiaret ! Quanto incredi . tilius ergo proponerent tres illos viros , ab impio Rege in yminum mifiös , dcambuIafTe in medio ignis illacfos ? Qua proprer fi nulla ifti diuina miracula volunt credere , alia difputatione refellendi funt . Ne - que enim debent vnum aliquod tanquain incredibile proponere , et in quaeftionem vocare ; fed omnia , quae vel talia , vel etiam mirabiliora narrantur . Et tarnen fi hoc , quod de Iona scriptum eft , Apuleius Madaurenfis , vel Apollonius Tyaneus fecifle diceretur , quorum mul - ta mira , nullo fideli auäore , ia & itant ; ( qtiamuis et daemones non . milla faciant angelis fandtis fimilia , non veritate ; fed fpecie : non fa - pientia ; fed plane fallacia : ) tamen fi de iftis , vt dixi , quos magos vel philofophos laudabiliter nominant , tale aliquid narraretur , non iain in buccis cre^aret infus ; fed typhus . Ep . XLIX . p . 208 . Diese Art , die Heiden zu beschämen , wird vielleicht vielen Leuten weit gründlicher schei - nen , als diejenige , deren sich der heil . Augustin in einem andern Buche bedienet hat ; allwo er , nachdem er gesaget , daß diejenigen selbst , die über die Historie des Jonas spotten , nicht an dem Abendtheuer des Arien zwei - feln , sich diese Schwierigkeit machet : dieses Abendtheuer des Jonas ist viel unglaublicher . Ohne Zweifelantwortet er : allein die Ursache ist , weil es viel wunderbarer ist : nun ist es viel wunderbarer , weil es eine viel größere Macht zeiget . Verum illud noftrum de Iona incredibilius eft : plane incredibilius , quia mirabilius , et mirabilius , quia potentius . De Ciui - tate Dei , Libr . I , cap . XIV . Dieses sind Spitzsündigkeiten , wird man sagen , und artige Gedanken , aber keine guten Schlüsse : denn es würde daraus folgen , daß , je unmöglicher eine Sache zu seyn schiene , dieselbe um so viel glaubwürdiger wäre . ArionS Fabel lehrte , daß er , um sein Leben zu rct> ten , gezwungen gewesen , aus dem Schiffe zu springen ; worauf er aus Italien nach Griechenland zurückgegangen , und daß er sich auf einen Delphin geschwungen , der ihn an das Ufer getragen . Ich sage dieses nicht , denen zu gefallen , die niemals davon haben reden hören ; denn es giebr wenig dergleichen Leute , sondern tausend und tausend Personen zu gefallen , die sich dessen nicht mehr erinnern , und die verdrüßlich scyn wür , den , wenn sie nicht auf einmal den Unterschied zwischen dem Abendtheuer des Arion und des Propheten Jonas sehen sollten .
( * ) LipeniuS bekriegt sich also , wenn er in Periplo thalaflio Io . iae Fol . A . 3 verfo saget , daß Augustin hier stark Wider den PorphyriuS bisputirt .
Betrachtung über eine von den Wirkungen der Vor - urtheile .
Wir wollen ein wenig unsere Betrachtung über die ungleiche Auffuhr rung anstellen , die der heil . Augustin den Heiden vorwirft . Hier muß man eine der lächerlichsten Wirkungen der Vorunheile bemerken . Die Aufseher der heidnischen Religion hatten den Geist des Volks seit vielen Jahrhunderten mit unzähligen Fabeln genährt , und nicht leiden können , daß man pruste , ob sie möglich waren , oder daß man sie für unglaublich hielt . ? lllein wenn man ihnen die Wunderwerke der Christen vorstellte , so rhaten sie philosophisch , sie haben die Unmöglichkeit angeführet , sie haben sich mit allen Vernunftschlüssen verschanzt , die man dem Laufe ei - ner rhörichten Leichtgläubigkeit entgegen setzen kann , und derjenigen schuö - de qespottet , welche dieselbe geglaubt haben . ' Was für eine unanständige Aufführung ? Was für Querweae ? Was für Ungleichheit , und was für ein seltsames Wesen ? Die christlichen Gemeinschaften lassen wider einander einen Theil dieses Geistes blicken . Wenn sich die griechische Kirche eines Wunderwerks rühmet , welches zu zeigen vermögend ist , daß des NestoriuS Spaltung Gott misfällt ; so haben sich die Nestorianer von allen Seiten verschanzt , und sich mit allen Stücken bewaffnet , diesen Angriff zurück zu treiben . Wenn es aber auf die Wunderwerke men , welche geschickt sind , die griechische Kirche der Ungerechtigkeit zu über - führen ; so glauben sie dieselbe blindlings und ohne Prüfung , und verwun - dern sich zum höchsten , daß ihre Widersacher deswegen Schwierigkeiten machen . Alle Welt weis , wie leicht sich die Römischkatholischen von ei - ner unzähligen Mt , g ? von Wunderwerken überreden lassen . Sie ben tausend und aber tausend Mährchen , die täglich ausgestreut werden , auss andächtigste , und sehen die allerscheinbarsten Gründe derer , welche sie falsch nennen , als Spitzfindigkeiten halsstarriger Ketzer an . Allein wenn sie erfahren , daß die protestantische Partey einiges Wunderwerk herumgehen läßt , so rüsten sie sich mit einem ganz andern Geiste . Sie nehmen zu denen allgemeinen Lehrsätzen Zuflucht , mit welchen sich die Ungläubigen vertheidigen . Sie leugnen die Geschichte , sie fechten die Zeugen an , sie werfen ihnen entweder den Betrug oder eine Krankheit des Gehirns vor . Wenn sie die Geschicht nicht leugnen können , so legen sie dieselbe durch natürliche Ursachen aus , und tragen aus den Naturkundi , gern und Reisebeschreibnngen tausend Aehnlichkeiten zusammen . Mit einem Worte , dasjenige , was sie Spitzfindigkeit , Halsstarrigkeit , Empo - rung wider die gesunde Vernunft nennen , wird eine höchst gründliche und vernünftige Widerlegung einer Unrichtigkeit ; denn sie bedienen sich eben derselben allgemeinen Sätze , welche die Protestanten wider die Mönche qebraucht hatten . Es finden sich überall Leute , weiche ohne Mühe glau - den was ihnen schmeichelt , nnd welche am schwersten von der Welt zu ükrreden sind , wenn ihnen eine Sache nickt gefällt . Führen sie Gründe der Unaläubigkelt an , so können sie nicht erdulden , daß man sie für böse hält - seftet man ihnen eben dieselben Gründe zu einer andern Zeit enrge , gen . so wollen sie nickt leiden , daß man ihnen nicht erlauben w . ll , darüber zu spotten Also geht es in dem menschlichen Leben . Dieß ist eine fast unvermeidliche Wirkung des vorgefaßten Wahns : doppeltes Gewicht , dop , pelte« Maaß . Wenn man nun dieselbe nicht anders , als durch Ablegung der Vorurtheile vermeiden kann , so möchte vielleicht das Hulfsnuttel är - ger fem , , als die Krankheit . , , .
( C ) Man bar aefaaet , er in dem Hafen »uNunve ausdem Bauche des Lischt gegangen . ) Sulpitius Severus . st m dieses gco -
Ionas . 903
graphische Versehen gefallen : Exceptus a ceto , marino monftro , ac de - uoratus poft triduum fere Niniuitarum littoribus eieöus , iufta prac - dieat . Hift , Sacr . Libr . I , p . m . 79 . Der gelehrte DrusiuS hat den Fehler in diesen Worten nicht wahrgenommen , wenn er sie aueleget : er saget nur , daß die heil . Schrift nicht gesaget habe , an welchem User der Fisch den Jonas von sich gegeben hat . in Sulpit . Scuer . pag . 179 . Andere AuSle , ger des Sulpitius , und namentlich HorniuS , haben den Fehler sehr wohl erkannt . Lipenius hat ihn auch sehr wohl gekannt : allein er hat sich häß - lich in der Zeitrechnung betrogen , er hat geglaubt , daß Sulpitius Se - verus dieses aus den Sittenlehren des heil . Gregorius entlehnt hätte . pitius Seuerus ex S . Gregorio l . VI . Moral , cap . XII . arbitratnr ,
Ionam efle expofitum in littoribus Niniuitarum . Lipen . in Ionae Perip . thalaflio , cap . III . Der Fehler dieses letztem ist vom P . Simon abgeschrieben worden - Ein Iwallstsch , saget er in dem biblischen Wörter - buche , pag . 432 , 433 . hat den Jenas in feinen Bauch aufgenom , men , - t ( itnö ihm ; n einem viel sicherem Schiffe gedient , als das erster - gewesen , welches er bestiegen hatte , und hat ihn den dritten Tag in dem - Hafen 5» Ninive ausgeladen oder viel , mehr ausgespieen . Man merke , daß Ninive an dem Flusse TygriS er» baliet gewesen , welcher keinen unmittelbaren Zusammenhang mit dem mittelländischen Meere halte , Ueberdieß ist in dem Hasen zu Ninive nicht Wasser genug , für einen solchen Fisch , als dieser war , gewesen . Diese Ursache nebst dem erstaunlichen Wunderwerke , da« wir tzen müßten , wenn wir sagten , daß der Wallfisch in das Weltmeer , um das Vorgebirge der guten Hoffnung herum , nnd in den Einfluß de« Ty , gers gegangen >väre , und daß er diesen Weg innerhalb dreyen Tagen zu» rück geleger hätte , nimmt denen alle Arten der Ausflucht , die den Sul» pitius Severus rechtfertigen wollten . Er hat nimmermehr diesen Be< griff in Gedanken gehabt : er hat treuherzig geglaubet , daß Ninive am mittelländischen Meere gelegen gewesen : er hat geirret , weil er die Land - karte nicht sehr verstanden hat .
( D ) , - - - Ls ist nicht wahrscheinlich , daß er an den Rü» sten Sc« schwarzen Meers ausgespieen worden . ] Josephus , in» IX B . der jüdischen Alrerthümer XI Cap . fol . m . 355 . verfo , führet diese Tradition an : es sind ihm darinnen verschiedene Neuere gefolgt , ( Lipen . in Ion . Peripl . thalaflio , cap . III . ) ob sie gleich wider die Wahrscheinlichkeit streitet , und die Vermehrung der Wunderwerke nach sich zieht : denn nach den Gesetzen der Natur kann ein Fisch von solcher Größe , in so kurzer Zeit nicht aus dem phönicischen Meere , bis in das schwarze Meer schwimmen . Außer daß der Weg , welchen Jona« zu thun gehabt hätte , er mochte erstlich nach Judäa , ehe er nach Ninive äieng , oder gerade nach Ninive gehen wollen , allzulang , und allzube , schwerlich gewesen wäre .
( E ) t * t Odcr an den Rüsten des rochen Meers . Z Lipeni» us , fol . C . I . der den Pineda , Lib . IV . de Rebus Salornonis , c . 1a . führt , eignet diese Meynung dem Pineda und den Nabbinen zu : die Widerlegung ist ihm nicht schwer . Der Wallfisch hätte ins Weltmeer gehen , und um Africa herum schwimmen müssen . Man sehe oben die Anmerkung ( C ) gegen das Ende .
( F ) Diejenigen , die ihn für den jungen Menschen halten , der durch den Elisa an den Jehu geschickt worden , 2 B . der Kön . IX . 1 . ] Dieses thun die Rabbmen und »ach ihnen Atariana und Tarnovius . Hebraei in Seder Olam , et ex iis Io . Mariana inScholiisBibl . etD . Ioh . Tarnouius Comm . Ion . pag . a . Lipen . in Ionae Periplo thalas . folioB . XPemt dieses wäre , so hatte er damals über hundert Jahre alt je>n müssen . Dieß sind die Worte Richard Simons in seinem bibli - schen Wörterbuche : sehr dunkle Worte ; denn nian weis nicht , auf wenn er das Wort damals richtet . Geht es auf die Zeit der Salbung des Jehu ? Die Sprachlehre erfordert es , allein dieser Sinn würde abqeschmackt seyn . Geht es auf die Zeit der Reise von Ninive ? Geht es aus die Regierung Jerobeams des II dieses Namens ? Man errathe es , wenn man kann .
( G ) Jcb werde den neuern Schriftsteller nennen , der nach dem Xftozeti , ein sehr scharfsinniges Gedickte über die - Historie dieses Propheten gemackt har . 1 Es ist ein gasevnischer reformirter Prediger , Namens Coras gewesen . Cr ist Prediger des Herrn von Turenne bey einigen Feldzügen gewesen : er hat nach diesem einer Kirche in Nieder« guienne gedient , und dann ist er ein Papiste geworden , und hat ein an - sehnliches Amt bey dem Obergerichte zu Montauban bekleidet . Er hatte vor seiner Religionsveränderung ein Buch herausgegeben , in welchem er , wenn ich mich recht erinnere , behauptet , daß sich die Protestanten nicht mit der römischen Kirche vereinigen könnten . Er hat nach seiner Ab - schwörung ein anders gemacht , das erste zu widerlegen . Die vier Ge - dichte , die er über biblische Historien herausgegeben , eines über den Jonas , eines über den David , eines über den ? osua , und eines über den Sim - fon , haben sich ziemlich gut verkauft , Boileau mag gleich in seiner IX Sa« tire das Gegelltheil sagen :
Daß Jonas unbekannt im Staube liege , , blieben ,
Der David zwar gedruckt , doch nicht das Licht gefthn .
Die Feinde de« CvraS ließen ihn durch die Post einen erdichteten Brief von seinem Buchhändler in Pari« , zu Montauban einhändigen , worin - nen er ihn ersuchte , sich gegen den Boileau zu vertheidigen ; angesehen man seit der Ausgabe der IX Satire , seine Gedichte nicht mehr verkaufen könnte . Er wurde durch diese Beschimpfung gereizt , und hat eine sehr hitzige Schrift wider seinen Tadler herausgegeben . Er hat 1675 einige Verse wider den Racine gemacht . Man kann in den Menagianen , 300 S . ersten holländ . Auegabe ein sehr artiges Sinngedicht de« Racin» wider ihn sehen . Man findet e« auch in dem zweyten Fadhim des Füre« tiere , Holl . Ausgabe , dem de la Fontaine zugeeignet . Ma» merke , daß er von dein berühmten Rechtskundigen Johann Coras , Parlementsrathe zu Toulouse , einem von den protestantischen Märtyrern , entsprossen ge« wesen : denn man hat ihn >572 . zu Toulouse in seinem RathShabite , der Religion wegen , gehangen . Siehe Aubign6 , Hift . Umverl . Tom . II» Livr . I» chap . V , p . m . 560 . *
* Herr Bayle bat von einer neuern Meynung nichts wissen kön . nen , die den Propheten Jonas allegorisch ausgelegt haben will . Diese haben wir dem berühmten Abte Herrmann von der Hardt in Helmstädt zu verdanken . Man sehe seinen Iona« in Lucc nach , der verschiedene male in 8 gedruckt worden . G .
' Jonas

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